Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanischen Militärregierungen 1945-1949

Bayern und Salzburg im Vergleich


Magisterarbeit, 2007
116 Seiten, Note: 2,1

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung des amerikanischen Re-education-Programmes und Errichtung der Militärregierungen
2.1 Psychologischer und psychiatrischer Ansatz
2.2 Vorbereitungen zur Errichtung der Militärregierungen
2.2.1 Planung bis 1944
2.2.2 Planung und Durchführung ab 1944
2.3 Richtlinien zur Umsetzung des Umerziehungsprogramms
2.3.1 Bayern: Die Direktiven des Jahres 1945
2.3.2 Salzburg: Das I. Alliierte Kontrollabkommen

3. Umerziehung im Bildungswesen
3.1 Der Beginn
3.1.1 Entnazifizierung an den Schulen
3.1.2 Entnazifizierung an den Hochschulen
3.1.3 Schulbücher und Curriculum
3.1.4 SWNCC 269 und das II. Alliierte Kontrollabkommen
3.2 Umstrukturierung des Bildungssystems
3.2.1 Hochschulreform
3.2.2 Zook-Kommission und Schulreform
3.3 Prioritätenwechsel
3.3.1 Von der Re-education zur Re-orientation
3.3.2 Von der Re-education zum Antikommunismus
3.3.3 Kulturstreit in Bayern
3.3.4 Laisser-Faire in Salzburg
3.4 Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen im Bildungswesen

4. Umerziehung in außerschulischen Jugendaktivitäten
4.1 Maßnahmen der Militärregierung
4.1.1 Entnazifizierung der Jugendorganisationen
4.1.2 Jugendarbeit und Jugendförderung
4.2 Maßnahmen der Armee
4.2.1 GYA
4.2.2 AYA
4.3 Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen durch die Jugendaktivitäten

5. Resumee

Anhang

Bibliografie

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der Historiker, der sich um eine Wertung der Bildungspolitik der Alliierten im Nachkriegsdeutschland bemüht, hat keine leichte Aufgabe. Vergleichsmöglichkeiten bestehen so gut wie keine. Diejenigen von uns, denen ausgangs der vierziger Jahre die Aufgabe gestellt wurde, das sogenannte „Re-education“- oder „Re-orientation“-Programm zu entwerfen und durchzuführen, konnten sich an keine geschichtlichen Vorbilder anlehnen. Präzedenzfälle für geistige oder pädagogische Reparationen gab es nicht, schon gar nicht als Bestandteil eines Besatzungs- oder Befriedungsplans. Theorien über die Behandlung Deutschlands gab es in Hülle und Fülle. Aber ein offizieller Plan, der sich mit solch scheinbar esoterischen Begriffen wie Erziehungs- und Bildungsreform befaßte, stand nicht zur Verfügung. Re-education war ein Fall sui generis, ein erstmaliges und wahrscheinlich einmaliges Experiment.[1]

Im Mai 1945 ging mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht der II. Weltkrieg zu Ende und die alliierten Mächte begannen Deutschland und das ehemals angeschlossene Österreich zu besetzen und ihre jeweiligen Militärregierungen zum Zwecke der Führung des besiegten Volkes zu errichten. Heute wird die Zeit der Besatzung mit den Bemühungen der Amerikaner konnotiert, das deutsche Volk von Militarismus, Antisemitismus und nationaler Engstirnigkeit zu säubern und zur Demokratie umzuerziehen. Das amerikanische Programm der Re-education bildete das Zentrum der Besatzungspolitik der USA in Deutschland.

Die theoretischen Grundlagen und Herangehensweisen einer erfolgreichen Umerziehung des deutschen Volkes wurden bereits 1942 formuliert. Als Väter der Re-education gelten der Philosoph John Dewey, der Sozialpsychologe Kurt Lewin und der Neurologe Richard M. Brickner. Sie waren es, die von der Prämisse eines durch den Nationalsozialismus geschädigten deutschen Volkscharakters ausgingen, der jedoch – unter intensivsten Anstrengungen in den unterschiedlichsten Bereichen – zu demokratischen Prinzipien, die in der Zeit der Weimarer Republik schon einmal eine Periode deutscher Geschichte ausgefüllt hatten, „zurückerzogen“ werden könnte.

Zu dieser Zeit war allerdings noch nicht geklärt, wie das Reich von den Alliierten behandelt werden sollte. Dies trifft insbesondere auf Österreich zu. Erst mit der Moskauer Erklärung im Jahr 1943 einigten sich die alliierten Mächte darauf, Österreich nach Beendigung des Krieges wieder von Deutschland loszulösen. Auch das österreichische Volk sollte einen demokratischen Lebenswandel durchmachen, obgleich die vorbereitenden Bemühungen der Amerikaner wesentlich langsamer und mühsamer vor sich gingen als die Planungen für Deutschland. Schließlich entschied man sich in den Vereinigten Staaten erst Ende 1944 dafür in Österreich eine Besatzungszone zu übernehmen, die an die amerikanische Besatzungszone in Deutschland unmittelbar anschließen sollte. Die Amerikaner übernahmen in Deutschland die Verantwortlichkeit für Bremen und ihren Teil Berlins, sowie für die Länder Hessen, Württemberg-Baden und Bayern. Folglich musste gemäß den Forderungen die Besatzungszone in Österreich an Bayern angrenzen. Die USA übernahmen neben dem Verwaltungsteil der Stadt Wien, die Länder Oberösterreich und Salzburg.

Das oben aufgeführte Zitat Henry J. Kellermanns, der Direktor des Office of Public Affairs, Bureau of German Affairs, und somit verantwortlich für die Überwachung der Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen war[2], zeigt die Schwierigkeit der Re-edeucation -Bestrebungen bereits auf: ähnliche Anstrengungen zur geistigen Erneuerung eines Volkes waren noch nie in diesem Maße in Angriff genommen worden. Zwar wurden Ziele und mögliche Methoden bereits während des Krieges erörtert, doch gab es beim Einmarsch amerikanischer Truppen in den zu besetzenden Ländern, keine handlungsweisende Direktiven, wie das Programm umgesetzt werden sollte. Diese wurden erst im Laufe der Besatzungszeit formuliert.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, das zu tun, was bisher versäumt wurde: die amerikanischen Bemühungen der Umerziehung anhand der Besatzungspolitik zweier besetzter Zonen miteinander zu vergleichen. Untersuchungsgegenstand sind dabei die Länder Bayern und Salzburg, die jeweils zur Besatzungszone der USA in den respektiven Ländern gehörten. Bayern und Salzburg sind nicht nur wegen der territorialen Angrenzung, ihrer Eigenschaft als Teil der amerikanisch besetzten Zone in den Nachkriegsjahren, sondern auch aufgrund der traditionellen, überwiegend konservativ-christlichen Mentalität seiner Bewohner, prädestiniert für den Vergleich. Da der Hintergrund der Bewohner bezüglich dem kulturellen Verständnis und der Haltung gegenüber Neuerungen sehr ähnlich war, bietet sich eben dieser Vergleich an.

