Es wird in dieser Arbeit angestrebt, Kriterien für das organisationale Lernen aus Unternehmenskrisen zu erarbeiten. Ein zusätzlicher Fokus wird hierbei auf die produzierenden Unternehmen gelegt. Die Arbeit soll die Unterschiede, in Bezugnahme auf Unternehmensbranche und Unternehmensstruktur für das organisationale Lernen aus Unternehmenskrisen, aufzeigen. Dazu soll der Begriff der Unternehmenskrise aufbereitet werden und ein Bezug zum organisationalen Lernen erstellt werden.
Im Laufe dieser Arbeit sollen zielführende Lerntheorien konstatiert werden, welche ein erfolgreiches Lernen aus der Unternehmenskrise sicherstellen. Die Arbeit geht darüber hinaus auf die unterschiedlichen Charaktere in einer Organisation ein, die das organisationale Lernen aus der Unternehmenskrise positiv oder negativ beeinflussen können. Der Begriff des Krisenmanagements soll hinsichtlich des organisationalen Lernens aufbereitet werden, um daraus abzuleiten, mittels welcher Ansätze das Lernen aus einer Unternehmenskrisensituation stattfinden kann. Darüber hinaus werden Ansätze verglichen, um das bestmögliche organisationale Lernen in einem Unternehmenskrisenfall zu bewerkstelligen.
Jede Unternehmenskrise bietet Chancen: Die Chancen zur Neuorientierung und die Chancen zur Veränderung von eingefahrenen Abläufen in einem Unternehmen. Meist fehlt einem Unternehmen der Leidensdruck, um richtungsweisende Veränderungen durchzuführen. In einer Krise ist jedoch das Querdenken nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht – das Lernen aus der Krise beginnt.
Die Thematik der Unternehmenskrisen und des Krisenmanagements ist gerade in diesen Zeiten, wo sich die Covid-19-Pandemie über unsere Welt erstreckt, ein aktuelleres Thema denn je. Die schwierige Vorhersehbarkeit und der ungewisse Ausgang, ebenso das hohe Bedrohungspotential einer Unternehmenskrise machen sie zu einem spannenden Forschungsfeld der Betriebswissenschaft und zu einer großen Herausforderung für produzierende Unternehmen.
Der Begriff der Krise durchlebt in den Medien seit der Ölkrise in den 1970er eine regelrechte Hochkonjunktur. In den Medien wird er als plakatives Passepartout verwendet, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Anziehungskraft der Krise beruht auf seiner destruktiven Wirkung und Außergewöhnlichkeit.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau und Struktur
1.4 Interviewleitfaden
2 KRISEN
2.1 Unternehmenskrisen
2.1.1 Bedeutung und Begrifflichkeit
2.1.2 Eigenschaften der Unternehmenskrise
2.1.3 Phänomene mit Krisencharakter
2.2 Unternehmenskrise und deren Ursachen
2.2.1 Unternehmenskrisenverlauf
2.2.2 Phasenmodell nach Müller
2.2.3 Phasenmodell nach Krystek
2.3 Die Wirkung von Unternehmenskrisen
2.3.1 Unternehmenskrisen und deren endogene destruktive Wirkung
2.3.2 Unternehmenskrisen und deren exogene destruktive Wirkung
2.3.3 Unternehmenskrisen und deren endogene konstruktive Wirkung
2.3.4 Unternehmenskrisen und deren exogene konstruktive Wirkung
3 KRISENMANAGEMENT
3.1 Krisenmanagement im engeren Sinn
3.2 Krisenmanagement im weiteren Sinn
3.3 Sichtweisen auf das Krisenmanagement
3.3.1 System
3.3.2 Prozess
3.3.3 Institution
3.4 Begriffsabgrenzung zum Risikomanagement
3.5 Persönlichkeitsprofile in einer Krise
4 LERNEN
4.1 Lernbegriff
4.2 Lernen als Individuum
4.2.1 Reiz-Reaktion-Theorie
4.2.2 Sozial kognitive Lerntheorien
4.3 Lernen in der Gruppe
4.3.1 Partizipatives Lernen in der Gruppe
4.3.2 Kooperatives Lernen in der Gruppe
4.3.3 Kollektives Lernen in der Gruppe
4.4 Organisationales Lernen
4.4.1 Single Loop Learning
4.4.2 Douple Loop Learning
4.4.3 Deutero Learning
4.5 Lernen aus Krisen
5 FAZIT UND AUSBLICK
6 EMPIRIE
6.1 Forschungsmethode
6.2 Forschungsfrage und Forschungsdesign
6.3 Leitfaden des Interviews
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit zielt darauf ab, ein theoretisches Konzept zu entwickeln, um Kriterien für das organisationale Lernen in produzierenden Unternehmen explizit aus Unternehmenskrisen abzuleiten. Dabei werden die Auswirkungen von Unternehmensgröße, Unternehmenskultur und -struktur auf den Lernprozess analysiert, um eine nachhaltige Krisenbewältigung zu unterstützen.
