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Kompromiss im Grauen - Zur Differenzierung der Kolonialismuskritik in J.M. Coetzees Romanen "Waiting for the Barbarians", "Foe" und "Disgrace"

Title: Kompromiss im Grauen - Zur Differenzierung der Kolonialismuskritik in J.M. Coetzees Romanen "Waiting for the Barbarians", "Foe" und "Disgrace"

Examination Thesis , 2005 , 75 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sofie Renner (Author)

English Language and Literature Studies - Literature
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Summary Excerpt Details

The notion that the colonial experiences at the Heart of Africa a void which would seem to penetrate every level of existence, from the biological to the metaphysical, is hardly foreign to him [Coetzee]. (Watson 1986: 371)
Um diese koloniale Erfahrung, die den Kolonisatoren und den Kolonisierten durch und durch durchdringen, sowohl psychisch als auch physisch, geht es in J.M. Coetzees Romanen. In den drei zu besprechenden Romanen Coetzees Waiting for the Barbarians, Foe und Disgrace zeigt sich, dass sich die Kolonialismuspolitik und die damit einhergehende, implizite Kritik sich gleich einem roten Faden durch seine Fiktion zieht. Coetzee ist “a white South African writer engaged with the legacy of colonialism” (Head 1997: iii). In seinen Romanen bezieht Coetzee zwar keine explizite Stellung zur südafrikanischen Situation oder zur weltweiten postkolonialen Situation, aber trotz seiner apolitischen Haltung können die Texte als Deutungen des Kolonialismus gelesen werden, die dadurch weitreichender sind als die herkömmlichen Stellungnahmen politisch engagierter Schriftsteller. So ist bei Coetzee “the actual critique of colonialism […] hardly conventional” (Watson 1986: 371).
Ziel der Arbeit ist, den Kompromiss im Grauen und die Differenzierung der Kolonialismus-kritik in J.M. Coetzees Romanen Waiting for the Barbarians (1980), Foe (1986) und Disgrace (1999) aufzuzeigen. Hierbei soll wie folgt vorgegangen werden. I. bis IV. bilden den theoretischen Teil als thematischen Kontext der Romane. (...)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. EINLEITUNG

I. POSTKOLONIALISMUS UND LITERATUR

II. BEGRIFFSBESTIMMUNG: WAS IST IMPERIALISMUS, KOLONIALISMUS UND POSTKOLONIALISMUS?

II.1 Südafrikas spezielle Situation

III. SCHLÜSSELKONZEPTE DER POSTKOLONIALEN LITERATURTHEORIE

III.1 Subversion: Entkolonialisierung (Frantz Fanon)

III.2 Das koloniale ,Andere’ (Edward Said)

III.3 Hybridität (Homi Bhabha)

IV. MANNONIS PSYCHOANALYTISCHE KOLONIALISMUSTHEORIE

V. J.M. COETZEES WAITING FOR THE BARBARIANS (1980)

V.1 Einleitung

V.2 Kurzbiographie von J. M. Coetzee

V.3 Inhalt von Waiting for the Barbarians

V.4 Handlungsort von Waiting for the Barbarians

V.5 Figurenkonstellation in Waiting for the Barbarians

V.5.1 Der Magistrat und Oberst Joll

V.5.2 Der Magistrat und die ,Barbarin’

V.5.3 Der Magistrat und die ,Barbaren’

V.6 Die Position des Magistrats im kolonialen Gefüge: seine scheinbar liberale Stellung und sein Bewusstsein zwischen Transzendenz und Materialismus

V.7 Die Darstellung des kolonialen ,Anderen’ in Waiting for the Barbarians

V.8 Palimpsest: Rückkehr zur vorkolonialen Identität (Entkolonialisierung)

V.9 Die ,Grauzone’: Die Auseinandersetzung des Magistrats mit seiner Stellung zwischen Täter und Opfer in Waiting for the Barbarians (Hybridität)

V.9.1 Das Problem der Darstellung von Folter in der Literatur am Beispiel von Waiting for the Barbarians