Da der Begriff der Re-education ein sehr weit gefasster Begriff ist, soll an dieser Stelle zunächst das Programm der Umerziehung definiert werden. Neben der wörtlichen Übersetzung „Umerziehung“ werden auch die Begriffe „Demokratisierung“, beziehungsweise „geistige Neuausrichtung“ synonym verwendet. Zusammen mit der Entnazifizierung, also der Säuberung aller Institutionen von Personen mit nationalsozialistischem Hintergrund, bemühten sich die Amerikaner im Zuge ihrer Politik der Umerziehung um eine geistige, eine demokratische Neuerung in den besetzten Gebieten, die es möglich machen sollte, das deutsche und österreichische Volk in absehbarer Zeit wieder in die Gemeinschaft friedlebender Nationen einzugliedern und durch den Austausch nationalsozialistischer Wertvorstellungen durch demokratische Regierungs- und Verhaltensweisen im Volk zu verhindern, dass sie je wieder eine Bedrohung für den Weltfrieden würden. Neben den Massenkommunikationsmitteln, wie Radio, Zeitungen, Verlage und dergleichen, zielte die Demokratisierungspolitik der Amerikaner insbesondere auf das Bildungswesen ab.[3]

Die Politik der Re-education, die sich durch restriktive Maßnahmen wie Entnazifizierung, Überwachung und Kontrolle kennzeichnete, wurde ab 1947 in eine mildere Form der Demokratisierung, begrifflich der Re-orientation, abgewandelt. Die Umorientierung sollte nunmehr auf die punitiven Elemente verzichten und stattdessen durch Rat und Unterstützung die Bevölkerung der besetzten Gebiete motivieren, den Weg der Demokratisierung selbst zu beschreiten. Diese begriffliche Unterscheidung stellt zwei unterschiedliche Phasen der amerikanischen Umerziehungspolitik dar. Im Laufe der Arbeit wird der Begriff „Umerziehung“ als Sammelbegriff für die Anstrengungen zur Demokratisierung verwendet werden. Es wird zu zeigen sein, dass die liberalere Form der Neuausrichtung – Re-orientation - in den besetzten Gebieten nicht konsequent in die Tat umgesetzt wurde, sondern die Besatzungspolitik sich vielmehr über die jeweiligen Situationen und zuständigen Personen definierte.

Der Versuch der Re-education des deutschen und österreichischen Volkes wurde auf allen Ebenen des politischen und kulturellen Lebens der Betroffenen durchgeführt. Der Umfang dieser Arbeit erlaubt es nicht, eine Gesamtübersicht, über die Umerziehungsmaßnahmen der Amerikaner zu geben; stattdessen liegt die Konzentration auf den Bemühungen der amerikanischen Militärregierungen zur Umerziehung der Hauptzielgruppe: der Jugend. Seit der ersten theoretischen Formulierung des Programms war klar, dass intensivste Anstrengungen unternommen werden mussten, um die Durchsetzung von Demokratieverständnis bei den Jugendlichen, die unter nationalsozialistischer Indoktrination herangewachsen waren, zu einem Erfolg zu machen. Sie waren die neuen Führungspersönlichkeiten von morgen und wenn es nicht gelang, dieser Gruppe ein tiefes Verständnis und eine Verinnerlichung demokratischer Prinzipien zu vermitteln, so war das gesamte Programm der Demokratisierung eines besiegten, mental „defekten“ Volkes gescheitert. Die Jugend galt für die Amerikaner als „zentrales Potential für die langfristige Veränderung gesellschaftlicher Strukturen.“[4]

Versuche, der Jugend Demokratie zu lehren fanden auf diversen Ebenen statt. Auf der einen Seite versuchten die Amerikaner durch Neuerungen im Bildungswesen eine Umerziehung zu erreichen. Neben der anfänglichen Säuberung versuchte man mit Hilfe neuer Erziehungsmethoden und einer Umstrukturierung des Bildungswesens nach amerikanischem Muster die Ziele einer erfolgreichen Re-education zu erreichen. Der Fokus lag dabei aber nicht nur auf den Bildungsstätten, sondern auf der anderen Seite auch auf der Einflussnahme auf die Jugend in außerschulischen Aktivitäten.

Untersucht werden soll der Zeitraum vom Beginn der Besatzung 1945 bis zum Jahr 1949, das für Deutschland einen Einschnitt in die Besatzungspolitik der Nachkriegszeit bedeutet. Im Mai 1949 wurde das deutsche Grundgesetz erlassen, am 14. August der erste deutsche Bundestag gewählt und im September die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Damit einhergehend trat am 21. September 1949 das Besatzungsstatut in Kraft.[5] Die alliierte Militärregierung wurde durch die alliierte Hohe Kommission abgelöst und den Deutschen wurde – mit Einschränkungen – wieder die Führung der eigenen Politik anvertraut. Österreich nahm von Beginn der Besatzung an eine andere Stellung in den Überlegungen der Militärregierung ein: „Austria is regarded by the United States as a country liberated from forcible domination by Nazi Germany.“[6] Trotzdem war es die Überzeugung der Besatzer, dass auch die Österreicher eine Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus trugen und deshalb genauso einer demokratischen Umerziehung bedurften, wie die Deutschen, auch wenn man bei der Umsetzung wesentlich liberaler vorging. Schlusspunkt dieser Betrachtung soll die Nationalratswahl im November 1949 sein, als die Österreicher bereits zum zweiten Mal ihre politischen Vertreter wählten.[7] Volle Souveränität und damit auch der ersehnte Staatsvertrag sollten aber – bedingt durch den Kalten Krieg – zunächst auch für sie noch in weiter Ferne liegen.

Diese Arbeit soll versuchen zu klären, wie die Besatzungspolitik der Re-education am speziellen Fall der Jugend umgesetzt wurde. Anhand Bayerns und Salzburgs sollen Vorbereitung, Durchführung und Ergebnis aneinander gemessen werden. Dabei muss man sich zunächst die Frage stellen, wie die Vorbereitungen zu einer Umsetzung der Umerziehungspolitik der amerikanischen Militärregierungen abliefen. Waren die ersten Schritte zur Einsetzung der Militärregierungen und der einzuschlagenden Politik in der unmittelbaren Nachkriegszeit gleich? Unter welchen Richtlinien konnte überhaupt an eine demokratische Umerziehung der Jugendlichen herangegangen werden?

Bei der Umsetzung der Re-education interessiert vor allem, ob die amerikanischen Militärregierungen in Bayern und dem Land Salzburg unterschiedliche Maßnahmen trafen, unterschiedliche Herangehensweisen hatten, beziehungsweise, ob sie unterschiedlichen Überlegungen zum Thema Demokratisierung unterlagen. Mit welchen Mitteln und in welchen Bereichen wollte man eine Veränderung erzielen? Welches waren die verantwortlichen Stellen zur Implementierung und Durchführung des Programms? Welchen Einfluss hatten geostrategische Überlegungen bei der Umsetzung des Programms? Gab es Unterschiede in der Behandlung der Besetzten? Letzten Endes sollen die Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen an den ursprünglichen Zielen gemessen werden. War das Resultat der Bemühungen in beiden Zonen unterschiedlich, oder lassen sich Gemeinsamkeiten finden und wodurch lassen sich eventuelle Übereinstimmungen/Differenzen erklären?

Meine These ist, dass die Ergebnisse der Bemühungen um eine Umerziehung der Jugend in Bayern und dem Land Salzburg, trotz zum Teil völlig divergierender Voraussetzungen und Herangehensweisen, beinahe identisch waren.

Während die Amerikaner bereits Mitte der 40er Jahre die Grundsätze der Re-education des deutschen Volkes formuliert und Vorbereitungen zur Errichtung von Militärregierungen getroffen hatten, war man erst 1944 widerwillig bereit, eine Besatzungszone in Österreich zu übernehmen. Die Einnahme Bayerns und Einsetzung der Militärverwaltung ging sehr strukturiert vonstatten, wohingegen die Umstände in Salzburg eher konfus waren und somit zunächst auch eine koordinierende Politik verhindert wurde. In beiden Ländern zog man sich zunächst – aufgrund mangelnder Direktiven – auf eine Politik der Säuberung zurück. In den Jahren 1946/47 wurden dann erste Richtlinien zur Durchführung eines positiven, aktiven Programms der Demokratieförderung ausgegeben.

Es wird jedoch zu zeigen sein, dass die zuständigen Behörden für Bayern, beziehungsweise Salzburg, ganz unterschiedliche Positionen im Bereich des Bildungswesens einnahmen. In Bayern versuchte man trotz der Anweisung der Re-orientation Änderungen mit aller Kraft gegen einheimischen Widerstand durchzusetzen: restriktive Re-education verdrängte die liberalere Re-orientation. Im Land Salzburg zog man sich im Zuge des Kalten Krieges immer mehr aus den Anstrengungen um eine Veränderung an den Bildungsstätten zurück: Antikommunismus und Laisser-Faire ersetzten die Umerziehungspolitik, die in Österreich von Beginn an freizügiger war als in Deutschland. Die Resultate sollten jedoch überraschender Weise gleich sein.

