Peer- und Pool-Bestrafungsinstitutionen. Förderung von kooperativem Verhalten

Experimentelle Evidenz


Masterarbeit, 2020

67 Seiten, Note: 1,30


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Inhaltverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Definition der öffentlichen Güter
2.2 Trittbrettfahrerproblem und soziales Dilemma im ÖGS
2.3 Bestrafungsinstitutionen
2.3.1 Übersicht der Institutionen
2.3.2 Formelle und informelle Institutionen
2.3.3 Übersicht der Bestrafungsinstitution

3. LiteraturReview

4. Evidenz aus dem Experiment
4.1 Experimentelles Design und Verfahren
4.2 Hypothese
4.3 Resultate

5. Analyse und Diskussion

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Experimentelle Instruktionen

Abkürzungsverzeichnis

BI Bestrafungsinstitution

JFM Joint Forest Management

MPCR marginale Pro-Kopf-Rendite

NGG Nash-Gleichgewicht

ÖGS Öffentliche-Güter-Spiel

STR Similipal Tiger Reserve

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Wirtschaftliche Güterarten

Tabelle 2: Klassisches Öffentliche-Güter-Spiel

Tabelle 3: Dominante Strategie aller Spieler und Nash-Gleichgewicht-Strategie

Tabelle 4: Unterschied zwischen formeller und informeller Institution

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Absolute Zahl beim normalen ÖGS

Abbildung 2: Wechselsituation zwischen Gruppe A und Gruppe B

Abbildung 3: Wechselsituation zwischen Gruppe C und Gruppe D

Abbildung 4: Vergleich der durchschnittlichen Beitragshöhe zwischen normalem ÖGS (A) und ÖGS mit Peer-BI (B)

Abbildung 5: Vergleich der durchschnittlichen Beitragshöhe zwischen normalem ÖGS (C) und ÖGS mit Pool-BI (D)

Abbildung 6: Vergleich der durchschnittlichen Beitragshöhe zwischen normalem ÖGS und ÖGS mit Peer-/ Pool-BI

Abbildung 7: Vergleich der durchschnittlichen Auszahlungen zwischen Gruppe A und Gruppe B

Abbildung 8: Vergleich der durchschnittlichen Auszahlungen zwischen Gruppe C und Gruppe D

1. Einleitung

In einem Wohngebäude sind die gemeinsam genutzten Bereiche heruntergekommen. Sie sind schlecht beleuchtet, die Wände sind schmutzig und der Aufzug ist mit Werbung und Graffitis bedeckt. Ein Bewohner schlägt vor, Geld zu investieren, um das Gemeinschaftseigentum zu verbessern. Einige Leute möchten kein Geld ausgeben, aber die Annehmlichkeiten nach der Reparatur genießen. Sie hoffen, dass andere dazu beitragen und sie kostenlos davon profitieren. Sie sind egoistisch und verfolgen nur eigene Interessen. Nach einer Diskussion ist es wahrscheinlich, dass alle beschließen, den Plan aufzugeben, weil die Bewohner mit dem Verhalten derjenigen, die nicht bezahlen möchten, unzufrieden sind. Das Beispiel zeigt ein soziales Dilemma im täglichen Leben. Das Kooperationsproblem findet sich häufig bei sogenannten öffentlichen Gütern.

In einer Gruppe, in der Menschen voneinander abhängig sind, bezieht sich das soziale Dilemma auf Situationen, in denen die Menschen im Konflikt zwischen der Maximierung des persönlichen Gewinns und dem kollektiven Interesse stehen.1 Das Öffentliche-Gut-Dilemma ist ein Typ des sozialen Dilemmas. Es stellt einen Konflikt zwischen individueller und Gruppenrationalität dar. Das Streben nach Maximierung persönlicher Interessen führt zu einer Situation, die insgesamt schlimmer für alle ist.2

Um das kollektive Handeln zu untersuchen, haben Forscher zahlreiche Experimente über das Öffentliche-Güter-Spiel (ÖGS) durchgeführt. Bei einem typischen Öffentliche-Güter-Spiel entscheiden die Teilnehmer, wie viel sie von ihren eigenen Ressourcen zum öffentlichen Gut beitragen möchten, wenn dieses den Mitgliedern gleichermaßen zugutekommt. Wenn alle Mitglieder ihre sämtlichen Ressourcen einbringen, erzielt die gesamte Gruppe den höchsten Gewinn. Manche glauben jedoch, dass sie ihre eigene Auszahlung erhöhen können, wenn sie nichts beitragen und dennoch vom öffentlichen Gut profitieren. Sie werden als Trittbrettfahrer angesehen. Dies führt zu einer sozial ineffizienten Situation, zum sogenannten Trittbrettfahrerproblem.

Die freiwillige Kooperation der Menschen weist die Merkmale der Zerbrechlichkeit im endlich wiederholten ÖGS auf. Diese Fragilität besteht darin, dass das Maß der freiwilligen Kooperation bei öffentlichen Gütern bei Wiederholung des Spiels allmählich abnimmt. Dieses Phänomen wird auch als Perioden- oder Weltuntergangseffekt des Kooperationsniveaus bezeichnet. Das heißt, nimmt die Anzahl der Perioden zu, zeigt das freiwillige Kooperationsniveau der Menschen einen Abwärtstrend. Je weiter das Spiel voranschreitet, desto näher ist die freiwillige Kooperation an dem von Ökonomen angenommenen Null-Level-Zustand, d. h. Trittbrettfahrer dringen ein und besetzen den dominierenden Vorteil.3 Um dieses Phänomen zu umgehen, spielen Bestrafungsinstitutionen eine wichtige Rolle.

Institutionen sind als erfundene Zwänge definiert, die die menschliche Interaktion prägen. In der Forschungsliteratur wurde die Wahl der Institutionen zur Lösung der Kooperationsprobleme im Öffentliche-Güter-Spiel schon oft untersucht. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen von informellen und formellen Bestrafungsinstitutionen auf die Kooperation und den sozialen Wohlstand.

Dannenberg und Gallier fassen in ihrer Arbeit Forschungsliteratur der letzten zwanzig Jahre zusammen und kategorisieren zwei Dimensionen: die Skala der Institutionen (lokal/global) und die der Kooperationsprobleme (exklusiv/inklusiv). In dieser Arbeit wird nur die Ausgangslage von lokalen Kooperationsproblemen und exklusiven Institutionen untersucht. Lokale Kooperationsprobleme bedeuten im Experiment, dass die Spieler in einige Gruppen verteilt werden und nur die Mitspieler ihrer Gruppe von den Vorteilen profitieren. Exklusive Institutionen bedeuten, dass sie nur denjenigen zur Verfügung stehen, die sie unterstützen.4

In mehreren Studien wurde der Unterschied zwischen endogen ausgewählten und exogen auferlegten Institutionen untersucht. Wenn die Institutionen exogen auferlegt sind, wird die Differenz der Handlungen zwischen den Spielern, die unter der Institution handeln, und Teilnehmern, die nicht unter der Institution sind, nur von einem Effekt (Institutionseffekt) beeinflusst. Sind die Institutionen endogen ausgewählt, wird der Unterschied der Handlungen von vier Aspekten (Institutions-, Selektions-, Informations- und Demokratieeffekt) beeinflusst.5 Zahlreiche Studien belegen, dass die Kooperationsraten höher sind, wenn die Spieler selbst entscheiden, ob sie eine Institution wählen, als wenn die Institution exogen auferlegt wird. In dieser Arbeit können die Spieler im Experiment selbst entscheiden, ob sie am Spiel mit Bestrafungsinstitution teilnehmen möchten. Der Grund: Es ist nicht möglich, dass eine exogen auferlegte Institution in einer demokratischen Sozial existiert.6

Beim Experiment von Gürerk, Irlenbusch und Rockenbach wurden die Auswirkungen des sozialen Lernens auf die Akzeptanz und Effizienz einer Peer-Bestrafungsinstitution untersucht. Die Spieler konnten hier selbst zwischen dem normalen Öffentliche-Güter-Spiel und dem Spiel mit informeller Institution wählen. Bevor die Teilnehmer das Spiel durchführten, bekamen sie die Hauptergebnisse der vorherigen, identisch angelegten Experimente. Insgesamt ergab die Studie, dass Ex-ante-Informationen die Wahl und Kooperation der Teilnehmer beeinflussen. Mit Ex-ante-Informationen wählten mehrere Spieler anfänglich das Spiel mit Bestrafungsinstitution und leisteten mehrere Beiträge zum öffentlichen Gut. Mit den Informationen zu den vorherigen Experimenten erreichten die kooperativen Gruppen schneller das soziale Optimum und es zeigte sich ein geringerer Effizienzverlust aufgrund reduzierter Bestrafung.7 Im Experiment für diese Arbeit wird die Auswirkung von Ex-ante-Informationen auf das menschliche Verhalten ausgeschlossen. Die Teilnehmer des Experiments sind Bachelorstudenten, die das ÖGS nicht kennen. Es soll das Kooperationsniveau von Menschen untersucht werden, die von keinem der genannten Faktoren betroffen sind.

