Welche Besonderheiten die Kommunikation in Behörden aufweist, inwiefern die sich die Spezifika der Behördenkommunikation auf die Interaktion auswirken und wie Kultur in Behördengesprächen kommunikativ konstruiert wird, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Dabei soll der Fokus keinesfalls, wie in vielen Arbeiten zum Thema Behördenkommunikation, auf Missverständnisse und Kommunikationsprobleme gelegt werden. Stattdessen soll die Analyse folgende Fragen beantworten: Welchen Einfluss haben die Rahmenbedingungen behördlichen Handelns auf die Interaktion von Behördenmitarbeiter und Bürger? Wie wird der kulturelle Hintergrund der Gesprächsteilnehmer in der Kommunikation bedeutsam bzw. wie wird dieser in der Interaktion kommunikativ konstruiert? Dafür sollen Transkriptausschnitte von sowohl interkulturellen, als auch intrakulturellen Behördengesprächen analysiert werden, um dann die Analyseergebnisse vergleichend zueinander in Bezug zu setzen.
Zunächst soll in Kapitel 2 geklärt werden, was Behörden sind und welchen Rahmenbedingungen behördliches Handeln unterliegt, um die daraus resultierenden Merkmale von Behördenkommunikation in den Interaktionen identifizieren zu können. Um die Rollenverteilung in den Gesprächen nachvollziehbar zu machen, wird das Konzept der Experten-Laien-Kommunikation vorgestellt. In Kapitel 3 soll dann auf interkulturelle Kommunikation in Behörden eingegangen werden. Dabei muss erläutert werden, wie interkulturelle Kommunikation definiert werden kann und welche Schwierigkeiten damit einhergehen. Nach einer zusammenfassenden Darstellung der Erkenntnisse aus Kapitel 1-3 kann auf Grundlage dessen dann die Analyse erfolgen. Da interkulturelle Kommunikation in dieser Arbeit aus konversationsanalytischer Sicht untersucht werden soll, wird vorab der Kulturbegriff nach Hausendorf (2007) vorgestellt und damit einhergehend das Konzept der Zugehörigkeitskommunikation erläutert. Dies wird daraufhin in der Analyse der Transkriptausschnitte angewandt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spezifika der Behördenkommunikation
2.1 Behördenkommunikation als institutionelle Kommunikation
2.2 Rahmenbedingungen behördlichen Handelns
2.3 Experten-Laien-Kommunikation
3. Interkulturelle Kommunikation in Behörden
4. Analyse
4.1 Methode: Interkulturelle Kommunikation aus Sicht der Konversationsanalyse
4.2 Analyse der Transkriptausschnitte
4.3 Vergleichende Darstellung der Analyseergebnisse
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, wie Interkulturalität innerhalb behördlicher Gespräche sprachlich und kommunikativ konstruiert wird. Dabei wird mittels gesprächsanalytischer Methoden analysiert, welchen Einfluss die Rahmenbedingungen des behördlichen Handelns auf die Interaktion zwischen Behördenmitarbeitern und Bürgern haben, wobei ein besonderer Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen institutionellen Vorgaben und dem kulturellen Hintergrund der Gesprächsteilnehmer liegt.
- Institutionelle Kommunikation und behördliche Rahmenbedingungen
- Dynamiken der Experten-Laien-Kommunikation
- Konstruktion von Interkulturalität in Behördengesprächen
- Gesprächsanalytische Untersuchung von Transkriptausschnitten
- Vergleichende Analyse interkultureller und intrakultureller Interaktionen
Auszug aus dem Buch
4.2 Analyse der Transkriptausschnitte
Die folgenden Transkriptausschnitte wurden einer Arbeit von Zutz (2011) entnommen, bei der der Einfluss von Laiendolmetschern auf interkulturelle Behördengespräche untersucht wird. Diese sollen nun in Hinblick auf den vorliegenden Forschungsgegenstand analysiert werden. In den Transkriptausschnitten steht B für Beamter, D für Dolmetscher (Laiendolmetscher) und P für Pietro Reginaldo Rossi. Es wurde nach dem Modell von Kadrić (2009) transkribiert. Die Transkriptausschnitte wurden dem Anfang des Behördengesprächs entnommen und treten im Original auch in dieser Reihenfolge auf.
