Die Arbeit thematisiert die Beziehung zwischen Tod und Bild, welche unter anderem in der Kriegsfotografie zum Ausdruck kommt. So wird in Bezug auf die Kriegsfotografie der Vietnamkrieg und der Irakkrieg näher betrachtet. Die Wahl fiel aus unterschiedlichen Gründen auf diese beiden militärischen Auseinandersetzungen. Da in einer analysierenden Gegenüberstellung von jeweils drei Fotografien Unterschiede in der Art und Weise der Kriegsberichterstattung und der daraus resultierenden Einbindung oder Ausklammerung der Todesthematik in der Bildsprache aufgezeigt werden soll, wurden zwei Kriege ausgewählt, die ähnliche Rahmenbedingungen aufweisen. Diese Gemeinsamkeiten finden sich beispielsweise darin, dass die beiden Kriege jeweils abgeschlossen sind und die USA in beiden Fällen den Krieg begonnen hatte, sowie als größte militärische Einheit in die Gebiete eindrang. Außerdem lassen sich weitere Parallelen finden, sodass Edwart Kennedy im April 2004 den Irakkrieg als "George W. Bushs Vietnam" bezeichnete.
Zunächst wird in den folgenden Kapiteln ein kurzer Überblick über die Entstehung und die Hintergründe der jeweiligen Kriege aufgeführt. Dies ist wichtig, um die gesellschaftliche Stimmung der Amerikaner in Bezug auf den Krieg einzuordnen, da sie als Konsumenten der medialen Aufbereitung des Krieges starken Einfluss auf die Legitimität einer Kriegsführung ausüben. Die Fotografien des Vietnamkrieges wurden nach ihrem ikonografischen Gehalt ausgewählt - nach dem Bildtypus des "discrete icon", als dass diese ein bestimmtes einzelnes Bild mit ganz besonderen Bildelementen darstellen und so als ein globales Zeichen überall auf der Erde gleiche Assoziationen hervorrufen. Zwei der Fotografien des Irakkrieges stellen ebenfalls "discrete icons" dar, das dritte Bild wird dem Bildtyp des "generic icon" zugeschrieben. Dieser Bildtyp beschreibt Bilder, in welchen das Motiv dasselbe bleibt, während die Akteure, die dargestellten Orte und die dargestellte Situation sich verändern.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Fotografien des Vietnam- und Irakkrieges als Gegenstand einer vergleichenden Analyse
2. Analyse und Vergleich
2.1. Der Vietnamkrieg
2.1.1. Medienstrategie und Konsequenzen aus dem Vietnamkrieg
2.1.2. Edward T. Adams – „Saigon Execution“
2.1.3. Philip Jones Griffiths – „Sniper in Saigon”
2.1.4. Nick Út – „The Terror of War“
2.2. Der Irakkrieg
2.2.1. Veränderte Medienstrategie des Irakkrieges
2.2.2. Gilles Bassignac – „Fall der Hussein-Statue“
2.2.3. John Moore – „In Saddam’s Palace“
2.2.4. Generic Icon „Soldat mit Kind“
3. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die mediale Darstellung des Vietnamkrieges und des Irakkrieges anhand ausgewählter Fotografien. Das Ziel ist es, Unterschiede in der Art der Kriegsberichterstattung sowie die Einbindung oder Ausklammerung der Todesthematik in der Bildsprache aufzuzeigen, um den Einfluss der medialen Aufbereitung auf die öffentliche Legitimation der Kriegsführung zu analysieren.
- Vergleichende Analyse ikonografischer Kriegsfotografien
- Medienstrategien und Zensurpraktiken der USA in beiden Konflikten
- Differenzierung zwischen „discrete icons“ und „generic icons“
- Einfluss der Berichterstattung auf die öffentliche Wahrnehmung und Kriegsmoral
- Visuelle Abwesenheit des Todes als Instrument der Legitimationspolitik
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Medienstrategie und Konsequenzen aus dem Vietnamkrieg
Die zunächst angedachte, aber nicht umsetzbare, militärische Zensur der Kriegsberichterstattung war die Grundvoraussetzung für die Veröffentlichung der Schreckensbilder des Vietnamkrieges. Des Weiteren entwickelte sich ein zunehmendes Medieninteresse am Kriegsgeschehen, welches zur Folge hatte, dass immer mehr Reporter das Land bereisten. (vgl. Lechner 2009: S.10). Die „einzigartige Akkreditierungspraxis“ (Paul 2004: S.313) und damit verbundene Öffnung des Kriegsschauplatzes für Reporter, zog diese zunehmend an (Vgl. Paul 2004: S.313). Die „voluntary guidelines“ waren äußerst schwach, sodass die Korrespondenten weitgehend frei agieren konnten.