Es gibt immer mehr Studien, in denen die Bestrafungsinstitutionen und ihre Auswirkungen im Bereich des Öffentliche-Güter-Spiels untersucht werden. Informelle und formelle Bestrafungsmechanismen, also Peer- und Pool-Bestrafungsinstitutionen, können das Kooperationsverhalten effizient fördern. Diese Ergebnisse werden als Ausgangspunkt für das Experiment herangezogen und es wird untersucht, welcher Bestrafungsweg stabiler und effizienter zur Förderung von kooperativem Verhalten ist.

Am Anfang des Experiments spielen zehn Teilnehmer das wiederholte normale Öffentliche-Güter-Spiel in zehn Runden. Sie werden als Kontrollgruppe angesehen. In den folgenden zwanzig Spielrunden wird das Experiment von Cobo-Reyes, Katz und Meraglia im Jahr 2019 imitiert. Dazu werden die Spieler zufällig in das normale ÖGS und in das modifizierte Spiel mit Bestrafungsinstitution eingeteilt. Nach jeder Spielrunde können die Spieler frei entscheiden, ob sie zum anderen Spiel wechseln möchten. Durch das Experiment wird die Anziehungskraft der informellen und formellen Bestrafungsinstitution auf die Spieler und die Auswirkung der Institution auf das Kooperationsniveau und den sozialen Wohlstand analysiert. Für das Spiel mit informeller Bestrafungsinstitution gibt es drei Stufen: die Beitrags-, die Bestrafungs- und die Wechselstufe. Für das normale Spiel und das Spiel mit formeller Bestrafungsinstitution gibt es nur die Beitragsstufe und die Wechselstufe. Die Bestrafung gilt nur für die Personen, die die Bestrafungsinstitution gewählt haben. Es wird festgelegt, dass die marginale Pro-Kopf-Rendite (MPCR) höher bei gleicher Anzahl der Gruppenteilnehmer ist, wenn die Spieler in ihrer ursprünglichen Gruppe bleiben. Das Experiment bringt die Wechselsituation der Teilnehmer zwischen zwei Gruppen und die Ergebnisse des Kooperationsniveaus hervor.

Die Wege zur Verbesserung der Kooperationsprobleme schätzen Forscher in der Fachliteratur unterschiedlich ein. Einige finden, dass die formelle Bestrafungsinstitution stabiler als die informelle ist, weil verschiedene Faktoren (z. B. Trittbrettfahrer zweiter Ordnung: Wer bestraft ihre Mitspieler nicht, aber hoffe, dass andere Menschen die Bestrafungskosten leisten) die Effektivität und Stabilität der informellen Bestrafung negativ beeinflussen.8 Im Experiment für diese Arbeit gibt es aber eine andere unerwartete Entdeckung.

In Kapitel 2 wird der Hintergrund des Experiments dargestellt. Darin wird zuerst das öffentliche Gut mit anderen wirtschaftlichen Gütern verglichen. Dann werden das Trittbrettfahrerproblem und das soziale Dilemma mit Hilfe von Gefangendilemma erklärt. Danach werden der Begriff Institution sowie der Unterschied zwischen formeller und informeller Institution definiert. In Kapitel 3 findet die Auseinandersetzung mit relevanter Literatur statt. In Kapitel 4 wird das experimentelle Design beschrieben und die Hypothese und Resultate werden dargestellt. Kapitel 5 beinhaltet die Analyse und Diskussion des Experiments, in Kapitel 6 folgt die Zusammenfassung. Die detaillierten Informationen und Instruktionen über das Experiment werden im Anhang dargestellt.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Definition der öffentlichen Güter

Menschen tauschen im Wirtschaftsleben freiwillig Güter wie Milch oder Kleidung aus. Diese Güter werden als Privatgüter bezeichnet. Wenn sie von einer Person konsumiert werden, können andere die nicht benutzen. Das Gegenteil von Privatgütern sind öffentliche Güter, für die die Kosten zur Ausweitung der Dienstleistung auf eine zusätzliche Person Null betragen (Grenzkosten = 0) und für die es unmöglich oder teuer ist, Einzelpersonen vom Genuss auszuschließen. Dazu zählen z. B. Stadtbegrünung und Terrorismusbekämpfung.9

Die wirtschaftlichen Güter unterscheiden sich in zwei Aspekten, nämlich darin, ob die Güter ausschließlich und rivalisiert sind. Entsprechend werden wirtschaftliche Güter in vier Segmente unterteilt. Tabelle 1 zeigt diese Aufteilung.

Tabelle 1: Wirtschaftliche Güterarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Ostrom et al. (1994), S. 7.

Die Ausschließbarkeit vom Konsum bedeutet, dass nicht jeder Einzelne das Gut benutzen oder konsumieren kann. Rivalität im Konsum bedeutet, dass Einzelne bei der Nutzung gestört werden, wenn andere Personen das Gut konsumieren.

Die zwei Eigenschaften von öffentlichem Gut sind Nichtausschließbarkeit und Nichtrivalität. Nichtrivalität bedeutet, dass jede Person das öffentliche Gut konsumieren kann und niemand bei der Nutzung gestört wird, wenn andere Menschen das Gut ebenfalls konsumieren. Dies zeigt sich am Beispiel eines Leuchtturms. Der Leuchtturm dient dazu, Schiffe auf dem Meer zu führen. Er ist ein öffentliches Gut, weil Menschen, die den Turm sehen, seinen Wert für andere nicht verringern. Das zweite Merkmal des öffentlichen Guts ist die Nichtausschließbarkeit. Dies bedeutet, dass keine Person davon ausgeschlossen werden kann, vom öffentlichen Gut zu profitieren oder davon betroffen zu sein (oder nur zu sehr hohen Kosten ausgeschlossen werden kann). So profitieren z. B. alle von der Ausrottung der Pocken, niemand ist davon ausgeschlossen.10 Ein anderes Beispiel hierfür sind die Seen in der Nähe der TU-Clausthal. Im Sommer kann jede Person kostenlos darin schwimmen, niemand wird ausgeschlossen. Die Seen sind also ein öffentliches Gut.

Öffentliche Güter unterscheiden sich in einigen Arten. Wenn die Güter die Eigenschaften der Nichtausschließbarkeit und Nichtrivalität komplett erfüllen, sind sie sogenanntes reines öffentliches Gut. Das obige Beispiel vom Leuchtturm demonstriert ein reines öffentliches Gut. Alle Schiffe können die Lichtinformationen ohne Rivalität benutzen, niemand wird ausgeschlossen. Das Gegenteil hiervon ist das begrenzte öffentliche Gut, das oft eine vorübergehende Erscheinung ist. Rivalität tritt oft auf, wenn die vorhandenen Kapazitäten für alle Benutzer nicht ausreichen.11 Das begrenzte öffentliche Gut wird auch Allmendegut genannt. Ein Beispiel dafür: Im Hochsommer wollen die Bewohner einer Stadt in ein öffentliches Schwimmbad schwimmen gehen. Wenn sich zu viele Personen im Schwimmbad befinden, muss ihre Anzahl begrenzt werden. Das Schwimmbad ist dann rivalisiert für die Einwohner.

Wegen der Eigenschaften von öffentlichen Gütern, insbesondere die Nichtausschließbarkeit, ist das Trittbrettfahrerproblem oft mit dem reinen und begrenzten öffentlichen Gut verbunden, das im nächsten Unterkapitel erklärt wird.

