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„Innere“ politische Kultur in Frankreich

Eine Analyse der Krise des französischen Wachstums- und Zivilisationsmodells unter besonderer Berücksichtigung der Politikverdrossenheit bei der Präsidentschaftswahl 2002

Title: „Innere“ politische Kultur in Frankreich

Seminar Paper , 2005 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Nadine Buschhaus (Author)

Politics - Region: Western Europe
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Summary Excerpt Details

Die Präsidentschaftswahl gilt als Höhepunkt des politischen Lebens in der V. Republik.
Auffallend bei der Wahl 2002 war die Tatsache, dass Protestkandidaten- Rechtsextreme, Trotzkisten und mit Einschränkung auch der Kandidat der Jäger und Angler- ein Drittel der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigten. Die Wahlbeteilung von nur 71, 6% war die niedrigste Wahlbeteiligung bei einer Präsidentenwahl in der V. Republik. Kann bei der Präsidentschaftswahl 2002 von einer Protestwahl gesprochen werden? Kann die sinkende Wahlbeteiligung als Ausdruck von Protest interpretiert werden?
Bei der Analyse dieser Fragen wird - im Sinne des Mehr- Ebenen- Modells- zunächst die Ebene der gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse betrachtet. Welche Veränderungen der politischen, ökonomischen und sozialen Situation haben Frankreichs Nationalstaat in den letzten Jahren beeinflusst? Wie beschreiben die beiden Hauptkontrahenten Jean- Marie Le Pen und Jacques Chirac diese Veränderungen? Anschließend werden soziale Gebilde wie die Sozialisationsinstanzen (Schule, Universität etc.), die staatlichen Institutionen (Verwaltungen, Gerichte, Parlamente), die intermediären Strukturen (Parteien, Kirchen, Verbände) sowie die Rolle der Medien beim Wahlkampf 2002 kurz analysiert. Diese Analyse versteht sich als Einstieg- im Mittelpunkt steht keineswegs ein Vergleich der unterschiedlichen Parteiprogramme oder ähnliches, sondern vielmehr die Frage, wie die Wahrnehmung der Veränderungen der Makro- Ebene durch die unterschiedlichen Instanzen modifiziert wird. Anschließend geht es um die Ebene des individuellen Akteurs. Wie empfand der „kleine Bürger“ das Programmangebot, die Kandidatenvielfalt oder was könnte ihn zur Wechselwahl ermutigt haben?
Abschließend soll dann geklärt werden, in wie weit die französische Regierung diese Meinungen aufnimmt und sich den Weg aus den Reformbaustellen vorstellt.
Muss Frankreichs Regierung gegen zunehmende Ernüchterung im Land kämpfen?
Diese abschließende Diskussion versteht sich als Einstieg in eine Debatte über den politischen Umgang mit einem misstrauischen Wähler, die wohl in Zukunft nicht oft genug geführt werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Fragestellung

2 Theoretische Zugänge zum Problem

2.1 Der Begriff der politischen Verdrossenheit

2.2 Das generische Mehr-Ebenen-Modell zur Erklärung von „Politikverdrossenheit“

2.2.1 Die Makro- Ebene der gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse

2.2.2 Die Meso- Ebene der sozialen Gebilde

2.2.2.1 Die Rolle der Medien

2.2.3 Die Mikro- Ebene des individuellen Akteurs

3 Die Präsidentschaftswahl 2002

3.1 Die Präsidentschaftswahl 2002 in Frankreich- ein Überblick

3.2 Frankreich- ein „reifer“ Nationalstaat in der Diskussion

3.3 Die politischen Organisationen bei der Präsidentschaftswahl

3.3.1 Die Rolle der Medien im Wahlkampf

3.4 Präsidentschaftswahl 2002- ein Protest des „kleinen“ Bürgers?

4 Frankreich zwischen Anpassung und Eigenständigkeit- Stress in einer der ältesten Demokratien Europas

5 Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

6 Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen der Politikverdrossenheit in Frankreich im Kontext der Präsidentschaftswahl 2002. Ziel ist es zu klären, inwiefern die zunehmende Entfremdung der Bürger vom politischen System und das Erstarken radikaler Parteien als Symptom für eine tiefgreifende Krise des französischen Wachstums- und Zivilisationsmodells unter dem Druck der Globalisierung und europäischen Integration gedeutet werden kann.

