Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › American Studies - Culture and Applied Geography

Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanischen Militärregierungen 1945-1949

Bayern und Salzburg im Vergleich

Title: Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanischen Militärregierungen 1945-1949

Thesis (M.A.) , 2007 , 116 Pages , Grade: 2,1

Autor:in: Magister Artium Florian Jetzlsperger (Author)

American Studies - Culture and Applied Geography
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war für die Amerikaner zwar der Krieg beendet, nicht jedoch ihre vordringlichste Aufgabe: die Umerziehung der Deutschen um eine erneute Katastrophe wie den Nationalsozialismus zu verhindern.
Ziel dieser Umerziehung sollte am Ende die Demokratisierung der Bevölkerung der amerikanisch besetzten Gebiete in Deutschland, aber auch in Österreich sein. Die wichtigste Zielgruppe dieser Re-education, bzw. Re-orientation wie der Terminus für die Neuausrichtung der Österreicher war, sollte die Jugend sein. Diese stellte zum einen die Zukunft der Demokratie dar, zum anderen war dieser Personenkreis auch am heftigsten der NS-Indoktrination ausgesetzt gewesen.

Diese Arbeit untersucht anhand der Länder Bayern und Salzburg, wie die Amerikaner in ihren Besatzungszonen versuchten, dieses Demokratisierungsideal umzusetzen. Zunächst wird auf die Entwicklungsgeschichte des Umerziehungskonzepts eingegangen. Für Bayern und Salzburg ergaben sich nach dem Krieg unterschiedliche Voraussetzungen, da die Militärregierungen im Land Salzburg wesentlich liberaler agierte als in Bayern. Dennoch lassen sich in den Bemühungen Parallelen aufweisen. Mit unterschiedlicher Strenge sollte v.a. das Bildungswesen in beiden Ländern Entnazifiziert werden, um eine demokratische Ausbildung der Jugend zu ermöglichen. Reformen wurden angestrengt, Kommissionen eingesetzt, genauere Zielformulierungen verfasst. Um die Jugendlichen auch im außerschulischen Bereich zu erreichen, bemühte man sich ebenso um die Jugendorganisationen und Jugendaktivitäten und versuchte selbst mit den Jugendlichen etwa durch die GYA oder AYA in Kontakt zu kommen. Im Zuge des Kalten Krieges kam es jedoch zu einer Neuausrichtung der amerikanischen Prioritäten: nicht mehr der Umerziehung, sondern dem Antikommunismus galt nun größte Bedeutung.

Dabei ist festzustellen, dass sich Herangehensweisen und Strenge bei der Umsetzung, sowie der Widerstand gegen eine Umerziehungs- bzw. Umorientierungspolitik in den Ländern deutlich Unterschied. Die Ergebnisse scheinen dabei erstaunlich ähnlich gewesen zu sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung des amerikanischen Re-education-Programmes und Errichtung der Militärregierungen

2.1 Psychologischer und psychiatrischer Ansatz

2.2 Vorbereitungen zur Errichtung der Militärregierungen

2.2.1 Planung bis 1944

2.2.2 Planung und Durchführung ab 1944

2.3 Richtlinien zur Umsetzung des Umerziehungsprogramms

2.3.1 Bayern: Die Direktiven des Jahres 1945

2.3.2 Salzburg: Das I. Alliierte Kontrollabkommen

3. Umerziehung im Bildungswesen

3.1 Der Beginn

3.1.1 Entnazifizierung an den Schulen

3.1.2 Entnazifizierung an den Hochschulen

3.1.3 Schulbücher und Curriculum

3.1.4 SWNCC 269 und das II. Alliierte Kontrollabkommen

3.2 Umstrukturierung des Bildungssystems

3.2.1 Hochschulreform

3.2.2 Zook-Kommission und Schulreform

3.3 Prioritätenwechsel

3.3.1 Von der Re-education zur Re-orientation

3.3.2 Von der Re-education zum Antikommunismus

3.3.3 Kulturstreit in Bayern

3.3.4 Laisser-Faire in Salzburg

3.4 Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen im Bildungswesen

4. Umerziehung in außerschulischen Jugendaktivitäten

4.1 Maßnahmen der Militärregierung

4.1.1 Entnazifizierung der Jugendorganisationen

4.1.2 Jugendarbeit und Jugendförderung

4.2 Maßnahmen der Armee

4.2.1 GYA

4.2.2 AYA

4.3 Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen durch die Jugendaktivitäten