Im Bereich der Maßnahmen zur Umerziehung der Jugend in außerschulischen Aktivitäten war die Vorgehensweise in beiden Ländern ähnlicher und koppelte sich von der Umerziehungspolitik im Bildungswesen ab. Dennoch waren auch hier die Ergebnisse für das Land Salzburg mit denen für Bayern vergleichbar. Am Ende können diesen Anstrengungen ein größerer Erfolg als den Maßnahmen im Bildungswesen beschieden werden, da hier versucht wurde, der Jugend lediglich anleitend zur Seite zu stehen. Die tatsächliche Demokratisierung sollten die Jugendlichen durch eigene Erfahrungen selbst initiieren anstatt sie von außen auferlegt zu bekommen.

Um ein Verständnis für das Programm der Re-education zu bekommen, was der Begriff in seiner ursprünglichsten Bedeutung eigentlich meinte und was die Zielsetzung war, werde ich im Punkt 2. zunächst die philosophischen, psychologischen und psychiatrischen Ansätze der Umerziehung erläutern. Zusammen mit der Zielformulierung bedarf es eines Einblicks in die unterschiedlichen Planungsstufen zur Errichtung der Militärregierungen in Bayern und Salzburg. Bereits hier zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Zonen, die sich in der besatzungspolitischen Anwendung und Ausformulierung des Programms wiederspiegelten. Beim Einmarsch der amerikanischen Truppen hatten die zuständigen Militärbehörden zunächst keinerlei Anweisungen, wie mit den Besetzten – gerade in Bezug auf eine zu erreichende Umerziehung – umgegangen werden sollte. Erste Zielsetzungen boten die Mitte 1945 formulierten Direktiven JCS 1067, das Potsdamer Abkommen und das I. Alliierte Kontrollabkommen. Diese Hintergrundinformationen sind für einen erfolgreichen Vergleich zwischen den Bemühungen der amerikanischen Militärregierungen in Salzburg und Bayern um eine Demokratisierung der Jugend unabdingbar, da zunächst „[…] ein erstes Verständnis des gesamten Problemkomplexes geschaffen werden [muss]“[8].

Punkt 3. beschäftigt sich anschließend mit der tatsächlichen Praktik der Umerziehung der Jugend im Bildungswesen in beiden Ländern, die im Fokus dieser Arbeit liegt. Die erste Phase der Besatzung war beiderseits gekennzeichnet durch Entnazifizierungsmaßnahmen: zunächst sollten Schulen und Hochschulen von nationalsozialistischen Lehrern gesäubert werden und jeglicher Einfluss aus der Zeit von 1933-1945 aus Schulbüchern und Curricula verschwinden. Nach dieser Zeit der Bestrafung wurde anhand der Direktiven SWNCC 269 und JCS 1779, sowie dem II. Alliierten Kontrollabkommen, der Weg zu einem aktiven, demokratiefördernden Programm der Umerziehung bereitet. Im folgenden wird untersucht, welche Änderungen an den Schulen und Hochschulen durchgesetzt werden sollten, um eine demokratische Erziehung der Jugendlichen zu gewährleisten. Keine Beachtung im Rahmen dieser Arbeit findet der Austausch zwischen Jugendlichen der beiden Länder und den Vereinigten Staaten, da dieses Programm erst 1948 forciert wurde[9] und somit keine breitenspezifische Erkenntnisse in dem gelegten Untersuchungszeitraum ermöglicht.

In beiden Zonen änderte sich die Besatzungspolitik der Amerikaner durch die Verschlechterung der Beziehungen zur Sowjetunion. Ab 1947 sollte ein mehr auf deutscher Initiative und amerikanischer Anleitung basierendes Programm der Re-orientation die Umerziehung zum Erfolg führen. Die Militärregierung für Bayern blieb jedoch weiterhin restriktiv und versuchte durch Befehle, im besten Sinne der überwachenden Re-education, eine Schulreform in Bayern durchzusetzen, an deren Ende ein Gesamtschulsystem amerikanischer Machart stehen sollte. Im Land Salzburg fürchtete man eine kommunistische Machtergreifung nun mehr als nationalsozialistische Tendenzen und somit zog sich die Militärregierung aus Verhandlungen über das Schulsystem gänzlich zurück, da man den Österreichern keinen Grund bieten wollte, durch strenge Maßnahmen dem kommunistischen Zulauf unter die Arme zu greifen. Das Ergebnis sollte in beiden Ländern gleich sein: zu einer tiefgreifenden Schulreform kam es nicht. Zwar konnte man Erfolge zählen, wenn man sich darauf beschränkte, Demokratieverständnis indirekt durch Information zu fördern, nicht aber wenn man versuchte Änderungen gegen bestehende Traditionen durchzusetzen. Lediglich dort wo Deutsche, beziehungsweise Österreicher die Notwendigkeit für Reformen selbst erkannten, sollten sich Änderungen im Bildungswesen festschreiben lassen.

In Punkt 4. versuche ich einen Überblick über einen bisher in der Literatur fast gänzlich vernachlässigten Bereich der amerikanischen Umerziehungsmaßnahmen bei Jugendlichen zu schaffen: den außerschulischen Jugendaktivitäten. Sowohl seitens der Militärregierungen, als auch seitens der Armee wurde versucht, Einfluss auf die demokratische Neuausrichtung der organisierten und unorganisierten Jugend zu nehmen. Aufgrund der Quellenlage kann diese Untersuchung aber nur den Anstoß zu einer intensiveren Beschäftigung mit diesem Aspekt der Umerziehungsmaßnahmen geben. De facto beschränkten sich die Amerikaner in der außerschulischen Jugendarbeit mehr auf anleitende Unterstützung, was dem Programm überaus zuträglich war.

Abschließend werden in Punkt 5. noch einmal die Maßnahmen und Ergebnisse in beiden Besatzungszonen zusammenfassend dargestellt und ein kurzer Ausblick auf die Zeit nach 1949 gegeben.

Durch die bedingungslose Kapitulation der Armee und der Besetzung Deutschlands und Österreichs durch die Alliierten, sowie der Übernahme und Verwaltung einer Zone durch eine amerikanische Militärregierung, bestanden ab Mai 1945 für Bayern und das Land Salzburg die selben Voraussetzungen, unter denen die Amerikaner ihre Umerziehungspolitik in die Tat umsetzen konnten. Für beide Seiten sind die Akten der amerikanischen Militärregierungen zugänglich, wodurch man nicht der üblichen Schwierigkeit – dem Fehlen vergleichbarer relevanter Daten – bei einem Vergleich zweier unterschiedlicher Länder erliegt[10]. Da mit der Einsetzung der Militärverwaltung für beide Länder ein fremdgesteuerter Neubeginn und somit ein Bruch mit dem bisherigen, eine „Stunde Null“ sozusagen, stattfand, so könnte man in der Theorie davon ausgehen, dass die Maßnahmen der Militärregierungen die Entwicklung der Bevölkerung beeinflusst haben. Wenn man dann die unterschiedliche Umsetzung und divergente Handlungs- und Interventionsbereitschaft der Amerikaner betrachtet, so müsste demzufolge geschlussfolgert werden, dass auch die Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen in beiden Ländern verschieden sein sollten. Tatsächlich ist dies aber gerade nicht der Fall. Daher wird es Aufgabe dieser Arbeit sein, versuchen zu erklären, warum die Ergebnisse trotz zum Teil unterschiedlicher Herangehensweisen gleich waren.