Nach geographischer Verteilung werden öffentliche Güter in nationale öffentliche, lokale öffentliche und globale öffentliche Güter eingeteilt. Nationale öffentliche Güter sind z. B. Bundesautobahnen. Lokale öffentliche Güter sind Stadtbibliotheken, Parks oder dergleichen. Globale öffentliche Güter (z. B. Klimastabilität, Treibhauseffekt, Zerstörung der Ozonschicht, Luftverschmutzung) unterscheiden sich qualitativ nicht von anderen öffentlichen Gütern. Sie wirken sich lediglich auf der ganzen Welt und auf lange Sicht auf. So ist z. B. saubere Luft die Voraussetzung für die Gesundheit der Menschen. Wird die Luftverschmutzung einer Region schlimmer, sind alle Nachbarregionen betroffen. Deshalb ist dies ein globales Problem.12 Die Qualität von globalen öffentlichen Gütern zu verbessern, ist immer eine Kooperationsaufgabe, zu der jede Person beitragen sollte.

2.2 Trittbrettfahrerproblem und soziales Dilemma im ÖGS

Öffentliche Güter sind oft mit dem Trittbrettfahrerproblem verbunden, da sie Personen Anreize dazu bieten. Wenn Menschen Anstrengungen unternehmen, von deren Ergebnissen alle profitieren, gibt es immer Leute, die nichts für die gemeinsamen Ziele tun, aber kostenlos in den Genuss der Ergebnisse kommen. Sie werden als Trittbrettfahrer angesehen. Ein Trittbrettfahrer ist also jemand, der möchte, dass andere für ein öffentliches Gut bezahlen, aber plant, dieses selbst kostenlos zu nutzen.13

Bei begrenzten öffentlichen Gütern besteht aufgrund der Trittbrettfahrer die Gefahr eines übermäßigen Ressourcenverbrauchs, was je nach den Umständen zu einer öffentlichen Tragödie führen kann. Wegen des freien Zugangs hoffen Trittbrettfahrer bei begrenzten öffentlichen Gütern, dass andere Menschen die Ressourcen weniger nutzen, wodurch ihnen selbst mehr zur Verfügung stehen.

Das Trittbrettfahrerproblem entsteht unter bestimmten Bedingungen: Dazu zählt, dass jeder eine Ressource in unbegrenzten Mengen verbrauchen kann und niemand beim Konsum einschränkt wird. Dasselbe Problem tritt auf, wenn jemand die Ressource produzieren und reparieren muss. Am Badebeispiel erklärt würde es bedeuten, dass es sich nicht um einen See, sondern um ein Schwimmbad handelt, bei dem jemand Bau und Wartung übernehmen muss.14

Das Trittbrettfahrerproblem ergibt sich aus der Annahme, dass Menschen homo oeconomicus sind: Sie sind nicht nur rein rational, sondern auch rein egoistisch. Das Trittbrettfahrerproblem tritt dann auf, wenn Menschen nur die Vorteile und Kosten berücksichtigen, die sie direkt betreffen. Dies wirkt sich auf die Fairness der Kostenteilung bei der Versorgung mit öffentlichen Gütern aus und darauf, ob diese Versorgung nachhaltig und dauerhaft sein kann.15

Trittbrettfahrer sind ein wirtschaftliches Problem, das als ein Faktor des Marktversagens angesehen wird.16 Ein Beispiel dazu: Im Stadtzentrum spielen Straßenmusiker ihre Instrumente. Die Zuschauer können Münzen in den Hut werfen. Manche Leute hören die Musik aber kostenlos und gehen am Ende des Spiels einfach weg. Sie können als Trittbrettfahrer angesehen werden. Ihr Verhalten ist zwar rational, aber wenn es ihnen alle Zuschauer so täten, würde es über kurz oder lang keine Straßenmusiker mehr geben.

Soziale Dilemmas gibt es überall, von kleinen zu Hause oder bei der Arbeit bis hin zu großen globalen Umweltproblemen. Die Spannung zwischen dem eigenen und dem kollektiven Interesse ist immer die zentrale Herausforderung in allen sozialen Beziehungen.17

Individuen sind oft egoistisch, sie tun etwas, um die eigenen Interessen zu maximieren. Aber die soziale Gemeinschaft hofft, dass alle Menschen komplett zu den öffentlichen Gütern beitragen. Wer etwas beiträgt, kann nicht davon profitieren, wenn sich selbstinteressierte Spieler von einer Beteiligung ausnehmen. Wenn sich alle egoistisch verhalten, sind die Auszahlungen aus dem öffentlichen Gut gleich Null. Darin zeigt sich ein soziales Dilemma.18

Menschen sind oft egoistisch und rational, wenn sie die öffentlichen Güter benutzen –sie möchten nur ihre eigenen Interessen maximieren. Ein frühes Beispiel dafür ist der Boston Common Park, der im Zentrum der Stadt liegt. Im 17. Jahrhundert konnten die Bürger im Boston Common Kühe auf die Weide treiben, was übermäßig genutzt wurde. Das öffentliche Gut wurde durch die menschlichen Handlungen zerstört. Dieses Phänomen wird von Garrett Hardin im Jahr 1968 als „Tragödie der Allmende“ beschrieben. Ein Problem besteht darin, dass die Bürger oft selbstsüchtig über die Verwendung öffentlicher Ressourcen entscheiden, ohne zu berücksichtigen, wie sich ihre Handlungen auf andere auswirken. Wenn die egoistischen Entscheidungen zu universellen Normen werden, wird die Qualität der öffentlichen Güter beschädigt, weil sie schneller konsumiert als aktualisiert werden.19

Trittbrettfahrer werden im One-Shot Öffentliche-Güter-Spiel selten beobachtet, aber sie erscheinen oft im endlich wiederholten Spiel. Die einfachste Form des ÖGS ist das 2*2-Spiel. Die Ergebnisse des One-Shot-Spiels lassen sich leicht auf ein endlich wiederholtes Spiel ausweiten, weil hier jede Runde eine exakte Nachbildung des One-Shot-Spiels ist und die Auszahlungen jeder Runde nicht auf nachfolgende Runden übertragen werden dürfen.20 Das Trittbrettfahrerproblem kann im Gefangenendilemma ausgedrückt werden. Das bekannte Gefangenendilemma-Spiel (das 2*2-Spiel) ist das grundlegendste Beispiel für ein soziales Dilemma, das wird in den nächsten Abschnitten erklärtet. Das Öffentliche-Güter-Dilemma kann als Mehrpersonen-Gefangenendilemma definiert werden.21

Zwei Spieler müssen simultan im One-Shot-ÖGS entscheiden, ob sie Geld zum öffentlichen Gut beitragen möchten. Das beste Ergebnis ist, dass alle zwei Spieler zusammen dazu beitragen, dann erhalten sie die höchste Auszahlung. Wenn ein Spieler glaubt, dass der andere dazu beitragen wird, kann er eine höhere Auszahlung erhalten, wenn er keinen Beitrag leistet. Das öffentliche Gut wird dank des Beitrags des anderen Spielers finanziert. Tabelle 2 zeigt die normale Form des ÖGS, in der die Zeile Spieler 1, die Spalte Spieler 2 ist und ,,beitragen“ (B) sowie ,,nicht beitragen“ (NB) die möglichen Aktivitäten der Spieler sind. Jede Zelle enthält die Auszahlung für Spieler 1 und Spieler 2 für jede mögliche Kombination ihrer Aktivitäten.22

Tabelle 2: Klassisches Öffentliche-Güter-Spiel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Alventosa, Hernández (2018), S. 63.

Anfänglich erhält jeder Spieler 1. Die Kosten für öffentliches Gut sind insgesamt 2. Falls beide Spieler zusammen investieren, leistet jeder 1 für die Kosten und jeder Spieler bekommt eine Auszahlung von 3 aus dem öffentlichen Gut. Falls nur ein Spieler investiert, leistet dieser selbst für die Gesamtkosten von 2 und jeder Spieler erhält eine Auszahlung von 2. Die verschiedenen Auszahlungen (3/2) aus dem öffentlichen Gut bedeuten: Wenn beide Spieler zusammen investieren, ist es besser für alle. Falls keiner von beiden einen Beitrag leistet, gibt es keine Kosten für das öffentliche Gut.