5. Resumee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht vergleichend die amerikanische Umerziehungspolitik ("Re-education") für die Jugend in Bayern und Salzburg im Zeitraum von 1945 bis 1949, mit dem Ziel zu klären, warum trotz unterschiedlicher Voraussetzungen und Vorgehensweisen der Militärregierungen in beiden Regionen nahezu identische Ergebnisse erzielt wurden.

  • Vergleich der Besatzungspolitik und Umerziehungsmaßnahmen in Bayern und Salzburg.
  • Analyse der Entnazifizierung und Umstrukturierung im Bildungswesen.
  • Untersuchung der Einflussnahme auf die Jugend in außerschulischen Aktivitäten (GYA/AYA).
  • Evaluation des Erfolgs der Re-education gemessen an den ursprünglichen Zielsetzungen.
  • Einfluss des Kalten Krieges und des Prioritätenwechsels von "Re-education" zu "Re-orientation" bzw. Antikommunismus.

Auszug aus dem Buch

2.1 Psychologischer und psychiatrischer Ansatz

Der Ursprung des amerikanischen Programms der Re-education lag in den Theorien des Pädagogen und Philosophen John Dewey (1859-1952). Bereits 1942 verfasste er ein Werk über Deutsche Philosophie und Deutsche Politik, in dem er die Möglichkeit einer Umerziehung des deutschen Volkes erörtert. Dewey war der Ansicht, dass - ebenso wie Hitler die Deutschen auf den Weg des Nationalsozialismus gelenkt habe - es auch möglich sei, der Bevölkerung Deutschlands Demokratie zu „lehren“. Grundvoraussetzung dafür seien zum einen die völlige Beseitigung der alten Strukturen und zum anderen ein umfassender Kulturwandel der Deutschen. Dewey nimmt dabei die Amerikaner in die Pflicht, diesen Wandel herbeizuführen und nicht in einen Isolationismus wie nach dem Ersten Weltkrieg zurückzuverfallen, der dem Nationalsozialismus in Deutschland erst den Weg geöffnet habe. Eine wirkungsvolle Umorientierung des deutschen Denkens müsse auf allen Ebenen erfolgen und gerade dort einsetzen, wo die NSDAP eine besonders wirksame Steuerung der öffentlichen Meinung ausgeübt hatte. Dewey spricht sich für eine strenge, wirkungsvolle „[…] Kontrolle der Presse, der Kanzel, der öffentlichen Versammlungen, des Rundfunks, der Schule und jeder Tätigkeit der Meinungsäußerung und –bildung […] (einschliesslich, soweit möglich, der privaten Unterhaltung)“ aus.

In den Theorien Deweys wurde somit zum ersten Mal eine kulturelle Umerziehung des deutschen Volkes, weg von Nationalismus und Militarismus, hin zur Demokratie erörtert und zugleich die wichtigsten Bereiche des Einwirkens zur Durchsetzung eines effektiven Wandels dargestellt. Seiner Meinung nach sollten die erforderlichen Demokratisierungsbemühungen nach Beendigung des Krieges so angelegt werden, dass die zur erzielende Demokratie nicht nur „ […] eine Staats- sondern vielmehr eine Lebensform sei, die im Idealfall von jedem einzelnen Bürger ausgehe.“ Deweys Konzept der Neuausrichtung des deutschen Denkens durch „Umerziehung“ und Kontrolle war die Initialzündung der Umerziehungsdebatte; von seinen Thesen ausgehend wurden weitergehende Maßnahmen erörtert und diskutiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das "Re-education"-Programm ein, benennt die Forschungsfrage nach dem Vergleich zwischen Bayern und Salzburg und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie den Forschungsstand.