Das „Umerziehungsexperiment“ der Amerikaner in Bayern und Salzburg eignet sich besonders gut für einen Vergleich, da man die Reformanstrengungen im Bereich der Umerziehung der Jugend in Bezug auf die ursprüngliche Zielformulierung – anhand der theoretischen Grundlagen, der Direktiven und Zielformulierungen – am Ende evaluieren kann.[11] Man kann untersuchen, ob die erreichten Veränderungen, „[…] tatsächlich jenen Veränderungen entsprechen, die man sich erhoffte, und man kann möglicherweise das Gelingen oder Misslingen sogar auf die Merkmale der einzelnen Maßnahmen […] zurückführen.“[12] Deshalb wird es bei diesem Vergleich unabdingbar sein, die Ergebnisse, das heißt die Gemeinsamkeiten, beziehungsweise Unterschiede, auch zu interpretieren[13]. Voraussetzung für einen möglichen Vergleich sind neben dem Wissen über die Hintergründe, also der Entwicklung der Re-education -Idee und der Planung und Errichtung der Militärregierungen, die Formulierung vergleichbarer, relevanter Fragen[14]. Aus diesen ergeben sich die themenspezifischen Untersuchungskategorien, die gleichzeitig die Arbeit strukturieren.

Die Maßnahmen und Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen werden anhand der Akten der bayrischen Militärregierung, beziehungsweise anhand der amerikanischen Verwaltungseinheit für Salzburg untersucht und in Verbindung mit den Zielen gemessen. Hierbei handelt es sich um einen deskriptiven Vergleich, an dessen Ende die Evaluation erfolgt. Teilweise ist der Vergleich aufgrund der Quellenlage jedoch asymmetrisch, da für Bayern mehr verwertbare Akten zur Verfügung stehen.

Grundlage dieser Arbeit sind neben den Werken der Erziehungs- und Sozialwissenschaftler, die verantwortlich für die Formulierung des Umerziehungsgedankens waren, die Absichtserklärungen der Alliierten zur Behandlung der Besetzten und die Direktiven der Vereinigten Staaten zur Umsetzung der Umerziehungspolitik. Vorgehensweisen, Abhängigkeiten und Ergebnisse der Bemühungen um eine demokratische Neuausrichtung der Jugend in den besetzten Gebieten Bayern und Land Salzburg werden, wie bereits erwähnt, anhand der Akten der Militärregierungen untersucht. Für Bayern steht dazu der überaus umfangreiche Bestand des Office of Military Government for Bavaria (OMGB) im Bayrischen Hauptstaatsarchiv zur Verfügung. Dies sind Microfichekopien der Akten aus den National Archives in Washington. Die Konzentration liegt dabei auf den Akten der für die Umerziehungspolitik bei der Jugend zuständigen Education and Religious Affairs (E&RA) Branch, beziehungsweise der späteren Education and Cultural Relations (E&CR) Division. Darüber hinaus werden Direktiven, Briefe und vergleichbare Quellen zur Untersuchung herangezogen.

Für das Land Salzburg werden die Akten des United States Element of the Allied Commission for Austria (USACA) herangezogen, die im Salzburger Landesarchiv zur Einsicht liegen. Diese Bestände der Record Group 260 stammen ebenfalls aus den National Archives in Washington. Bisher wurden diese Akten erst zu einem Drittel bearbeitet und befinden sich in einem verfilmungsreifen Zustand. Das besondere Problem besteht darin, dass die General Records der zuständigen Education Division von 1945 bis 1950 und die Youth Activities Records von 1946 bis 1951 bislang nicht verfilmt worden sind. Zur Klärung der Umerziehungsbemühungen im Land Salzburg werden daher die Akten der Historical Division, Direktiven, sowie teilweise vorhandene monatliche Berichte der Erziehungs- und Jugendabteilung für das Land Salzburg untersucht. Da es jedoch kaum wissenschaftliche Studien zu dem Thema Umerziehung der Jugend in Österreich, beziehungsweise keinerlei Sekundärliteratur zu diesem Thema spezifisch für das Land Salzburg gibt, soll diese Arbeit eine erste Klärung der Verhältnisse leisten.

Zur Ergänzung werden Oral History Interviews, Zeitungsberichte, amtliche Verlautbarungen und dergleichen herangezogen.

Der Forschungsstand zum Bereich Re-education in der Besatzungszeit ist sehr unterschiedlich. So ist festzustellen, dass das Thema Entnazifizierung allgemein für Deutschland und Österreich, aber auch spezifisch für Bayern und Salzburg, bereits sehr gut aufgearbeitet ist. Zu erwähnen sind dabei vor allem die Beiträge von Paul Hoser und Ernst Hanisch[15]. Die Umerziehungsbemühungen der Amerikaner in Deutschland stehen seit langem im Fokus der geschichtswissenschaftlichen Aufmerksamkeit. Dies trifft insbesondere auf die Bemühungen um eine Neuausrichtung im Bildungswesen zu. Wegen des Konflikts in Bayern zwischen dem OMGB und dem bayrischen Kultusministerium gibt es auch einige Untersuchungen, die sich auf die Geschehnisse in Bayern fokusieren, wie etwa von Constantin Goschler, Maren M.Roth und James F. Tent[16]. Diese konzentrieren sich jedoch auf die amerikanischen Bemühungen um eine Schulreform und vernachlässigen bestimmte Bereiche, wie beispielsweise die Hochschulen und die Revision der Schulbücher.

Die Umerziehungsbemühungen der Amerikaner im Schulwesen in Österreich sind bisher wenig aufgearbeitet worden. Tatsächlich gibt es dafür nur gesamtösterreichische Untersuchungen, von denen besonders der Beitrag von Helmut Engelbrecht[17] zu erwähnen ist. Für die Bemühungen im Land Salzburg gibt es keine für dieses Thema spezifische Sekundärliteratur. Das erklärt sich einerseits aus der wesentlich zentraleren Steuerung der Bildungsreformen. Andererseits scheint aber das Thema der Umerziehung durch die Amerikaner in Österreich generell noch unzureichend bearbeitet. Der Forschungsstand steht deutlich hinter dem in Deutschland zurück. Lediglich die Beiträge von Reinhold Wagnleitner[18] befassen sich intensiv mit dem kulturellen Einfluss und den Demokratisierungsversuchen der Amerikaner in Österreich. Mit dieser Arbeit sollen zum ersten Mal die Bemühungen der Amerikaner im Land Salzburg untersucht werden.

Die Aktivitäten zur Förderung des Demokratieverständnisses bei der deutschen und österreichischen Jugend in außerschulischen Aktivitäten wurden bislang beinahe gänzlich ausgeklammert. Einen wichtige Beitrag zur Klärung der amerikanischen Unterstützung der Jugendaktivitäten leistet Karl-Heinz Füssl[19]. Die Arbeit bietet einen Überblick über die Bemühungen in der gesamten amerikanisch besetzten Zone. Bislang gibt es allerdings keine Untersuchungen für Bayern. Für Österreich gibt es keine spezifische Fachliteratur zu diesem Thema. Es findet lediglich bei Wagnleitner Erwähnung. Zur Klärung des Sachverhalts trägt jedoch eine Sammlung von Oral History Interviews von Ingrid Bauer[20] bei. Die Bearbeitung der Umerziehungsbemühungen der Amerikaner in außerschulischen Jugendaktivitäten befindet sich noch im Anfangsstadium. Diese Arbeit soll einen ersten Überblick über dieses, meiner Meinung nach, wichtige Feld der Demokratisierungsanstrengungen durch die amerikanischen Militärregierungen bieten.

Allgemein ist festzustellen, dass die österreichischen Autoren zwar die Besetzung durch die Amerikaner positiv betrachten, dass aber nur wenige auf die amerikanischen Umerziehungsmaßnahmen eingehen, auch wenn sie einen gewissen kulturellen Einfluss der Besatzer nicht leugnen. Ihre deutschen Kollegen sehen die Re-education zum Großteil als eine gescheiterte Mission der Amerikaner in Deutschland an.

Hier soll nun ein umfassender Überblick über die Umerziehungsbemühungen der Amerikaner, über die Art und Weise der Umsetzung und den Ergebnissen, gemessen an den ursprünglichen Intentionen, gegeben werden. Der Vergleich zwischen Bayern und dem Land Salzburg bietet dabei die Möglichkeit, Unterschiede und Gemeinsamkeiten einer Politik in zwei verschiedenen Besatzungszonen zu evaluieren und einen Interpretationsversuch für Äquivalenzen, beziehungsweise Differenzen, zu leisten.