Wenn beide Spieler den Beitrag leisten, können sie jeweils eine Auszahlung von 2 (anfängliche AusstattungBeitragKostenAuszahlung aus dem öffentlichen Gut 11132) erhalten. Wenn jedoch einer von ihnen den Beitrag leistet und der andere nicht, trägt der Spieler alle Kosten, der den Beitrag geleistet hat, und erhält eine Auszahlung von 0 (anfängliche AusstattungBeitragKostenAuszahlung aus dem öffentlichen Gut 11220). Dagegen erhält der Spieler, der frei gefahren ist, eine Auszahlung von 3 (anfängliche Ausstattung Auszahlung aus dem öffentlichen Gut 123). Wenn beide Spieler nichts beitragen, erhalten beide 1 (anfängliche Ausstattung). Wenn keiner von ihnen den Beitrag leistet, ist das Ergebnis schlechter, als wenn beide zusammen etwas beitragen. Beide Spieler haben perfekte Informationen über die Auszahlungen für jedes mögliche Szenario.23

In der Spieltheorie ist das Standardlösungskonzept eines simultanen Spiels mit perfekter Information das Nash-Gleichgewicht (NGG), benannt nach John Forbes Nash Jr. In der Spieltheorie wird jeder Spieler eine bestimmte Strategie wählen, egal welche sich der andere Spieler aussucht. Das ist die sogenannte dominante Strategie. Wenn beide Spieler ihre jeweiligen dominanten Strategien darstellen, ist diese Kombination ein Nash-Gleichgewicht. Angenommen, beide Spieler sind rational und haben egoistische Präferenz, das heißt, sie maximieren ihre eigene Auszahlung. Im obigen Beispiel ist ,,nicht beitragen“ eine dominante Strategie für beide Spieler. Wenn Spieler 1 einen Beitrag leistet, kann Spieler 2 mehrere Auszahlungen bei ,,nicht beitragen“ als bei ,,beitragen“ erhalten (3 >2). Wenn Spieler 1 keinen Beitrag zum öffentlichen Gut leistet, kann Spieler 2 ebenfalls mehrere Auszahlungen bei ,,nicht beitragen“ als bei ,,beitragen“ erhalten (1 >0). Also ist ,,nicht beitragen“ eine dominante Strategie für Spieler 2. Spieler 1 wird die gleiche Entscheidung treffen. Deshalb ist das Nash-Gleichgewicht dieses Spiels, dass beide Spieler entscheiden, keinen Beitrag zu leisten (NB, NB) und jeder eine Auszahlung von 1 erhält.24

Die folgenden Tabellen zeigen die dominante Strategie aller Spieler und die Nash-Gleichgewicht-Strategie. Die fett unterstrichenen Zahlen sind die Wahl des Spielers bei zwei Auswahlmöglichkeiten des anderen Spielers und das unterstrichene Wort ist die dominante Strategie.

Tabelle 3: Dominante Strategie aller Spieler und Nash-Gleichgewicht-Strategie

Dominante Strategie (Spieler 1) Dominante Strategie (Spieler 2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nash-Gleichgewicht-Strategie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Alventosa, Hernández (2018), S, 63.

Der oben gezeigte Inhalt ist die einfachste Form des ÖGS, das nur auf zwei Spielern basiert. Bei Problemen wie Luftverschmutzung, Zerstörung der Ozonschicht oder dem Treibhauseffekt sind mehr als zwei Personen betroffen. Aber die Grundstruktur bleibt: Alle Teilnehmer können langfristig bessere Ergebnisse erzielen, wenn sie zusammenarbeiten, wodurch die Qualität der öffentlichen Güter verbessert wird. Jede Person kann über ihre eigenen Handlungen entscheiden. Sie können kooperativ und verantwortungsbewusst oder wettbewerbsorientiert und verantwortungslos handeln. Für jede Person sind die Interessen der Wettbewerbswahl höher als die Zusammenarbeit. Aber je mehr Menschen wettbewerbsorientiert und verantwortungslos sind, desto schlechter sind die Interessen für sie. Wenn die Beitragenden nicht von ihren Beiträgen profitieren, werden sie nach und nach weniger oder sogar nichts mehr beitragen. Wenn alle so handeln, ist die Auszahlung des öffentlichen Guts Null. Darin zeigt sich das soziale Dilemma.25

Ein Beispiel mit echtem Geld dazu: Es gibt eine Gruppe von vier Teilnehmern und jeder erhält 5 €. Sie können zu einem öffentlichen Gut beitragen. Die Summe der Gesamtbeiträge wird mit einem Faktor multiplizieren. Der Faktor ist hier 2. Jede Person bekommt von den Gesamtbeiträgen den gleichen Betrag. Wenn alle vier Teilnehmer 5 € beitragen, erhält jeder am Ende (5=10 €. Das ist die einzigartige Pareto-effiziente Allokation: Keine andere Lösung kann es für alle besser machen. Aber die Teilnehmer können frei entscheiden, ob sie zu einem öffentlichen Gut beitragen oder das Geld selbst behalten. Die dominante Nash-Strategie ist der Null-Beitrag: Wenn nur eine Person dazu beiträgt, bekommt sie nur (5=2,50 € und die anderen drei Teilnehmer erhalten 7,50 € (5+). Rational egoistische Menschen wollen keinen Beitrag leisten und hoffen aber, dass die anderen drei dies tun. Wenn nur ein Teilnehmer nicht beiträgt, die anderen aber schon, erhält der Nichtbeitragende 5+ (5=12,50 €, die Beitragenden 7,50 €. Dieser Widerspruch zwischen individuellem und sozialem Interesse stellt ein echtes soziales Dilemma dar.26

Der wichtige Punkt bei öffentlichen Gütern auf Produktionsebene, der in Samuelsons Studie von 1954 analysiert wird, ist, dass private Märkte im Allgemeinen zur ineffizienten Produktion führen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Produktion öffentlicher Güter wie z. B. GPS-Signalen von der Produktion von Lebensmittel. Eine effiziente Produktion öffentlicher Güter erfordert kollektive Maßnahmen, um die Unfähigkeit privater Unternehmen zu überwinden, wie z. B. bei der Produktion von Impfungsstoff gegen Coronavirus. Die Ineffizienzen sind bei globalen öffentlichen Gütern am größten, für sie ist Kooperation deswegen immer notwendig.27

Das Kooperationsproblem kann durch Maßnahmen verringert werden, die fördern, dass die Nutzer eines öffentlichen Gutes dafür bezahlen. Dazu zählen staatliche Maßnahmen, sozialer Druck, Institutionen. Dafür sind Bestrafungsinstitutionen ein genereller Mechanismus.28 Diese werden im folgenden Kapitel erklärt.

2.3 Bestrafungsinstitutionen

2.3.1 Übersicht der Institutionen

In den ländlichen Gebieten in der Nähe von Ithaka stellen die Landwirte häufig frische Agrarprodukte, die sie verkaufen möchten, direkt auf einen Tisch neben der Straße. Auf dem Tisch steht eine Geldkassette; die Kunden sollen Geld in die Schachtel legen und sich dann das Gemüse nehmen. Sie können das Geld nur einwerfen und nicht herausnehmen. Außerdem ist die Box auf dem Tisch befestigt, um zu verhindern, dass die Leute sie wegnehmen. Die Landwirte glauben, dass genug Menschen freiwillig für das frische Gemüse bezahlen, sodass es sich lohnt, es auf diese Weise dort anzubieten. Sie wissen auch, dass jemand Gemüse direkt wegnehmen kann, ohne Geld zu bezahlen. Sie tun es immer noch, weil sie die menschliche Natur berücksichtigen. Im Gegensatz zu diesen Landwirten vermeiden Ökonomen den Faktor der menschlichen Natur. Sie finden, es ist unmöglich, dass alle Menschen freiwillig sind, den Beitrag zum öffentlichen Gut zu leisten, und das freiwillige System erzeugt selten genug öffentliches Gut. Das Trittbrettfahrerproblem kann dennoch durch Maßnahmen wie z. B. eine Institution verringert werden.29

Die zunehmende Anerkennung der Rolle von Institutionen im sozialen Leben beinhaltet die Erkenntnis, dass ein Großteil der menschlichen Interaktion und Aktivität in Bezug auf offene oder implizite Regeln strukturiert ist. Nach North:,, Institutionen sind die Regeln in einer Gesellschaft oder die vom Menschen entwickelten Zwänge, die die menschliche Interaktion prägen. Infolgedessen strukturieren sie Anreize für den menschlichen Austausch, ob politisch, sozial oder wirtschaftlich.“30

Institutionen sind die Leitfäden für menschliche Interaktion. Damit wissen oder lernen Menschen, wie sie Aufgaben ausführen sollen, wenn sie im Alltag z. B. ein Geschenk für einen Freund kaufen oder den Müll sortieren. Die Leitfäden unterscheiden sich aber je nach Region.31 Ein Beispiel dafür ist, dass die Menschen in England auf der linken Seite der Straße fahren, in Deutschland dagegen auf der rechten.

