Die Frage der deutschen Einigung erfuhr mit dem preußisch-österreichischen Krieg 1866 einen jähen Schlag. Zumindest für die Anhänger der großdeutschen Lösung. Jene großdeutsche Lösung wurde spätestens mit dem Kriegsausbruch und der Niederlage Österreichs und der damit verbundenen Herausdrängung Österreichs aus Deutschland unmöglich. Doch wie kam es zu diesem folgenschweren Krieg und was waren dessen Gründe? Wie entwickelte sich die Geschichte in den deutschen Dingen und was hatten die großen Köpfe dieser Zeit in der deutschen Frage für Vorstellungen? Dies möchte ich im Folgenden näher betrachten.
Ich gehe dabei zunächst auf den deutschen Bruderkrieg und dessen Ursachen ein, bevor ich das Kriegsende und die Ergebnisse des Friedensschluss’ darstelle. Im Weiteren betrachte ich die deutschen Länder in der Nachkriegszeit und gehe dabei, neben Preußens Annexionen, auf den neu gegründeten Norddeutschen Bund, die süddeutschen Länder und die Schutz- und Trutzbündnisse ein, bevor ich im letzten Kapitel den preußischen Verfassungskonflikt in seinen Grundzügen darlegen werde. In einigen Schlussbemerkungen werde ich versuchen, das Dargestellte in einen größeren historischen Kontext zu setzen und zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutschlandpolitische Ereignisse im Jahre 1866
a) Der deutsche Bruderkrieg
b) Kriegsende und Friedensschluss
3. Die deutschen Länder in der Nachkriegszeit
a) Der Norddeutsche Bund
b) Die süddeutschen Staaten
c) Schutz- und Trutzbündnisse
4. Der preußische Verfassungskonflikt
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe und Folgen des preußisch-österreichischen Krieges von 1866. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie es zur Herausdrängung Österreichs aus Deutschland kam, welche Rolle Bismarck und die deutsche Nationalbewegung spielten und wie die Neuordnung der deutschen Länder sowie die Bewältigung des preußischen Verfassungskonflikts die weitere politische Entwicklung beeinflussten.
- Ursachen und Verlauf des preußisch-österreichischen Bruderkrieges
- Die Auflösung des Deutschen Bundes und die Gründung des Norddeutschen Bundes
- Die Rolle der süddeutschen Staaten und der Schutz- und Trutzbündnisse
- Die Hintergründe und Beilegung des preußischen Verfassungskonflikts
- Die historische Bewertung der deutschen Einigung durch Teilung
Auszug aus dem Buch
a) Der deutsche Bruderkrieg
Ein Grund für den Krieg zwischen Preußen und Österreich lag in Schleswig-Holstein. 1863 beschloss „der dänische Reichsrat (...) die gänzliche Einverleibung des bisher nur durch Personalunion mit Dänemark verbundenen Herzogtums Schleswig in den dänischen Gesamtstaat“. Die deutsche Nationalbewegung sowie „500 Abgeordnete aus allen deutschen Parlamenten“ forderten die Befreiung der Herzogtümer Schleswig und Holstein, „und wie 1848 war auch jetzt wieder Preußen bereit, militärisch einzugreifen“; jedoch nicht für den in der Erbfolge stehenden deutschen Herzog von Sonderburg-Augustenburg, denn das internationale Vertragsrecht („Londoner Protokolle“) schrieb die „Unteilbarkeit Dänemarks“ fest und der Vater des „Augustenburgers“ hatte bereits 1852 auf seine Ansprüche verzichtet. Während sich die national-liberale Bewegung für den „Augustenburger“ einsetzte und „zum ersten Mal seit 1849 (...) wieder eine große Volks- und Massenbewegung“ entstand, vertrat die preußische Regierung den Standpunkt des internationalen Rechtes. Auch Österreich konnte als deutsche Großmacht in der Schleswig-Holstein-Frage nicht tatenlos bleiben, „solange es deutsche Politik machen wollte“, und ließ sich damit an der Seite Preußens auf dessen Politik ein. Preußen und Österreich beschlossen im Bundestag gegen die Stimmen der Mittelstaaten, welche die „Londoner Verträge und die Rechtsgültigkeit der dänischen Thronfolge“ anzweifelten und die „‚Bundesintervention’ oder ‚Okkupation’“ forderten, die „Exekution“ gegen den dänischen König, „weil er die vertragswidrige Verfassung nicht zurücknahm“. Erst Holstein und dann Schleswig wurden von Bundestruppen Preußens und Österreichs besetzt, welche ab März 1864 auch nach Jütland einmarschierten und am 08.04.1864 die berüchtigten Düppeler Schanzen erstürmten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur deutschen Einigung nach 1866 sowie ein Ausblick auf den Aufbau der Untersuchung.
2. Deutschlandpolitische Ereignisse im Jahre 1866: Analyse der Ursachen des preußisch-österreichischen Krieges, des Kriegsverlaufs und der Bestimmungen des Friedensschlusses.
3. Die deutschen Länder in der Nachkriegszeit: Darstellung der territorialen und politischen Neuordnung, insbesondere des Norddeutschen Bundes, der Stellung Süddeutschlands und der militärischen Bündnissysteme.
4. Der preußische Verfassungskonflikt: Erörterung des Streits um die Heeresreform, die Interpretation der Verfassungslücke und die Beilegung durch die Indemnitätsvorlage.
5. Schlussbemerkungen: Einordnung der Ergebnisse in den größeren historischen Kontext der deutschen Nationalstaatsbildung und der Rolle Bismarcks.
Schlüsselwörter
Preußisch-österreichischer Krieg, Deutscher Bund, Bismarck, Norddeutscher Bund, Schleswig-Holstein, Verfassungskonflikt, Indemnitätsvorlage, Nationalbewegung, deutsche Einigung, Machtpolitik, Großdeutsche Lösung, Kleindeutsche Lösung, Souveränität, Außenpolitik, Heeresreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die zentralen Ereignisse rund um das Jahr 1866, die zur preußischen Hegemonie und zur Herausdrängung Österreichs aus dem deutschen politischen Raum führten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die militärische Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich, die verfassungsrechtlichen Konflikte in Preußen sowie die politische Neuordnung Deutschlands.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für den "deutschen Bruderkrieg" sowie die Folgen für die nationale Identität und die staatliche Struktur der deutschen Länder historisch nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung zeitgenössischer Quellen und einschlägiger fachwissenschaftlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die militärischen Ereignisse des Jahres 1866, die Konstitution des Norddeutschen Bundes, die Stellung der süddeutschen Staaten sowie den innerpreußischen Konflikt um die Heeresreform.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Preußisch-österreichischer Krieg, Bismarck, Norddeutscher Bund, Verfassungskonflikt und Indemnität.
Welche Rolle spielte der "Augustenburger" in der Schleswig-Holstein-Frage?
Er wurde von der national-liberalen Bewegung als Thronanwärter unterstützt, während die preußische Regierung und Österreich auf der Basis internationaler Verträge gegen seine Ansprüche agierten.
Warum war der Ausgang von 1866 für die deutsche Nation von besonderer Bedeutung?
Die Arbeit betont die Tragik, dass die Etablierung der deutschen Nation paradoxerweise erst durch deren Teilung und die Ausschließung Österreichs möglich wurde.
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- Christian Spernbauer (Autor), 2006, Die deutsche Einigungsfrage zwischen 1866 und 1870, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92352