Die amerikanischen Grundwerte und ihr Einfluss auf interkulturelle Geschäftsbeziehungen mit Amerikanern


Seminararbeit, 2002

23 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen über die Zusammenarbeit mit Amerikanern
2.1 Die amerikanische Kernkultur
2.2 Die Kernkultur in der Geschäftswelt
2.2.1 Ostküste vs. Westküste

3 Gleichheit
3.1 Machtdistanz bzw. Hierarchie
3.1.1 Amerikanischer Führungsstil
3.1.2 Status und Titel
3.2 Informalität
3.2.1 Dress Code

4 Individualismu
4.1 Individualismus in Unternehmen
4.1.1 Teamwork
4.1.2 Regeln und Vorschriften
4.2 Zwischenmenschliche Kontakte
4.2.1 Mobilität

5 Handlungs- und Ergebnisorientierung
5.1 Beziehung zur Zeit
5.2 Kommunikationsstil
5.2.1 Small Talk
5.2.2 Informationsfluss

6 Auswirkungen auf interkulturelle Geschäftsbeziehungen
6.1 Höflichkeit
6.1.1 Kritik
6.2 Stilfragen
6.2.1 Visitenkarten
6.2.2 Political Correctness
6.3 Veränderung und Risiko
6.4 Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Alles im Geschäft ist kulturell bestimmt“[1]

Der Einfluss, den kulturelle Unterschiede auf geschäftliche Erfolge oder Misserfolge haben, darf besonders zur Zeit der Globalisierung nicht unterschätzt werden. Deswegen reicht es bei der Vorbereitung auf einen längeren -geschäftlichen- Aufenthalt in den USA oft nicht aus, sich mit Reiseführern, Zeitungen oder Gesprächen auf die neue Umgebung einzustellen. Auch wenn die USA scheinbar Deutschland sehr ähneln, gibt es dennoch grundlegende Unterschiede, die oft erst nach längerer Zeit im Lande offensichtlich werden. Auf die kulturellen Hintergründe, d.h. die Grundüberzeugungen, Werte und Normen, die in den USA vorherrschen, soll deshalb im folgenden eingegangen werden. Selbstverständlich wird dabei auch an einigen Stellen auf die „offensichtlichen“ Unterschiede zu Deutschland eingegangen.

Treffen zwei Kulturen aufeinander, sind es die Normen, Werte und die Grundüberzeugungen, die unterschiedlich sind – und nicht die sichtbaren Verhaltensweisen. Diesen Unterschied zwischen den Kulturen kann man sich gut mit Hilfe eines Eisbergs vorstellen.[2] Bei diesem befindet sich der größte Teil, die Werte und Normen, d.h. die Grundeinstellung der Kultur, unterhalb der Wasseroberfläche und liegt somit im Verborgenen. Auch unbewusste kulturelle Grundannahmen, wie beispielsweise das Raum- und Zeitkonzept, liegen tief im Wasser und sind nicht sichtbar. Aus dem Wasser herausragend findet man das Verhalten und die kulturellen Erzeugnisse, zum Beispiel Verhandlungstaktiken und Führungsstile. Diese sind für den Beobachter sichtbar - ihre Grundlagen jedoch nicht. Deswegen sollte sich jeder, der vorhat, geschäftlich mit Amerikanern in Kontakt zu treten, unter die Oberfläche des Wassers begeben und sich bei diesem „Tauchgang“ die Grundlagen der amerikanischen Kultur aneignen.

2 Grundlagen über die Zusammenarbeit mit Amerikanern

Wenn verschiedene Kulturen zusammenarbeiten, muss allen Beteiligten bewusst sein, dass Probleme wegen der kulturellen und persönlichen Unterschiede und zusätzlich wegen der jeweiligen Umstände und Situationen zustande kommen können.

Hilfreich ist es von daher immer, sich in die Lage des Menschen einer anderen Kultur zu versetzen und mit dem zuvor angeeigneten Wissen über die Kultur die Problematik neu zu interpretieren. Das Handeln eines amerikanischen Geschäftspartners wird vermutlich viel verständlicher, wird es nicht aus deutscher Sicht, sondern aus der eines Amerikaners betrachtet und gewertet.

Dass nicht alle Probleme dadurch gelöst werden können, mag unter anderem daran liegen, dass es kein allgemeingültiges Rezept im Umgang mit Menschen anderer – selbst nicht der eigenen – Kulturen gibt. Auch die Amerikaner sind nicht alle gleich, dennoch kann von einem grundlegenden Wertegerüst gesprochen werden, dass für die meisten US-Amerikaner gilt.

