Nach Nohlen hat „eine vollständige Revolutionstheorie (…) allgemeingültige Antworten auf drei Fragen zu geben: (1) Welchen typischen Verlaufsprozeß nimmt eine Revolution? (2) Unter welchen Bedingungen kommt es zu Revolutionen? (3) Welche kurzfristigen (output) und langfristigen (outcome) Auswirkungen hat die Revolution für das betroffene politische Gemeinwesen“ (sic!) (Nohlen: 553). Mit der vorliegenden Arbeit soll den ersten beiden Punkten aus sozialistischer Sicht nachgegangen werden.
Dazu wird zunächst eine begriffliche Annäherung an die Revolution als solche unternommen, um sie von Staatsstreichen, Sezessionen und Revolten unterscheidbar zu machen. Dem folgend wird die marxistische Revolutionstheorie erläutert und auf wirtschaftliche Vorüberlegungen, objektive und subjektive Voraussetzungen sowie die Phasen der Revolution und die Frage der Gewalt eingegangen. Desweiteren werden ausgewählte sozialistische Kritiker der marxistischen Theorie bemüht. Diese reichen von den revolutionären Theoretikern Michail Bakunin und Pierre-Joseph Proudhon bis hin zu den sozialdemokratischen Reformisten Georg Ritter von Vollmar auf Veldheim und Eduard Bernstein. In einigen wenigen Schlussbemerkungen soll eine kurze Bewertung vorgenommen werden.
Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
II.) Revolution – eine begriffliche Annäherung
1.) Staatsstreich
2.) Sezession
3.) Revolte
4.) Revolution
III.) Die marxistische Revolutionstheorie
1.) Wirtschaftliche Vorüberlegungen
2.) Objektive Voraussetzungen
3.) Subjektive Voraussetzungen
4.) Revolutionsphasen
5.) Die Frage der Gewalt
IV.) Sozialistische Kritik
1.) Revolutionäre
a) Michail Bakunin
b) Pierre-Joseph Proudhon
2.) Reformisten
a) Georg Ritter von Vollmar auf Veldheim
b) Eduard Bernstein
V.) Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die marxistische Revolutionstheorie kritisch aus sozialistischer Perspektive. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie der typische Verlauf und die Bedingungen von Revolutionen aus marxistischer Sicht definiert sind und inwieweit diese durch revolutionäre und reformistische Denker innerhalb des sozialistischen Spektrums angefochten wurden.
- Begrifflich-theoretische Abgrenzung der Revolution von Staatsstreich, Sezession und Revolte.
- Analyse der marxistischen Revolutionstheorie hinsichtlich ökonomischer Voraussetzungen und Gewalt.
- Kritische Auseinandersetzung revolutionärer Denker (Bakunin, Proudhon) mit Marx.
- Gegenüberstellung marxistischer Positionen mit reformistischen Ansätzen (von Vollmar, Bernstein).
- Bewertung der marxistischen Theorie anhand empirischer historischer Entwicklungen.
Auszug aus dem Buch
4.) Revolution
„Revolution ist der Akt der Neubildung der durch Rebellion erschütterten Gesellschaft nach einem Plan oder einer Vision (einer Ideologie) einer perfekteren, gerechteren und zumindest erträglicheren Gesellschaft“ (ebd.). Damit werden als Revolutionen fundamentale und abrupte „Umwälzungen in der Struktur eines Systems bezeichnet“ (Nohlen: 552). Politische Revolutionen stellen demnach „tiefgreifende und nachhaltige Veränderungen der Struktur eines politischen (und häufig auch gesellschaftlichen) Systems“ dar (ebd.). Dabei werden sowohl die politischen Eliten als auch die politischen Institutionen grundlegend umgestaltet (vgl. ebd.). Jene gewaltigen und abrupten Veränderungen stehen „im Gegensatz zum politischen Konzept der Veränderung durch legalen Wandel“ (ebd.). Eine Revolution kann durchaus auch friedlich verlaufen; „sie muß (…) nicht notwendigerweise durch den Einsatz von kollektiver Gewalt durchgesetzt worden sein“ (sic!) (Nohlen: 552-553). Voraussetzung für eine Revolution sind jedoch mindestens zwei Faktoren: „Zum einen bedarf es einer großen Anzahl von Menschen, die mit dem politischen Status quo unzufrieden ist (Unzufriedenheits-Aspekt). Zum anderen müssen diese Menschen sich in einer Weise organisieren, so daß sie sich gegenüber dem alten Machtapparat durchsetzen können (Organisations- und Ressourcen-Aspekt)“ (sic!) (Nohlen: 555).
