Die deutsche Einigungsfrage zwischen 1866 und 1870


Hausarbeit, 2006

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deutschlandpolitische Ereignisse im Jahre 1866
a) Der deutsche Bruderkrieg
b) Kriegsende und Friedensschluss

3. Die deutschen Länder in der Nachkriegszeit
a) Der Norddeutsche Bund
b) Die süddeutschen Staaten
c) Schutz- und Trutzbündnisse

4. Der preußische Verfassungskonflikt

5. Schlussbemerkungen

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frage der deutschen Einigung erfuhr mit dem preußisch-österreichischen Krieg 1866 einen jähen Schlag. Zumindest für die Anhänger der großdeutschen Lösung. Jene großdeutsche Lösung wurde spätestens mit dem Kriegsausbruch und der Niederlage Österreichs und der damit verbundenen Herausdrängung Österreichs aus Deutschland unmöglich. Doch wie kam es zu diesem folgenschweren Krieg und was waren dessen Gründe? Wie entwickelte sich die Geschichte in den deutschen Dingen und was hatten die großen Köpfe dieser Zeit in der deutschen Frage für Vorstellungen? Dies möchte ich im Folgenden näher betrachten.

Ich gehe dabei zunächst auf den deutschen Bruderkrieg und dessen Ursachen ein, bevor ich das Kriegsende und die Ergebnisse des Friedensschluss’ darstelle. Im Weiteren betrachte ich die deutschen Länder in der Nachkriegszeit und gehe dabei, neben Preußens Annexionen, auf den neu gegründeten Norddeutschen Bund, die süddeutschen Länder und die Schutz- und Trutzbündnisse ein, bevor ich im letzten Kapitel den preußischen Verfassungskonflikt in seinen Grundzügen darlegen werde. In einigen Schlussbemerkungen werde ich versuchen, das Dargestellte in einen größeren historischen Kontext zu setzen und zu bewerten.

2. Deutschlandpolitische Ereignisse im Jahre 1866

Das Jahr 1866 war – deutschlandpolitisch gesehen – in mehrerer Hinsicht ein einschneidendes. Es ging der erst 1815 gegründete Deutsche Bund nach nur gut 50 Jahren Existenz unter, die deutschen Großmächte Preußen und Österreich und ihre Verbündeten führten Krieg gegeneinander und das Ergebnis war das Herausdrängen Österreichs aus dem politischen Deutschland.

a) Der deutsche Bruderkrieg

Ein Grund für den Krieg zwischen Preußen und Österreich lag in Schleswig-Holstein. 1863 beschloss „der dänische Reichsrat (...) die gänzliche Einverleibung des bisher nur durch Personalunion mit Dänemark verbundenen Herzogtums Schleswig in den dänischen Gesamtstaat“[1]. Die deutsche Nationalbewegung sowie „500 Abgeordnete aus allen deutschen Parlamenten“ forderten die Befreiung der Herzogtümer Schleswig und Holstein, „und wie 1848 war auch jetzt wieder Preußen bereit, militärisch einzugreifen“; jedoch nicht für den in der Erbfolge stehenden deutschen Herzog von Sonderburg-Augustenburg, denn das internationale Vertragsrecht („Londoner Protokolle“[2]) schrieb die „Unteilbarkeit Dänemarks“ fest[3] und der Vater des „Augustenburgers“ hatte bereits 1852 auf seine Ansprüche verzichtet[4]. Während sich die national-liberale Bewegung für den „Augustenburger“ einsetzte und „zum ersten Mal seit 1849 (...) wieder eine große Volks- und Massenbewegung“ entstand, vertrat die preußische Regierung den Standpunkt des internationalen Rechtes[5]. Auch Österreich konnte als deutsche Großmacht in der Schleswig-Holstein-Frage nicht tatenlos bleiben, „solange es deutsche Politik machen wollte“, und ließ sich damit an der Seite Preußens auf dessen Politik ein[6]. Preußen und Österreich beschlossen im Bundestag gegen die Stimmen der Mittelstaaten, welche die „Londoner Verträge und die Rechtsgültigkeit der dänischen Thronfolge“ anzweifelten und die „‚Bundesintervention’ oder ‚Okkupation’“ forderten, die „Exekution“ gegen den dänischen König, „weil er die vertragswidrige Verfassung nicht zurücknahm“[7]. Erst Holstein und dann Schleswig wurden von Bundestruppen Preußens und Österreichs besetzt, welche ab März 1864 auch nach Jütland einmarschierten und am 08.04.1864 die berüchtigten Düppeler Schanzen erstürmten[8]. „Im Friedensvertrag (1. August/30. Oktober) tritt Dänemark Schleswig-Holstein an Österreich und Preußen ab, die es einstweilen als Kondominium übernehmen“[9] und so wurde in der „Gasteiner Konvention“ vom 14.08.1865 vereinbart, „daß Schleswig in preußische, Holstein in österreichische Verwaltung überging“ (sic!)[10]. Ebenfalls zu erwähnen ist, dass keine andere europäische Großmacht in den Konflikt „in den deutschen Dingen“ eingriff, was „es seit 300 Jahren (...) nicht gegeben“ hatte[11].