B: OKAY. MEINE ERSTE FRAGE IST •• WAS MÖCHTEN SIE VON DIESER BEHÖRDE? D: ALLORA LA PRIMA DOMANDA È • COSA • /COSA VUOI TU • DA QUESTA •• ISTITUZIONE, CHE È L / • „STA ISTITUZIONE DEL LAVORO? Also, die erste Frage ist • was / was willst du von dieser Institution, dieser Arbeits-Behörde? P: SI. • IO ST/ SONO DA 2 MESI • A VIENNA, •• QUI IN AUSTRIA // Ja. • Ich b/ bin seit 2 Monaten • in Wien •• hier in Österreich // D: SEIT ZWEI MONATEN BIN ICH HIER IN WIEN, IN ÖSTERREICH. B: OKAY. P: E STO • CERCANDO UN LAVORO. Und ich • suche eine Arbeit. D: UND ICH SUCHE EINE ARBEIT. B: GUAT. P: IO / EH / SONO ARCHITETTO // Ich / äh / bin Architekt // D: ICH BIN ARCHITEKT. P: SO / HO • 44 ANNI. Ich ha / bin • 44 Jahre alt. D: 44 JAHRE ALT. B: OKAY.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der kommunikativen Konstruktion von Interkulturalität in Behördengesprächen vor und erläutert das Ziel der Analyse.
2. Spezifika der Behördenkommunikation: Dieses Kapitel definiert Behörden als institutionelle Akteure und beleuchtet die Rahmenbedingungen sowie die Wissensasymmetrie in der Experten-Laien-Kommunikation.
3. Interkulturelle Kommunikation in Behörden: Hier werden die theoretischen Grundlagen zur Definition von interkultureller Kommunikation im behördlichen Kontext erarbeitet.
4. Analyse: Das Hauptkapitel verbindet die methodische Vorgehensweise der Konversationsanalyse mit der praktischen Untersuchung und dem Vergleich von Transkriptausschnitten.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen für eine reibungslose behördliche Kommunikation.
Schlüsselwörter
Behördenkommunikation, Interkulturelle Kommunikation, Konversationsanalyse, Institutionelle Kommunikation, Experten-Laien-Kommunikation, Wissensasymmetrie, Sprachbarriere, Laiendolmetscher, Machtasymmetrie, Behördenhandeln, Transkriptanalyse, Sprachliche Konstruktion, Zugehörigkeitskommunikation, Sozialer Kontext, Verwaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht aus gesprächsanalytischer Sicht, wie interkulturelle Interaktionen in behördlichen Gesprächen ablaufen und wie Kultur dabei sprachlich konstruiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die institutionelle Behördenkommunikation, die Experten-Laien-Kommunikation sowie die spezifischen Dynamiken und Herausforderungen interkultureller Gespräche in Ämtern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie behördliche Rahmenbedingungen die Interaktion beeinflussen und wie Teilnehmer ihren kulturellen Hintergrund in der Kommunikation thematisieren oder konstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Konversationsanalyse, um anhand von Transkriptausschnitten konkrete Kommunikationsprozesse zwischen Behördenmitarbeitern und Bürgern zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Rahmenbedingungen geklärt, bevor anhand von Transkripten interkulturelle und intrakulturelle Gespräche detailliert analysiert und vergleichend gegenübergestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Behördenkommunikation, Konversationsanalyse, Wissensasymmetrie, Interkulturalität und institutionelle Kommunikation.
Warum spielt die Rolle des Laiendolmetschers eine so wichtige Rolle in der Analyse?
Laiendolmetscher fungieren oft als Sprachmittler, die nicht nur übersetzen, sondern durch eigene Erklärungen oder Rückfragen das Gesprächsgeschehen massiv beeinflussen und steuern.
Wie zeigt sich die Machtasymmetrie in den analysierten Gesprächen?
Die Machtasymmetrie manifestiert sich durch die dominierende Rolle der Behördenvertreter, die den Gesprächsverlauf steuern, Fachwissen definieren und über den Fortgang des Verfahrens entscheiden.
Welche Rolle spielt die Schriftlichkeit in der behördlichen Kommunikation?
Die Schriftlichkeit ist ein dominantes Merkmal, da behördliches Handeln stark durch Gesetze, Vorschriften und die Standardisierung von Fällen via Dokumenten geprägt ist.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Aha (Autor:in), 2019, Die kommunikative Konstruktion von Interkulturalität in Behördengesprächen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922975