  • Analyse des Begriffs der Politikverdrossenheit.
  • Anwendung des generischen Mehr-Ebenen-Modells zur Erklärung politischer Einstellungen.
  • Untersuchung der strukturellen Veränderungen des französischen Nationalstaats.
  • Evaluation des Einflusses der Medien auf die politische Wahrnehmung.
  • Deutung der Wahlergebnisse von 2002 als Protestverhalten.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Präsidentschaftswahl 2002 in Frankreich- ein Überblick

Der Vorwahlkampf der Präsidentschaftswahl 2002 wurde am 14. Juli 2001 mit einer Fernsehansprache Jacques Chiracs eingeleitet. Chirac übte scharfe Kritik an der Regierung Jospins hinsichtlich Kriminalität, sinkenden Wirtschaftswachstums, Arbeitslosigkeit und ausbleibender Rentenreform. Er übernahm damit die „Rolle des Oppositionsführers“ und betonte seine Stellung als „Präsident aller Franzosen“. Jospin befand sich in einer eher schwierigen Situation. Obwohl „im Mittelpunkt des Wahlkampfes [...]die Kandidaten [und]nicht die Parteien“ stehen sollten, hatte Jospin mit Uneinigkeiten in der PS besonders hinsichtlich des innenpolitischen Kampfes gegen den Terrorismus zu kämpfen. Außerdem vertrat er schon immer einen latenten Antiamerikanismus, der zwar in Frankreich nicht unpopulär ist, nach dem 11. September allerdings fehl am Platz war. Chirac hingegen bekundete nach dem 11. September „Solidarität mit den USA“, behauptete aber auch „die Eigenständigkeit der französischen Position“, mit anderen Worten: er übernahm die „Rolle des Staatslenkers in der Krise“.

Dadurch, dass die Präsidentschaftswahl traditionell den Höhepunkt des politischen Lebens in der V. Republik darstellt, ist jede kleine und große politische Gruppe bemüht auf sich aufmerksam zu machen und „Flagge zu zeigen“. Somit erklärt sich auch die Kandidatenvielfalt bei dieser Wahl. Insgesamt 16 Kandidaten stellten sich zur Wahl.

Die Linken splitterten sich auf und Kandidaten wie Jean- Pierre Chevènement und Christiane Taubira waren direkte Konkurrenten für Jospin. Die Wahlbeteiligung von nur 71,6% war die niedrigste Wahlbeteiligung bei einer Präsidentenwahl in der V. Republik. Wenn man die Wahlergebnisse abschließend betrachtet, kommt man zu folgendem Schluss: „so spektakulär der Einzug Le Pens in die Stichwahl auch war, einen rechtsextremen Erdrutsch stellte das Ergebnis nicht dar, denn gegenüber 1995 gewann Le Pen „nur“ 1,86 Prozentpunkte hinzu.“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung und Fragestellung: Diese Einführung erläutert den Anpassungsdruck auf den französischen Nationalstaat und definiert den Begriff der Politikverdrossenheit als zentrales Analyseobjekt für die Arbeit.

2 Theoretische Zugänge zum Problem: In diesem Kapitel wird das generische Mehr-Ebenen-Modell vorgestellt, welches als analytischer Rahmen dient, um die Ursachen von Politikverdrossenheit auf Makro-, Meso- und Mikro-Ebene zu strukturieren.

3 Die Präsidentschaftswahl 2002: Das Kapitel bietet einen Überblick über den Wahlkampf von 2002, untersucht die Rolle der Medien sowie der politischen Akteure und analysiert das Wahlergebnis im Kontext gesellschaftlicher Protestbewegungen.