Ein anderer Grund für den preußisch-österreichischen Krieg lag in der von Bismarck angestrebten „preußische[n] Hegemonie in Deutschland (...) auf Kosten Österreichs“[12]. Österreich selbst war in die Lage geraten, die es von „seinen natürlichen Bundesgenossen, den Mittelstaaten, entfremdet“ hatte, gleichzeitig wandte es sich jedoch auch gegen die preußischen Annexionsvorhaben in Schleswig-Holstein[13] und „unterstütze als Besatzungsmacht die lautstarke augustenburgische Bewegung“[14]. So nutzte Bismarck „alle Reibungen, um den Konflikt weiter zu verschärfen“[15]. Österreich beschloss „dem Krieg nicht auszuweichen“, genauso wie ein preußischer Kronrat eine Woche später, am 28.02.1866, den „‚unausweichlichen Krieg’“ feststellte[16]. Preußen schloss mit Italien einen geheimen Bündnisvertrag für den Angriffs- und Verteidigungsfall und verstieß damit gegen Bundesrecht, weil sich dieses Bündnis gegen ein Bundesmitglied, Österreich, richtete und marschierte anschließend in das österreichisch besetzte Holstein ein[17]. Österreich hatte „am 8. Juni gegen Preußens Einmarsch förmlich protestiert“ und strengte die Bundesexekution gegen Preußen an[18]. Österreich beantragte am 11.06.1866 „wegen des militärischen Vorgehens Preußens die Mobilisierung des nicht-preußischen Bundesheeres“, was am 14.06.1866 angenommen wurde[19]. Preußen hingegen gelang es, „innerhalb weniger Tage, 17 deutsche Staaten zu einem norddeutschen Staatenblock zu vereinigen“, was auch „die Unterstellung der eigenen Truppen und preußische Befehlsgewalt“ beinhaltete: „Das verstieß elementar gegen die Bundespflichten und bedeutete die Sprengung des Deutschen Bundes“[20]. „Preußen erklärte den Bund für erloschen“ und stellte Sachsen, Hannover und Kurhessen ein von diesen Staaten abgelehntes Ultimatum, woraufhin Preußen „am 15. Juni (...) in diese Staaten ein[marschierte]“[21]. „Eine einzige Schlacht, der Sieg von Königgrätz am 3. Juli 1866, hat bereits den gesamten Krieg entschieden“[22] ; Preußen und seine Verbündeten[23] besiegten in Böhmen Österreich und dessen Verbündete[24].

b) Kriegsende und Friedensschluss

Bereits am 05.07.1866 trug Napoleon „Preußen seine Vermittlung für einen Waffenstillstand an; Preußen konnte diese kaum umgehen“[25], setzte Napoleon doch die Intervention Frankreichs als Druckmittel ein[26]. Bismarck war klar, dass der Frieden nicht durch die Vernichtung Österreichs zu haben war, er also nicht einen „Siegfrieden (...), sondern einen Verständigungsfrieden“ anzustreben hatte[27]. Preußen kam am 14.07.1866 mit Frankreich zu einer Friedensvereinbarung, die auch Veränderungen der Landkarte zum Inhalt hatte:

- „Anschluß Venetiens an Italien“
- „Auflösung des Deutschen Bundes“
- „Ausschluß des sonst in seinem Bestand garantierten Österreichs aus Deutschland“
- „Anerkennung eines von Preußen geführten Norddeutschen Bundes“
- „die preußische Annexion Schleswig-Holsteins“
- „das Recht der unabhängigen süddeutschen Staaten, einen international unabhängigen Südbund zu bilden“ (sic!)[28]
- die „preußische Totalannexion der ehemals souveränen Bundesstaaten Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt“[29].

