Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Geschlechterdifferenzen in Schulleistungen und ihren Ursachen.
Zu Beginn der Hausarbeit sollen Begrifflichkeiten geklärt werden, um im weiteren Verlauf darauf zurückgreifen zu können. Anschließend sollen die Geschlechterdifferenzen in Schulleistungen aus Bildungsstudien präsentiert und verglichen werden, um darauffolgend mögliche Ursachen für die Differenzen zu finden und darzustellen. Um den Kindern ein möglichst geschlechterneutrales bzw. nicht vorgeschriebenes Leben zu ermöglichen, werden danach Maßnahmen zur Förderung dessen erläutert. Abschließend erfolgen in meinem Fazit eine Zusammenfassung und ein Blick in die Zukunft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen und Begriffserklärungen
2.1 Geschlecht – geschlechtsspezifisch
2.2 Leistung – Schulleistung
2.3 Bildungsstudien
3 Geschlechterdifferenzen bei Schulleistungen in Bildungsstudien
3.1 Leistungsunterschiede im Lesen
3.2 Leistungsunterschiede im Fach Mathematik und Naturwissenschaften
3.3 Zusammenfassung
4 Mögliche Ursachen für Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen
4.1 Interessen von Jungen und Mädchen
4.2 Leistungsunterschiede als Folge der Monoedukation & Koedukation
4.3 Testkonstruktion der Leistungsstudien
4.4 Selbstkonzept
4.5 Interpersonale Erwartungen
4.6 Schule und Klassenkontext
4.7 Zusammenfassung
5 Maßnahmen zu Förderung von Jungen und Mädchen
6 Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede in deutschen Schulen, insbesondere in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen, und analysiert, wie diese durch Erwartungshaltungen von Eltern, Lehrkräften und den Schülern selbst beeinflusst werden.
- Geschlechtsspezifische Differenzen in Bildungsstudien wie PISA, TIMSS und IGLU
- Einfluss des Selbstkonzepts und der intrapersonalen Erwartungen
- Rolle des Elternhauses und der Lehrkräfte bei der Leistungszuschreibung
- Bedeutung des sozialen Kontextes (Schule, Schulbücher und Peergroups)
- Möglichkeiten und Ansätze zur Förderung beider Geschlechter
Auszug aus dem Buch
4.4 Selbstkonzept
Ein sehr wichtiger Aspekt sind die intrapersonalen Erwartungen und das dazu gehörige jeweilige Selbstkonzept des einzelnen Schülers. Schüler und Schülerinnen unterscheiden sich in schulrelevanten Merkmalen, „[…] wie das Selbstvertrauen, das allgemeine und domänspezifische Fähigkeitsselbstkonzept, die Leistungszuversicht und Ursachenerklärungen für Schulerfolg und -misserfolg.“ (Ludwig 2007, S.17) Eine „self-fulfilling prophecy“, kurz bezeichnet als „SFP“, ist die Voraussage oder die Erwartung, die ihre eigene Erfüllung selbst verursacht. Dieser genannte Prozess besteht aus drei Stufen: Eine Erwartung oder eine Voraussage (1) führt durch einen Wirkmechanismus (2) zum erwarteten Ergebnis (3). Zum Beispiel wenn ein Schüler damit rechnet, dass er den Unterrichtsstoff nicht verstehen und darin schlecht sein wird, ist er bei der Unterrichtseinheit nicht so konzentriert, und dementsprechend schwach ist dann seine Lernleistung. (vgl. Ludwig 2007, S.18) Heutzutage hat sich der Begriff „Pygmalion-Effekt“ etabliert, der ursprünglich von Rosenthal und Jacobsen kommt. Der Pygmalion-Effekt, bzw. SFP, kann sich entweder negativ oder positiv auswirken, je nachdem wie die Erwartungen ausfallen.