2. Entwicklung des amerikanischen Re-education-Programms und Errichtung der Militärregierungen

Seit 1942 bemühten sich Psychologen, Philosophen, Pädagogen und Psychiater um eine Behandlung Deutschlands nach dem Krieg. Dabei kam man zu dem Schluss, dass die Deutschen vom Nationalsozialismus befreit und zur Demokratie umerzogen werden müssten. Hauptzielgruppe der Neuausrichtung sollte die Jugend sein. Die Grundüberlegungen werden hier im folgenden vorgestellt. Parallel dazu liefen die ersten Planungen zur Errichtung amerikanischer Militärregierungen in den zu besetzenden Gebieten. Dabei wird zu zeigen sein, dass die Vorbereitungen für Bayern wesentlich intensiver geführt worden waren, als für Salzburg. Beim Einmarsch amerikanischer Verbände in den beiden Ländern fehlte es jedoch beiden zuständigen Militärregierungsstäben besonders an richtungsweisenden Direktiven über die Art und Weise der Durchführung der Re-education. Erste vage Formulierungen sollten, weder für die Verantwortlichen in Bayern, noch für die Zuständigen in Salzburg, nicht vor Mitte 1945 zur Verfügung stehen. Dabei fällt wiederum auf, dass die Richtlinien für Bayern noch deutlich konkreter gehalten waren, als diejenigen, derer sich die Amerikaner in Salzburg bedienen konnten.

2.1 Psychologischer und psychiatrischer Ansatz

Der Ursprung des amerikanischen Programms der Re-education lag in den Theorien des Pädagogen und Philosophen John Dewey (1859-1952). Bereits 1942 verfasste er ein Werk über Deutsche Philosophie und Deutsche Politik[21], in dem er die Möglichkeit einer Umerziehung des deutschen Volkes erörtert. Dewey war der Ansicht, dass - ebenso wie Hitler die Deutschen auf den Weg des Nationalsozialismus gelenkt habe - es auch möglich sei, der Bevölkerung Deutschlands Demokratie zu „lehren“. Grundvoraussetzung dafür seien zum einen die völlige Beseitigung der alten Strukturen und zum anderen ein umfassender Kulturwandel der Deutschen. Dewey nimmt dabei die Amerikaner in die Pflicht, diesen Wandel herbeizuführen und nicht in einen Isolationismus wie nach dem Ersten Weltkrieg zurückzuverfallen, der dem Nationalsozialismus in Deutschland erst den Weg geöffnet habe. Eine wirkungsvolle Umorientierung des deutschen Denkens müsse auf allen Ebenen erfolgen und gerade dort einsetzen, wo die NSDAP eine besonders wirksame Steuerung der öffentlichen Meinung ausgeübt hatte. Dewey spricht sich für eine strenge, wirkungsvolle „[…] Kontrolle der Presse, der Kanzel, der öffentlichen Versammlungen, des Rundfunks, der Schule und jeder Tätigkeit der Meinungsäußerung und –bildung […] (einschliesslich, soweit möglich, der privaten Unterhaltung)“[22] aus.

In den Theorien Deweys wurde somit zum ersten Mal eine kulturelle Umerziehung des deutschen Volkes, weg von Nationalismus und Militarismus, hin zur Demokratie erörtert und zugleich die wichtigsten Bereiche des Einwirkens zur Durchsetzung eines effektiven Wandels dargestellt. Seiner Meinung nach sollten die erforderlichen Demokratisierungsbemühungen nach Beendigung des Krieges so angelegt werden, dass die zur erzielende Demokratie nicht nur „ […] eine Staats- sondern vielmehr eine Lebensform sei, die im Idealfall von jedem einzelnen Bürger ausgehe.“[23] Deweys Konzept der Neuausrichtung des deutschen Denkens durch „Umerziehung“ und Kontrolle war die Initialzündung der Umerziehungsdebatte; von seinen Thesen ausgehend wurden weitergehende Maßnahmen erörtert und diskutiert.

Ebenfalls von großer Bedeutung für die Entwicklung der tatsächlich angewandten Re-education -Politik der Amerikaner in den besetzten Gebieten nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Beiträge des 1933 aus Deutschland in die Vereinigten Staaten von Amerika emigrierten Sozialpsychologen Kurt Lewin (1890-1947). In einer Reihe von Aufsätzen von 1943 bis 1945 beschäftigte sich Lewin mit der Frage, wie eine effektive Umerziehung der Deutschen zur Demokratie funktionieren könne. In seinem Aufsatz Kultureller Wiederaufbau vertritt Lewin, ebenso wie Dewey, die Annahme, dass zur Demokratisierung der besetzten Gebiete im speziellen Einfluss auf die Jugend genommen werden müsse. Er befasst sich dabei insbesondere mit der These, dass „demokratische Führer“ gefunden werden müssten, die eine Gruppe leiten und bei der Umerziehung unterstützen sollten. Dies sei aber nicht nur über die Erziehung allein zu erreichen, sondern müsse in allen Aspekten des kulturellen Lebens vonstatten gehen.[24] Die Aufgabe der Besatzer solle es sein, demokratische Ausgangsverhältnisse zu schaffen, von denen aus die Besetzten selbst eine Demokratisierungsentwicklung durchzumachen haben, denn „Demokratie läßt sich keiner Person auferlegen; sie ist durch einen Vorgang freiwilliger und verantwortlicher Teilnahme zu lernen.“[25]

In einem weiteren Beitrag zur Sonderrolle Deutschlands, in Der Sonderfall Deutschland[26] aus dem selben Jahr, warnt er davor, Deutschland nach dem Krieg eine Demokratie nach dem Vorbild der USA oder Großbritanniens auferlegen zu wollen. Zunächst müssten die alten Machtstrukturen aufgebrochen werden und dann versucht werden, einen dauerhaften, einen „tiefen“ Wandel, innerhalb der Gesellschaft zu demokratischen Werten zu erreichen. Dies sei durch bloße Kontrolle, bzw. Indoktrination durch Propaganda nicht zu erreichen. Vielmehr sieht Lewin ein entscheidendes Moment für ein Gelingen der ideologischen Neuausrichtung in der tatkräftigen Mitwirkung der Deutschen. „Die Phase der Umerziehung (re-education) müsse in der Phase der Selbstumerziehung (self re-education) fortgesetzt werden.“[27]

Neben den pädagogischen und psychologischen Ansätzen, waren besonders auch psychiatrische Untersuchungen zu der Umerziehungsproblematik von Bedeutung. Großen Einfluss auf die öffentliche Diskussion zu der Frage, wie mit der Bevölkerung der besetzten Gebieten nach dem Kriege zu verfahren sei, hatte der Neurologe Richard M. Brickner mit der Veröffentlichung seines Buches Is Germany Incurable? im Jahre 1943[28]. Brickner betrachtet Deutschland dabei als einen Patienten der an Paranoia leide. Das bedeute, dass das Kollektiv Deutschland – ebenso wie Individuen die an Paranoia leiden – geheilt werden könne. Voraussetzung für die Gesundung des Patienten seien zum einen das Vorhandensein einer genügend großen Anzahl nicht paranoider Personen, zum anderen die Beseitigung vorherrschender Strukturen, die einer Gesundung der Bevölkerung im Weg stehen, wie etwa die „[…] ruthless elimination of bureaucracy, the law courts, the schools and the universities of all persons who could not accept the Republic in their hearts […] the rewriting of the schoolbooks with the elimination of the feudal spirit and the servile adulation of the former princes […]“[29]. Zu diesem Zwecke müssten eine Reihe von Experten diese „Behandlung“ unternehmen, von denen laut Brickner, die Psychiater nur einen Teil des großen Ganzen ausmachen könnten.