[...]


[1] Hagen Schulze: S. 116.

[2] Die Londoner Protokolle von 1852 legten fest, dass der „dänische Gesamtstaat (...) erhalten bleiben [sollte]“. Zugleich wurde aber auch „die Sonderstellung nicht nur Holsteins, sondern vor allem auch Schleswigs garantiert“, womit eine Unteilbarkeit der Elbherzogtümer Schleswig und Holstein festgeschrieben wurde, was durch den dänischen König Christian IX. und dessen Einverleibung Schleswigs in den dänischen Gesamtstaat gebrochen wurde. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte. 1800-1866. S. 770.

[3] Hagen Schulze: S. 116.

[4] Thomas Nipperdey: ebd. S. 770.

[5] Ebd. S. 771.

[6] Ebd. S. 772.

[7] Ebd. S. 772.

[8] Ebd. S. 772.

[9] Ebd. S. 773.

[10] Wolfram Siemann: S. 276.

[11] Thomas Nipperdey: ebd. S. 774.

[12] Ebd. S. 775.

[13] Ebd. S. 775.

[14] Ebd. S. 776.

[15] Ebd. S. 778.

[16] Ebd. S. 778.

[17] Wolfram Siemann: S. 277.

[18] Ebd. S. 278.

[19] Thomas Nipperdey: ebd. S. 782.

[20] Wolfram Siemann: S. 278.

[21] Thomas Nipperdey: ebd. S. 782.

[22] Wolfram Siemann: S. 278.

[23] Preußen und Verbündete: Kgr. Preußen (einschl. der besetzen Hzmer. Schleswig und Holstein), Ghzm. Oldenburg, Ghzm. Mecklenburg-Schwerin, Ghzm. Mecklenburg-Strelitz, Hzm. Braunschweig, Hzm. Anhalt, Hzm. Sachsen-Altenburg, Hzm. Sachsen-Coburg-Gotha, Hzm. Lauenburg, Fsm. Waldeck, Fsm. Lippe, Fsm. Schwarzburg-Sondershausen, Hamburg, Bremen, Lübeck, Kgr. Italien. Bis nach der Schlacht bei Königgrätz neutral: Ghzm. Sachsen-Weimar-Eisenach, Fsm. Schwarzburg-Rudolstadt, Fsm. Reuß (jüngere Linie) http://www.deutsche-schutzgebiete.de/deutscher_krieg.htm 25.03.2006.

[24] Deutsche Bundesarmee: Österreichisches Kaisertum, Kgr. Sachsen, Kgr. Bayern, Kgr. Württemberg, Kgr. Hannover, Ghzm. Hessen-Darmstadt, Ghzm. Baden, Hzm. Sachsen-Meiningen, Hzm. Nassau, Kfsm. Hessen-Kassel, Fsm. Reuß (ältere Linie), Fsm. Schaumburg-Lippe (ab 18.08.1866 beim Norddeutschen Bund), Frankfurt. http://www.deutsche-schutzgebiete.de/deutscher_krieg.htm 25.03.2006.

[25] Wolfram Siemann: S. 278.

[26] Thomas Nipperdey: ebd. S. 786.

[27] Ebd. S. 787.

[28] Ebd. S. 787

[29] Wolfram Siemann: S. 278.

[30] Thomas Nipperdey: ebd. S. 787.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die deutsche Einigungsfrage zwischen 1866 und 1870
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Die deutsche Nationalbewegung von den Anfängen bis zur Reichsgründung 1871
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V92352
ISBN (eBook)
9783638057608
ISBN (Buch)
9783640109098
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einigungsfrage, Nationalbewegung, Anfängen, Reichsgründung
Arbeit zitieren
Christian Spernbauer (Autor), 2006, Die deutsche Einigungsfrage zwischen 1866 und 1870, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92352

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