„Was soll aus dem Kind mal werden?“ Eine Frage die sich nicht nur die Eltern stellen, sondern auch die Bildungspolitik. In der folgenden Arbeit wird dieser Frage nachgegangen. In einem Rückblick von 1946 bis 2004 sollen Bildungsziele des deutschen Gymnasiums nachvollzogen und zu gesellschaftlichen Leitbildern in Bezug gesetzt werden.
Gesellschaftliche Idealbilder, wie der Demokrat, der Wirtschaftsbürger, der emanzipierte Mensch, der religiöse Mensch oder der Revolutionär, verändern die Bildungsziele des Gymnasiums. Wie wirken diese Bildungsziele auf gesellschaftliche Aufgaben der Schule wie der Selektion, der Qualifikation und der Erziehung?
Der Vergleich der Bundesländer Nordrhein – Westfalen und Bayern zeigt, wie die gemeinsamen Bildungsziele der Bundesländer, beschlossen durch die Kultusministerkonferenz, unterschiedliche Realisierungen finden.
Der historische Rückblick endet bei aktuellen Zielsetzungen der Schulen, der Vermittlung von Softskills und Veränderung von Bildungsaufträgen und Zielen durch internationale Vergleichsstudien wie PISA.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT
1. ANNAHMEN, FRAGESTELLUNGEN
1.1 Die Schule als Institution
1.2 Die Funktionen der Schule
1.3 Die Bildungsziele der Schulen
1.4 Eingrenzungen
2. DIE BILDUNGSZIELE DER LANDESVERFASSUNGEN
2.1 Bildungsziele in der bayerischen Verfassung
2.2 Die Bildungsziele in der Landesverfassung NRW
2.3 Vergleich
3. SELEKTION
3.1 Grundannahmen
3.2 Ein geschichtlicher Überblick
3.2.1 Der Deutsche Ausschuss
3.2.2 Die große Reform
3.2.3 Restauration oder neue Diskussionsgrundlagen
3.2.4 Reaktionen auf PISA
3.3. Zur Chancengleichheit und Selektion
3.3.1 Gleichwertigkeit und Gleichartigkeit
3.3.2 Chancenverteilung durch Bildung?
3.3.3 Chancengleichheit und Konkurrenz
3.3.4 Passung und Chancengleichheit
3.3.5 Selektion und Chancengleichheit als kulturelles Problem
3.3.6 Habitus und Schulbildung
3.4 Schule als Prüfungsinstanz?
3.4.1 Kritk der Abstimmung Bildungsystem und Arbeitsmarkt
4. QUALIFIKATION
4.1 Ein geschichtlicher Überblick
4.1.1 Allgemeinbildung oder allgemeine Grundbildung
4.1.2 Gemeinsame Grundbildung als Methodenkenntnis
4.1.3 Die Fortentwicklung der Schulreform
4.1.4 Allgemeine Bildung und Beschäftigungsrelevanz der Bildung
4.2 Konkurrenz der Bildungsdefinitionen
4.2.1 Über den Kanon der Allgemeinbildung
4.2.2 Der „verwässerte“ Fächerkanon
4.2.3 Zur Wissenschaftspropädeutik der Bildung
4.3 Bildung und Bewertung
4.3.1 Qualität und Allgemeinbildung
4.3.2 Bildungsstandarts
4.3.3 Kompetenz - ein streitbarer Begriff?
4.3.4 Realisierung der Standarts
4.3.5 Alternative Kompetenzmodelle
4.4 Von der Allgemeinbildung zur Persönlichkeitsbildung
4.4.1 Zur Ideologiekritik
4.4.2 Unterschiedliche Formen der Individualisierung
5 ERZIEHUNG
5.1 Erziehung als Bildung der Persönlichkeit
5.1.1 Pragmatismus und Humanismus
5.1.2 Emanzipation
5.1.3 Forum „Mut zur Erziehung“
5.1.4 Erziehung und Emanzipation
5.1.5 Erziehung und Wirtschaft
5.2 Was sind Werte?
5.2.1 Wertewandel und Pluralismus
5.2.2 Der Begriff des Wertes als Interpretation einer Metatheorie
5.3 Realisierung
5.3.1 Überfachliche Qualifikationen
5.3.1.1 Religion
5.3.1.2 Zur politischen Erziehung
5.3.1.3 Der Wirtschaftsbürger
5.4 Außerschulische Aktivitäten
5.5 Über den versteckten Lehrplan
5.6 Die Bedeutung von Vergleichsstudien
5.7 Erziehung als Abbild wissenschaftlicher und politischer Menschenbilder
6. ZU DEN VERSCHIEDENEN LEITBILDERN
6.1 Philosophische Grundannahmen der Pädagogik
6.2 Soziologie und Pädagogik
6.3 Qualität und Effizienz
6.4 Reaktionen der Bildungspolitik auf die verschiedenen Metatheorien
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bildungsziele des Gymnasiums in Deutschland unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Leitbilder. Das primäre Ziel ist es, die historische und aktuelle Entwicklung der Bildungsziele zu analysieren und zu hinterfragen, inwiefern diese durch politische Einflüsse, soziologische Theorien oder wirtschaftliche Anforderungen bestimmt werden.
- Analyse der gesetzlichen Bildungsziele in den Landesverfassungen (Beispiel Bayern und NRW)
- Untersuchung der Selektionsmechanismen und der Chancengerechtigkeit im deutschen Schulsystem
- Diskussion über den Stellenwert der Allgemeinbildung versus beruflicher Qualifikation
- Reflektion über die Rolle von Werten, Erziehung und "versteckten Lehrplänen" in der Schule
- Einfluss von PISA und anderen Vergleichsstudien auf die bildungspolitische Steuerung
Auszug aus dem Buch
3.4 Schule als Prüfungsinstanz?
Sowohl Beck (der sich im Unterschied zu Bourdieu nicht des Verdachtes aussetzt Marxist zu sein) als auch Bourdieu, sehen zwischen Bildungssystem und der mit Blick auf den Arbeitsmarkt betriebenen Selektion nur eine lose Kopplung zur Verteilung im Arbeitsmarkt. Vielmehr sehen sie die Bildungstitel als formale Qualifikationen, welche zu nichts berechtigen. Lebenschancen werden nicht im Bildungssystem vergeben, sondern durch „feudalisierte“ Verfahren, oder durch sozialen Habitus. Schule wäre demnach nur von geringer gesellschaftlicher Bedeutung.
Vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen kann man in den Industrieländern eine Gegenbewegung zu institutionalisierter Schulpflicht erleben. Dazu gehört zum Beispiel das home schooling der USA, das seine Popularität nicht allein Individualitätsbestrebungen verdankt, sondern auch mitunter gesellschaftskritische (oder religiöse) Motive beinhaltet. Hier wird Schule in der Tat bedeutungslos und muss seine Bedeutung für die Gesellschaft eventuell als reine Prüfungsinstanz reinterpretieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ANNAHMEN, FRAGESTELLUNGEN: Einführung in die institutionelle Rolle der Schule sowie deren Funktionen und allgemeine Zielsetzungen innerhalb des deutschen Bildungskontextes.
2. DIE BILDUNGSZIELE DER LANDESVERFASSUNGEN: Vergleich der spezifischen Erziehungs- und Bildungsziele in den Verfassungen von Bayern und Nordrhein-Westfalen.
3. SELEKTION: Analyse der historischen Entwicklung und Problematik der schulischen Selektion, ihrer theoretischen Begründungen sowie der Auswirkungen auf die Chancengleichheit.
4. QUALIFIKATION: Untersuchung des Begriffs der Allgemeinbildung und der Konkurrenz verschiedener Bildungsdefinitionen sowie deren Bewertung und Realisierung.
5 ERZIEHUNG: Abhandlung der erzieherischen Funktion der Schule bei der Persönlichkeitsbildung, der Vermittlung von Werten und der Auseinandersetzung mit politischen und wirtschaftlichen Leitbildern.
6. ZU DEN VERSCHIEDENEN LEITBILDERN: Reflexion über die philosophischen, soziologischen und bildungspolitischen Grundlagen, die den verschiedenen Leitbildern des Gymnasiums zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Bildungsziele, Gymnasium, Selektion, Chancengleichheit, Allgemeinbildung, Schulfunktionen, Werterziehung, Persönlichkeitsbildung, Kompetenzen, Bildungsstandards, PISA-Studie, Bildungspolitik, Qualifikation, Bildungsmarkt, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Bildungszielen des Gymnasiums in Deutschland und wie diese durch gesellschaftliche Leitbilder sowie historische und politische Rahmenbedingungen beeinflusst werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören das dreigliedrige Schulsystem, die Selektion, die Bedeutung von Allgemeinbildung, Erziehungsziele der Landesverfassungen und der Einfluss ökonomischer Anforderungen auf die Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung der Bildungsziele und der Leitbilder, die das Gymnasium bestimmen, insbesondere in Bezug auf die Diskrepanz zwischen verfassungsrechtlichen Ansprüchen und der tatsächlichen gesellschaftlichen Realität.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich primär um eine theoretisch-analytische Arbeit, die sich auf historische Betrachtungen, bildungstheoretische Diskurse sowie die Analyse von Gesetzen, Verfassungsartikeln und aktuellen bildungspolitischen Dokumenten stützt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Selektionsmechanismen, der Qualifikationsfunktion des Gymnasiums und der erzieherischen Arbeit an der Persönlichkeit der Schüler.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bildungsziele, Selektion, Chancengleichheit, Allgemeinbildung, Persönlichkeitsbildung und Wertepluralismus charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Situation in Bayern und NRW?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Bayern eher an einem spezifischen Kanon und traditionellen Werten festhält, während NRW eine tendenziell offenere Auslegung verfolgt, insbesondere in der Integration von berufsbildenden Elementen.
Welche Rolle spielt die PISA-Studie in dieser Analyse?
Die PISA-Studie dient als Ausgangspunkt für die kritische Debatte über Bildungsqualität, Effizienz und die Notwendigkeit, das deutsche Bildungssystem auf neue, kompetenzorientierte Anforderungen umzustellen.
- Citation du texte
- Adalbert Kasa (Auteur), 2004, Die Bildungsziele des Gymnasiums im Bezug zu den Leitbildern in der Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92359