Institutionen beinhalten verschiedene Formen, um menschliches Verhalten zu gestalten, von den Einstellungen und Überzeugungen eines Einzelnen bis zum Rechtssystem eines Staates.32 Beispiele können Vorschriften über die Machtverteilung, die Rechtsgrundlage und die Grundbesitz- oder Eigentumsrechte sein. Sprache, Geld, Gewichtungs- und Maßsysteme oder Unternehmen sind ebenfalls Institutionen.33 Darüber hinaus können wirtschaftliche Regelungen festgelegt werden, die die erwarteten Kosten und Erträge klären.34

Institutionen beschränken und ermöglichen das menschliche Verhalten. Die Existenz von Regeln impliziert Einschränkungen. Dies bedeutet jedoch nicht, die neue Möglichkeiten zu ersticken. Im Gegenteil, sie bieten neue Auswahlmöglichkeiten und Aktionen, die vorher nicht existieren. Währung macht den Handel einfacher; Sprachregeln ermöglichen es uns z. B. zu kommunizieren; Verkehrsregeln helfen dem Verkehr, leichter und sicherer zu fließen; Rechtsstaatlichkeit kann die persönliche Sicherheit erhöhen.35

Die Regeln, die von Menschen zur Regulierung ihrer Wechselbeziehung angewendet werden, gelten für alle Menschen und dürfen nicht verstößt werden. Daher bieten sie Bewertungsstandards für die Menschen, um das Verhalten anderer zu beurteilen. Die Vorteile einer Institution sind offensichtlich: Das Risiko, dass jemand gegen die Regeln verstößt, wird verringert, da der Verstoß bestraft wird und für das Fehlverhalten Kosten getragen werden müssen. Dadurch ist menschliches Verhalten vorhersehbar. Institutionen als Richtlinien helfen den Menschen, ihr eigenes Verhalten zu wählen und das Verhalten anderer zu beurteilen, unabhängig davon, ob es sich um formelle oder informelle Institution wie z. B. Konventionen und Moral handelt.36

Institutionen geben dem Alltag Strukturen, damit die Unsicherheit reduziert werden kann.37 Die entscheidende Eigenschaft von Institutionen ist, menschliches Verhalten einzuschränken und das Handeln zu bestimmen. Gleichzeitig hängt Verhalten von Anreizen und Motivation ab. Institutionen bieten den Menschen einen Anreiz, auf bestimmte Weise zu handeln. Damit reduzieren sie die Unsicherheit. Ohne Institution ist die Reaktion einer Person auf eine bestimmte Aktivität unvorhersehbar.38

Bei einer Investition kann die Konsequenz eines bestimmten Verhaltens im Voraus berechnet werden, und Menschen können wissen, wie viel sie bekommen und verlieren werden. Damit lässt sich feststellen, ob sich eine Investition lohnt. Je klarer die Regeln definiert sind, desto praktikabler ist die Investition. Die Menschen schaffen daher Anreize für bestimmte Aktivitäten, da Gewinn und Verlust vorhersehbar sind.39

Die Menschen erreichen ihre Ziele, indem sie sich selbst Einschränkungen auferlegen. Diese Einschränkungen könnten zu zuverlässigeren Ergebnissen und weniger unsicheren Ergebnissen führen. Somit sind die Einschränkungen endogen. Inzwischen ist die Welt, in der die Menschen leben, bereits mit verschiedenen Einschränkungen gefüllt, die daher für sie exogen sind. Mit anderen Worten, die Einschränkungen definieren menschliches Verhalten, während letzteres die Einschränkungen bestimmt. Die von Menschen bewusst oder unbewusst geschaffenen Einschränkungen sind Institutionen, die bestimmte Regeln für soziale Interaktionen auferlegen.40

Institutionen sind kein Antonym von Freiheit. Die Tatsache, dass die Mitglieder einer Gesellschaft das maximale Maß an Freiheit genießen, weil sie sich den selbst auferlegten Regeln unterordnen, die ein bestimmtes gesellschaftliches Leben garantieren.41 Hodgson glaubt, dass Regulierung nicht immer das Gegenteil von Freiheit ist; sie kann ein Verbündeter sein.42

Obwohl es zahlreiche Institutionen gibt, die das Verhalten in Gesellschaften regulieren können, sind sie jedoch nicht gleich erfolgreich. Einige Institutionen gedeihen, während andere nach kurzer Zeit aussterben. Beispielsweise wird das Montrealer Protokoll zum Schutz der Ozonschicht allgemein als Erfolg angesehen und es wird erwartet, dass die Ozonschicht bis zum Jahr 2050 weitgehend wiederhergestellt sein wird. Im Gegensatz dazu wird das Kyoto-Protokoll zum Klimawandel heftig kritisiert.43 Das Ziel des Kyoto-Protokolls ist, den Treibhausgasgehalt in der Atmosphäre auf einem angemessenen Niveau zu stabilisieren und so zu verhindern, dass der schwere Klimawandel den Menschen schädigt.44 Viele Experten glauben, dass die Standards zu niedrig sind, um in Zukunft ernsthafte Krisen zu bewältigen. Im Dezember 2011 kündigte Kanada seinen Rückzug aus dem Kyoto-Protokoll an.45 Es ist sehr schwierig, die Gründe für die erfolgreiche Implementierung einiger Institutionen zu ermitteln und das Kooperationsproblem zu lösen, während andere nicht erfolgreich sind. Es gibt viele mögliche Gründe, die sich auch gegenseitig beeinflussen können. So kann z. B. der Erfolg von der Gesellschaft abhängen, die versucht, die Institution umzusetzen, von der Art der Institution und dem Umsetzungsprozess oder von der Art des Kooperationsproblems.46

2.3.2 Formelle und informelle Institutionen

Institutionen teilen sich auf in informelle und formelle Varianten. In allen Gesellschaften zwingen sich Menschen dazu, ihre Beziehungen zu anderen zu strukturieren.

Im Allgemeinen werden die Regeln, aus denen sich das politische, rechtliche, wirtschaftliche und soziale Umfeld zusammensetzt, formell in einem Regelwerk niedergeschrieben. Ein Rechtstext oder eine Verfassung wird als formelle Institution bezeichnet. Jeder Verstoß gegen die Regeln wird vom Zentral bestraft.47

Das menschliche Verhalten wird allerdings nicht nur durch die offiziellen niedergeschriebenen Regeln eingeschränkt. Moral, Normen, Werte, Konventionen, Traditionen und Verhaltensrichtkodizes beeinflussen das menschliche Verhalten ebenfalls. Diese vom sozialen und kulturellen Umfeld beeinflussten Faktoren werden als informelle Institutionen bezeichnet. Sie sind nicht offiziell im Regelwerk niedergeschrieben und jeder Verstoß wird nicht vom Staat bestraft, sondern von der Gesellschaft. Im Allgemeinen prägen informelle Institutionen das Wertesystem einer Gesellschaft wie ihre Grundeinstellungen und Überzeugungen. Daher sind informelle Institutionen die Grundlage formeller Institutionen.48

Kultur beeinflusst verschiedene Aspekte einer Gesellschaft, wie oben erwähnt, Werte, Normen, Traditionen usw. sind die von Kultur beeinflussten informellen Institutionen, sodass Kultur als die breiteste informelle Institution angesehen werden kann. Kultur schränkt menschliches Verhalten ein, da Personen, die einer bestimmten Kultur angehören, dieselben Werte und Überzeugungen haben und daher Normen, Verhaltenskodizes, Gewohnheiten und Traditionen teilen. Deshalb die Menschen, die in derselben Gesellschaft leben, sollen sich nach diesen verschiedenen Regeln oder informeller Institution verhalten und Fehlverhalten wird bestraft. Darüber hinaus bietet Kultur den Menschen Anreize. Die Menschen tun etwas, weil sie von einem bestimmten Glaubenssystem überzeugt sind oder weil sie eine soziale oder göttliche Bestrafung fürchten. Sie handeln daher nach religiösen oder anderen Überzeugungen wie Altruismus.49 Tabelle 4 zeigt den Unterschied zwischen formeller und informelle Institution in einigen Aspekten.