Die Theorien Deweys, Lewins und Brickners seien an dieser Stelle stellvertretend für viele andere genannt, doch beeinflussten deren Ideen die Entwicklung eines politischen Programms der amerikanischen Militärregierung zur Umerziehung der Besiegten am tiefgründigsten. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Jugend gelegt, die der bedeutendste Ansatzpunkt der Re-education -Maßnahmen sein müsse. Wenn in den Theorien nur von den Deutschen gesprochen wurde, dann liegt das daran, dass man lange Zeit nicht wusste, ob nach einem Ende des Krieges Österreich beim deutschen Reich bleiben oder wieder von ihm gelöst werden sollte. Zur Zeit der Debatten umfassten diese Überlegungen die Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches, das heißt also Deutsche und Österreicher.

2.2 Vorbereitungen zur Errichtung der Militärregierungen

Schon sehr früh liefen die ersten Planungen für die Errichtung von Militärregierungen in den zu besetzenden deutschen Gebieten an. Bezüglich Österreich liefen die Vorbereitungen sehr viel später und schleppender an. Erst mit der Formulierung der Moskauer Deklaration 1943 wurde klar, dass Österreich nach dem Krieg von Deutschland wieder gelöst werden sollte. Eine definitive Zusage der Amerikaner zur Übernahme einer Besatzungszone im Land gab es erst Ende 1944. Zu einem Zeitpunkt als bereits eine regionale Militärregierungseinheit für Bayern formiert worden war. Die Planungen zur Besetzung und auch die Durchführung liefen für Bayern wesentlich strukturierter und besser vorbereitet ab, als das für das Land Salzburg der Fall war. Dennoch fehlte es den einzurichtenden Militärverwaltungsabteilungen nach der Beendigung des Krieges zunächst an konkreten Vorgaben, welche Politik gegenüber den Besetzten anzuwenden sei.

2.2.1 Planung bis 1944

Bereits 1941/1942 liefen im amerikanischen War Department die ersten vorbereitenden Bemühungen zur Errichtung einer späteren Militärregierung in den befreiten bzw. besetzten Gebieten an. Im Mai 1942 wurde auf Anordnung des Provost Marshall, dem die Militärpolizei unterstand, an der University of Virginia in Charlottesville, Virginia, mit der Schulung von ausgewählten Offizieren für die späteren Militärregierungen und Zivilverwaltungen in der sogenannten School for Military Government begonnen. Von diesem Zeitpunkt an galt eine organisatorische Vorbereitung und Durchführung der Besetzung eroberter oder befreiter Gebiete vom militärischen Standpunkt aus als lösbar, doch wurde immer wieder die Notwendigkeit politischer Leitlinien für die jeweiligen Militärregierungsstellen gefordert, um eine Koordination der Stellen bezüglich der Zielsetzungen der einzuschlagenden Politik zu garantieren[30].

Die politische Planung wurde ab Mitte 1943 im State Department forciert, es wurden sogenannte „Interdivisional Country and Area Committees“ gegründet, die sich – regional getrennt – mit den unter amerikanische Besatzungsherrschaft fallenden Gebieten beschäftigten. Im September diesen Jahres konstituierte sich das „Interdivisional Country Committee on Germany“ unter der Leitung von David Harris. Der Gedanke der Umerziehung des deutschen Volkes gewann bei den Beratungen der Komitees immer mehr an Bedeutung und wurde einer der Hauptbestandteile der weiteren Deutschlandpläne.[31]

Seit dem 15. Dezember 1943 tagte zudem die European Advisory Commission (EAC) in London, eine Kommission der drei alliierten Bündnispartner USA, Großbritannien und Sowjetunion. An ihrer Spitze standen der amerikanische Botschafter in London, John G. Winant, sowie sein russisches Pendant, Fedor T. Gusev, und der englische Diplomat Sir William Strang. In den Vereinigten Staaten wurde eine interministerielle Koordinierungsstelle für die EAC, das Working Security Committee[32] errichtet. Diese beiden Gremien sollten erheblichen Einfluss auf die Erstellung der späteren amerikanischen Besatzungsdirektive JCS 1067 haben.[33] Beide Kommissionen beschäftigten sich unter anderem auch mit den zu treffenden Maßnahmen zur Demokratisierung des Bildungssektors.

Parallel dazu liefen im Supreme Headquarters Allied Expeditionary Forces (SHAEF) ebenfalls Planungen zur Durchführung der Besetzung der eroberten Gebiete in Europa. Für deutschlandspezifische Fragen wurde in der G-5 Stabsabteilung von SHAEF – die verantwortliche Division für Zivilangelegenheiten - eine „German Country Unit“ gebildet, die ein Handbuch mit Richtlinien für die jeweiligen Besatzungsaufgaben verfasste. Das Handbook for Military Government in Germany lag im August 1944 druckfertig vor und plädierte für einen „milden“ Umgang mit den Deutschen und forderte „[…] [to give] maximum initiative to the Germans in all phases of reform, including denazification, and, at a later date, the activities associated with structural and curricular reform.”[34] Aufgrund der ablehnenden Haltung des amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau Jr. gegenüber der zu „sanften“ Behandlung der Deutschen nach dem Krieg, kam es jedoch zunächst nicht zu einer Verteilung der Handbücher. Ebenfalls im August 1944 nahm eine Nachfolgeorganisation der German Country Unit die Arbeit auf: die US Group, Control Council for Germany (USGCC Germany), eine Planungsbehörde auf nationaler Basis. Viele Mitglieder des alliierten Vorläufers wurden von amerikanischer Seite übernommen.[35]

So umfangreich die Planungen der Vereinigten Staaten bezüglich der Art der Behandlung Deutschlands nach dem Krieg war, so mangelhaft waren die Vorbereitungen dazu, wie man mit Österreich nach Kriegsende umgehen sollte. Unter den alliierten Mächten wurden für Österreich zunächst keine konkreten Nachkriegsüberlegungen angestrengt, da man sich nicht darüber einig war, ob Österreich überhaupt besetzt werden sollte. Die unterschiedlichsten Überlegungen kursierten in den Planungsstäben der einzelnen Länder. Darunter befand sich neben anderen Möglichkeiten auch eine eventuelle Zusammenlegung Österreichs mit einem süddeutschen Staat, um somit das Deutsche Reich zu schwächen. Erst mit der Moskauer Erklärung von Churchill, Roosevelt und Stalin, die am 1. November 1943 verlautbart wurde, verständigte man sich über die Formulierung, dass Österreich als erstes Land dem deutschen Expansionismus zum Opfer gefallen sei und nach dem Ende der Kriegshandlungen erneut – in seinen Grenzen vor 1938 - unabhängig werden sollte[36]. Dennoch wurde daran erinnert, dass Österreich „für die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann […]“[37].

Dies bedeutete jedoch nicht, dass die USA sich nun eingehender mit Österreich befassten und sich, ebenso wie im Falle Deutschlands, darum bemühten, konkrete Planungen für eine militärische Besetzung in die Wege zu leiten. Wie Manfried Rauchensteiner herausgestellt hat, wurde die Planung zwar der EAC übertragen, die sich auch um die Besatzungsstrategie für Deutschland kümmerte, doch war es vor allem Großbritannien, das sich in den folgenden Monaten nach der Moskauer Erklärung Gedanken über die Umsetzung machte. Die Amerikaner konnten bis Mitte 1944 keine eigenen Vorschläge für eine spätere Verwaltung Österreichs präsentieren. Erst als der sowjetische Botschafter Gusev am 18. Februar 1944 eine gemeinsame Besetzung Österreichs durch die alliierten Mächte forderte, und weil man auf Seiten der USA ein Besatzungskonzept noch gänzlich fehlte, bemühten sich die Amerikaner von da an auch selbst eine Strategie für die Behandlung Österreichs nach dem Krieg zu entwickeln[38]. Die tatsächlichen Planungen für eine amerikanische Militärregierung in Österreich wurden schließlich auf mehreren Ebenen parallel entwickelt. Zum einen existierte seit April 1944 eine Koordination der Vorbereitungen – wenngleich mit unterschiedlichen Planungsgruppen – durch General Eisenhowers SHAEF in London und General McNarneys Mittelmeerkommando in Italien[39]. Zum anderen erfolgte die Planung in Washington im „Inter-Divisional-Committee on Germany“, dem auch Österreich-Experten angehörten. Dieses Komitee legte ein Planungspapier mit dem Titel „The Treatment of Austria“ vor. Am 4. August konnte die für die Übernahme der Zivilverwaltung durch die Besatzungstruppen zuständige G-5 Abteilung von SHAEF ihr umfangreiches Basic Handbook for Military Government of Austria vorlegen[40].