Der Pygmalion-Ansatz lässt sich auch zur Erklärung von Geschlechterunterschieden heranziehen. Leistungsunterschiede können demnach ein Ergebnis von geschlechtsdifferenten Leistungserwartungen sein. Der Schüler oder die Schülerin kann entweder davon profitieren oder kann sogar davon diskriminiert werden. Intrapersonale Erwartungen (Voraussagen zum eigenen Verhalten) können die vorausgesagten höheren bzw. niedrigen Leistungen eintreffen lassen. (vgl. Ludwig 2007, S.20) Das allgemeine Fähigkeitsselbstkonzept fällt bei deutschen Schülerinnen minimal negativer aus als bei deutschen Schülern. Auch Kampshoff (2007, S.109) bestätigt den Zusammenhang von fachbezogenem Selbstkonzept und Schulleistungen. Bei Jungen korreliert ein höheres Selbstkonzept im Fach Mathematik und ein niedrigeres Selbstkonzept im Lesen mit der jeweiligen Schulleistung. Bei Mädchen gilt das gleiche nur mit jeweils umgekehrtem Selbstkonzept. Studien weisen nach, dass das fachbezogene Selbstkonzept der Schülerinnen im Fach Mathematik geringer ist als das der Jungen, dies gilt auch in höheren Jahrgangsstufen. Ebenso weisen Studien dies in den Lesekompetenzen auf. Hier haben Jungen ein negativeres Selbstkonzept als Mädchen, was mit der jeweiligen Lesekompetenz korreliert. (vgl. Kampshoff 2007, S.98). Nicht geklärt ist in diesem Zusammenhang, ob das höhere bzw. niedrige Selbstkonzept eventuell auch aus der jeweiligen Schulleistung entstanden sein könnte. (vgl. Kampshoff 2007, S.109)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern und Darlegung des Aufbaus der Arbeit.
2 Definitionen und Begriffserklärungen: Definition der zentralen Begriffe „Geschlecht“, „Leistung“ und „Bildungsstudien“ als Basis für die Analyse.
3 Geschlechterdifferenzen bei Schulleistungen in Bildungsstudien: Analyse der Leistungsunterschiede im Lesen sowie in Mathematik und Naturwissenschaften basierend auf Daten von PISA, TIMSS und IGLU.
4 Mögliche Ursachen für Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen: Untersuchung soziologischer und psychologischer Ursachen wie Interessen, Unterrichtsformen, Testkonstruktion, Selbstkonzept und Erwartungshaltungen.
5 Maßnahmen zu Förderung von Jungen und Mädchen: Darstellung von Strategien zur Reduzierung von Stereotypen und Förderung der Potenziale beider Geschlechter im schulischen Kontext.
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse und Ausblick auf die Bedeutung einer geschlechtersensiblen Grundschulpädagogik.
Schlüsselwörter
Geschlechterdifferenzen, Schulleistung, Bildungsstudien, PISA, TIMSS, IGLU, Selbstkonzept, Pygmalion-Effekt, MINT-Bereich, Koedukation, Geschlechtsrollenstereotype, Erwartungshaltungen, Grundschule, Lesekompetenz, Genderforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und warum es in der Schule Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen gibt, wobei ein besonderer Fokus auf den Ergebnissen internationaler Bildungsstudien liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Leistungsunterschiede im Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften sowie die psychosozialen Ursachen, wie etwa Rollenbilder und Erwartungshaltungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für Leistungsunterschiede zu identifizieren und aufzuzeigen, wie durch eine bewusste Förderung und den Abbau von Stereotypen Chancengleichheit unterstützt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse bestehender Daten aus nationalen und internationalen Bildungsstudien sowie erziehungswissenschaftlicher Forschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die statistischen Unterschiede aus Bildungsstudien detailliert analysiert und anschließend verschiedene Ursachenfaktoren wie Interessen, Unterrichtskontexte und das Selbstkonzept diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschlechterdifferenzen, Schulleistung, Selbstkonzept, Genderforschung und Bildungsstudien charakterisiert.
Wie beeinflusst das Selbstkonzept die Schulleistung?
Das Selbstkonzept fungiert oft als selbsterfüllende Prophezeiung (Pygmalion-Effekt): Glaubt ein Schüler oder eine Schülerin an die eigene Begabung oder Schwäche in einem Fach, beeinflusst dies die tatsächliche Konzentration und Anstrengung und damit das Endergebnis.
Welche Rolle spielen Eltern und Lehrkräfte laut der Untersuchung?
Eltern und Lehrkräfte vermitteln oft unbewusst geschlechtsspezifische Erwartungen. So wird Jungen in MINT-Fächern häufiger Begabung zugeschrieben, während bei Mädchen eher Anstrengung als Ursache für Erfolg gesehen wird, was die Selbstkonzepte der Kinder prägt.
- Citation du texte
- Lara Strese (Auteur), 2018, Ursachen für geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede in Schulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922745