- Grundlagen des Krisenmanagements und Abgrenzung von Krisenphänomenen
- Analyse des Krisenverlaufs anhand bewährter Phasenmodelle
- Verbindung von Krisenbewältigung und organisationale Lernprozessen
- Einfluss persönlicher Profile und menschlicher Faktoren auf das Lernen
- Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews in produzierenden Unternehmen
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Eigenschaften der Unternehmenskrise
In diesem Abschnitt der Arbeit werden die Eigenschaften einer Unternehmenskrise behandelt. Zu Beginn werden wegweisende Elemente der Unternehmenskrise erläutert und im Anschluss wird auf die Komplexität im Kontext der unternehmerischen Krise eingegangen. Die Unternehmenskrise wird durch zentrale Eigenschaften und Elemente beschrieben und somit weiter präzisiert. Die Autoren Müller (1986) und Krystek (1987) beschreiben jeweils fünf Elemente, welche die allgemeingültigsten in der Literatur darstellen und folgend angeführt sind:
Existenzgefährdung: Durch eine Unternehmenskrise wird eine tiefgreifende Unternehmensgefährdung erzeugt, welche sich auf das gesamte Unternehmen bezieht.
Ambivalenter Ausgang: Der Ausgang der Unternehmenskrise ist nicht vorherbestimmt. Es kann sowohl zu einer Unternehmensvernichtung als auch zu einem positiven Krisenausgang kommen.
Gährdung der Unternehmensziele: Die Gewinnerzielung, Zahlungsfähigkeit und die Vermeidung von Überschuldung stellen Kernziele eines Unternehmens dar. Wird eines dieser Ziele gefährdet, so ist eine Krisensituation zwangsweise.
Prozess: Das temporäre Auftreten der Unternehmenskrise verleiht ihr einen Prozesscharakter. Die Personen im betroffenen Unternehmen und deren Wahrnehmungsvermögen sind ausschlaggebend für die Wahrnehmung der Unternehmenskrise als Prozess.
Problem der Unternehmenssteuerung: Die stattfindenden Prozesse in einer Unternehmenskrise können lediglich beschränkt durch ein vorhandenes Krisenmanagement gelenkt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die Thematik der Unternehmenskrisen in produzierenden Betrieben ein und definiert das Ziel, Kriterien für das organisationale Lernen unter Berücksichtigung von Unternehmensgröße und -kultur zu erarbeiten.
2 KRISEN: Es erfolgt eine detaillierte Begriffsbestimmung von Unternehmenskrisen, eine Einordnung in Phasenmodelle sowie eine Erläuterung der destruktiven und konstruktiven Wirkungen von Krisen.
3 KRISENMANAGEMENT: Dieses Kapitel beschreibt verschiedene Ansichten zum Krisenmanagement, differenziert zwischen präventiven und reaktiven Maßnahmen und grenzt den Begriff vom Risikomanagement ab.
4 LERNEN: Nach einer allgemeinen Definition des Lernbegriffs werden die Ebenen Individuum, Gruppe und Organisation beleuchtet und in den Kontext von Krisensituationen gesetzt.
5 FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Kriterien für das organisationale Lernen aus Krisen zusammen und gibt einen Ausblick auf die steigende Relevanz der Thematik für produzierende Unternehmen.
6 EMPIRIE: Der empirische Teil erläutert die gewählte Forschungsmethode, das Design der Experteninterviews sowie die methodische Vorgehensweise bei der Auswertung der qualitativen Daten.
Schlüsselwörter
Unternehmenskrise, Krisenmanagement, organisationales Lernen, produzierende Unternehmen, Krisenbewältigung, Phasenmodell, Fehlerkultur, Wissensträger, Unternehmenskultur, Krisensimulation, Resilienz, Führung, Prozesslernen, Single-Loop-Learning, Double-Loop-Learning.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten, wie produzierende Unternehmen aus Unternehmenskrisen lernen können, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen Krisenmanagement, individuelle und organisationale Lernprozesse sowie deren spezifische Anwendung in produzierenden Unternehmen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Hauptziel ist die Erarbeitung konkreter Kriterien für das organisationale Lernen, um aus einer Krise gestärkt hervorzugehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturrecherche, die durch qualitative Experteninterviews in produzierenden Unternehmen empirisch ergänzt wurde.
Was ist das zentrale Ergebnis des Hauptteils?
Der Hauptteil verdeutlicht, dass in der Theorie beschriebene organisationale Lernprozesse in der realen Unternehmenspraxis oft nicht gelebt werden und identifiziert Hürden sowie Erfolgsfaktoren.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Neben Krisenmanagement und organisationalem Lernen sind insbesondere die Aspekte der Fehlerkultur, Unternehmenskultur und Führung entscheidend.
Warum spielt die Unternehmensstruktur bei Krisen eine Rolle?
Strukturen wie Familienunternehmen weisen durch die Verknüpfung von Privat- und Geschäftsleben besondere Dynamiken auf, die das Lernverhalten und die Krisenbewältigung maßgeblich beeinflussen.
Inwiefern können Krisenübungen das Lernen fördern?
Krisenübungen und Simulationen dienen als proaktive Werkzeuge, um Abläufe zu festigen und das organisationale Lernniveau zu steigern, auch wenn sie für KMUs ressourcenintensiv sind.
- Citation du texte
- Paul Rusch (Auteur), 2020, Kriterien für organisationales Lernen aus Unternehmenskrisen in produzierenden Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/921908