Tabelle 4: Unterschied zwischen formeller und informeller Institution

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Dash, Behera (2015), S. 169.

Wegen verschiedener kultureller und wirtschaftlicher Faktoren ergreifen Regionen spezifische Institutionen und Maßnahmen. Ein Beispiel sind die Maßnahmen zur effektive Bewirtschaftung und zum Schutz der Waldressourcen in der Similipal Tiger Reserve (STR, ein National Park und Tiger Reserve in Indien), wobei die Waldressourcen schnell abgebaut werden.50

Die biologische Vielfalt spielt eine wichtige Rolle in den wirtschaftlichen Aktivitäten und in der Verbessrung lokales Lebensunterhalts durch Bereitstellung einer Vielzahl von Ökosystemleistungen. In den letzten Jahrzehnten hat das rasche Bevölkerungswachstum und das zunehmende Pro-Kopf-Einkommen zu einer enormen Nachfrage nach diesen Ökosystemleistungen geführt, dazu die biologische Vielfalt in der Natur geschädigt wird. Es wird berichtet, dass die Zerstörung der biologischen Vielfalt auf die unangemessene Nutzung durch die Menschen und nicht passende Maßnahmen zurückzuführen ist. Dies zeigt sich z. B. durch die Beweidung von Vieh, Brennholzsammlung und die schwache Funktion von Institutionen innerhalb des STR. Daher ist die wirksame Erhaltung biologischer Ressourcen zu einer wichtigen politischen Agenda für Länder auf der ganzen Welt geworden. Es wurden verschiedene institutionelle Mechanismen entworfen und implementiert, um diese Ressourcen nachhaltig zu erhalten und zu nutzen.51

Formelle Institutionen sind die vom Staat festgelegten Regeln, die Anleitungen für den Zugang, die Kontrolle und die Verwaltung natürlicher Ressourcen durch Gesetze oder Rechtsklausen bieten. Im Gegensatz dazu beziehen sich informelle Institutionen auf die Normen für die Interaktionen der Menschen, die aus endogenen sozialen und kulturellen Normen hervorgehen. Sie führen zu sozialen Praktiken und geben Anleitungen für die Interaktionen zwischen Ressourcennutzern. Informelle und formelle Institutionen legen fest, was die Menschen tun können bzw. sollten und was nicht. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die informellen Institutionen nicht ausdrücklich angegeben oder niedergeschrieben sind.52

In der STR werden die relevanten Maßnahmen ergriffen, um Naturressourcen zu schützen. Die Regierung belebt bestehende lokale Institutionen wieder und fördert die partizipativeren Community-Management-Ansätze in der STR. Ein Beispiel über formelle Institution: Die Regierung verabschiedet die gemeinsame Waldbewirtschaftung (Joint Forest Management, JFM) und betont die Beteiligung lokaler Nutzer an der Erhaltung, Entwicklung und Bewirtschaftung der Wälder. Sie nimmt durch ihre JFM-Resolution im Jahr 2008 die Öko-Entwicklung als Strategie im Schutzgebiet an.53 Informellen Institutionen sind z. B. die Religiöse Ansichten. Die Menschen handeln sich harmonisch mit Wäldern und Wildtieren. Ihre Interaktionen werden von religiösen Überzeugungen geleitet.54

Die Ergebnisse nach der Ergreifung der Maßnahmen in fünfunddreißig Beispieldörfern zeigen, dass das Waldwachstum positiv mit der Funktion der lokalen Verwaltungsinstitutionen verbunden ist. Durch theoretische und praktische Analyse wird festgestellt, dass die formelle und informelle Institution in der Region eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Waldergebnisse und beim Schutz der Naturressourcen spielt.55

2.3.3 Übersicht der Bestrafungsinstitution

Bestrafungsinstitution ist ein genereller Mechanismus zur Lösung des Trittbrettfahrerproblems. Es gibt zwei verschiedene Formen: Formelle und informelle Bestrafung.

Informelle Bestrafung (Peer to Peer Bestrafung)

Die Peer-Bestrafung ist die Standardmethode zur Bewältigung des Kooperationsproblems.56 Sie ist ein reaktives und individualistisches System, mit dem bestimmte Personen für ihre Aktionen privat sanktioniert werden, wenn sie nicht ausreichend genug für ein öffentliches Gut zusammenarbeiten.57 Wenn Trittbrettfahrer bestraft werden, wird in der Summe jeder besser. Aber viele Menschen hoffen, dass die anderen den Trittbrettfahrer bestrafen. Damit ist die Peer-Bestrafung selbst ein öffentliches Gut.58

Ein Beispiel soll dies illustrieren: In einer Familie mit zwei Töchtern soll jedes Kind am Wochenende Hausarbeit machen. Aber eine Tochter ist faul und unterlässt dies. Als Trittbrettfahrerin genießt sie eine saubere Umgebung und profitiert von der Arbeit ihrer Schwester. Diese benachrichtigt die Eltern und das faule Kind wird von ihnen bestraft, z. B. indem es kein Taschengeld bekommt. Die Strafe kann die Tochter motivieren, die Hausarbeit zu machen.

Zahlreiche experimentelle Arbeiten haben bewiesen, dass die Bestrafung durch Mitspieler und langfristige Interaktionen zu höheren Beiträgen führen können. Wenn Menschen zwischen einer sanktionierenden und einer sanktionsfreien Umgebung wählen dürfen, werden sie sich für eine Umgebung mit Sanktionsmöglichkeiten nach dem Lernen entscheiden. Je mehr die Teilnehmer interagieren, desto höher ist der Beitrag.59

Formelle/Zentrale Bestrafung (Pool-Bestrafung)

Im Gegensatz zur informellen Bestrafung ist formelle Bestrafung proaktiv und institutionell.60 In manchen Situationen werden die Bestrafungen nicht individuell entschieden, sondern müssen vereinbart werden, bevor das Spiel beginnt. In den letzten Jahren ist der Vergleich zwischen Pool- und Peer-Bestrafung in zahlreichen Forschungsliteraturen vorangekommen. Um die Schwierigkeiten und Ineffizienzen der Peer-Bestrafung (z. B. Trittbrettfahrer der zweiten Ordnung und antisoziale Bestrafung) zu überwinden, delegieren die Gruppen die Sanktionierung an eine zentrale Behörde. Dazu gehören Polizei, Gerichte, staatliche und nichtstaatliche Institutionen.61 Wenn z. B. jemand keine Steuern zahlt, wird er vom Finanzamt bestraftet. Die Gruppenmitglieder zahlen Gebühren für ein System zur Ausführung von Strafen (z. B. das Finanzamt, Polizei). Das System verwendet diese Ressourcen als Kapital, um Trittbrettfahrer zu bestrafen. Selbst wenn es keine Trittbrettfahrer gibt, muss die Institution finanziell unterhalten werden.62

Bei Kooperationsspielen können die Institutionen die Regeln ändern, indem sie entweder die Auszahlungen oder die Strategien ändern. Der Unterschied zwischen beiden ist offensichtlich. Nach der Implementierung der formellen Institutionen werden diese exogen durchgesetzt. Informelle Institutionen müssen nach der Implementierung von den Einzelnen selbst durchgesetzt werden. Die Auszahlungen werden von den formellen Institutionen durch bestimmte Strategien geändert. Sie verhängen z. B. eine Geldstrafe für den Trittbrettfahrer. Wenn eine formelle Institution Kosten verursacht, werden diese in der Regel von allen Akteuren getragen. Beim Spiel mit informeller Bestrafungsinstitution können die Teilnehmer selbst entscheiden, ob sie die anderen Spieler bestrafen. Die Kosten der Institution werden in diesem Fall nur von den Spielern getragen, die sie nutzen.63