VI. J.M. COETZEES FOE (1986)

VI.1 Inhalt von Foe

VI.2 Handlungsort von Foe

VI.3 Figurenkonstellation in Foe

VI.3.1 Die fünf ,Mysterien’: Cruso und Freitag

VI.3.2 Susan Barton und Freitag

VI.4 Die Darstellung des kolonialen ,Anderen’ in Foe: Susan Barton und Freitag

VI.5 Subversion und Entkolonialisierung in Foe

VI.6 Hybridität in Foe

VI.7 Kompromiss im Grauen: Das Labyrinth des Zweifels in Foe

VII. J.M. COETZEES DISGRACE (1999)

VII.1 Inhalt von Disgrace

VII.2 Handlungsort von Disgrace

VII.3 Figurenkonstellation in Disgrace

VII.3.1 David Lurie und Soraya

VII.3.2 David Lurie und Melanie Isaacs

VII.3.3 David Lurie und Mr Isaacs

VII.3.4 David Lurie/Lucy und Petrus

VII.4 Die Darstellung des (post)kolonialen ,Anderen’ in Disgrace

VII.5 Subversion und Entkolonialisierung in Disgrace

VII.5.1 Das Ende der Apartheid: nichts ist so wie vorher

VII.5.2 Die Grauzone: Die Frage nach Schuld, Vergeltung und Aussöhnung im Südafrika nach der Apartheid in Disgrace

VII.6 Hybridität in Disgrace

VIII. SCHLUSSWORT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die differenzierte Kolonialismuskritik in J.M. Coetzees Romanen "Waiting for the Barbarians", "Foe" und "Disgrace". Das primäre Ziel ist es, den "Kompromiss im Grauen" aufzuzeigen und zu analysieren, wie sich die kolonialen Machtstrukturen sowie Konzepte von Schuld, Hybridität und das koloniale "Andere" in den Texten widerspiegeln.

  • Analyse postkolonialer Identitätsfindung und Entkolonialisierung nach Fanon, Said und Bhabha.
  • Untersuchung der psychologischen Dynamiken zwischen Kolonisator und Kolonisiertem.
  • Darstellung von Folter und Gewalt als Ausdruck imperialer Willkür.
  • Die Problematik der Sprache und des Schweigens innerhalb kolonialer Machtverhältnisse.
  • Reflektion über die südafrikanische Situation und das Erbe des Kolonialismus in der Post-Apartheid-Ära.

Auszug aus dem Buch

V.1 Einleitung

J.M. Coetzees dritter Roman Waiting for the Barbarians schildert das Drama des inneren Konfliktes im Bewusstsein des Magistrats. Er befindet sich in wachsender Opposition zu einem Machtgefüge, in dem er zugleich Nutznießer und Repräsentant ist, während er versucht, in der ,Grauzone’ seine Stellung zwischen Tätern und Opfern auszuloten.

Coetzee äußerte 1978, während er vermutlich Waiting for the Barbarians schrieb, in einem Interview mit Steven Watson, “in a way it’s easier and more difficult being a writer in South Africa than in Western European countries; because there are such gigantic subjects of such unassailable importance facing a writer in South Africa” (Watson 1978: 21-24).

Für Coetzee ist eines dieser ,gigantischen Themen’ offenbar die koloniale Dialektik, ein Thema von solch ,unerschütterlicher Wichtigkeit’, dass ein südafrikanischer Schriftsteller nicht die Wahl hat, darüber zu schreiben, sondern die Pflicht. Dieser Zwang stellt eine Art Determinismus dar, der des Schriftstellers freie Wahl begrenzt und das wiederum ist eine Schwierigkeit, die Coetzee als Schriftsteller in Südafrika wahrnimmt.

Zusammenfassung der Kapitel

0. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Kolonialismuskritik in J.M. Coetzees Romanen und Vorstellung der methodischen Vorgehensweise sowie des theoretischen Rahmens.

I. POSTKOLONIALISMUS UND LITERATUR: Untersuchung der Beziehung zwischen Literatur und Postkolonialismus sowie der Entwicklung des Begriffs der "Commonwealth Literature".

II. BEGRIFFSBESTIMMUNG: WAS IST IMPERIALISMUS, KOLONIALISMUS UND POSTKOLONIALISMUS?: Definition der zentralen Termini mit Fokus auf die spezifische historische Situation Südafrikas.

III. SCHLÜSSELKONZEPTE DER POSTKOLONIALEN LITERATURTHEORIE: Erläuterung der theoretischen Grundlagen durch Konzepte von Frantz Fanon, Edward Said und Homi Bhabha.