Die Zurückhaltung der Amerikaner bei der Planung einer späteren amerikanischen Militärverwaltung in Österreich wurde an dieser Stelle bereits aufgezeigt. Zu dieser Widerwilligkeit kam folglich auch eine mangelhafte Planung darüber hinzu, wie man das österreichische Volk behandeln sollte. Gerade die Frage ob die Österreicher ebenso einer gleichgearteten Re-education bedurften wie die Deutschen, konnte lange Zeit nicht beantwortet werden. Erst in den Handbüchern von 1944 wurden konkrete Österreich spezifische Bildungsziele formuliert. „Als oberstes Ziel war die Ausschaltung jeglichen nationalsozialistischen Einflusses auf Schulen oder andere Erziehungseinrichtungen gesetzt worden,“ was ebenso wie in Deutschland durch die Rückgängigmachung nationalsozialistischer Veränderungen im Schulwesen, sowie durch die Wiedereinführung einer prä-nationalsozialistischen Schulgesetzgebung „[…] erreicht werden sollte.“[41]

Zwar waren die beiden Handbücher für Deutschland und Österreich die ersten Maßstäbe für eine mögliche Umsetzung einer Umerziehung der Bevölkerung, doch erscheint die Planung für die Deutschen nicht nur wesentlich intensiver gewesen zu sein, sondern die Vorgaben für die Behandlung der Österreicher scheinen, aufgrund der mangelhaften Vorbereitung einer eventuellen Besetzung des Landes, zumindest 1944 noch unentschlossen und vage gewesen zu sein. Unentschlossen, weil keine endgültige Einigkeit darüber herrschte, ob der kleine Nachbar Deutschlands nun genau die selbe Behandlung wie das für den Krieg verantwortliche Deutschland erfahren, oder im Umgang mit den Besatzern doch liberaler behandelt werden sollte.

2.2.2 Planung und Durchführung ab 1944

Seit Mitte 1944 gab es auf Seiten der Amerikaner zwei Planungsstellen, die für die Vorbereitung der Errichtung einer Militärregierung der zu besetzenden amerikanischen Zonen in Deutschland verantwortlich waren. Die seit dem 7. Februar 1944 agierende European Civil Affairs Division (ECAD) des European Theater of Operations, U.S. Army (ETOUSA) besorgte die Personalangelegenheiten. Die USGCC in London befasste sich mit der Umsetzung der Verwaltung durch die Militärregierung.[42] Bereits im August wurde Arthur W. Keegan zum Leiter des für Gesamtbayern bestimmten Regional Military Government Detachment E1F3 ernannt. Das für die Militärverwaltung in Bayern bestimmte Detachment verfügte zunächst nicht über dezidierte Anweisungen darüber, wie die Verwaltung und die Umsetzung der Demokratisierungs- beziehungsweise Re-education- Ziele in Bayern abzulaufen habe. Keegan entwickelte bis Oktober 1944 einen Operationsplan, der sich maßgeblich an den Vorgaben des SHAEF Handbuchs orientierte.[43]

Im Frühjahr 1945 wurde Lucius D. Clay zum stellvertretenden Militärgouverneur ernannt. Zugleich war er Chief of Staff und Commanding General der USGCC. „Durch die Verbindung dieser drei Ämter war sichergestellt, daß die Entwicklung von politischen Richtlinien und deren Anwendung in einer Hand lagen.“[44] Zu dieser Zeit war die militärische Niederlage Deutschlands nur noch eine Frage der Zeit. Am 7./9. Mai 1945 ergab sich die deutsche Wehrmacht und die bedingungslose Kapitulation der Deutschen wurde unterzeichnet. Bereits am 30. April war Bayern in die Hände der 3. und 7. US-Armee gefallen, für das bald die 3. Armee unter Leitung von General George S. Patton alleine verantwortlich sein sollte. Am 15. Mai kam Keegan mit seiner regionalen Militärregierungseinheit in München an und nahm die Arbeit auf. Erste Richtlinien für seine Tätigkeit erhielt er am 7. Juli 1945 durch die von der 3. Armee herausgegebenen Grundsätze „Organization for Military Government Eastern Military District“.[45]

Ende Juni 1945 wurde die USGCC in eine obere Behörde für die Verwaltung der amerikanisch besetzten Gebiete umgewandelt. ETOUSA wurde zur Kommandobehörde und am 1. Juli 1945 in US Forces European Theater (USFET) umbenannt, das – auch in Österreich - ausschließlich amerikanische Truppen befehligte. Zwei Wochen später wurde SHAEF aufgelöst.[46] Mit Wirkung zum 1. Oktober 1945 wurde die USGCC in das Office of Military Government for Germany of the United States (OMGUS) umbenannt.[47] Die Zivilabteilung G-5 bei USFET wurde in Office of Military Government, US Zone (OMGUSZ) umbenannt und hatte die Aufgabe, die von OMGUS beschlossene Politik in der amerikanischen Zone auszuführen. Die Aufgaben gingen im März 1946 auf OMGUS über. Als Koordinationsstelle mit den Militärregierungen in den von Amerikanern besetzten Ländern Bayern, Hessen und Württemberg-Baden, mit Bremen und dem US-Sektor von Berlin wurde das Regional Government Coordinating Office (RGCO) gegründet.[48]

Während dieser Zeit der Konsolidierung fehlte es vor allem an handlungsweisenden Direktiven. Erst mit der Direktive vom 7. Juli erhielt die 3. Armee in Bayern die alleinige Verantwortung für den Vollzug der Militärregierungsmaßnahmen. Bereits in der Frühphase kam es zu einer ersten Krise der amerikanischen Militärregierung in Bayern: die US-Presse warf Keegan vor, dass er die konservativen Kreise in Bayern, wie etwa mit der Ernennung Fritz Schäffers zum Ministerpräsidenten am 28. Mai 1945, zu sehr unterstütze. Daraufhin wurde Keegan am 4. September entlassen und durch Executive Officer Robert A. Reese ersetzt. Überdies veranlasste Eisenhower die Absetzung Schäffers und die Übernahme des Amtes durch Wilhelm Hoegner.[49] Bereits sehr früh zeigte sich in Bayern, dass die amerikanische Öffentlichkeit Probleme damit hatte, allzu konservative Tendenzen in dem Land – dessen konservative Tradition immer wieder von Bedeutung sein wird – zu tolerieren.

[...]


[1] Henry J. Kellermann, „Von Re-education zu Re-orientation. Das amerikanische Reorientierungsprogramm im Nachkriegsdeutschland“, in: Manfred Heinemann, Hg., Umerziehung und Wiederaufbau. Die Bildungspolitik der Besatzungsmächte in Deutschland und Österreich (Stuttgart: Ernst Klett, 1981), 86.

[2] Ibid., 86; Michael Ermarth, ed., America and the Shaping of German Society 1945-1955 (Oxford: Berg Publishers Inc., 1993), 220.

[3] Vgl. USA-Lexikon (1996), s.v. „Re-education“.

[4] Hermann-Josef Rupieper, Die Wurzeln der Westdeutschen Nachkriegsdemokratie. Der amerikanische Beitrag 1945-1952 (Opladen: Westdeutscher Verlag GmbH, 1993), 110.

[5] Peter Graf Kielmannsegg, Das geteilte Land. Deutschland 1945-1990 (München: Siedler Verlagsgruppe GmbH, 2004), 70 ff.; Constantin Goschler, „Reformversuche gegen siegreiche Traditionen. Bayerische Politik und amerikanische Kontrolle“, in: Wolfgang Benz, Hg., Neuanfang in Bayern 1945-1949 (München: C.H. Beck Verlag, 1988), 78 f.

[6] United States Policy in Austria, 16. April 1946, in: SalLA USACA 1667-833.