3. LiteraturReview

Viele wirtschaftliche Analysen und alle Spieltheorien beginnen mit der Annahme, dass Menschen sowohl rational als auch egoistisch sind. Die Vorhersagen sind, dass Spieler im Öffentliche-Güter-Spiel oft frei fahren. Der Null-Beitrag ist die dominante Strategie für alle Menschen. Dawes und Thaler zeigen in ihrer Arbeit, dass das Trittbrettfahrerproblem zwar immer existiert, aber dies nicht der theoretischen Prognose entspricht. Die Vorhersage für starke Trittbrettfahrer (alle Menschen wählen die dominante Strategie und tragen Null zum öffentlichen Gut bei) ist eindeutig falsch – nicht jeder ist die ganze Zeit Trittbrettfahrer. Dawes und Thaler zeigen, dass die Vorteile der gemeinsamen Kooperation eindeutig sind. Kooperation hat positiven Einfluss auf die Investitionsrendite für das Gemeinwohl. Je mehr die Gruppe durch Zusammenarbeit gewinnt, desto mehr Zusammenarbeit wird beobachtet.64

Ledyard beweist in einem One-Shot-Öffentliche-Güter-Experiment, dass die Teilnehmer im Allgemeinen 40 % bis 60 % des Gruppenoptimums beitragen. Im endlichen wiederholten Öffentliche-Güter-Experiment befindet sich die Beitragsmenge ebenfalls bei 40 % bis 60 % des Gruppenoptimums. Mit der Zeit nehmen die Beiträge ab und immer mehr Teilnehmer werden zu Trittbrettfahrern. Ledyard arbeitet auch die Faktoren heraus, die Kooperation fördern können. Dies sind z. B. Kommunikation und die Größe der MPCR.65

Nicht von allen Menschen kann erwartet werden, dass sie freiwillig zu einem öffentlichen Gut beitragen und jedes freiwillige System wird wahrscheinlich zu wenig öffentliche Güter produzieren. Um das Problem zu lösen, lassen sich Institutionen verwenden.

Fehr und Gächter zeigen im Jahr 2002 in ,,Altruistic punishment in humans“ die Einflüsse von Peer-Bestrafung auf das Kooperationsniveau. In ihren Experimenten führten sie insgesamt zehn Sessions durch. In jeder Session wurden vierundzwanzig Teilnehmer in Gruppen eingeteilt, jede Gruppe hatte vier Spieler. Sie nahmen an zwölf Runden teil. Die ersten sechs Runden in den ersten fünf Sessions hatten Bestrafungschancen. In den letzten sechs Runden wurden keine Bestrafungschancen benutzt. In den ersten sechs Runden war jede Runde in zwei Stufen unterteilt. In der ersten Stufe trugen die Spieler freiwillig bei. In der zweiten Stufe konnten sie die Mitglieder der Gruppe bestrafen, nachdem sie über die Beitragshöhe der anderen Spieler informiert wurden. Jedes Mal, wenn eine Person bestraft wurde, bedeutete dies, dass ihre Auszahlungen vom öffentlichen Gut weniger wurden. Gleichzeitig ging die Bestrafung auch mit Kosten für den Bestrafenden einher. In den letzten fünf Sessions wurde die Behandlungen umgekehrt. In den allen zehn Sessions war die durchschnittliche Beitragshöhe ohne Bestrafungsinstitution (mit Abwärtstrend) immer geringer als die mit Bestrafungsinstitution (mit Aufwärtstrend). Die altruistische Bestrafung bedeutet, dass Teilnehmer andere bestrafen, trotzdem gibt es Kosten bei Strafen. Fehr und Gächter beweisen durch das Experiment, dass altruistische Bestrafung häufig im Experiment geschieht und das Kooperationsniveau bei altruistischer Bestrafung höher ist als ohne. Egoistische Subjekte tragen auch zu öffentlichem Gut bei, wenn die Bestrafungsinstitution existiert.66

Gürerk u. a. ließen die Teilnehmer selbst zwischen einem normalen Öffentliche-Güter-Spiel und einem modifizierten Spiel mit informeller Bestrafungsinstitution entscheiden (endogene Wahl). Beim modifizierten Spiel mit informeller Bestrafungsinstitution konnten die Spieler unter Aufwand von Kosten die anderen Mitspieler bestrafen. Trotz anfänglicher Abneigung wanderten letztlich alle Teilnehmer sukzessive zum Spiel mit Bestrafungsinstitution und kooperierten stark, während die sanktionsfreie Gesellschaft vollständig entvölkert wurde. In der ersten Periode von dreißig wählten nur 36,90 % der Teilnehmer das Spiel mit Bestrafungsinstitution. Im Gegensatz dazu entschieden sich in der letzten Periode fast alle Teilnehmer (circa 92,90 %) für die Bestrafungsinstitution; die durchschnittlichen Beitragshöhen waren 19,40 Geldeinheiten im Spiel mit Bestrafungsinstitution und 0 Geldeinheiten im Spiel mit sanktionsfreier Institution. Über alle dargestellten Perioden hinweg trugen die Teilnehmer im Spiel mit Bestrafungsinstitution 91,40 % der Ausstattung. Im Gegensatz dazu trugen die Teilnehmer im Spiel mit sanktionsfreier Institution nur 14,40 % der Ausstattung. Die durchschnittlichen Auszahlungen beim Spiel mit Bestrafungsinstitution waren höher als ohne. Die Ergebnisse zeigen den Vorteil von Bestrafungsinstitutionen und veranschaulichen die Entstehung einer sozialen Ordnung, die von der institutionellen Auswahl getrieben wird.67

Cobo-Reyes u. a. verteilten die Teilnehmer auf zwei Gruppen à fünf Personen. Eine Gruppe spielte das normale Öffentliche-Güter-Spiel, die andere das modifizierte Spiel mit formeller Bestrafungsinstitution, in dem das Geld vom Privatkonto und die Fixkosten automatisch abgezogen werden. Die Teilnehmer hatten bei der Handlung ohne Stimmrecht die Möglichkeit, frei nach jeder Runde in die andere Gruppe zu wechseln. Das Experiment zeigt, dass immer mehr Teilnehmer in das modifizierte Spiel wechselten und am Ende des Spiels 80 % der Spieler in der Gruppe mit formeller Bestrafungsinstitution waren. Das Kooperationsniveau mit formeller Bestrafungsinstitution (circa 90 %) war nach dreißig Runden höher als ohne Institution (circa 40 %). Gleichzeitig waren die Auszahlungen höher beim modifizierten Spiel­ – trotz Fixkosten.68

Der Vergleich von Peer- und Pool-Bestrafung ist ein wichtiges Thema im Bereich der Bestrafungsinstitutionen. Sigmund u. a. vergleichen im Jahr 2010 beide Bestrafungswege in ihrer Studie. Sie glauben, dass Pool-Bestrafung stabiler als Peer-Bestrafung ist, weil Trittbrettfahrer zweiter Ordnung bei der Pool-Bestrafung sanktioniert werden können. Trittbrettfahrer zweiter Ordnung entstehen, wenn Menschen Nichtbeitragende nicht bestrafen und gleichzeitig hoffen, sie von anderen Mitspielern bestraftet werden. Damit ist Bestrafungssystem selbst ein öffentliches Gut. Letztlich führen Trittbrettfahrer zweiter Ordnung zum Zusammenbruch der Kooperation. Menschen, die andere mit niedrigen Beitragsmengen bestrafen, werden als altruistisch angesehen. Der Grund ist, dass andere von ihren kostspieligen Anstrengungen profitieren können. Sie glauben, wenn Trittbrettfahrer zweiter Ordnung nicht existieren, ist Peer-Bestrafung besser.69

Baldassarri und Grossman führten im Jahr 2011 ein Experiment in Uganda durch. Sie glauben, dass Peer-Bestrafung nur in begrenzten Situationen effektiv ist. In einer großen Gruppe, in der die Interaktion zwischen Gruppenmitgliedern selten ist, ist die bilaterale Bestrafung schwer die Zusammenarbeit zu aufrechterhält, da zukünftige Gewinne aus der Bestrafung nicht verinnerlicht werden können. Deshalb sind sie der Ansicht, dass formelle Bestrafung effektiver ist. Nach dem normalen ÖGS führten sie zwei Handlungen über formelle Bestrafungsinstitutionen durch. Der Unterschied der beiden Handlungen war, dass der Überwacher durch eine zufällige Lotterie ausgewählt wurde oder von Gruppenmitgliedern unter Verwendung einer geheimen Abstimmung gewählt wurde. Das Ergebnis war, dass die formelle Bestrafungsinstitution die Kooperation förderte, die Wahl durch die zufällige Lotterie war effizienter.70

