In der vorliegenden Arbeit soll die Entwicklung der Umsatzsteuer in Deutschland vom Kaiserreich bis zur Gegenwart aufgezeigt werden.
Hierzu wird zunächst in Kapitel zwei das Wesen einer allgemeinen Umsatzbesteuerung skizziert und die Vorgeschichte der Umsatzbesteuerung in Deutschland dargestellt.
In den folgenden Abschnitten des Kapitels drei werden die Fortentwicklung und die Bedeutung der Umsatzbesteuerung in Deutschland erläutert. Hierbei wird kurz auf die jeweils zugrundeliegenden finanzpolitischen Zusammenhänge und den jeweils geltenden Finanzausgleich, sowie Auswirkungen der Steuerharmonisierung innerhalb der Europäischen Union Bezug genommen.
In Kapitel 4 schließt die Arbeit mit einem zusammenfassenden Fazit, das die Motivation zur Einführung und vorgenommenen Änderungen der Umsatzbesteuerung herausstellt. Die Umsatzsteuer (USt) ist die Steuer auf den Umsatz eines Unternehmens, die vom Unternehmer zu entrichten ist. Sie kann jedoch über den Preis auf den Kunden überwälzt werden, weshalb man von einer indirekten Steuer spricht. Johannes Popitz, Staatssekretär im Reichs-finanzministerium von 1925 bis 1929, führt als Wesen der Umsatzsteuer an, „dass der Steuerpflichtige – der Unternehmer – nur Steuerzahler, nicht auch Steuerträger sein soll“. Die Steuer soll damit wirtschaftlich den Endverbraucher belasten. Die Umsatzsteuer ist deshalb als Verbrauchsteuer einzustufen, die technisch jedoch als Verkehrsteuer ausgestaltet ist, da die Steuerpflicht an den Umsatzvorgang anknüpft.
Auszugrenzen von der Betrachtung des Ansatzes einer allgemeinen Umsatzsteuer sind Systeme, in denen die zu entrichtende Steuer nicht am erzielten Preis des Umsatzes gemessen wird oder in denen nur einzelne Gegenstände oder Verkehrsvorgänge der Steuer unterliegen. Insofern ist nicht von einer allgemeinen Besteuerung auszugehen. Dem Grundgedanken der Umsatzsteuer folgende Besteuerungsweisen lassen sich bereits im Altertum finden. Hier treten diejenigen Staaten, „in deren wirtschaftlichem Leben Handel und Industrie eine nennenswerte Rolle spielen“, in den Vordergrund. Es sind jedoch im Verlaufe der Entwicklung der Umsatzsteuer unterschiedlich starke Ausprägungen des Gedankens auszumachen. Der Umsatzsteuer kam sowohl im griechischen System des 4. Und 5. Jahrhunderts, als auch im römischen System der Kaiserzeit im Gegensatz zu anderen Systemen des Altertums eine starke Bedeutung zu.
Inhaltsverzeichnis
1. Hintergrund und Ziel der Untersuchung
2. Wesen der Umsatzsteuer und Vorgeschichte
3. Entwicklung der Umsatzsteuer
3.1. Kaiserreich ab 1871
3.2. Weimarer Republik ab 1919
3.3. NS – Regime ab 1933
3.4. 1945 und „Bonner Republik“ ab 1949
3.5. „Berliner Republik“ ab 1990
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Umsatzsteuer in Deutschland von der Zeit des Kaiserreichs bis zur Gegenwart. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der finanzpolitischen Rahmenbedingungen, der Einführung und Anpassung von Steuersätzen sowie der Auswirkungen von Reformen auf die Einnahmesituation von Bund und Ländern.
- Historische Entwicklung der deutschen Umsatzbesteuerung
- Finanzpolitische Rahmenbedingungen und Finanzausgleich
- Wechsel von der Brutto- zur Netto-Allphasenumsatzsteuer
- Einfluss der europäischen Steuerharmonisierung
- Rolle der Umsatzsteuer als Instrument der Konsolidierung
Auszug aus dem Buch
Wesen der Umsatzsteuer und Vorgeschichte
Die Umsatzsteuer (USt) ist die Steuer auf den Umsatz eines Unternehmens, die vom Unternehmer zu entrichten ist. Sie kann jedoch über den Preis auf den Kunden überwälzt werden, weshalb man von einer indirekten Steuer spricht. Johannes Popitz, Staatssekretär im Reichsfinanzministerium von 1925 bis 1929, führt als Wesen der Umsatzsteuer an, „dass der Steuerpflichtige – der Unternehmer – nur Steuerzahler, nicht auch Steuerträger sein soll“. Die Steuer soll damit wirtschaftlich den Endverbraucher belasten. Die Umsatzsteuer ist deshalb als Verbrauchsteuer einzustufen, die technisch jedoch als Verkehrsteuer ausgestaltet ist, da die Steuerpflicht an den Umsatzvorgang anknüpft.
Auszugrenzen von der Betrachtung des Ansatzes einer allgemeinen Umsatzsteuer sind Systeme, in denen die zu entrichtende Steuer nicht am erzielten Preis des Umsatzes gemessen wird oder in denen nur einzelne Gegenstände oder Verkehrsvorgänge der Steuer unterliegen. Insofern ist nicht von einer allgemeinen Besteuerung auszugehen.
