Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Autismus im Kindesalter. Es steht insbesondere die Frühförderung von Kommunikation und Sprache bei minimal verbalen Kindern im Fokus. Folgende Fragestellung sollen im Laufe der Arbeit behandelt werden: Welche Therapien und Förderprogramme eignen sich und bewirken sie auch wirklich das, was sie versprechen?
Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert, um einen umfassenden Überblick zum Gesamtphänomen der Störung sowie Möglichkeiten zur Förderung und Therapie der kommunikativen und sprachlichen Entwicklung anbieten. Zunächst wird eine allgemeine Erklärung des autistischen Syndroms geliefert. Hierbei werden besonders die verschiedenen Formen des „Infantilen Autismus“ und des „Atypischen Autismus“ berücksichtigt.
Anschließend folgt eine detaillierte Beschreibung zu Sprachauffälligkeiten sowie zum Sprachgebrauch. Definitionen von allgemeiner Sprache und Kommunikation legen den Grundstein für die anschließende Untersuchung. Zusätzlich wird ein kurzer Einblick in die Sprachdiagnostik gewährt. Im nächsten Schritt werden Sprachprogramme und Therapieansätze zur Förderung von Kommunikation vorgestellt.
Autistische Störungen sind vielschichtige Phänomene, welche durch symptomatische Auffälligkeiten, wie Einschränkungen in sozialer Interaktion und Kommunikation, der Sprache und das Festhalten von Gewohnheiten, gekennzeichnet sind. Die betroffenen Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Welt und ihre Umgebung, einschließlich sich selbst, zu verstehen. Sie sehen weder einen sinnvollen Zusammenhang in Details, noch erscheint ihnen alles, was in der Welt vor sich geht, nachvollziehbar und geordnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen und Klassifikation
2.1. Die autistische Störung als tiefgreifende Entwicklungsstörung
2.2. Historische Betrachtung der Autismusforschung
2.3. Frühkindlicher Autismus
2.4. Atypischer Autismus
2.5. Epidemiologie
3. Auffälligkeiten im Sprachverständnis und Sprachgebrauch
3.1. Sprache und Kommunikation
3.2. Spezifische Sprachentwicklungsstörung
3.3. Sprachdiagnostik bei Kindern mit ASS
3.4. Sprachliche Besonderheiten der Störung
3.4.1. Phoneme
3.4.2. Echolalie
3.4.3. Prosodie
3.4.4. Pragmatik
3.4.5. Mutismus
4. Ansätze zur sprachlichen Förderung
4.1. Früherkennung und Frühförderung
4.2. Individuelle Sprachtherapien
4.3. Der TEACCH-Ansatz
4.4. Aufmerksamkeits-Interaktions-Therapie (AIT)
4.5. Förderprogramme
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Störungsbild der Autismus-Spektrum-Störung bei minimal verbalen Kindern mit dem primären Ziel, effektive Methoden zur Förderung der Kommunikations- und Sprachfähigkeit aufzuzeigen und die Relevanz einer frühzeitigen Intervention zu verdeutlichen.
- Grundlagen der Autismus-Diagnostik und Klassifikation
- Analyse sprachlicher Defizite und Besonderheiten
- Früherkennungsstrategien und Frühförderungskonzepte
- Vergleichende Darstellung therapeutischer Förderansätze
- Bedeutung der strukturierten Lernumgebung für Kinder mit ASS
Auszug aus dem Buch
3.4.1. Phoneme
Im Grunde können Jahre vergehen bis einzelne Laute und Phoneme einer Sprache vollkommen beherrscht werden. Gesunde Kinder entwickeln mit der Zeit kulturspezifische Intonationsmuster und lernen linguistische Signale voneinander zu unterscheiden. Die Bezugsentwicklung zu anderen Menschen spielt hier eine sehr wichtige Rolle für die allgemeine Sprachentwicklung, da sie die grundlegenden Werte der Kommunikation (Gestik, Mimik, Wissen über Objekte und Erfahrungen) weitergeben und dem Kind so optimalen Zugang zur Sprache gewähren (vgl. Sigman/Capps, 2000, S. 56).
