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Anthony Downs

Zur Ökonomie des Wählens

Title: Anthony Downs

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 22 Pages , Grade: 2

Autor:in: David Liebelt (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Die Empörung war groß, als Richard von Weizäcker in seiner Eigenschaft als deutscher Bundespräsident 1992 den Parteien und Politkern vorwarf, „(…) machtversessen auf den Wahlsieg und machtvergessen bei der Wahrnehmung der inhaltlichen und konzeptionellen politischen Führungsaufgabe“ zu sein. Und spätestens seit der CDU-Spendenaffäre dürfte deutlich sein, dass das auch stimmt. Liest man Anthony Downs „An Economic Theory of Democracy” wird schnell deutlich, dass es sich hier nicht um eine anachronistische These aus den Anfängen moderner Politikwissenschaft handelt, sondern diese Schrift einen funda-mentalen staatsrechtlichen Grundsatz falsifiziert: „Die durch das Amt definierte und disziplinierte Staatsgewalt richtet sich ausschließlich aus auf das Wohl des staatlich verfaßten Volkes (...). Sie ist resistent gegen den Eigennutz der Amtsinhaber wie gegen Gruppen-interessen (...).“ Eine Aussage, die ins Zentrum der Überlegungen des amerikanische Wirtschafts- und Politikwissenschaftler Downs geht, der mit seinem Modell rationales Verhalten in der Politik - freilich von einem ökonomischen Standpunkt aus - zu erklären versucht.
Um jedoch Downs Argumentation folgen zu können und seine Schlüsse zu verstehen, ist es nötig, sich zunächst mit den Annahmen zu befassen, die seinen Modellen zu Grunde liegen. So gilt seine 1957 publizierte Schrift “An Economic Theory of Democracy” als eine der grundlegenden Beiträge in der Rational-Choice-Forschung. In seinem Buch untersucht er, wie sich Wähler und Parteien verhalten, wenn man sie als Anbieter und Nachfrager betrachtet. Downs selbst schreibt in der Einleitung zu seinem Text, er wolle „Verhaltensregeln für eine demokratische Regierung“ aufstellen, da bis zu dem Zeitpunkt der Niederschrift seiner Arbeit noch niemand derartige Regeln verfasst habe, sich jedoch schon viele mit dem Verhalten von Konsumenten und Produzenten beschäftigt hätten. Hier sieht Downs ein Defizit, welches er beheben möchte, jedoch ohne vorzugeben alle Probleme lösen zu können. Bereits zu Beginn der „Ökonomischen Theorie der Demokratie“ legt Downs das Ziel seiner Untersuchung eindeutig fest: „Die vorliegende Arbeit ist ein Versuch, derartige [Anm.: generalisierte und doch realistische] Verhaltensregeln für eine demokratische Regierung aufzustellen und die durch sie implizierten Schlussfolgerungen zu entwickeln.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Rational-Choice-Theorie

III. Die ökonomische Theorie der Demokratie

IV. Die Grenzen der Rational-Choice-Theorie

V. Das Paradox des Nichtwählens

VI. Lösungsansätze des Wahlparadoxons

VI.I. Anthony Downs

VI.II. William Riker und Peter Ordeshook

VI.III. Thomas R. Palfrey und Howard Rosenthal

VI.IV. Alexander Schuessler, Geoffrey Brennan und Loren Lomasky

VII. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das fundamentale Paradoxon des Nichtwählens im Kontext der Rational-Choice-Theorie nach Anthony Downs. Ziel ist es, die ökonomischen Annahmen rationalen Verhaltens kritisch zu hinterfragen und zu analysieren, warum Wähler trotz hoher individueller Kosten und geringer Erfolgsaussichten an demokratischen Wahlen teilnehmen.

  • Analyse der Grundlagen der Rational-Choice-Theorie
  • Untersuchung der ökonomischen Theorie der Demokratie von Anthony Downs
  • Diskussion der Grenzen rationaler Wählermodelle
  • Erörterung verschiedener Lösungsansätze für das Wahlparadoxon

