Das zoroastrische Denken im Buch Hiob (anhand Hiob 1,6-22)

Eine Untersuchung der Einflüsse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

32 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

A Einleitung

B Textmorphologische Beobachtungen
I. Kontextanalyse
1. Vorstellung der Figur Hiobs
2. Angriff auf Hiobs Gesundheit.
3. Die Rolle von Satan im Hiob-Prolog
II. Satan in der Hebräischen Bibel
III. Historische Einordnung: Perserzeit

C Der Zoroastrismus
I. Einflüsse und Eigenarten des Zoroastrismus 1. Der Widersacher im Zoroastrismus 2. Hiob und Zarathustra
3. יְהוָה (Jehova) und הַשָּׂטָן֙ (Satan)– eine Verhältnisbestimmung
II. Die Lehren des Zoroastrismus – ein Vergleich
1. Eschatologie: Die Auferstehung von den Toten
2. Der Dualismus von Leib und Seele
3. Tun-Ergehen-Zusammenhang
4. Klage im Umgang mit Leid und Tod
III. Auswertung

D Schlussfolgerung

E Quellen- und Literaturverzeichnis

A Einleitung

Dass die Bibel nicht als fertiges Buch vom Himmel gefallen ist, mag vielen überzeugten Christen als Hiobsbotschaft erscheinen. Dass sich in den Texten der Bibel vielmehr tiefgreifende Einflüsse aus der Umwelt des Alten Orients finden lassen, ist in der Theologie (spätestens) seit der Aufklärung und dem Beginn der historisch-kritischen Methode dagegen eine Selbstverständlichkeit. Auch auf die Autoren des Buches Hiob haben die umliegenden Kulturen und Religionen des Alten Orients nicht zu unterschätzende Auswirkungen gehabt. Innerhalb der Hebräischen Bibel nimmt das Buch Hiob – nicht nur aufgrund seiner gewaltigen rezeptionsgeschichtlichen Bedeutung – eine besondere Stellung ein. Insbesondere zeichnet es sich durch eine Reihe von Eigenarten aus, die sich aus seiner zeitlichen Einordnung innerhalb der Geschichte Israels herleiten lassen. Als eine solche Eigenart ist etwa das Auftreten der Figur הַשָּׂטָן֙ (Satan) zu sehen, die in der überwiegenden Mehrzahl der Texte des Alten Testaments keine Erwähnung findet und in der Hebräischen Bibel insgesamt kaum präsent ist. Mit dem Auftreten dieser Figur im Hiob-Prolog wird sich im Laufe meiner Ausarbeitung die Frage nach der Beeinflussung des Hiob-Buches durch die persische Zarathustra-Religion stellen. Ausgehend von einer morphologischen Untersuchung des Textabschnitts Hiob 1,6-22 werde ich in dieser Ausarbeitung darlegen, inwieweit man beim Hiob-Buch von einer Beeinflussung durch die Lehren des Zoroastrismus ausgehen kann. Zu diesem Zweck werde ich dabei in einemung innerhalb der Geschichte Israels herleiten lassen. Als eine solche Eigenart ist etwa das Auftreten der Figur הַשָּׂטָן֙ (Satan) zu sehen, die in der überwiegenden Mehrzahl der Texte des Alten Testaments keine Erwähnung findet und in der Hebräischen Bibel insgesamt kaum präsent ist. Mit dem Auftreten dieser Figur im Hiob-Prolog wird sich im Laufe meiner Ausarbeitung die Frage nach der Beeinflussung des Hiob-Buches durch die persische Zarathustra-Religion stellen. Ausgehend von einer morphologischen Untersuchung des Textabschnitts Hiob 1,6-22 werde ich in dieser Ausarbeitung darlegen, inwieweit man beim Hiob-Buch von einer Beeinflussung durch die Lehren des Zoroastrismus ausgehen kann. Zu diesem Zweck werde ich dabei in einem ersten Schritt auf den zu untersuchenden Textabschnitt des Hiob-Prologs eingehen und zentrale inhaltliche und philologische Beobachtungen herausstellen. Nach einer historischen Einordnung des Hiob-Prologs werde ich mich den Eigenarten des Zoroastrismus zuwenden, um diese abschließend mit theologischen und anthropologischen Vorstellungen des Hiob-Buches (und der Hebräischen Bibel insgesamt) zu vergleichen. Auf Grundlage dieses Vergleiches werde ich schließlich darlegen, ob und inwieweit man aus meiner Sicht von einer tiefgreifenden Beeinflussung und Durchdringung des Hiob-Buches durch zoroastrische Lehren sprechen kann. Zunächst aber möchte ich nun den Textauszug 1,6-22 des Hiob-Prologs – inhaltlich wie philologisch - eingehend untersuchen und markante Textbeobachtungen herausstellen, Beginn der historisch-kritischen Methode dagegen eine Selbstverständlichkeit. Auch