Dieses Kompendium der Kirchenmusik ist ein Grundlagenwerk für Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker. Es beschäftigt sich mit der Bedeutung und dem Wesen der katholischen Kirchenmusik in der Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils und zeigt die Möglichkeiten einer adäquaten musikalischen Gestaltung der Heiligen Messe auf.
Es wird deutlich, welche Rolle und Aufgabe die Musik in der Liturgie nach den kirchlichen Bestimmungen von Sacrosanctum Concilium und Musicam sacram hat. Zudem wird dargelegt, welche adäquate musikalischen Gestaltung sich daraus für die Feier der Heiligen Messe ergeben kann. Dabei werden die einzelnen musikalischen Teile der Eucharistiefeier theologisch erklärt und erläutert. Das Ziel des Autors liegt in der Reflexion und in der Neuausrichtung des musikalisch-liturgischen Handelns. Dabei bilden die Praxis der mehrstimmigen Chormusik und die kirchenmusikalische Situation der Diözese Bozen-Brixen den Ausgangspunkt.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Aufgabenstellung und Zielsetzung
2. Bedeutung der Musik im Leben der Menschen und in der Religion
2.1 Musik als Ausdruck des Menschen
2.1.1 Emotion und Hoffnung ausdrücken
2.1.2 Heilung schenken
2.1.3 Gemeinschaft stiften
2.1.4 Festlichkeit und Glanz verleihen
2.1.5 Grenzen überschreiten
2.2 Musik und Liturgie – Singen als Glaubensausdruck der Gemeinde
2.2.1 Musik im Kult
2.2.2 Musik als Gemeinschaftsbildung
2.2.3 Musik als Klang des Unsagbaren
2.2.4 Musik als Zustimmung
2.2.5 Musik als tätige Teilnahme
2.2.6 Musik als Ort der Gegenwart Gottes
3. Römische Dokumente zur katholischen Kirchenmusik bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil
3.1 Tra le sollecitudini (1903)
3.1.1 Eigenschaften der Kirchenmusik
3.1.2 Gregorianischer Choral
3.1.3 Polyphone Musik und andere Stilrichtungen
3.1.4 Anweisungen zur Sprache
3.1.5 Musikalische Elemente der Eucharistiefeier
3.1.6 Die Sänger – das liturgische Amtsverständnis
3.1.7 Orgel und andere Instrumente
3.1.8 Musik im Dienst der Liturgie
3.1.9 Fachkommissionen
3.1.10 Förderung der Kirchenmusik
3.2 Divini cultus sanctitatem (1928)
3.2.1 Teilnahme der Gläubigen
3.2.2 Chor
3.2.3 Gesang mit oder ohne Instrumente
3.2.4 Orgel
3.2.5 Musikalische Unterweisung
3.3 Mediator Dei (1947)
3.3.1 Liturgische Bewegung
3.3.2 Haltung des Singens
3.3.3 Teilnahme der Gläubigen – der Volksgesang
3.3.4 Gesangbücher der Diözese Brixen
3.4 Musicae sacrae disciplina (1947)
3.4.1 Eigenschaften der Kirchenmusik
3.4.2 Musik als Kunst
3.4.3 Volksgesang
3.4.4 Instrumentale Kirchenmusik
3.5 Instruktion über die Kirchenmusik und die heilige Liturgie (1958)
3.5.1 Formen der Kirchenmusik
3.5.2 Sprache
3.5.3 Teilnahme der Gläubigen
3.5.4 Anweisungen zum Gesang
3.5.5 Orgel
3.5.6 Liturgisches Amtsverständnis – Rolle der Frau
3.5.7 Förderung der Kirchenmusik
3.5.8 Glocken
3.5.9 Bewertung der Instruktion
4. Zweites Vatikanisches Konzil
4.1 Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium (1963)
4.1.1 Musik als integrativer Bestandteil der Liturgie
4.1.2 Arten der Kirchenmusik
4.1.3 Gregorianische Choralbücher
4.1.4 Tätige Teilnahme der Gläubigen
4.1.5 Religiöser Volksgesang – das Gotteslob
4.1.6 Instrumente im Gottesdienst
4.1.7 Chor
4.1.8 Kirchenmusikalische Ausbildung
4.1.9 Anforderungen an Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker
4.2 Brief des Consilium (1966)
4.3 Instruktion Musicam sacram (1967)
4.3.1 Musik als wesentlicher Bestandteil
4.3.2 Tätige Teilnahme der Gläubigen
4.3.3 Chor
4.3.4 Liturgisches Amtsverständnis – Rolle der Frau
4.3.5 Sprache
4.3.6 Neue Kompositionen
4.3.7 Instrumentalmusik
4.3.8 Gewichtung der Gesänge
5. Wesen, Gestalt und Umsetzung der Musik in der Feier der Heiligen Messe nach den kirchenmusikalischen Vorgaben
5.1 Grundlegende musikalische Überlegungen zur Feier der Heiligen Messe
5.1.1 Formen der aktiven Teilnahme der Gläubigen
5.1.2 Einteilung der Gesänge in Ordinarium und Proprium
5.1.3 Einteilung der Gesänge in Aktionsgesang und Begleitgesang
5.1.4 Instrumentalmusik
5.2 Einzelne musikalische Elemente der Messfeier
5.2.1 Einzug – Gesang zur Eröffnung
5.2.2 Begrüßung der Gemeinde – der gesungene liturgische Gruß
5.2.3 Kyrie
5.2.4 Sonntägliches Taufgedächtnis
5.2.5 Gloria
5.2.6 Tagesgebet – Kantillation
5.2.7 Kantillation der Lesung
5.2.8 Antwortpsalm
5.2.9 Akklamation vor der Verkündigung des Evangeliums – Halleluja
5.2.10 Sequenz
5.2.11 Kantillation des Evangeliums
5.2.12 Glaubensbekenntnis
5.2.13 Allgemeines Gebet
5.2.14 Gesang zur Gabenbereitung
5.2.15 Eucharistisches Hochgebet
5.2.16 Sanctus-Akklamation
5.2.17 Akklamation Geheimnis des Glaubens
5.2.18 Doxologie mit Amen
5.2.19 Exkurs: Weitere Akklamationen innerhalb des Hochgebetes
5.2.20 Gebet des Herrn
5.2.21 Friedensritus
5.2.22 Agnus Dei
5.2.23 Gesang zur Kommunion
5.2.24 Danklied
5.2.25 Gesungener Schlusssegen
5.2.26 Entlassungsruf
5.2.27 Gesang nach dem Segen
6. Schlusswort und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung der katholischen Kirchenmusik im Kontext der Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ziel ist es, auf Basis der römischen Lehramtsdokumente eine adäquate musikalische Gestaltung der Heiligen Messe zu reflektieren und Kriterien für die Praxis, insbesondere in Bezug auf mehrstimmige Chormusik, aufzuzeigen.
- Bedeutung der Musik als Ausdruck menschlicher Emotionen und religiöser Identität
- Analyse zentraler kirchenmusikalischer Dokumente (von Tra le sollecitudini bis Musicam sacram)
- Die aktive Teilnahme (participatio actuosa) der Gläubigen in der Liturgie
- Die Rolle der Kirchenmusik in der Gestaltung der einzelnen Elemente der Heiligen Messe
- Aktuelle kirchenmusikalische Herausforderungen und Praxisbeispiele aus der Diözese Bozen-Brixen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Gregorianischer Choral
Das Motu proprio definierte etwas, was es zuvor weltkirchlich noch nie gegeben hatte: ein Stilideal der Musik im Gottesdienst. Es konstituierte den gregorianischen Choral als den „Römischen Kirche eigenen Gesang“, der unter allen Stilrichtungen die bedeutsamste Position einnimmt und darüber hinaus sei alle andere Musik „umso heiliger und liturgischer“, wenn sie sich an diese gregorianische Musik annähert, so Papst Pius X. Der Choral war damit das „Qualitätskriterium“ für alle anderen Musikrichtungen. Daher sollte die Gemeinde den gregorianischen Choral lernen und sich daran beteiligen. Der Papst hatte hier vermutlich eine idealisierte Zeit vor Augen, in der sich die Gemeinde noch an gregorianischen Psalmen und Ordinarien beteiligt hatte, während dies spätere opernhafte und mehrstimmige Vertonungen unmöglich machten.
Im gregorianischen Choral sind Text und Musik eng verschmolzen. Diese Musik kann nicht für sich bestehen, sondern ist unmittelbar an den Text gekoppelt. Gregorianik ist deshalb keine Hinzufügung eines Textes zu einer Melodie, sondern rhetorisch gestalteter Text (verbo melodico), wobei die Melodie den Text ausrichtet, betont und gliedert, ähnlich der Rhetorik des gesprochenen Wortes. Die Melodien [entstanden] aus der intensiven Beschäftigung mit den biblischen und liturgischen Texten […] und interpretieren diese auf eigene Weise. […] Wie unter einem Vergrößerungsglas wollen sie helfen, Gottes Wort zu betrachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aufgabenstellung und Zielsetzung: Einleitung in die Bedeutung der Kirchenmusik und die Zielsetzung der Reflexion über deren liturgische Einbindung.
2. Bedeutung der Musik im Leben der Menschen und in der Religion: Untersuchung der anthropologischen und religiösen Dimensionen von Musik als Ausdrucksform und Gemeinschaftsmittel.
3. Römische Dokumente zur katholischen Kirchenmusik bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil: Analyse der kirchenrechtlichen Dokumente von 1903 bis 1958 hinsichtlich ihrer Normen für die Kirchenmusik.
4. Zweites Vatikanisches Konzil: Darstellung der liturgiegeschichtlichen Wende durch die Konstitution Sacrosanctum Concilium und die Instruktion Musicam sacram.
5. Wesen, Gestalt und Umsetzung der Musik in der Feier der Heiligen Messe nach den kirchenmusikalischen Vorgaben: Konkrete Anwendung der Vorgaben auf die einzelnen Elemente und Gesänge der Heiligen Messe.
6. Schlusswort und Ausblick: Zusammenfassende Reflexion über die historische Entwicklung und die zukünftige Bedeutung der Kirchenmusik.
Schlüsselwörter
Kirchenmusik, Liturgie, Zweites Vatikanisches Konzil, Gregorianischer Choral, Sacrosanctum Concilium, Musicam sacram, participatio actuosa, Heilige Messe, Gotteslob, Gesang, Kirchenchor, Orgel, Liturgische Bewegung, Pastoraltheologie, Diözese Bozen-Brixen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt das Wesen und die Bedeutung der katholischen Kirchenmusik im Kontext der liturgischen Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils sowie deren praktische Umsetzung in der Heiligen Messe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die anthropologische Bedeutung der Musik, die Analyse historischer und aktueller kirchlicher Dokumente sowie die musikalische Gestaltung der einzelnen Teile der Liturgie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine kritische Reflexion und Neuausrichtung des musikalisch-liturgischen Handelns, basierend auf den kirchenmusikalischen Bestimmungen der Konzilszeit.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literatur- und Dokumentenanalyse, die historische kirchliche Lehrschreiben auswertet und mit aktuellen liturgiewissenschaftlichen und pastoralen Erkenntnissen verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die römischen Dokumente seit 1903 (Tra le sollecitudini) bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil und erläutert deren Anwendung auf die Struktur der Heiligen Messe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Kirchenmusik, Liturgie, Sacrosanctum Concilium, participatio actuosa, Gregorianik und Gotteslob.
Wie bewertet der Autor die Instruktion von 1958?
Die Instruktion von 1958 wird vom Autor als Rückschritt bewertet, da sie Liturgie und Musik eher juristisch betrachtete und in der Fachwelt weitgehend als unzeitgemäß empfunden wurde.
Welche Rolle spielt das "Gotteslob" in dieser Untersuchung?
Das Gotteslob wird als "Rollenbuch der Gemeinde" und bedeutendes Instrument zur Förderung der tätigen Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie gewürdigt.
- Arbeit zitieren
- Stefan Plattner (Autor:in), 2020, Kirchenmusik in der Feier der Heiligen Messe nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Wesen, Veränderung und Gestalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923360