Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, drei verschiedene Museumskonzeptionen und damit verbundene Auffassungen von Kunst und ihrer Beziehung zur Architektur der Museen anhand konkreter Beispiele vor dem Hintergrund der Museums- und Kunstgeschichte zu vergleichen. Dazu werden zwei bedeutende Beispiele erläutert: Die Glyptothek in München, erbaut von Leo von Klenze unter dem Bauherren Ludwig I. von Bayern 1816-1830 und das Kunsthaus Bregenz von Peter Zumthor, geplant und realisiert für das Land Vorarlberg 1989-1997.
Beide gelten als herausragende Architektur ihrer Zeit. Ergänzt wird der Vergleich durch die Betrachtung des Konzepts des Wiederaufbaus der Glyptothek nach dem Zweiten Weltkrieg, das von Josef Wiedemann mit Hilfe des damaligen Direktors der Glyptothek, Dieter Ohly, entwickelt wurde. Die Museen wurden ausgewählt, da sie zu ihrer Zeit neuartige Konzepte verfolgten, aber dennoch fest mit dem Entwicklungsstand der Museumsarchitektur zu ihrer Zeit verknüpft sind.
So ist die Glyptothek einer der ersten Vertreter der Tempel-Typologie des Museums, deren Beispiel unter anderem Schinkels Altes Museum in Berlin folgt. Der Wiederaufbau der Glyptothek fand exakt während des Wandels der historistischen Ansichten zur Moderne statt. Das Kunsthaus Bregenz hat eine tempelartige Aura wie die Glyptothek, erreicht diese aber durch völlig andere Mittel. Sie repräsentiert eine der neuesten Entwicklungen der Museumsarchitektur: Die Abkehr von der völligen Neutralität der Moderne, die gleichzeitig auch als eine Rückbesinnung auf die Museen zu Klenzes Zeit betrachtet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Forschungsstand
2 Leo von Klenzes Glyptothek in München
2.1 Entstehung des Kunstmuseums im 18. Jahrhundert
2.2 Die Entstehung der Glyptothek und ihrer Sammlung
2.3 Klenzes Architektur
2.4 Klenzes Konzeption in der Auseinandersetzung mit Wagner
4 Josef Wiedemanns Wiederaufbau der Glyptothek
4.1 Die Entwicklung der Museumsarchitektur von 1830 bis 1972
4.2 Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
4.3 Chronologie des Wiederaufbaus
4.4 Wiedemanns Architektur
4.5 Die neue Konzeption der Glyptothek
5 Das Kunsthaus Bregenz
5.1 Die Entwicklung der Museumsarchitektur von 1972 bis 1997
5.2 Die Entstehung des Kunsthauses
5.3 Die Architektur des Kunsthauses
5.4 Zumthors Konzeption
6 Vergleich der drei Museumskonzeptionen
7 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das sich wandelnde Verständnis von Museumskonzeptionen und deren architektonische Umsetzung, indem sie die Glyptothek in München (als historisches Beispiel), deren Wiederaufbau durch Josef Wiedemann nach dem Zweiten Weltkrieg und das Kunsthaus Bregenz von Peter Zumthor vergleichend gegenüberstellt und analysiert.
- Entwicklung des Museumsbaus vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart
- Einfluss von Architektur auf die Wahrnehmung und Inszenierung von Kunst
- Rolle der architektonischen Repräsentation und städtebaulichen Integration
- Spannungsfeld zwischen Zweckbau, Denkmalpflege und freier Kunstinszenierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Entstehung des Kunstmuseums im 18. Jahrhundert
Nach Jahrhunderten der privaten Sammeltätigkeit der Fürsten und Adeligen in Wunderkammern, die ihren Ursprung bereits im 14. Jahrhundert fanden und vorwiegend Repräsentations- und Prestigezwecken dienten, entwickelte sich im 18. Jahrhundert ein anderes Verständnis von Kunst. In den Wunderkammern standen, hingen und lagen eng an eng gedrängt Naturalien und Artefakte sämtlicher Gattungen und Arten, je nach Sammler ganz unterschiedlich klassifiziert und sortiert. Dabei gab es keinen wissenschaftlichen Anspruch, die Sammlungen dienten nur dem Staunen. Mit der Einführung der chronologischen Anordnung der Ausstellung und Durchsetzung allgemein gültiger Kategorien, war diese Art des Sammelns nicht weiter möglich.