Am Anfang des Krieges kursierten noch vergleichsweise patriotische und siegessichere Fotografien sowie Meldungen. Das Blatt wendete sich jedoch nach der Tet-Offensive und dem Massaker in My Lai. Nun wurden vornehmlich Bilder veröffentlicht, welche die verstörende Realität des grausamen Krieges offenbarten (vgl. Lechner 2009: S.10f) und Hägele folgend (2006: S.82) die Bildsprache des „sichtbaren Körpers“ kommunizierten, also den Krieg in unmittelbare Beziehung zu Tod und Schmerz setzten. Die realen Fotografien, die in ihrer barbarischen Grausamkeit die irrealsten, da kaum vorstellbare, Szenarien abbildeten, wurden hierdurch in ihrer vornehmlichen Aussage zu Antikriegsbildern, welche die Kriegsmoral der Bevölkerung aber auch des Militärs wandelte (vgl. Hägele 2006: S.80).
Denn sie zeigten eine Realität, der die Bevölkerung nicht gewachsen war. In dem man aus der Distanz heraus das Leiden anderer durch das Medium der Fotografie, wie auch des bewegten Bildes betrachten musste, wurde man quasi zum voyeuristischen Monster (vgl. Sontag 2003: S.15), hatte man nicht den Drang „die Ursachen für diese Verwüstung […] aus der Welt zu schaffen“ (Sontag 2003: S.15).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Fotografien des Vietnam- und Irakkrieges als Gegenstand einer vergleichenden Analyse: Einführung in die Thematik der Kriegsfotografie und Darlegung des methodischen Vergleichsansatzes zweier historisch unterschiedlicher militärischer Konflikte.
2. Analyse und Vergleich: Hauptteil, der detailliert die Medienstrategien und ausgewählte Bildikonen des Vietnam- und Irakkrieges analysiert, um Unterschiede in der Darstellung von Gewalt und Tod aufzuzeigen.
3. Schlussbetrachtungen: Resümee der Ergebnisse, das verdeutlicht, wie eine gelenkte Medienstrategie und die Zensur den Krieg symbolisch von seiner grausamen Realität entkoppeln können.
Schlüsselwörter
Kriegsfotografie, Vietnamkrieg, Irakkrieg, Medienstrategie, Ikonografie, discrete icon, generic icon, Zensur, Kriegsberichterstattung, Todessymbolik, Bildsprache, US-Militär, Massenmedien, Antikriegsbilder, Bildmanipulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die unterschiedliche visuelle Darstellung von zwei bedeutenden US-amerikanischen Kriegsschauplätzen – Vietnam und Irak – und wie die Fotografie als Medium zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung genutzt wurde.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Medialisierung von Kriegen, die Rolle der Pressefreiheit, die ikonografische Bedeutung von Kriegsfotografien und der strategische Einsatz von Bildern zur Legitimierung oder Ablehnung politischer militärischer Interventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand von Fallbeispielen zu zeigen, wie sich die Bildsprache und der Umgang mit Themen wie Tod und Gewalt von einem „unzensierten“ Vietnamkrieg hin zu einer stärker kontrollierten und inszenierten Berichterstattung im Irakkrieg gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse ikonografischer Fotografien. Es werden spezifische Bildtypen (discrete vs. generic icons) definiert und auf ihre Funktion und Assoziationskraft hin untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der Rahmenbedingungen und spezifischer Fotografien beider Kriege, inklusive der Analyse von Medienstrategien wie dem „embedded journalism“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Medienstrategie, Ikonografie, Kriegsmoral, Zensur und die visuelle Darstellung des „sichtbaren“ versus „unsichtbaren“ Todes geprägt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Todes zwischen Vietnam und Irak?
Während der Vietnamkrieg durch explizite, teils unzensierte Bilder des Todes und Schmerzes geprägt war, die den Krieg als Antikriegsbild erscheinen ließen, zeigt der Irakkrieg eher Symbole des Sieges, bei denen der „sichtbare Körper“ vermieden wird, um den Krieg als sauberen Erfolg zu legitimieren.
Welche Bedeutung kommt dem Bildtyp des „generic icon“ zu?
Das „generic icon“ beschreibt Motive, deren zentrale Akteure und Situationen austauschbar sind. Im Irakkrieg dienten diese Bilder dazu, das Leid des Krieges zu zeigen, ohne die US-Truppen als Täter darzustellen, wodurch der Fokus auf humanitäre Aspekte verschoben wurde.
- Arbeit zitieren
- Laura Gruhn (Autor:in), 2018, Ikonografische Fotografien des Kriegs in Vietnam und Irak. Analyse und Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923513