Bei Kindern mit Autismus treten erste Sprechversuche relativ spät ein und entwickeln sich langsamer. Da sie mit der gemeinsamen Aufmerksamkeit Schwierigkeiten haben, brauchen sie in der Regel länger als gesunde Kinder, um neue Wörter zu lernen, können jedoch Sprachlaute genauso gut voneinander unterscheiden. Untersuchungen ergaben, dass konzeptuelles Wissen keine Beeinträchtigung der autistischen Störung ist, welche dem Erwerb der Bedeutung von Wörtern zugrunde liegt. Die idiosynkratische Verwendung von den in ihrem geringen Wortschatz zur Verfügung stehenden Wörtern ist grundlegend auf eine geistige Behinderung zurückzuführen. Daher sind geistig behinderte Autisten oft auch in der Lage konzeptuelle Wortkategorien herauszubilden und zu benennen. Es wurde ebenso nachgewiesen, dass Kinder mit autistischer Störung aus mehreren Bildern solche aussortieren konnten, die einer Kategorie angehören. Fraglich ist nur, ob sie auch die Bedeutung von Bildern und Wörtern erkennen, wie beispielsweise Meer, welches man mit den Begriffen „Urlaub“, „Strand“ und „baden“ in Verbindung bringen würde. Es hängt von dem jeweiligen Blickwinkel und Standpunkt der Person ab, ob sprachliche Bedeutungen erfasst werden. Forschungen bezogen sich auf eine geringe Anzahl von Wörtern für bestimmte Objekte (z. B. „Mädchen“, „Hund“). Jedoch gibt es einen Unterschied darin, ob nur einzelne Hauptwörter gedeutet werden können oder auch aufeinander beziehende Wörter, wie z. B. „Das Mädchen hat einen Hund“, für das Kind mit Autismus einen Sinn ergeben. Das Erkennen von größeren Bezügen bereitet Autisten deutliche Schwierigkeiten, anders als bei gesunden und geistig behinderten Kindern (vgl. Sigman/Capps, 2000, S. 64 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Themenwahl durch persönliche Erfahrungen und definiert das Ziel der Arbeit, einen Überblick über das Störungsbild sowie therapeutische Möglichkeiten zu geben.
2. Definitionen und Klassifikation: Dieses Kapitel erläutert die klinische Einordnung der Autismus-Spektrum-Störung in Klassifikationssystemen und beleuchtet die historische Entwicklung sowie epidemiologische Aspekte.
3. Auffälligkeiten im Sprachverständnis und Sprachgebrauch: Der Abschnitt analysiert die zentralen kommunikativen Hürden bei Kindern mit ASS, einschließlich spezifischer Phänomene wie Echolalie, Prosodie und Mutismus.
4. Ansätze zur sprachlichen Förderung: Hier werden bewährte Förder- und Therapiekonzepte, insbesondere der TEACCH-Ansatz und die AIT, detailliert vorgestellt und in ihrer methodischen Anwendung diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Notwendigkeit individueller, angepasster Förderkonzepte und unterstreicht den Bedarf an weiterer wissenschaftlicher Forschung zu therapeutischen Wirksamkeitsnachweisen.
6. Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Autismus-Spektrum-Störung, Frühförderung, Kommunikation, Sprachtherapie, Echolalie, Mutismus, TEACCH, AIT, Sprachverständnis, Sozialverhalten, Entwicklungsstörung, Intervention, Verhaltenstherapie, Kanner-Syndrom, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Autismus-Spektrum-Störung bei Kindern, mit besonderem Fokus auf die Schwierigkeiten in der sprachlichen Kommunikation und die verschiedenen Möglichkeiten der Frühförderung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die diagnostische Einordnung, die spezifischen sprachlichen Auffälligkeiten (z.B. Echolalie, Prosodie) und die Vorstellung klinischer Förderansätze wie TEACCH und AIT.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über das Störungsbild zu geben und aufzuzeigen, wie minimal verbale Kinder durch gezielte therapeutische Maßnahmen in ihrer Sprach- und Kommunikationsentwicklung unterstützt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien, Fachpublikationen und etablierter therapeutischer Konzepte zur Autismusförderung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen und Erscheinungsformen sprachlicher Barrieren sowie die Wirksamkeit und praktische Anwendung verschiedener Therapieprogramme zur Verbesserung der sozialen Interaktion.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Autismus-Spektrum-Störung, Sprachförderung, Frühintervention und kommunikative Kompetenz definieren.
Wie unterscheidet sich der TEACCH-Ansatz von klassischen verhaltenstherapeutischen Programmen?
Der TEACCH-Ansatz legt den Fokus auf die Strukturierung der Umwelt und visuelle Hilfen, statt allein auf klassische verhaltensorientierte Konditionierung, um dem Kind Sicherheit und Orientierung zu geben.
Welche Rolle spielt die Echolalie bei der Kommunikation autistischer Kinder?
Echolalie wird als ein häufiges Symptom beschrieben, bei dem Kinder Gehörtes wiederholen, ohne dabei immer eine primär kommunikative Absicht zu verfolgen; sie kann jedoch als Ausgangspunkt für therapeutische Interventionen genutzt werden.
- Arbeit zitieren
- Katja Trapp (Autor:in), 2019, Autismus-Spektrum-Störung im Kindesalter. Frühförderung von Kommunikation und Sprache bei minimal verbalen Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/921476