Durch die Forderung des sich befreienden Volkes nach Öffentlichkeit und die Aufspaltung der Sammlungen in Kunstwerke und Naturobjekte entstand etwa Mitte des 18. Jahrhunderts die Idee des Museums, das neben der Repräsentation des Monarchen auch der Volksbildung und Wissenschaft dienen sollte. Viele Fürsten öffneten ihre neu kuratierten und meist in den Seitenflügeln von Palästen oder umgenutzten herrschaftlichen Sitzen untergebrachten Sammlungen dem gebildeten Volk.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die drei Museumskonzepte anhand ihrer architektonischen und konzeptionellen Ausrichtung zu vergleichen und in den kunstgeschichtlichen Kontext einzuordnen.
2 Leo von Klenzes Glyptothek in München: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Glyptothek als frühen Museumsbau, der Kunst chronologisch ordnet und Architektur als Mittel zur Repräsentation und Volksbildung einsetzt.
4 Josef Wiedemanns Wiederaufbau der Glyptothek: Das Kapitel analysiert den Wiederaufbau der kriegszerstörten Glyptothek durch Josef Wiedemann, der sich bewusst gegen eine rekonstruierende Denkmalpflege und für eine modern-abstrakte Raumgestaltung entschied.
5 Das Kunsthaus Bregenz: Hier wird Peter Zumthors Kunsthaus Bregenz als Beispiel moderner Museumsarchitektur vorgestellt, das durch Lichtführung und Materialität eine besondere Atmosphäre für wechselnde zeitgenössische Ausstellungen schafft.
6 Vergleich der drei Museumskonzeptionen: Der Vergleich stellt die unterschiedlichen Ansätze zur Inszenierung von Kunst, zum Umgang mit Architektur und zur städtebaulichen Bedeutung der jeweiligen Museen einander gegenüber.
7 Schluss: Das Schlusskapitel resümiert, dass es kein perfektes Museumskonzept gibt, da Architektur und Kunst in einem stetigen Wandel stehen und das Museum zunehmend unter den Druck wirtschaftlicher Kommerzialisierung gerät.
Schlüsselwörter
Glyptothek, Kunsthaus Bregenz, Leo von Klenze, Josef Wiedemann, Peter Zumthor, Museumsarchitektur, Museumsentwicklung, Museumsboom, Klassizismus, Moderne, Kunstinszenierung, Gesamtkunstwerk, Volksbildung, Museumsgeschichte, Raumkonzeption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung und den Wandel von Museumskonzeptionen am Beispiel der Münchner Glyptothek und des Kunsthauses Bregenz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Museumsarchitektur, das Verhältnis zwischen Gebäude und Exponat sowie die Rolle der Architektur als Mittel zur Inszenierung von Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist der Vergleich dreier unterschiedlicher Museumskonzepte – die historische Glyptothek, deren Wiederaufbau nach dem Krieg und das Kunsthaus Bregenz – um das jeweilige Verständnis von Museum und Architektur zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die auf Literaturrecherche, der Untersuchung von Architekturentwürfen sowie der Interpretation von Aussagen der Architekten und Kuratoren basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Betrachtung von Klenzes Entwurf für die Glyptothek, Wiedemanns Wiederaufbaustrategie und Zumthors Gestaltung des Kunsthauses Bregenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Museumsarchitektur, Kunstinszenierung, Gesamtkunstwerk und der Abwägung von Tradition versus Moderne beschreiben.
Wie unterscheidet sich Wiedemanns Ansatz von der ursprünglichen Konzeption Klenzes?
Wiedemann lehnte die prunkvolle Dekoration Klenzes ab und strebte eine schlichte, moderne Ästhetik an, um eine neutrale Umgebung für die Kunst zu schaffen, statt das Gebäude als historisches Gesamtkunstwerk zu rekonstruieren.
Warum wird das Kunsthaus Bregenz im Kontext mit der Glyptothek verglichen?
Beide Museen gelten als architektonische Solitäre, die durch ihre Gestaltung bewusst auf die Wahrnehmung der Kunst wirken und den Anspruch erheben, in einer besonderen Symbiose mit den Inhalten zu stehen.
- Arbeit zitieren
- Jan Darazdi (Autor:in), 2019, Kunstmuseen im Wandel. Vergleich der Glyptothek München 1830 und deren Wiederaufbau 1972 mit dem Kunsthaus Bregenz 1997, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/921507