Auszug aus dem Buch

V. Das Paradox des Nichtwählens

Nach der Downschen Theorie ist es für einen Wähler nur rational zu wählen, wenn das Nutzeneinkommen die Kosten des Wahlgangs übersteigt. Weiter oben wurde bereits festgestellt, dass es für einen Wähler rational sein kann, sich der Stimme zu enthalten, sollten die Parteien ihm einen im Vergleich identischen erwarteten Nutzen einbringen (SPD und CDU!). Ebenso wurde festgestellt, dass dem Wähler bei einer Beteiligung an der Wahl in jedem Fall Kosten entstehen. Weiterhin ist es eine Tatsache, dass in großen Demokratien eine - relativ - hohe Wahlbeteiligung herrscht. 2002 beteiligten sich beispielsweise in der BRD 79,1 % der Stimmberechtigten an der Bundestagswahl. Dies bedeutet nichts anderes, als dass die eigene Stimme selbst bei einer ungleich geringeren Wahlbeteiligung bei der Auszählung nicht ins Gewicht fällt und der Wähler mit seiner Stimme nur eine infinitesimale Veränderung des Ergebnisses bewirkt. Der logische Schluss aus dieser Feststellung gipfelt bei Green/Shapiro in folgender Frage: ”Why take time to vote when the election outcome will be unaffected by one’s ballot?” Es wäre unter diesen Umständen für einen Wähler nur rational, wenn er, statt die Kosten einer Wahl auf sich zu nehmen, bei der die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet seine Stimme wahlentscheidend ist, fast bei Null liegt, einfach zu Hause bleiben würde. Schließlich erhöht die Abgabe seiner Stimme nur die Wahrscheinlichkeit, dass die gewünschte Partei die Wahl für sich entscheidet. Zieht man diese Überlegungen in Betracht, so ist die Wahlenthaltung die rationale Folge. Allerdings ist die beobachtbare Realität - noch - eine andere. Im Gegensatz zum theoretischen Modell, in dem eine Stimmenthaltung rational wäre, beteiligen sich in den großen Demokratien in der Realität große Teile der Bevölkerung an politischen Wahlen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Arbeit von Anthony Downs ein und erläutert die Grundannahme einer marktorientierten Betrachtung demokratischer Prozesse.

II. Rational-Choice-Theorie: Das Kapitel erläutert die grundlegenden Konzepte wie den homo oeconomicus, zielgerichtetes Handeln, Nutzenmaximierung und methodologischen Individualismus.

III. Die ökonomische Theorie der Demokratie: Hier wird das Modell von Downs vorgestellt, das Politik als Marktprozess versteht, bei dem Wähler Nutzen maximieren und Parteien um Stimmen konkurrieren.

IV. Die Grenzen der Rational-Choice-Theorie: Dieses Kapitel thematisiert die Probleme von Informationskosten und Unsicherheit, die eine vollständig rationale Wahlentscheidung erschweren.

V. Das Paradox des Nichtwählens: Es wird der Widerspruch zwischen der theoretischen Rationalität der Nichtwahl und der faktisch hohen Wahlbeteiligung in Demokratien analysiert.

VI. Lösungsansätze des Wahlparadoxons: Dieser Abschnitt vergleicht verschiedene Erklärungsversuche von Autoren wie Downs, Riker/Ordeshook, Palfrey/Rosenthal sowie Schuessler/Brennan/Lomasky.

VII. Resümee: Das Resümee zieht ein Fazit über die Validität des Rational-Choice-Ansatzes in der Wahlforschung und hinterfragt die Stabilität der Grundannahmen.

Schlüsselwörter

Rational-Choice-Theorie, Anthony Downs, Wahlparadoxon, homo oeconomicus, Nutzenmaximierung, Wahlverhalten, Politische Partizipation, Nichtwählen, Methodologischer Individualismus, Politische Ökonomie, Demokratie, Wahrscheinlichkeit, Informationskosten, Expressives Wählen, Parteienwettbewerb

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Paradoxon des Nichtwählens innerhalb der klassischen ökonomischen Demokratietheorie, insbesondere basierend auf dem Modell von Anthony Downs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen rationale Wahlentscheidungen, Kosten-Nutzen-Kalküle bei Wahlen, die Rolle von Parteien als politische Unternehmer und die Grenzen der Rational-Choice-Modelle.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Widerspruch zwischen der theoretischen Rationalität des Nichtwählens und der empirisch beobachtbaren, hohen Wahlbeteiligung in modernen Demokratien aufzulösen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Analyse und Diskussion existierender politikwissenschaftlicher Theorien im Rahmen des Rational-Choice-Ansatzes.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Rational-Choice-Ansatzes, die spezifische Modellierung von Wähler- und Parteiverhalten nach Downs und verschiedene wissenschaftliche Lösungsansätze für das Wahlparadoxon.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Rational-Choice, Wahlparadoxon, Nutzenmaximierung, politischer Markt und Wahlbeteiligung definieren.

Wie unterscheidet sich der instrumentelle vom expressiven Nutzen?

Instrumenteller Nutzen bezieht sich auf die Erzielung eines spezifischen politischen Ergebnisses durch die eigene Stimme, während expressiver Nutzen in der Handlung des Wählens selbst liegt, um eine Identität oder Wertvorstellung auszudrücken.

Warum kritisieren Palfrey und Rosenthal das Modell von Downs?

Sie kritisieren, dass das Downs-Modell die simultane Entscheidungssituation der Wähler ignoriert und versuchen, das Paradoxon mithilfe der Spieltheorie zu lösen, was jedoch ebenfalls auf Schwierigkeiten stößt.

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Details

Title
Anthony Downs
Subtitle
Zur Ökonomie des Wählens
College
University of Freiburg  (Seminar für Wissenschaftliche Politik)
Course
Demokratietheorien
Grade
2
Author
David Liebelt (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V92299
ISBN (eBook)
9783638061070
ISBN (Book)
9783638956666
Language
German
Tags
Anthony Downs Demokratietheorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Liebelt (Author), 2007, Anthony Downs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92299
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