auf die Autoren des Buches Hiob haben die umliegenden Kulturen und Religionen des Alten Orients nicht zu unterschätzende Auswirkungen gehabt. Innerhalb der Hebräischen Bibel nimmt das Buch Hiob – nicht nur aufgrund seiner gewaltigen rezeptionsgeschichtlichen Bedeutung – eine besondere Stellung ein. Insbesondere zeichnet es sich durch eine Reihe von Eigenarten aus, die sich aus seiner zeitlichen Einordnung innerhalb der Geschichte Israels herleiten lassen. Als eine solche Eigenart ist etwa das Auftreten der Figur הַשָּׂטָן֙ (Satan) zu sehen, die in der überwiegenden Mehrzahl der Texte des Alten Testaments keine Erwähnung findet und in der Hebräischen Bibel insgesamt kaum präsent ist. Mit dem Auftreten dieser Figur im Hiob-Prolog wird sich im Laufe meiner Ausarbeitung die Frage nach der Beeinflussung des Hiob-Buches durch die persische Zarathustra-Religion stellen. Ausgehend von einer morphologischen Untersuchung des Textabschnitts Hiob 1,6-22 werde ich in dieser Ausarbeitung darlegen, inwieweit man beim Hiob-Buch von einer Beeinflussung durch die Lehren des Zoroastrismus ausgehen kann. Zu diesem Zweck werde ich dabei in einem ersten Schritt auf den zu untersuchenden Textabschnitt des Hiob-Prologs eingehen und zentrale inhaltliche und philologische Beobachtungen herausstellen. Nach einer historischen Einordnung des Hiob-Prologs werde ich mich den Eigenarten des Zoroastrismus zuwenden, um diese abschließend mit theologischen und anthropologischen Vorstellungen des Hiob-Buches (und der Hebräischen Bibel insgesamt) zu vergleichen. Auf Grundlage dieses Vergleiches werde ich schließlich darlegen, ob und inwieweit man aus meiner Sicht von einer tiefgreifenden Beeinflussung und Durchdringung des Hiob-Buches durch zoroastrische Lehren sprechen kann. Zunächst aber möchte ich nun den Textauszug 1,6-22 des Hiob-Prologs – inhaltlich wie philologisch - eingehend untersuchen und markante Textbeobachtungen herausstellen, Beginn der historisch-kritischen Methode dagegen eine Selbstverständlichkeit. Auch auf die Autoren des Buches Hiob haben die umliegenden Kulturen und Religionen des Alten Orients nicht zu unterschätzende Auswirkungen gehabt. Innerhalb der Hebräischen Bibel nimmt das Buch Hiob – nicht nur aufgrund seiner gewaltigen rezeptionsgeschichtlichen Bedeutung – eine besondere Stellung ein. Insbesondere zeichnet es sich durch eine Reihe von Eigenarten aus, die sich aus seiner zeitlichen Einordnung innerhalb der Geschichte Israels herleiten lassen. Als eine solche Eigenart ist etwa das Auftreten der Figur הַשָּׂטָן֙ (Satan) zu sehen, die in der überwiegenden Mehrzahl der Texte des Alten Testaments keine Erwähnung findet und in der Hebräischen Bibel insgesamt kaum präsent ist. Mit dem Auftreten dieser Figur im Hiob-Prolog wird sich im Laufe meiner Ausarbeitung die Frage nach der Beeinflussung des Hiob-Buches durch die persische Zarathustra-Religion stellen. Ausgehend von einer morphologischen Untersuchung des Textabschnitts Hiob 1,6-22 werde ich in dieser Ausarbeitung darlegen, inwieweit man beim Hiob-Buch von einer Beeinflussung durch die Lehren des Zoroastrismus ausgehen kann. Zu diesem Zweck werde ich dabei in einem ersten Schritt auf den zu untersuchenden Textabschnitt des Hiob-Prologs eingehen und zentrale inhaltliche und philologische Beobachtungen herausstellen. Nach einer historischen Einordnung des Hiob-Prologs werde ich mich den Eigenarten des Zoroastrismus zuwenden, um diese abschließend mit theologischen und anthropologischen Vorstellungen des Hiob-Buches (und der Hebräischen Bibel insgesamt) zu vergleichen. Auf Grundlage dieses Vergleiches werde ich schließlich darlegen, ob und inwieweit man aus meiner Sicht von einer tiefgreifenden Beeinflussung und Durchdringung des Hiob-Buches durch zoroastrische Lehren sprechen kann. Zunächst aber möchte ich nun den Textauszug 1,6-22 des Hiob-Prologs – inhaltlich wie philologisch - eingehend untersuchen und markante Textbeobachtungen herausstellen, die zu einer Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Hiob-Buch und Zoroastrismus anregen.

B Textmorphologische Beobachtungen

Daher gilt es zu diesem Zweck, den ausgewählten Abschnitt des Hiob-Prologs auf zentrale textmorphologische Beobachtungen hin zu untersuchen. Diese Beobachtungen sollen uns im Folgenden Rückschlüsse auf inhaltliche Schwerpunkte ziehen lassen, die - zumindest auf den ersten Blick - kaum ersichtlich scheinen. Zu Beginn ist nun herauszustellen, dass die ausgewählte Perikope in zwei inhaltliche Abschnitte zu untergliedern ist: zum einen die Verse 6-12, die vom Dialog Satans mit Gott berichten, sowie die Verse 13-22, welche den Verlust von Hiobs Besitz und Familie thematisieren. Die Einleitung eines neuen inhaltlichen Abschnitts, die in beiden Fällen mit einem Orts- und Personenwechsel einhergeht, wird dabei stets durch die Formel und es geschah eines Tages ( וַיְהִ֣י הַיֹּ֔ום ) angezeigt. Mit dieser Formel wird die ausgewählte Perikope in Hiob 2,1 zudem von einem weiteren Dialog zwischen Satan und Gott separiert. Betrachtet man beide inhaltlichen Abschnitte (Hiob 1,6-12 sowie 1,13-22) zusammen genommen, so lassen sich anhand morphologischer Feststellungen interessante Beobachtungen konstatieren, die eine Untersuchung des Hiobbuches auf zoroastrische Einflüsse nahelegen. Untersucht man den ausgewählten Prolog-Abschnitt morphologisch, so lässt sich zunächst rein quantitativ festhalten, dass der Text – inklusive Volksbezeichnungen – 69 Substantive enthält. Zu den am häufigsten genannten Begriffen zählen dabei הַשָּׂטָן֙ (sieben Mal), אֱלֹהִ֗ים (fünf Mal), sowie das Tetragramm יְהוָה (zehn Mal, davon sieben im Dialogabschnitt). Auch der Name Hiob ( אִיֹּ֖וב ) wird insgesamt fünfmal erwähnt. Die am häufigsten erwähnten nichtpersonalen Substantive sind zudem die Begriffe Knechte ( נְּעָרִ֖ים ), Haus ( בַּ֔יִת ) sowie Hand ( יָד ), die in beiden Textabschnitten insgesamt jeweils vier Mal genannt werden. Nennenswert ist zudem auch, dass die sieben Nennungen des Substantivs הַשָּׂטָן֙ allesamt bis zu Vers 12 erfolgen. Somit fallen die Begriffe הַשָּׂטָן֙ und das Tetragramm יְהוָה im ersten Textabschnitt (Hiob 1,6-12) gleich oft. Den 69 Substantiven, die in Hiob 1,6-22 vorkommen, stehen zudem 68 Verben gegenüber. Zu den am häufigsten vorkommenden Verben zählen dabei sagen ( אמר ), welches sich im Text neun Mal wiederfindet, sowie kommen ( בוֹא ) mit insgesamt acht Erwähnungen. Die Relevanz dieser Verben für den Textabschnitt wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass selbst so grundlegende Verben wie sein/werden ( היה , vier Mal) und nehmen ( לקח , drei Mal) deutlich seltener genannt werden. Zudem bekräftigt das unterschiedlich starke Vorkommen einzelner Verben, was auf inhaltlicher Ebene in Form des Dialogs zwischen Satan und Gott grundgelegt zu sein scheint: Anhand des häufigen Vorkommens von אמר lässt sich morphologisch nachweisen, dass es sich bei Hiob 1,6-22 um einen ausgesprochen dialogisch-diskursiv gehaltenen Text handelt. Das stetige Hinzutreten neuer Figuren wird zudem anhand des häufigen Vorkommens der Verbwurzel בוֹא deutlich. Mit Blick auf das Vorkommen der Verbwurzeln lassen sich somit eine auffällige Dynamik sowie ein dialogisch orientiertes Auftreten der einzelnen Aktanten festhalten. Fügt man dieser morphologischen Feststellung noch die Beobachtung hinzu, dass הַשָּׂטָן֙ und יְהוָה mit je sieben Nennungen im ersten Textabschnitt gleich oft erwähnt werden, so liegt die Schlussfolgerung nahe, dass der erste Textabschnitt (Hiob 1,6-12) bewusst ein polarisiertes Gegenüber zwischen הַשָּׂטָן֙ und יְהוָה inszeniert. Mit Blick auf das gehäufte Vorkommen des Verbs אמר ist es nun besonders aufschlussreich, die Redeanteile beider Diskursparteien in ein Verhältnis zueinander zu setzen: Während Hiob in der ausgewählten Perikope insgesamt 15 Wörter von sich gibt, sind die Redeanteile von יְהוָה und הַשָּׂטָן֙ deutlich größer. Gottes Redeanteile liegen im Dialog bei 28 Wörtern, werden jedoch rein quantitativ von Satans Redeanteilen (38 Wörter) übertroffen. Ob diese quantitativen Redeanteile innerhalb des Dialoges auch hinsichtlich der Stellung und Hierarchie beider Aktanten zueinander aussagekräftig sind, lasse ich an dieser Stelle noch unbeantwortet. Im Kontext eines Vergleichs mit dem zoroastrischen Denken werde ich diese Frage jedoch intensiv thematisieren. Zunächst gilt es jedoch, einen weiteren morphologischen Aspekt der Hiob-Perikope in den Blick zu nehmen: die Frage, inwiefern der Text seine Figuren deskriptiv einführt. Untersucht man den Text im Hinblick auf die Verwendung von Adjektiven, so fällt zunächst ein relativer dünner Befund ins Auge: Insgesamt lassen sich in der ausgewählten Perikope nur fünf Adjektive ausmachen, die zur näheren Beschreibung einer Figur oder eines Sachverhaltes verwandt werden. Zunächst finden sich in Vers 8 zum Zweck einer kurzen Charakterisierung Hiobs die Adjektive tadellos ( תָּ֧ם ) und aufrichtig ( יָשָׁ֛ר ) wieder. Im abschließenden Monolog Hiobs verwendet dieser zwecks einer Selbstbeschreibung zudem zweimal das Adjektiv nackt ( עָרֹ֨ם ). Das einzige Adjektiv ohne direkten Hiob-Bezug ist somit das Adjektiv groß/gewaltig ( גְּדֹולָ֜ה ), welches auf die ר֨וּחַ Bezug nimmt, die das Haus der Kinder Hiobs zum Einsturz bringt (Vers 19). Mit Blick auf die Morphologie von Hiob 1,6-22 lässt sich daher ein relativ dünner Textbefund von nur fünf Adjektiven konstatieren. Der Text enthält somit kaum deskriptive Elemente, welche den Handlungsfortgang durch detaillierte Beschreibungen verlangsamen würden. Stattdessen liegt dem Text eine hohe Dynamik zugrunde, die auf Kosten genauerer Beschreibungen der agierenden Hauptfiguren oder erzählten Handlungsschritte geht: detailreiche Deskriptionen einzelner Elemente werden zugunsten eines raschen Handlungsfortlaufs hintangestellt. Von den fünf Adjektiven, die im Text dennoch vorkommen, stehen vier in direktem Bezug zu Hiob. Davon zwei ( תָּ֧ם und יָשָׁ֛ר ) als Fremdzuschreibungen Hiobs durch Gott, sowie עָרֹ֨ם als Selbstcharakterisierung Hiobs. Sämtliche anderen Personen und Substantive (mit Ausnahme der ר֨וּחַ ) werden mit keinem Adjektiv genauer charakterisiert. Dies gilt auch für יְהוָה und הַשָּׂטָן֙ , was mit Blick auf die häufige Nennung beider Begriffe als bemerkenswert festzuhalten ist. Besonders die Tatsache, dass für הַשָּׂטָן֙ keinerlei beschreibende Einführung vorgenommen wird, wird uns im Folgenden weiter beschäftigen. Zunächst gilt es jedoch, den soeben herausgestellten Textbefund mit einer Kontextanalyse von Hiob 1,6-22 zu verbinden. Diese Analyse soll im Folgenden Einblick in die Frage geben, inwieweit die zentralen Akteure des Hiob-Prologs in diesem eingeführt und charakterisiert werden.

B.I. Kontextanalyse

B.I.1. Vorstellung der Figur Hiobs

Das erste Aufeinandertreffen von יְהוָה und הַשָּׂטָן֙ , von dem in Hiob 1,6-12 erzählt wird, folgt zu Beginn des Prologs unmittelbar auf eine kurze Charakterisierung Hiobs. Dabei wird die Rahmenerzählung durch die Nennung einiger Eigenschaften Hiobs sowie durch die Verortung der nun folgenden Geschichte im Land Uz ( ע֖וּץ ) eingeleitet. So erfährt man etwa, dass Hiob aufrichtig und tadellos ( תָּ֧ם וְיָשָׁ֛ר ) sei und dass er Gott fürchte und das Böse mied ( וִירֵ֥א אֱלֹהִ֖ים וְסָ֥ר מֵרָֽע׃ ). Beide Charakterisierungen Hiobs werden in Vers 8 als Fremdzuschreibungen wörtlich wiederholt, als יְהוָה im Dialog mit הַשָּׂטָן֙ das Gespräch auf Hiob lenkt. Genauer charakterisierende Adjektive zur Hiob-Figur werden somit nicht nur genannt, sondern sogar im Wortlaut wiederholt. Auch Hiobs Familie von sieben Söhnen und drei Töchtern ( שִׁבְעָ֥ה בָנִ֖ים וְשָׁלֹ֥ושׁ בָּנֹֽות , V.2) sowie sein reicher Besitz an Vieh (V.3) werden detailreich vorgestellt. Das gewaltige Umfeld Hiobs wird dabei mit der Bemerkung versehen, dass viele Diener sich in Hiobs Diensten befanden und er selbst größer sei als alle Söhne des Ostens ( גָּדֹ֖ול מִכָּל־בְּנֵי־קֶֽדֶם , V.3). Abschließend wird Hiob zugutegehalten, dass er für jedes seiner Kinder Brandopfer ( עֹלֹות ) für den Fall darbrachte, dass sie gesündigt und Gott in ihrem Herzen geflucht hätten ( אוּלַי֙ חָטְא֣וּ בָנַ֔י וּבֵרֲכ֥וּ אֱלֹהִ֖ים בִּלְבָבָם , V.5). Es gilt an dieser Stelle also festzuhalten, dass die Hiob-Figur zu Beginn der Rahmenerzählung intensiv eingeführt und in ihrem Charakter als aufrichtig und tadellos dargestellt wird. Auch Hiobs Verortung im Land Uz, sowie seine große Familie mitsamt eines reichen Viehbestands werden thematisiert. Die intensive Charakterisierung Hiobs benennt ihn zudem als einen ausgesprochen gottesfürchtigen Mann.