Zusammenfassung der Kapitel
I.) Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Forschungsfrage nach den Bedingungen von Revolutionen aus sozialistischer Sicht und gibt einen Überblick über den strukturellen Aufbau der Arbeit.
II.) Revolution – eine begriffliche Annäherung: In diesem Kapitel werden die verschiedenen Formen soziopolitischen Wandels – Staatsstreich, Sezession, Revolte und Revolution – definiert und voneinander abgegrenzt.
III.) Die marxistische Revolutionstheorie: Hier werden die Kernelemente der marxistischen Theorie dargestellt, insbesondere die ökonomischen Determinanten, die objektiven und subjektiven Voraussetzungen sowie die Phasen und die Rolle der Gewalt.
IV.) Sozialistische Kritik: Dieses Kapitel widmet sich der kritischen Auseinandersetzung mit Marx durch revolutionäre Theoretiker (Bakunin, Proudhon) sowie durch sozialdemokratische Reformisten (von Vollmar, Bernstein).
V.) Schlussbemerkungen: Zusammenfassend wird die marxistische Theorie an der historischen Empirie gemessen, wobei insbesondere das Scheitern der Verelendungsthese und der revolutionären Prophezeiungen konstatiert wird.
Schlüsselwörter
Marxismus, Revolution, Sozialismus, Klassenkampf, Proletariat, Bourgeoisie, Reformismus, Anarchismus, Ökonomie, Gewaltfrage, Mehrwert, Staatskritik, historische Notwendigkeit, gesellschaftlicher Wandel, politisches System.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die marxistische Revolutionstheorie und untersucht, wie verschiedene Strömungen des Sozialismus – von revolutionären Theoretikern bis hin zu Reformisten – diese Theorie kritisch hinterfragt haben.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Fokus stehen die begriffliche Abgrenzung von Revolutionen, die ökonomischen Grundlagen der marxistischen Revolutionstheorie sowie die Debatte um Gewaltanwendung und die Möglichkeit von Reformen innerhalb des Kapitalismus.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Ziel ist es, die marxistische Theorie zur Entstehung und zum Verlauf von Revolutionen zu erläutern und diese kritisch aus verschiedenen sozialistischen Perspektiven zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeschichtliche Analyse, die einschlägige Fachliteratur auswertet, um die Argumentationsmuster von Marx und Engels sowie deren sozialistischen Kritikern einander gegenüberzustellen.
Was genau wird im Hauptteil des Werkes behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Revolution bei Marx, gefolgt von der Gegenüberstellung der Positionen von Bakunin, Proudhon, von Vollmar und Bernstein.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Klassenkampf, Revolution, Reformismus, Anarchismus, historische Notwendigkeit und die Kritik an der marxistischen ökonomischen Basis-Überbau-Theorie.
Wie unterscheidet sich laut dem Autor die Sichtweise von Michail Bakunin von der von Karl Marx?
Bakunin lehnte den sozialistischen Staat ab und setzte auf die unmittelbare Zerstörung des staatlichen Prinzips, während Marx die Eroberung der Staatsmacht durch das Proletariat als notwendige Phase ansah.
Warum kritisieren Reformisten wie Eduard Bernstein die marxistische Revolutionstheorie?
Bernstein argumentiert empirisch, dass das Proletariat keine homogene Masse sei, die in den Untergang steuere, und plädiert daher für eine schrittweise demokratische Reform des Kapitalismus statt eines gewaltsamen Umsturzes.
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- Christian Spernbauer (Autor), 2008, Sozialistische Kritik der marxistischen Revolutionstheorie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92349