IV. MANNONIS PSYCHOANALYTISCHE KOLONIALISMUSTHEORIE: Darstellung der psychoanalytischen Aspekte des Kolonialismus als Bewusstseinsphänomen, basierend auf Octave Mannoni.

V. J.M. COETZEES WAITING FOR THE BARBARIANS (1980): Analyse der Figuren, Handlungsorte und der Darstellung von Folter sowie der "Grauzone" im dritten Roman Coetzees.

VI. J.M. COETZEES FOE (1986): Untersuchung der Demontage des Robinson-Mythos und der Interaktion zwischen Susan Barton und Freitag als kolonialem "Anderen".

VII. J.M. COETZEES DISGRACE (1999): Analyse der Rassenbeziehungen und der postkolonialen Dynamik im Südafrika nach der Apartheid durch die Figuren David Lurie und Lucy.

VIII. SCHLUSSWORT: Zusammenfassendes Fazit zur Entwicklung der Kolonialismuskritik in den untersuchten Werken von J.M. Coetzee.

Schlüsselwörter

J.M. Coetzee, Kolonialismus, Postkolonialismus, Waiting for the Barbarians, Foe, Disgrace, Hybridität, Entkolonialisierung, Das koloniale Andere, Südafrika, Apartheid, Folter, Machtstrukturen, Identität, Literaturtheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Kolonialismuskritik in drei zentralen Romanen von J.M. Coetzee und untersucht, wie der Autor Machtverhältnisse und das Erbe des Kolonialismus thematisiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen Begriffe wie Imperialismus, Kolonialismus und Postkolonialismus, die Konzepte der Identitätsfindung, Hybridität, die psychoanalytische Deutung kolonialer Situationen sowie die Auseinandersetzung mit Folter und moralischer Verantwortung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den "Kompromiss im Grauen" in den Romanen "Waiting for the Barbarians", "Foe" und "Disgrace" aufzuzeigen und zu belegen, dass Coetzees Kolonialismuskritik über eine konventionelle politische Anklage hinausgeht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, kombiniert mit postkolonialer Literaturtheorie (Fanon, Said, Bhabha) und psychoanalytischen Theorien (Mannoni), um die Texte detailliert zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Kontext (Kapitel I-IV) und eine detaillierte Romananalyse (Kapitel V-VII), in der jeweils Inhalt, Handlungsort, Figurenkonstellation und zentrale Konzepte pro Roman besprochen werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Postkolonialismus, koloniales "Anderes", Hybridität, Identität, Apartheid und die Analyse von Coetzees spezifischer literarischer Technik charakterisieren.

Warum ist die "Grauzone" in "Waiting for the Barbarians" so bedeutend?

Die "Grauzone" markiert den moralischen und psychologischen Raum, in dem der Magistrat zwischen seiner Rolle als Teil des kolonialen Systems und seiner wachsenden Opposition gegen Folter und Willkür agiert.

Wie unterscheidet sich die Darstellung in "Foe" von den anderen Romanen?

In "Foe" nimmt Coetzee eine explizite Demontage des abendländischen Robinson-Mythos vor, wobei der Fokus auf der Unfähigkeit des "Anderen" liegt, sich innerhalb einer von Weißen kontrollierten Sprache zu artikulieren.

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Details

Title
Kompromiss im Grauen - Zur Differenzierung der Kolonialismuskritik in J.M. Coetzees Romanen "Waiting for the Barbarians", "Foe" und "Disgrace"
College
University of Tubingen  (Seminar für Englische Philologie)
Course
Zulassungsarbeit Staatsexamen (Lehramt Gymnasien)
Grade
2,0
Author
Sofie Renner (Author)
Publication Year
2005
Pages
75
Catalog Number
V92119
ISBN (eBook)
9783640139002
ISBN (Book)
9783640139224
Language
German
Tags
Kompromiss Grauen Differenzierung Kolonialismuskritik Coetzees Romanen Waiting Barbarians Disgrace Zulassungsarbeit Staatsexamen Gymnasien)
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sofie Renner (Author), 2005, Kompromiss im Grauen - Zur Differenzierung der Kolonialismuskritik in J.M. Coetzees Romanen "Waiting for the Barbarians", "Foe" und "Disgrace", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92119
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