2.1 Die amerikanische Kernkultur

Mennicken schreibt, dass es viele Länder gibt, „...die einen multikulturellen Charakter und somit keine homogene Kultur aufweisen“[3], und zu diesen zählt sie die USA. Aber sie schreibt auch: „In den USA finden sich verschiedene kulturelle Gruppen, die durch Einwanderungswellen aus verschiedenen Ländern entstanden sind. Die Immigranten passen sich jedoch auch an die ‚amerikanischen’ kulturellen Vorstellungen an...“[4] Amerika wird deshalb oft als Schmelztiegel der Nationen bezeichnet, in dem Menschen aus aller Welt mit sehr unterschiedlichen ethnischen Wurzeln eine neue Heimat finden. Kohlert, Delany und Regier vergleichen Amerika in diesem Zusammenhang auch mit einem Dampfkochtopf[5], denn der Druck für Neuankömmlinge in den USA ist groß, so dass der Assimilationsprozess oft sehr schnell vonstatten geht. Immigranten passen sich daher häufig schnell an und nehmen damit die amerikanischen Werte und Lebenseinstellungen als die ihren an.

Ein Großteil der Amerikaner gehört somit einer Art „Kernkultur“ an, die „...von den Werten und Lebensformen der weißen Mittelschicht dominiert“[6] wird. Auch Menschen, die nicht dieser Mittelschicht angehören, aber in den USA leben, sind überwiegend dazugehörig, denn sie sind „weitgehend an diese Kernkultur assimiliert“.

Geschichtlich gesehen sind die amerikanischen Werte auf die „...moralischen und intellektuellen Traditionen der puritanischen Siedler“[7] zurückzuführen. Bis heute ist der Einfluss der von Anfang an dominierenden Kultur der USA zu spüren. Trotz erheblicher demographischer Veränderungen zugunsten ethnischer Minderheiten und zuungunsten der WASPs bilden viele Werte der Puritaner bis heute die Grundlage der amerikanischen Kernkultur.

2.2 Die Kernkultur in der Geschäftswelt

Auch im Geschäftsleben dominiert sie: „Achtzig Prozent aller Amerikaner in führenden Managementpositionen verhalten sich so, als ob sie nordwesteuropäische ethnische Wurzeln hätten. Das trifft weitgehend auch auf Amerikaner afrikanischer, asiatischer und hispanischer Herkunft in Machtpositionen zu. Um beruflich voranzukommen und Karriere zu machen, verhält der einzelne Amerikaner sich eben entsprechend.“[8]

Schließlich glaubt ein Großteil der Amerikaner, unabhängig von der ethnischen bzw. religiösen Zugehörigkeit, an grundlegenden Ideale der amerikanischen Gesellschaft wie Freiheit (Individualismus) und Gleichheit (Egalitarismus) und an Handlungs- und Ergebnisorientierung.

2.2.1 Ostküste vs. Westküste

Aufgrund der Größe der USA lassen sich selbst innerhalb des Landes Unterschiede, z.B. in der Einstellung zur Arbeit, feststellen. Auch dies soll zeigen, dass man nicht alle Kulturphänomene vereinheitlichen kann. „Bei den Ostküsten-Amerikanern gilt es vordringlich, so zu tun, als sei man stets ungeheuer beschäftigt. In New York und in Washington bleiben daher vor allem die Angestellten der Anwaltsfirmen und Verlage abends besonders lange im Büro; manchmal tauchen sie sogar am Wochenende dort auf. In Los Angeles dagegen gilt es, so zu tun, als würde man gar nichts arbeiten. Geschäfte, bei denen es mitunter um Hunderte von Millionen Dollar geht, werden dort gerne am Rand des Swimming-pools besprochen...“[9]. Befindet man sich dann allerdings auf Geschäftsebene, lässt sich feststellen, dass, abgesehen vielleicht von einigen Ausnahmen, weder auf der einen noch auf der anderen Seite mehr oder weniger gearbeitet wird. Aber an den grundlegenden Werten wie Gleichheit, Individualismus und an Handlungs- und Ergebnisorientierung orientieren sie sich alle gleichermaßen.

3 Gleichheit

Hierbei handelt es sich um das Gleichheitsdenken der Amerikaner, das sich besonders dann äußert, wenn es um Chancengleichheit, Ablehnung von Autorität und Bevormundung und um die informellen Umgangsformen geht.

Die Wurzeln für diese Werthaltung führen bis in das Jahr 1776 zurück, denn schon in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung steht geschrieben: „...that all men are created equal...“. „Amerikaner glauben an Gleichheit, d.h. daran, dass alle Menschen ungeachtet ihres Geschlechts, Alters, ihrer Religionszugehörigkeit und Herkunft von Grund auf gleich sind.“[10] Daher erklären sich z.B. auch die vielen Gesetze zum Schutz von Minderheiten.

Jeder Amerikaner hat daher die Möglichkeit, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und seinen Lebensweg selbst zu bestimmen.