2. Entwicklung des amerikanischen Re-education-Programmes und Errichtung der Militärregierungen: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen des Umerziehungsprogramms durch Vordenker wie Dewey und Lewin sowie die Planung und organisatorische Etablierung der Militärregierungen in den beiden Besatzungszonen.

3. Umerziehung im Bildungswesen: Das Kapitel analysiert die praktische Umsetzung der Umerziehung in Schulen und Hochschulen, angefangen bei Entnazifizierungsmaßnahmen über Reformversuche bis hin zum Prioritätenwechsel infolge des beginnenden Kalten Krieges.

4. Umerziehung in außerschulischen Jugendaktivitäten: Hier wird der bislang wenig beachtete Bereich der Jugendarbeit beleuchtet, einschließlich der Rolle der Militärregierung und der amerikanischen Armee bei der Förderung der organisierten und unorganisierten Jugend.

5. Resumee: Das abschließende Kapitel fasst die Maßnahmen und Ergebnisse zusammen und evaluiert, warum das ehrgeizige Ziel einer umfassenden Umerziehung trotz unterschiedlicher Voraussetzungen in beiden Zonen weitestgehend scheiterte.

Schlüsselwörter

Re-education, Umerziehung, Besatzungspolitik, Militärregierung, Bildungswesen, Entnazifizierung, Re-orientation, Bayern, Salzburg, Jugendorganisationen, Kalter Krieg, Demokratisierung, GYA, AYA, Schulreform.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert und vergleicht die amerikanische Umerziehungspolitik, bekannt als "Re-education", die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Besatzungszonen Bayern und Salzburg an der Jugend durchgeführt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretischen Hintergründe des Umerziehungskonzepts, die Entnazifizierung im Bildungssektor, die Reformversuche des Schulsystems sowie die Einflussnahme auf die Jugend in außerschulischen Aktivitäten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu klären, warum die Ergebnisse der Umerziehungsbemühungen in den beiden geographisch und politisch unterschiedlich behandelten Gebieten am Ende trotz divergierender Herangehensweisen nahezu identisch waren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um einen deskriptiven Vergleich der Besatzungspolitik beider Zonen, wobei Akten der Militärregierungen ausgewertet und mit den ursprünglichen Zielsetzungen der Besatzungsmächte evaluiert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Bildungswesens (Schulen, Hochschulen, Lehrpläne) und der außerschulischen Jugendarbeit (durch Militärregierungen und Armee) im Zeitraum von 1945 bis 1949.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Re-education, Entnazifizierung, Demokratisierung, Militärregierung, Bildungspolitik, Bayern, Salzburg und das Re-orientation-Programm.

Wie unterscheidet sich die amerikanische Vorgehensweise in Salzburg von der in Bayern?

In Bayern agierte die Militärregierung restriktiver und versuchte, Reformen gegen Widerstände durchzusetzen. In Salzburg verlief die Besatzung liberaler, und die amerikanische Politik zog sich dort früher zugunsten eines "Laisser-Faire"-Ansatzes und des Antikommunismus zurück.

Welche Rolle spielte der Antikommunismus für die Umerziehungspolitik?

Mit der Verschlechterung der Beziehungen zur Sowjetunion ab 1947 verschob sich der Fokus: In Salzburg wurde "Re-education" zunehmend durch einen aggressiven Antikommunismus ersetzt, um die Österreicher als Partner im Kalten Krieg zu gewinnen.

Excerpt out of 116 pages  - scroll top

Details

Title
Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanischen Militärregierungen 1945-1949
Subtitle
Bayern und Salzburg im Vergleich
College
LMU Munich
Grade
2,1
Author
Magister Artium Florian Jetzlsperger (Author)
Publication Year
2007
Pages
116
Catalog Number
V92199
ISBN (eBook)
9783638060523
ISBN (Book)
9783638951432
Language
German
Tags
Umerziehung Jugend Militärregierungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Florian Jetzlsperger (Author), 2007, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanischen Militärregierungen 1945-1949, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92199
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  116  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint