Beeinträchtigungen in der Sprache zählen zu den offensichtlichsten Symptomen des autistischen Syndroms. Die ausbleibende oder auffällige Sprache ist für Eltern oft das erste eindeutige Zeichen, dass in der Entwicklung ihres Kindes „etwas nicht stimmt“. Daher sind Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Sprachheilpädagogen und Logopäden häufig die ersten Fachleute, denen ein Kind mit Autismus vorgestellt wird.
Da sprachliche Auffälligkeiten bei Autismus so offensichtlich sind, nehmen sie auch innerhalb der Literatur und Forschung einen zentralen Stellenwert ein. Zeitweise betrachteten Wissenschaftler Defizite in der Sprache als Ursache für autistische Verhaltensweisen. Diese Auffassung gilt heute als überholt. Sprachdefizite werden als Folge von anderen, grundlegenden Beeinträchtigungen angesehen.
Das autistische Syndrom geht mit einer Vielzahl von Symptomen einher. Förderansätze zielen daher meist auf eine Verbesserung in mehreren oder allen Bereichen der Entwicklung ab. Das heißt, sprachliche Förderung wird nicht isoliert betrieben, sondern ist Bestandteil einer umfassenderen Therapie.
Der Titel meiner Arbeit lautet: „Sprachliche Förderung von Kindern mit Autismus“. Sprachliche Förderung ist jedoch nicht auf das Kindesalter begrenzt. Da Autismus bis heute als nicht heilbar gilt, sollte die Förderung auch im Erwachsenenalter fortgeführt werden und darauf abzielen, dass Betroffene ihr Leben so selbständig wie möglich führen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Autismus
1.1 Begriffklärung und historische Betrachtung
1.2 Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung
1.3 Diagnostische Merkmale des autistischen Syndroms
1.3.1 Soziale Interaktion
1.3.2 Kommunikation
1.3.3 Stereotypien und Sonderinteressen
1.3.4 Kognitive Fähigkeiten
1.3.5 Verhaltensauffälligkeiten
1.4 Zugehörige Merkmale und Störungen
1.5 Differentialdiagnose
1.6 Epidemiologie
1.7 Der Verlauf des autistischen Syndroms
1.8 Prognose
1.9 Ursachen
2 Der Spracherwerb
2.1 Lautäußerungen im Säuglingsalter
2.2 Die Lallphase
2.3 Erste bedeutungstragende Lautgebilde und Holophrasen
2.4 Beginn der Zweiwortsätze
2.5 Erste Mehrwortsätze
2.6 Haupt- und Nebensatzkonstruktionen
3 Auffälligkeiten im Sprachverständnis und Sprachgebrauch
3.1 Kommunikation über Entfernungen
3.2 Sprachverständnis
3.3 Echolalie
3.3 Pronominale Umkehr
3.4 Paraphrasien und Neologismen
4 Sprachliche Förderung- lebenslange Förderung
4.1 Früherkennung und Frühförderung
4.2 Förderung im Elternhaus
4.2 Schulische Förderung
4.2.1 Inhalte der schulischen Förderung
4.3 Berufliche Förderung
4.4 Leben außerhalb des Elternhauses
5 Ansätze zur Förderung
5.1 Verhaltenstherapie
5.1.1 Applied Behavior Analysis (ABA)
5.1.2 Der TEACCH-Ansatz
5.1.3 Das Bremer Elterntrainingsprogramm (BET)
5.1.4 Die kommunikative Sprachtherapie
5.2 Körperbezogene Therapieansätze
5.2.1 Sensorische Integrationstherapie
5.2.2 Psychomotorik
5.2.3 Audiosensorische Therapie
5.3 Psychotherapeutische Förderansätze
5.3.1 Die Aufmerksamkeits-Interaktions-Therapie (AIT)
5.3.2 Festhaltetherapie
5.4 Förderung von nonverbalen Kommunikationsformen
5.5 Ergänzende Maßnahmen
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, Möglichkeiten der sprachlichen Förderung bei Kindern mit Autismus aufzuzeigen. Da Autismus ein lebenslanges Syndrom ist, wird dabei der Fokus nicht nur auf das Kindesalter, sondern auf eine lebenslange Förderperspektive gelegt, um den Betroffenen ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen.
- Grundlagen des autistischen Syndroms und dessen diagnostische Merkmale.
- Vergleich des natürlichen Spracherwerbs mit den spezifischen Auffälligkeiten bei Kindern mit Autismus.
- Lebenslange Förderkonzepte, von der Früherkennung über schulische bis hin zur beruflichen Integration.
- Detaillierte Analyse verschiedener therapeutischer Ansätze, wie Verhaltenstherapie, sensorische Integration und Psychomotorik.
- Die Bedeutung der Einbindung des sozialen Umfelds, insbesondere des Elternhauses, in den Therapieprozess.
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriffklärung und historische Betrachtung
Die etymologische Wurzel des Begriff „Autismus“ liegt im griechischen Wort „autós“, das übersetzt „selbst“, „eigen“ oder „persönlich“ bedeutet. Wortwörtlich versteht man unter „Autismus“ also eine „Ich-Bezogenheit“ oder „Zurückgezogenheit auf sich selbst.“ Der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler verwendete diesen Ausdruck erstmals 1911 für schizophrene Menschen, die sich von der Umwelt abkapselten und in ihre psychische Welt zurückzogen.
