Die Digitalisierung stellt eine bedeutende technologische Veränderung dar. Unternehmen, die sich diesem Wandel aktiv stellen, sehen sich mit zahlreichen Parametern konfrontiert, die weitreichende Auswirkungen auf ihre Organisation haben. In vielen Organisationen laufen – meist parallel – digitale Transformationsinitiativen, welche bestehende Vorgehensweisen, Produktpaletten und Organisationsformen grundlegend verändern, um langfristig erfolgreich zu sein.
Die IT-Mitarbeiter stehen bei technologischen und methodischen Innovationen an vorderster Front und sind damit sowohl als Konsumenten als auch als Produzenten betroffen. Die Erneuerungen erfolgen dabei zunehmend schneller, eine Entschleunigung ist derzeit nicht zu erwarten. Es stellt sich daher die Frage, wie sich die damit verbundenen vielfältigen Anforderungen auf die Arbeitskräfte auswirken werden.
Hinter jeder Arbeitskraft stehen Menschen, so dass die Antworten auf die obige Frage am ehesten in der Psychologie zu finden sind. Motivationstheorien befassen sich zum Beispiel mit der Frage, warum und unter welchen Bedingungen Menschen bestimmte Tätigkeiten entwickeln und bestimmte Leistungen erbringen. Neben den klassischen Motivationstheorien (Maslow, ERG) haben in den letzten Jahren auch Theorien aus den Neurowissenschaften wie SCARF.
Wenn diese Bedürfnisse mit den vielen Anforderungen der Digitalisierung in Konflikt geraten, können sogenannte Spannungsfelder entstehen. Diese Spannungsfelder schaden der Gesundheit der Mitarbeiter, z.B. durch eine Zunahme von Druck und Stress am Arbeitsplatz. Die Unternehmen sind deshalb gut beraten, auf diese Bereiche zu achten, denn der IT-Fachkräftemangel wird weiter zunehmen. Unternehmen, die diese Diskrepanz ernst nehmen, können sich von anderen Organisationen abgrenzen und sich so einen Wettbewerbsvorteil sichern.
Anhand des SCARF-Models werden die Spannungsfelder beschrieben, welche entstehen können, wenn die Digitalisierungsanforderungen im Widerspruch zu menschlichen Grundbedürfnissen stehen. Die aus der Literaturrecherche abgeleiteten Spannungsfelder sind: Arbeitsplatzsicherheit, viele Veränderungen, Aufstiegsmöglichkeiten und SAFe. Diese Themen wurden anhand einer empirischen Erhebung auf ihre Praxistauglichkeit geprüft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ausgangslage
1.2. Fragestellung und Abgrenzung
1.3. Gliederung
1.4. Methodisches Vorgehen
2. Theoretische Abhandlung
2.1. Digitalisierung
2.1.1. Agilität in der IT-Organisation
2.1.2. Cloud als technologischer Treiber
2.1.3. DevOps in der IT-Organisation
2.1.4. Verknüpfung von Agilität, Cloud und DevOps
2.1.5. Good Practices
2.1.6. Spezifische Situation bei der Mobiliar
2.2. Bedürfnisse von Mitarbeitenden
2.2.1. Klassische Motivationstheorien und Neuroleadership
2.2.2. Das SCARF-Modell
2.3. Mögliche Spannungsfelder
3. Empirische Erhebung
3.1. Datenerhebung
3.2. Auswertung
3.3. Kriterien
3.4. Ergebnisse
4. Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen
5. Fazit, Reflexion und Ausblick
7. Anhang
7.1. Anhang mit zusätzlichen Abbildungen
7.2. Interview-Leitfaden
7.3. Interview-Protokolle
7.3.1. Interview mit Matthias Aerni
7.3.2. Interview mit Nicolas Bonfils
7.3.3. Interview mit Jasmin Fluri
7.3.4. Interview mit Gabriel Graf
7.3.5. Interview mit Anonym
7.3.6. Interview mit Hicham Khallouki
7.3.7. Interview mit Jeremy Singh
7.3.8. Interview mit Vasco Staffen
7.4. Kernaussagen der Interview-Protokolle
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht das Spannungsfeld, in dem sich IT-Mitarbeitende im Zuge der digitalen Transformation befinden, und beleuchtet dabei insbesondere die Diskrepanz zwischen den Anforderungen agiler Methoden, Cloud-Technologien und DevOps sowie den menschlichen Grundbedürfnissen, wie sie durch das SCARF-Modell beschrieben werden.
- Digitalisierung der Versicherungsbranche
- Agilität, Cloud und DevOps in der IT-Organisation
- Psychologische Aspekte der Arbeitswelt (Neuroleadership & Motivation)
- Empirische Analyse mittels Experteninterviews bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherung
- Handlungsempfehlungen für ein gesundes Arbeitsumfeld
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Agilität in der IT-Organisation
Laut Prof. Dr. Stephan Fischer von der Hochschule Pforzheim (Fischer, 2016) ist Agilität «kein neues Thema, sondern existiere bereits seit 70 Jahren in unterschiedlichen Facetten und Ausprägungen».
Für diese Arbeit wird die Definition aus dem Gabler Wirtschaftslexikon (Bendel, 2019) herangezogen, wonach Agilität die «Gewandtheit, Wendigkeit oder Beweglichkeit von Organisationen und Personen bzw. in Strukturen und Prozessen» ist. «Man reagiert dabei flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse und neue Anforderungen. Man ist, etwa in Bezug auf Veränderungen, nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv.» (Bendel, 2019)
Im Kontext dieser Arbeit sind die beiden wichtigen Ausprägungen die agile Softwareentwicklung und die agile Organisation.
Die agile Softwareentwicklung hat ihren Ursprung im sogenannten «Manifest für Agile Softwareentwicklung». Dieses wurde 2001 von 17 Forschern aus dem Bereich Softwareentwicklung als Antwort auf die damals vorherrschende Form der Projektabwicklung entworfen (Kim, Humble, Debois, & Willis, 2016, S. 4). In ihrem Manifest beschreiben die Autoren Werte (Vgl. Abb. 4) und Prinzipien der agilen Softwareentwicklung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Digitalisierung in der Versicherungsbranche ein, stellt die Kernfrage der Arbeit vor und erläutert das methodische Vorgehen.
2. Theoretische Abhandlung: Es erfolgt eine detaillierte Erläuterung der Strömungen Agilität, Cloud und DevOps sowie eine Analyse menschlicher Bedürfnisse anhand des SCARF-Modells.
3. Empirische Erhebung: Dieses Kapitel beschreibt das Forschungsdesign, die Erhebungsmethode der Experteninterviews bei der Mobiliar sowie die Kriterien zur Auswertung.
4. Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen: Hier werden die Ergebnisse der empirischen Studie zusammengefasst und konkrete Maßnahmen für die Praxis abgeleitet.
5. Fazit, Reflexion und Ausblick: Das Fazit beantwortet die Kernfrage der Masterarbeit, reflektiert kritisch den Forschungsprozess und gibt einen Ausblick auf weiteren Untersuchungsbedarf.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Agilität, Cloud, DevOps, IT-Organisation, Mobiliar, SCARF-Modell, Neuroleadership, Mitarbeiterbedürfnisse, Experteninterviews, Arbeitsplatzsicherheit, Aufstiegsmöglichkeiten, SAFe, Transformation, Mitarbeiterzufriedenheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die digitale Transformation (insbesondere Agilität, Cloud und DevOps) auf die Bedürfnisse und die Gesundheit von IT-Mitarbeitenden auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der technologischen Veränderung in der Versicherungsbranche, agilen Arbeitsmethoden, psychologischen Motivationstheorien und dem Spannungsfeld zwischen Unternehmenserfolg und Mitarbeiterwohlbefinden.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, in welchem Ausmaß IT-Mitarbeitende von dauerhaften Veränderungen betroffen sind und wo Spannungsfelder zwischen ihren menschlichen Grundbedürfnissen und den Anforderungen der Digitalisierung liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche sowie einer empirischen Untersuchung in Form von acht Experteninterviews mit IT-Mitarbeitenden in agilen Teams bei der Mobiliar.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Konzepte (Agilität, Cloud, DevOps, SCARF-Modell) und eine anschließende empirische Erhebung und Auswertung zur Situation bei der Mobiliar.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Digitalisierung, Agilität, DevOps, IT-Organisation, SCARF-Modell, Mitarbeiterbedürfnisse und Transformation charakterisiert.
Warum wurde das SCARF-Modell für diese Untersuchung gewählt?
Das Modell wurde gewählt, da es auf neurowissenschaftlichen Prinzipien basiert und die fünf Dimensionen (Status, Certainty, Autonomy, Relatedness, Fairness) ein ideales Instrument zur Gegenüberstellung von Digitalisierungsanforderungen und menschlichen Bedürfnissen bietet.
Welches sind die konkret identifizierten Haupt-Spannungsfelder?
Die Studie identifiziert primär die Spannungsfelder «Aufstiegsmöglichkeiten» sowie die Anwendung des Frameworks «SAFe» als kritische Faktoren für die Befragten.
- Citation du texte
- Philipp Grossenbacher (Auteur), 2020, IT-Mitarbeitende im Spannungsfeld von Agilität, Cloud und DevOps, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923049