Nicklisch, Grechenig und Thöni erlaubten den Probanden, freiwillig zwischen einem normalen ÖGS, einem modifizierten ÖGS mit informeller Bestrafungsinstitution und einem ÖGS mit formeller Bestrafungsinstitution zu wählen. Die Probanden konnten zwischen drei Gruppen in jeder vierten Runde wechseln. Das Experiment zeigt, dass beide Bestrafungsinstitutionen anfänglich nicht populär waren. Am Ende des Experiments waren die durchschnittlichen Beträge und Auszahlungen beim Spiel mit Bestrafungsinstitution höher als ohne. Die Menschen waren mehr bereit, ihre Sanktionsbefugnisse an eine zentrale Behörde zu delegieren.71

Traulsen, Röhl und Milinskin vergleichen Peer- und Pool-Bestrafung und untersuchen, welche Bestrafung bevorzugt wird. Sie glauben, dass Peer-Bestrafung effizient ist, wenn nur genügende Informationen verfügbar sind und die Bestrafungsquote hoch ist. Gegenbestrafung oder antisoziale Bestrafung kann auch zu zusätzlichen Effizienzverlusten führen. Die Autoren sind der Ansicht, dass Peer-Bestrafung reaktiv und emotional ist. Um ein Bestrafungssystem aufrechtzuerhalten, ist Pool-Bestrafung wie z. B. Steuern effizienter. In einem wirtschaftlichen Experiment zeigen die Autoren, dass die Mehrheit von den Probanden die Pool-Bestrafung wählt, weil Trittbrettfahrer zweiter Ordnung ebenfalls bestraft werden.72

Das Experiment für vorliegende Masterarbeit basiert auf dem Experiment von Cobo-Reyes u. a. im Jahr 2019. Nachdem die Teilnehmer zufällig in verschiedenen Gruppen verteilt wurden, konnten sie freiwillig zur anderen Gruppe wechseln. Das Experiment konzentriert sich auf die Wechselsituation und die Wirkung der informellen und formellen Bestrafungsinstitution auf die Förderung von kooperativem Verhalten.

4. Evidenz aus dem Experiment

4.1 Experimentelles Design und Verfahren

Für diese Arbeit wurde ein Experiment zur Analyse der Auswirkungen von formellen und informellen Bestrafungsinstitutionen auf die Kooperationsprobleme in einem wiederholten Öffentliche-Güter-Spiel durchgeführt. Die Teilnehmer sind Bachelorstudenten in China, die sich untereinander nicht kennen. Wegen des Coronavirus wurde das Experiment online durchgeführt. Den Teilnehmern wurden die Spielregeln online einzeln erklärt; damit war sichergestellt, dass sie nicht miteinander kommunizierten. Vor dem Experiment wurde außerdem erklärt, was das ÖGS ist.

Das Experiment über das wiederholte Öffentliche-Güter-Spiel erforderte zehn Spieler (S1, S2, S3, S4, S5 ... S10) und dreißig Runden, die in drei Teile aufgeteilt wurden. In den ersten zehn Runden (R1–R10) spielten alle Teilnehmer das normale Öffentliche-Güter-Spiel. Die Regeln waren: Jeder Spieler erhielt am Anfang 20 € und konnte € in ein öffentliches Gut (Gruppenkonto) investieren. ( ) € wurde dem Privatkonto zugewiesen. Dann wurden die gesamten Beiträge vom Gruppenkonto gleichmäßig mit einem Multiplikationsfaktor an zehn Spieler verteilt. Am Ende ergab sich der Spielgewinn eines Spielers aus der Auszahlung vom öffentlichen Gut sowie der einbehaltenen Anfangsausstattung. Die folgende Gleichung basiert auf die Studie von Kosfeld, Okada und Riedl im Jahr 2006.73

[...]


1 Vgl. Shankar, Pavitt (2002), S. 251.

2 Vgl. ebd., S. 255.

3 Vgl. Alventosa, Hernández (2018), S. 68.

4 Vgl. Dannenberg, Gallier (2019), S. 4ff.

5 Vgl. ebd., S. 3.

6 Vgl. ebd., S. 4.

7 Vgl. Gürerk et al. (2013).

8 Vgl. Ozono et al. (2016), S. 1.

9 Vgl. Nordhaus (2006), S. 89.

10 Vgl. ebd., S. 89ff.

11 Vgl. Nordhaus (2006), S. 90.

12 Vgl. Lindahl, S. 7ff.

13 Vgl. Alventosa, Hernández (2018), S. 61.

14 Vgl. Chappelow (2019).

15 Vgl. Bierhoff, Rohmann (2012), S. 18.

16 Vgl. Chappelow (2019).

17 Vgl. Dannenberg, Gallier (2019), S. 2.

18 Vgl. Sigmund et al. (2010), S. 861.

19 Vgl. Bierhoff, Rohmann (2012), S. 16ff.

20 Vgl. Andreoni (1988), S. 293.

21 Vgl. Shankar, Pavitt (2002), S. 255.

22 Vgl. Alventosa, Hernández (2018), S. 62ff.

23 Vgl. Alventosa, Hernández (2018), S. 63.

24 Vgl. ebd., S. 63.

25 Vgl. Sigmund et al. (2010), S. 861.

26 Vgl. Dawles, Thaler (1988), S. 188.

27 Vgl. Nordhaus (2006), S. 90.

28 Vgl. Alventosa, Hernández (2018), S. 69.

29 Vgl. Dawles, Thaler (1988), S. 195ff.

30 Vgl. North (1990), S. 3.

31 Vgl. ebd., S. 3ff.

32 Vgl. ebd., S. 4.

33 Vgl. Hodgson (2006), S. 2.

34 Vgl. Constanze (2011), S. 10.

35 Vgl. Hodgson (2006), S. 2.

36 Vgl. ebd., S. 10.

37 Vgl. North (1990), S. 4.

38 Vgl. Constanze (2011), S. 10.

39 Vgl. ebd., S. 10ff.

40 Vgl. Constanze (2011), S. 11.

41 Vgl. ebd., S. 11.

42 Vgl. Hodgson (2006), S. 2.

43 Vgl. Dannenberg, Gallier (2019), S. 2.

44 Vgl. Zeike et al. (2018), S, 1.

45 Vgl. Zeike et al. (2018), S. 3.

46 Vgl. Dannenberg, Gallier (2019). S. 2.

47 Vgl. Constanze (2011), S. 15.

48 Vgl. ebd., S. 15.

49 Vgl. Constanze (2011), S. 16.

50 Vgl. Dash, Behera (2015), S. 167.

51 Vgl. ebd., S. 168ff.

52 Vgl. Dash, Behera (2015), S. 169.

53 Vgl. ebd., S. 175.

54 Vgl. ebd., S. 177.

55 Vgl. ebd., S. 167.

56 Vgl. Alventosa, Hernández (2018), S. 70.

57 Vgl. Sasaki et al. (2015), S. 575.

58 Vgl. Fehr, Gächter (2002), S. 137.

59 Vgl. Alventosa, Hernández (2018), S. 70.

60 Vgl. Sasaki et al. (2015), S. 575.

61 Vgl. Alventosa, Hernández (2018), S. 72.

62 Vgl. ebd., S. 72.

63 Vgl. Dannenberg, Gallier (2019), S. 4.

64 Vgl. Dawes, Thaler (1988).

65 Vgl. Ledyard (1995).

66 Vgl. Fehr, Gächter (2002).

67 Vgl. Gürerk et al. (2006).

68 Vgl. Cobo-Reyes et al. (2019).

69 Vgl. Sigmund et al. (2010).

70 Vgl. Baldassarri, Grossman (2011).

71 Vgl. Nicklisch et al. (2016).

72 Vgl. Traulsen et al. (2012).

73 Vgl. Kosfeld et al. (2006), S. 6.

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Peer- und Pool-Bestrafungsinstitutionen. Förderung von kooperativem Verhalten
Untertitel
Experimentelle Evidenz
Hochschule
Technische Universität Clausthal
Note
1,30
Autor
Jahr
2020
Seiten
67
Katalognummer
V922104
ISBN (eBook)
9783346225962
ISBN (Buch)
9783346225979
Sprache
Deutsch
Schlagworte
peer-, pool-bestrafungsinstitutionen, förderung, verhalten, experimentelle, evidenz
Arbeit zitieren
Yu Hao (Autor:in), 2020, Peer- und Pool-Bestrafungsinstitutionen. Förderung von kooperativem Verhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922104

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