Dem Grundgedanken der Umsatzsteuer folgende Besteuerungsweisen lassen sich bereits im Altertum finden. Hier treten diejenigen Staaten, „in deren wirtschaftlichem Leben Handel und Industrie eine nennenswerte Rolle spielen“, in den Vordergrund. Es sind jedoch im Verlaufe der Entwicklung der Umsatzsteuer unterschiedlich starke Ausprägungen des Gedankens auszumachen. Der Umsatzsteuer kam sowohl im griechischen System des 4. Und 5. Jahrhunderts, als auch im römischen System der Kaiserzeit im Gegensatz zu anderen Systemen des Altertums eine starke Bedeutung zu. Im Mittelalter entwickelte sich die Umsatzsteuer in Ost und West- Rom zu einer der bedeutendsten Steuer bis sie im 16. Jahrhundert durch alternative Abgaben, insbesondere Zölle und Akzisen, ersetzt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hintergrund und Ziel der Untersuchung: Die Einleitung umreißt das Ziel der Arbeit, die Genese der Umsatzsteuer in Deutschland von 1871 bis heute darzustellen und dabei finanzpolitische Hintergründe sowie EU-Einflüsse zu beleuchten.
2. Wesen der Umsatzsteuer und Vorgeschichte: Dieses Kapitel definiert die Umsatzsteuer als indirekte Steuer und erläutert ihre historische Einordnung sowie ihre Vorläuferformen wie Zölle und Akzisen.
3. Entwicklung der Umsatzsteuer: In fünf Unterkapiteln wird chronologisch die Transformation der Umsatzsteuer durch verschiedene politische Epochen hinweg analysiert.
3.1. Kaiserreich ab 1871: Darstellung der Einführung des Warenumsatzstempels 1916 zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs und der Etablierung des ersten modernen Umsatzsteuergesetzes.
3.2. Weimarer Republik ab 1919: Untersuchung der Finanzreformen unter Matthias Erzberger, der Neuregelung des Finanzausgleichs und der Erhöhung der Steuersätze zur Haushaltskonsolidierung.
3.3. NS – Regime ab 1933: Analyse der nationalsozialistischen Steuerpolitik, die fiskalische Ziele zugunsten von Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik verschob und eine ideologisch geprägte Steuergesetzgebung einführte.
3.4. 1945 und „Bonner Republik“ ab 1949: Betrachtung der Einführung der Mehrwertsteuer 1968, der europäischen Harmonisierung und der finanziellen Einbindung der Länder durch den Finanzausgleich.
3.5. „Berliner Republik“ ab 1990: Beschreibung der steuerlichen Anpassungen infolge der Wiedervereinigung, der Rentenfinanzierung und der wiederholten Anhebungen des Regelsteuersatzes bis 2007.
4. Fazit: Das Fazit fasst die vier wesentlichen Tendenzen zusammen: den Wandel zur indirekten Besteuerung, die Nutzung der Steuer als politisches „Ventil“, ihre Funktion als zuverlässige Einnahmequelle und die zunehmende Internationalisierung.
Schlüsselwörter
Umsatzsteuer, deutsche Finanzgeschichte, Finanzausgleich, Steuerreform, Mehrwertsteuer, Allphasenumsatzsteuer, Steuerharmonisierung, Fiskalpolitik, indirekte Steuern, Verbrauchsteuer, Haushaltskonsolidierung, Umsatzsteuergesetz, Steueraufkommen, Wirtschaftsgeschichte, Steuerpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung und der systematischen Veränderung der Umsatzsteuer in Deutschland vom Kaiserreich bis zum Jahr 2007.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Transformation der Steuergesetzgebung, der Finanzausgleich zwischen den staatlichen Ebenen sowie die Auswirkungen von Wirtschaftskrisen und Kriegen auf die Steuerpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Beweggründe für die Einführung und stetige Veränderung der Umsatzsteuer sowie deren Rolle im deutschen Steuersystem historisch nachvollziehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse der Finanzgeschichte, unterstützt durch eine Auswertung von Fachliteratur, Gesetzestexten und historischen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf zeitgeschichtliche Phasen, die von der Einführung des Warenumsatzstempels 1916 bis hin zu den jüngsten Steuererhöhungen in der „Berliner Republik“ reichen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Charakterisierende Begriffe sind Umsatzsteuer, Finanzausgleich, Steuerharmonisierung, Mehrwertsteuersystem und fiskalische Steuerung.
Warum wurde im Ersten Weltkrieg der Warenumsatzstempel eingeführt?
Er wurde 1916 eingeführt, da die bisherigen Einnahmen aus Kriegsanleihen nicht mehr ausreichten, um die Zinsen der Kredite für die massiv gestiegenen Kriegsausgaben zu decken.
Welchen Einfluss hatte die europäische Integration auf die deutsche Umsatzsteuer?
Die Europäische Gemeinschaft forderte eine Harmonisierung der Steuersysteme zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen, was 1968 zur Einführung des Mehrwertsteuersystems führte.
Wie hat sich die Rolle der Länder durch die Reformen verändert?
Die Länder wurden im Laufe der Zeit durch einen variablen Anteil an der Umsatzsteuer stärker am Steueraufkommen beteiligt, was als „Ventil“ für den Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern fungiert.
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- Miriam Brosig (Author), 2008, Die Entwicklung der Umsatzsteuer in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92301