4 Frankreich zwischen Anpassung und Eigenständigkeit- Stress in einer der ältesten Demokratien Europas: Es erfolgt eine Reflexion über die Stabilität des französischen republikanischen Konsenses sowie eine Diskussion über die Zukunftsfähigkeit des politischen Systems angesichts anhaltender Reformbaustellen.

5 Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse: Die zentralen Erkenntnisse aus Theorie und empirischer Analyse werden hier nochmals komprimiert dargestellt.

6 Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche für die Arbeit herangezogene Fachliteratur und Quellen auf.

Schlüsselwörter

Politikverdrossenheit, Präsidentschaftswahl 2002, Frankreich, V. Republik, Globalisierung, Jacques Chirac, Lionel Jospin, Front National, Wahlenthaltung, Mehr-Ebenen-Modell, politische Kultur, Reformstau, Rechtsruck, Protestwahl, Sozialliberalismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Krise des französischen Wachstums- und Zivilisationsmodells und deren Auswirkungen auf das Wahlverhalten sowie die Politikverdrossenheit im Rahmen der Präsidentschaftswahl 2002.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der Globalisierung, der institutionellen Schwäche, der Rolle der Medien sowie der Entfremdung der Bürger von den etablierten politischen Organisationen.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob das bei der Wahl 2002 beobachtete Protestwahlverhalten und die hohe Wahlenthaltung als Ausdruck einer strukturellen Entfremdung von den demokratischen Institutionen interpretiert werden müssen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Analyse stützt sich auf das generische Mehr-Ebenen-Modell von Kai Arzheimer, um soziologische und politische Entwicklungen auf unterschiedlichen Analyseebenen methodisch zu verknüpfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil erfolgt zunächst die theoretische Einordnung des Begriffs der Politikverdrossenheit. Darauf aufbauend wird die spezifische politische Situation Frankreichs vor 2002 untersucht, inklusive der Rolle der Protagonisten Chirac und Jospin sowie der Front National.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Die wichtigsten Begriffe sind Politikverdrossenheit, V. Republik, Wahlenthaltung, Globalisierung und das Mehr-Ebenen-Modell.

Wie bewertet die Autorin den Erfolg der Präsidentschaftswahl 2002 für die V. Republik?

Die Autorin argumentiert, dass eine vordergründige Stärkung des Systems durch die Ergebnisse trügerisch ist, da die Wahl im Kern einen tiefgreifenden Umbruch im Fundament der französischen Gesellschaft offenbart hat.

Welche Rolle spielten die Medien bei der Wahl 2002 laut der Analyse?

Die Medien in Frankreich werden als Instrumente der staatlichen Industriepolitik gesehen, die durch einseitige Berichterstattung und die Vernachlässigung der Kontrollfunktion zur Bestätigung negativer Wählereinstellungen beigetragen haben.

Warum wird die Front National in der Arbeit nicht nur als "Protestpartei" gesehen?

Die Arbeit betont, dass die stabile Wählerschaft und die ideologische Verankerung der Front National auf eine tiefere soziale Subkultur hinweisen, die über eine bloße temporäre Unmutsbekundung hinausgeht.

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Details

Title
„Innere“ politische Kultur in Frankreich
Subtitle
Eine Analyse der Krise des französischen Wachstums- und Zivilisationsmodells unter besonderer Berücksichtigung der Politikverdrossenheit bei der Präsidentschaftswahl 2002
College
University of Tubingen
Course
Das politische System Frankreichs
Grade
2,0
Author
Nadine Buschhaus (Author)
Publication Year
2005
Pages
24
Catalog Number
V92235
ISBN (eBook)
9783638060776
ISBN (Book)
9783638950534
Language
German
Tags
Kultur Frankreich System Frankreichs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nadine Buschhaus (Author), 2005, „Innere“ politische Kultur in Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92235
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