Das Bild ‚vom Tellerwäscher zum Millionär’ zeigt, dass dies grundsätzlich möglich ist, auch wenn nur ein unendlich kleiner Bruchteil der Amerikaner wirklich zum Millionär geworden ist. Des Glückes – eigener - Schmied zu sein ist somit eine Selbstverständlichkeit in den USA, die erklärt, warum es kein Widerspruch zur Chancengleichheit ist, dass rund „...30 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung sind“[11] Betrachtet man allerdings die amerikanischen Verhältnisse, verwundert dieses Gleichheitsdenken: Schließlich sind die Gegensätze zwischen arm und reich in Amerika sehr groß und auch historisch gesehen war Amerika nie ein Land der Gleichheit. „Eigentlich war Amerika immer ein Land extremer Ungleichheiten. Amerika ist auch heute ein Land großer Ungleichheiten, das darum kämpft, das Ideal der Gleichheit für alle durchzusetzen.“[12] Auf der Suche nach diesem Ideal haben sich weitere Abweichungen vom eigentlichen Sinn des Wortes Gleichheit ergeben. So kann in Amerika beispielsweise nicht die Rede davon sein, dass es in den USA nur flache Hierarchie- oder Statusunterschiede gibt, was die zwingende Konsequenz von Gleichheit wäre.

3.1 Machtdistanz bzw. Hierarchie

In fast jedem Land gibt es Ungleichheiten in der Gesellschaft, die sich z.B. über den Grad der Machtdistanz des jeweiligen Landes messen lassen. Laut Geert Hofstede drückt die Machtdistanz „...die emotionale Distanz aus, die zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten herrscht“[13]. „In Ländern mit geringer Machtdistanz ist die Abhängigkeit des Mitarbeiters von seinen Vorgesetzten begrenzt, und ein konsultativer Stil wird bevorzugt, d.h. es gibt eine Interdependenz zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem. Die emotionale Distanz zwischen ihnen ist gering: für den Mitarbeiter ist der Vorgesetzte immer ansprechbar, und er traut es sich auch, ihm zu widersprechen.“[14] In Ländern mit großer Machtdistanz hingegen ist der Mitarbeiter stark von seinem Vorgesetzten abhängig und die Mitarbeiter lehnen dies entweder völlig ab oder ziehen diese Abhängigkeit vor; in diesem Fall kann von einem patriarchalischem Vorgesetzten ausgegangen werden. Die Mitarbeiter sprechen ihren Vorgesetzten nur selten an und würden ihm wohl kaum widersprechen. In Geert Hofstedes Studie, bei der Mitarbeiter verschiedener Abteilungen und Bildungsschichten bei IBM weltweit befragt wurden, um die Machtinstanz in verschiedenen Ländern festzustellen, ergab sich, dass die USA ein Land mit geringer bis mittlerer Machtdistanz ist. Die vorhandenen Hierarchien in Amerika können daher als praktische Einrichtung gesehen werden, die nötig ist, um geordnete Abläufe in Unternehmen zu ermöglichen. Rollen sind hier jedoch leicht tauschbar. Nicht selten kann aus einem Kollegen ein Chef in der Zukunft werden. Dies wäre in Organisationen mit hoher Machtdistanz fast nicht möglich.

[...]


[1] Kohlert, Helmut; Michael J. Delany, Ingo Regier: Amerikageschäfte mit Erfolg: Leitfaden für den Einstieg in den US-amerikanischen Markt. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 1999, S. 71.

[2] Stahl, Günter; Claudia Langeloh; Torsten Kühlmann: Geschäftlich in den USA: ein interkulturelles Trainingshandbuch. Wirtschaftsverlag Ueberreuter, Wien, 1999, S. 15f..

[3] Mennicken, Claudia: Interkulturelles Marketing. Wirkungszusammenhänge zwischen Kultur, Konsumverhalten und Marketing. Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden, 2000, S. 50.

[4] Ebd., S. 59.

[5] Kohlert, Delany, Regier, a.a.O., S. 76.

[6] Ebd., S. 221.

[7] Ebd., S. 96.

[8] Ebd., S. 77.

[9] Stephanie Faul: Die Amerikaner Pauschal. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1997, S. 112f..

[10] Kohlert, Delany, Regier, a.a.O., S. 105.

[11] Otte, Max: Amerika für Geschäftsleute: das Einmaleins der ungeschriebenen Regeln. Ullstein, Berlin, 1999, S. 15.

[12] Kohlert, Delany, Regier, a.a.O., S. 106.

[13] Hofstede, Geert: Interkulturelle Zusammenarbeit. Kulturen-Organisationen-Management. Gabler, Wiesbaden, 1993, S. 38.

[14] Ebd., S. 41.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die amerikanischen Grundwerte und ihr Einfluss auf interkulturelle Geschäftsbeziehungen mit Amerikanern
Hochschule
Universität Leipzig  (Amerikanistik)
Veranstaltung
Seminar: Werte und Wertewandel
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V9220
ISBN (eBook)
9783638159852
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundwerte, Einfluss, Geschäftsbeziehungen, Amerikanern, Seminar, Werte, Wertewandel
Arbeit zitieren
Anne-Kristin Vintz (Autor), 2002, Die amerikanischen Grundwerte und ihr Einfluss auf interkulturelle Geschäftsbeziehungen mit Amerikanern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9220

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