Der amerikanische Kinder- und Jugendpsychiater Leo Kanner und der österreichische Kinderarzt Hans Asperger beobachteten 1943 und 1944 unabhängig voneinander eine Gruppe von Kindern mit schweren Beziehungs- und Kommunikationsstörungen.
Kanner bezeichnete diese Kinder als „frühkindliche Autisten“ und beschrieb folgende Kardinalsymptome: Die Kinder kapseln sich von ihrer personalen Umwelt ab und beharren auf Gleicherhaltung der dinglichen Umwelt, sowohl in der räumlichen als auch in der zeitlichen Dimension. Mit diesen Grundstörungen hängen Beeinträchtigungen oder Auffälligkeiten der Sprache wie Echolalie, pronominale Umkehr und Wortneuschöpfungen zusammen. Darüber hinaus weisen die betroffenen Kinder häufig Bewegungsstereotypien und bizarre Bewegungsabläufe auf. Häufig sind sie erheblich retardiert oder verfügen über ein sehr uneinheitliches Intelligenzniveau. Ihr Gefühlsleben wirkt oft disharmonisch, sie neigen zu Wutausbrüchen oder apathischem Verhalten, viele Kinder leiden unter Ängsten. Häufig zeigen die Betroffenen Sonderinteressen auf unterschiedlichem kognitivem Niveau. Des Weiteren ist ihr Spielverhalten eher stereotyp, sie erkennen oft den Aufforderungscharakter des Spielzeugs nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Autismus: Das Kapitel bietet eine begriffliche und historische Einordnung des autistischen Syndroms, beleuchtet die diagnostischen Kriterien und grenzt verschiedene Störungsbilder ab.
2 Der Spracherwerb: Hier wird der normale Spracherwerb von Kleinkindern beschrieben, um darauf basierend die spezifischen Verzögerungen und Störungen bei autistischen Kindern aufzuzeigen.
3 Auffälligkeiten im Sprachverständnis und Sprachgebrauch: Dieses Kapitel analysiert zentrale sprachliche Defizite wie Echolalie, pronominale Umkehr und Schwierigkeiten in der pragmatischen Kommunikation.
4 Sprachliche Förderung- lebenslange Förderung: Die Arbeit betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen und lebenslangen Förderung in verschiedenen Lebensbereichen wie dem Elternhaus, der Schule und im Berufsleben.
5 Ansätze zur Förderung: Ein detaillierter Überblick über diverse Therapiemethoden, einschließlich verhaltenstherapeutischer, körperbezogener und psychotherapeutischer Ansätze.
Schlüsselwörter
Autismus, Autistisches Syndrom, Sprachliche Förderung, Kommunikation, Echolalie, Pronominale Umkehr, Frühförderung, Verhaltenstherapie, TEACCH-Ansatz, Sensorische Integration, Psychomotorik, Sonderinteressen, Frühkindlicher Autismus, Sprachverständnis, Integration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das autistische Syndrom mit einem spezifischen Fokus auf die sprachlichen Beeinträchtigungen und die daraus resultierenden Notwendigkeiten für eine lebenslange Förderung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Definition von Autismus, dem Vergleich von normalem und autistischem Spracherwerb sowie einer umfassenden Darstellung verschiedener Therapie- und Fördermethoden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie autistische Menschen in ihrer Sprachentwicklung und Kommunikation individuell gefördert werden können, um eine bestmögliche gesellschaftliche Teilhabe und Selbstständigkeit zu erreichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Forschungsberichte, Studien und Klassifikationssysteme (wie ICD-10 und DSM-IV), um den aktuellen Stand der Autismusforschung zusammenzufassen.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Störungsbild, den Spracherwerb, eine genaue Analyse sprachlicher Auffälligkeiten sowie eine detaillierte Vorstellung zahlreicher pädagogischer und therapeutischer Förderansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Autismus, Sprachförderung, Kommunikation, Verhaltenstherapie, TEACCH, Sensorische Integration, Festhaltetherapie und schulische/berufliche Integration.
Warum spielt die Einbeziehung der Eltern eine so wichtige Rolle bei der Förderung?
Die Eltern werden als Experten für ihr Kind angesehen, deren Einbeziehung für den Erfolg der Therapie entscheidend ist, da sie das Kind im Alltag begleiten und die im therapeutischen Setting erlernten Strategien in den häuslichen Kontext übertragen können.
Wie kritisch setzt sich die Arbeit mit der Festhaltetherapie auseinander?
Die Arbeit nimmt eine sehr kritische Haltung gegenüber der Festhaltetherapie ein und führt Argumente von Experten wie Georg Feuser an, die das Verfahren aufgrund der Verletzung der Würde des Kindes und der möglichen negativen Auswirkungen auf die psychische Struktur ablehnen.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Caroline Debelt (Author), 2008, Sprachliche Förderung von Kindern mit Autismus , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92385