[7] Roman Sandgruber, Das 20. Jahrhundert (Wien: Pichler Verlag, 2003), 106 f. und 117 f.

[8] Werner J. Patzelt, „Wissenschaftstheoretische Grundlagen sozialwissenschaftlichen Vergleichens“, in: Sabine Kropp und Michael Minkenberg, Hgg., Vergleichen in der Politikwissenschaft (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2005), 17.

[9] Rupieper, Die Wurzeln der Nachkriegsdemokratie, 390 ff.

[10] Jan Berting, ”Why Compare in International Research? Theoretical and Practical Limitations of International Research”, in: Manfred Nessen, Jules Peschar, eds., International Comparative Research (Oxford: Pergamon Press, 1982), 8.

[11] Patzelt, „Grundlagen sozialwissenschaftlichen Vergleichs“, 27/28.

[12] Ibid., 28.

[13] Johan Galtung, ”On the Meaning of ‚Nation’ as a Variable“,in: Manfred Nessen, Jules Peschar, eds., International Comparative Research (Oxford: Pergamon Press, 1982), 28.

[14] Manfred Loetsch, ”How to Achieve Comparability?”, in: Manfred Nessen, Jules Peschar, eds., International Comparative Research (Oxford: Pergamon Press, 1982), 37.

[15] Paul Hoser, „Die Entnazifizierung in Bayern“, in: Walter Schuster, Wolfgang Weber, Hgg., Entnazifizierung im regionalen Vergeich (Linz: Tauner Druck, 2004), 473-510; Ernst Hanisch, „Braune Flecken im Goldenen Westen. Die Entnazifizierung in Salzburg“, in: Sebastian Meissl, et al., Hgg., Verdrängte Schuld, verfehlte Sühne. Entnazifizierung in Österreich 1945-1955 (München: R. Oldenbourg Verlag, 1986), 321-336.

[16] Constantin Goschler, „Reformversuche gegen siegreiche Traditionen. Bayerische Politik und amerikanische Kontrolle“, in: Wolfgang Benz, Hg., Neuanfang in Bayern 1945-1949 (München: C.H. Beck Verlag, 1988), 64-81; Maren M. Roth, „’Reeducation’ in Bayern: Politischer Anspruch und Schulrealität“, in: Forschungsberichte 4 (1998), 3-91; James F. Tent, Mision on the Rhine. Reeducation and Denazification in American-Occupied Germany (Chicago: University of Chicago Press, 1982).

[17] Helmut Engelbrecht, „Die Eingriffe der Alliierten in das österreichische Schul- und Erziehungswesen nach 1945“, in: Manfred Heinemann, Hg., Umerziehung und Wiederaufbau. Die Bildungspolitik der Besatzungsmächte in Deutschland und Österreich (Stuttgart: Ernst Klett, 1981), 278-308.

[18] Vgl. etwa Reinhold Wagnleitner, Coca-Colonisation und Kalter Krieg (Wien: Verlag für Gesellschaftskritik, 1991).

[19] Karl-Heinz Füssl, Die Umerziehung der Deutschen. Jugend und Schule unter den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges 1945-1955 (Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh, 1994).

[20] Ingrid Bauer, Welcome Ami Go Home. Die amerikanische Besatzung in Salzburg 1945-1955 (Salzburg: Verlag Anton Pustet, 1998).

[21] John Dewey, Deutsche Philosophie und Deutsche Politik, übers. von Hans Hermann Kogge (Meisenheim: Westkulturverlag Anton Hain, 1954).

[22] Ibid, 10.

[23] Ellen Latzin, Lernen von Amerika? Das US-Kulturaustauschprogramm für Bayern und seine Absolventen (Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2005), 34.

[24] Kurt Lewin, „Kultureller Wiederaufbau“ (1943), in: Kurt Lewin, Die Lösung sozialer Konflikte. Ausgewählte Abhandlungen über Gruppendynamik, übers. von H.A. Frenzel (Bad Nauheim: Christian Verlag, 1953), 63-73.

[25] Ibid, 69.

[26] Kurt Lewin, „Der Sonderfall Deutschland“ (1943), in: Lewin, Die Lösung sozialer Konflikte, 74-91.

[27] Caspar von Schrenck-Notzing, Charakterwäsche. Die Re-education der Deutschen und ihre bleibenden Auswirkungen. (Graz: Ares Verlag, 2005), 105.

[28] Richard M. Brickner, Is Germany Incurable? (Philadelphia: J.B. Lippincott Company, 1943).

[29] Ibid, 302.

[30] Karl-Ernst Bungenstab, Umerziehung zur Demokratie? Re-education-Politik im Bildungswesen der US-Zone 1945-1949 (Düsseldorf: Bertelsmann Universitätsverlag, 1970). 35 ff.

[31] Günter Moltmann, Amerikas Deutschlandpolitik im Zweiten Weltkrieg – Kriegs- und Friedensziele 1941-1945, (Heidelberg: Carl Winter Universitätsverlag, 1958), 56 ff.

[32] Das Working Security Committee setzte sich aus Vertretern des Department of State, Department of Navy und Department of War zusammen.

[33] Vgl. u.a. Moltmann, Amerikas Deutschlandpolitik, 116 ff.; Bungenstab, Umerziehung, 37 ff.; Schrenck-Notzing, Charakterwäsche, 68 ff.

[34] James F. Tent, Mision on the Rhine. Reeducation and Denazification in American-Occupied Germany (Chicago: University of Chicago Press, 1982), 26.

[35] Harold Zink, American Military Government in Germany (New York: The Macmillan Company, 1947), 43 ff.

[36] Manfried Rauchensteiner, Stalinplatz 4. Österreich unter alliierter Besatzung (Wien: Steinbauer Verlag, 2005), 9 ff.

[37] Moskauer Erklärung über Österreich, 1. November 1943, in: „Moskauer Erklärung über Österreich vom 30. Oktober 1943, veröffentlicht am 1.November 1943“, übers. von Stephan Verosta, <http://www.schule.at/dl/Moskauer-Deklaration-1943.pfd>, 01. August 1007, 1.

[38] Manfried Rauchensteiner, Der Sonderfall. Die Besatzungszeit in Österreich 1945-1955 (Graz: Verlag Styria, 1979), 20 ff.

[39] Thomas St. John Arnold, Austria and the United States Forces Austria (Manhattan: Sunflower University Press, 2001), 26.

[40] Rauchensteiner, Der Sonderfall, 28.

[41] Engelbrecht, „Die Eingriffe der Alliierten“, 281.

[42] Josef Henke und Klaus Oldenhage, „Office of Military Government for Germany (U.S.)”, in: Christoph Weisz, Hg., OMGUS-Handbuch. Die amerikanische Militärregierung in Deutschland 1945-1949 (München: Oldenbourg Verlag, 1995), 6 ff.

[43] Reinhard Heydenreuther, „Office of Military Government for Bavaria“, in: Christoph Weisz, Hg., OMGUS-Handbuch. Die amerikanische Militärregierung in Deutschland 1945-1949 (München: Oldenbourg Verlag, 1995), 152.

[44] Henke und Odenhage, „OMGUS“, 15.

[45] Heydenreuther, „OMGBY“, 146 ff.

[46] Henke und Oldenhage, „OMGUS“, 20-30.

[47] Zink, American Military Government, 46.

[48] Henke und Odenhage, „OMGUS“, 28 ff.

[49] Heydenreuther, „OMGBY“, 156-161.

Ende der Leseprobe aus 116 Seiten

Details

Titel
Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanischen Militärregierungen 1945-1949
Untertitel
Bayern und Salzburg im Vergleich
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,1
Autor
Jahr
2007
Seiten
116
Katalognummer
V92199
ISBN (eBook)
9783638060523
ISBN (Buch)
9783638951432
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umerziehung, Jugend, Militärregierungen
Arbeit zitieren
Magister Artium Florian Jetzlsperger (Autor), 2007, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanischen Militärregierungen 1945-1949, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92199

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanischen Militärregierungen 1945-1949


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden