Für diese Hausarbeit, die von dem möglichen Unterschied zwischen der Auffassung von der Wahrnehmung bei Edmund Husserl und der Auffassung von der Wahrnehmung in der Psychologie handelt, diente mir das Buch „Edmund Husserl. Phänomenologie der Lebenswelt“ von Klaus Held als Hauptquelle.
Der Vergleich der beiden Auffassungen schien mir deshalb als Thema der Hausarbeit sehr interessant, weil die Phänomenologie sich gegen den Psychologismus richtet. Der Psychologismus ist eine Disziplin, die sich voll und ganz auf die Psychologie stützt und eine Denkweise verfolgt, die besagt, dass jegliche Erkenntnis deshalb so gedacht wird, weil sie vom Bewusstsein so gedacht wird. Dagegen richtet sich Husserl mit seiner Philosophie von der Phänomenologie, weshalb der Vergleich beider Standpunkte auch so interessant erscheint.
Im Folgenden werde ich zunächst die Auffassung Husserls von der Wahrnehmung näher erläutern, wobei ich ganz genau auf den Wahrnehmungsverlauf und die Verfügung über die Kenntnis eingehen werde. An Husserls Ausführungen schließt sich dann die Auffassung der Psychologie an. Hier werden sowohl die psychologischen Ziele der Wahrnehmung, wie auch der Wahrnehmungsverlauf aufgezeigt. Anschließend erfolgt der direkte Vergleich beider Auffassungen mithilfe des Herausstellens der Gemeinsamkeiten und der Unterschiede. Zum Schluss ziehe ich mein Fazit, in dem ich noch einmal kurz auf beide Gesichtspunkte eingehen und schließlich die Frage, welche das Thema der Arbeit darstellt, beantworten werde.
Inhaltsverzeichnis
1. Eine Einführung
2. Begriffsklärungen
3. Husserls Auffassung von der Wahrnehmung
3.1 Der Prozess der Wahrnehmung
3.2 Die Verfügbarkeit über die Kenntnis
4. Die psychologische Auffassung von der Wahrnehmung
5. Der Vergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede in der Auffassung von Wahrnehmung zwischen der phänomenologischen Sichtweise nach Edmund Husserl und den Ansätzen der klassischen Psychologie, um zu klären, wie diese Disziplinen den Wahrnehmungsprozess konzeptionell einordnen.
- Phänomenologie nach Edmund Husserl
- Psychologische Wahrnehmungsmodelle
- Prozess der Kenntnisnahme und Leerhorizont
- Kinästhetische Motivation und Körperwahrnehmung
- Vergleich der Wahrnehmungsziele und -verläufe
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Prozess der Wahrnehmung
Die Erscheinung von Gegenständen und somit die Gegenstände selber weisen eine große Vielseitigkeit auf. Das bedeutet, dass ein Gegenstand vielseitig erscheinen kann. Dies ist dem Menschen auch bewusst. Trotzdem gibt es ein Problem. Und zwar nimmt ein Mensch einen Gegenstand wahr, indem er die Seite des Gegenstandes, die er sieht, sich durch die Abschattung des Gegenstandes bewusst macht. Doch dadurch kann der Mensch diesen Gegenstand nie in seiner Vielseitigkeit wahrnehmen, da für ihn immer nur eine Seite eines Gegenstandes erkennbar ist.
Beispiel: Wenn man einen Stuhl von vorn, also die Frontseite des Stuhls sieht, kann man nicht erkennen, wie dieser Stuhl von hinten aussieht, da nur die Abschattung der Vorderseite zu sehen ist. Dadurch erhält man immer nur eine einseitige Erscheinung des Gegenstandes, wodurch der Gegenstand nie in seiner Vielseitigkeit wahrnehmbar ist, zumindest nicht zu Anfang einer Wahrnehmung.
Dadurch kommt es zur Unterscheidung zwischen dem Wahrgenommenen und dem Nicht – Wahrgenommenen. Ein Charakteristikum der Wahrnehmung bei Husserl ist somit die wahrgenommene Einseitigkeit der Gegenstände.
Beispiel: So sieht man einen Stuhl immer nur von einer Seite, obwohl der Stuhl in Wirklichkeit viele Seiten hat und somit auch von vielen Seiten gesichtet werden kann.
Trotzdem stellt die Wahrnehmung das Originalbewusstsein dar, aber nur wenn zwei Varianten des Bewusstseins vorhanden sind: das originale Bewussthaben und das Mitbewussthaben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Eine Einführung: Die Einleitung führt in das Thema des Vergleichs zwischen der phänomenologischen Wahrnehmungsauffassung nach Husserl und psychologischen Ansätzen ein.
2. Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Fachbegriffe wie Transzendenz, Immanenz, Perzeption und Phänomenologie zur Vorbereitung auf den Hauptteil.
3. Husserls Auffassung von der Wahrnehmung: Hier werden der Wahrnehmungsprozess mit Fokus auf den Leerhorizont sowie die Rolle der kinästhetischen Motivation erläutert.
4. Die psychologische Auffassung von der Wahrnehmung: Dieses Kapitel beschreibt die psychologische Sichtweise, bei der Wahrnehmung als Informationsverarbeitung über Reize und kognitive Prozesse verstanden wird.
5. Der Vergleich: Hier erfolgt eine direkte Gegenüberstellung der beiden Standpunkte hinsichtlich ihrer Ziele, der Wahrnehmungsverläufe und der kognitiven Voraussetzungen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede zusammen und begründet, warum die phänomenologische Sichtweise für die Autorin in ihrer logischen Struktur überzeugender erscheint.
Schlüsselwörter
Wahrnehmung, Edmund Husserl, Phänomenologie, Psychologie, Kenntnisnahme, Leerhorizont, Abschattung, Kinästhetische Motivation, Bewusstsein, Transzendenz, Immanenz, Perzeption, Reizverarbeitung, Gegenstand, Wahrnehmungsverlauf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, ob und wie sich die Wahrnehmungsauffassung in der Phänomenologie von Edmund Husserl von der Wahrnehmungspsychologie unterscheidet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die phänomenologische Erkenntnistheorie, kognitive Prozesse der Informationsverarbeitung und die Rolle der Leiblichkeit bei der Wahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich beider Theorien, um Gemeinsamkeiten und vor allem die signifikanten Unterschiede in der Struktur des Wahrnehmungsprozesses aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten theoretischen Analyse, wobei als Primärquelle für Husserl das Werk von Klaus Held genutzt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert zunächst getrennt den phänomenologischen Prozess (mit Begriffen wie Leerhorizont und Abschattung) und die psychologische Perspektive (Reiz-Reaktions-Modelle), um sie im Anschluss gegenüberzustellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wahrnehmung, Phänomenologie, Kenntnisnahme, Leerhorizont und psychologische Reizverarbeitung charakterisiert.
Warum spielt die "Abschattung" bei Husserl eine so wichtige Rolle?
Die Abschattung ist zentral, da sie erklärt, warum wir Gegenstände nie in ihrer Totalität gleichzeitig sehen, sondern immer nur einseitig, was den Bedarf an einem Leerhorizont zur Vervollständigung erzeugt.
Wie definiert sich die "kinästhetische Motivation" im Kontext der Arbeit?
Sie bezeichnet die leiblichen Bewegungen des Menschen, die aktiv dazu beitragen, den Wahrnehmungsgegenstand aus verschiedenen Perspektiven zu erfahren.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der beiden Theorien?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Husserls Modell einen logischeren "roten Faden" bietet, während ihr das psychologische Modell als weniger stringent erscheint.
- Quote paper
- Kathleen Schmidt (Author), 2008, Besteht ein Unterschied zwischen der Auffassung von der Wahrnehmung bei Husserl und der Auffassung von der Wahrnehmung in der Psychologie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92383