B.I.2. Angriff auf Hiobs Gesundheit

Unmittelbar im Anschluss an die Perikope von Hiob 1,6-22 schließt sich ein zweiter Dialog zwischen יְהוָה und הַשָּׂטָן֙ an. Dieser wird mit denselben einleitenden Worten begonnen wie schon der erste Austausch zwischen beiden. Lediglich der Grund, der für Satans Kommen benannt wird ( לְהִתְיַצֵּ֖ב ) wird zusätzlich ein zweites Mal erwähnt (Hiob 2,1). Der Ortswechsel sowie der temporale Einschnitt werden zur Abgrenzung des vorangegangenen Textabschnitts wiederum durch die Formel וַיְהִ֣י הַיֹּ֔ום eingeleitet. Diesmal jedoch geht הַשָּׂטָן֙ gegen Hiob einen Schritt weiter: nicht nur Hiobs Angehörige werden von der Hand Satans geschlagen, sondern die Hauptfigur selbst wird zur Zielscheibe des Wirkens von הַשָּׂטָן֙ (V.7). Einzig das Leben Hiobs wird - der Aufforderung Gottes entsprechend – von הַשָּׂטָן֙ unberührt gelassen (V.6). Doch auch nach diesem Angriff auf seine Gesundheit (und trotz des konträren Bemühens seiner Frau, V.9) bleibt Hiob an dieser Stelle jener gottesfürchtige Mann, als der er in der Rahmenerzählung bis zu diesem Punkt ausführlich vorgestellt wurde (V.10).

B.I.3. Die Rolle von הַשָּׂטָן֙ im Hiob-Prolog

Jene Ausführlichkeit, mit der die Figur Hiobs im Prolog (1,1-2,10) eingeführt wird, bringt uns zu folgender interessanter Beobachtung: während über Hiob viele Informationen im Prolog enthalten sind, werden sämtliche anderen Figuren der Rahmenerzählung nicht gesondert eingeführt. Bei יְהוָה erscheint dies aufgrund des breiten Vorkommens in den älteren Texten der Hebräischen Bibel kaum überraschend: das Wissen um יְהוָה ließ sich als allgemein bekannt voraussetzen. Ganz anders sieht es hingegen mit der Figur des Satans aus. Obwohl הַשָּׂטָן֙ – wie oben herausgestellt – in Hiob 1,6-22 sieben Mal (vierzehn Mal im gesamten Prolog) genannt wird, erfahren wir über ihn lediglich, dass er zum Kreis der Söhne Gottes ( בְּנֵ֣י הָאֱלֹהִ֔ים , V.6) zählt und zuvor die Erde durchstreift ( מִשּׁ֣וּט בָּאָ֔רֶץ , V.7) habe. Weitergehende Informationen werden über הַשָּׂטָן֙ nicht bekannt gegeben. Dies ist erstaunlich, wenn wir uns die oben herausgestellten morphologischen Befunde von Hiob 1,6-22 mit Blick auf die Stellung von הַשָּׂטָן֙ vor Augen führen. Wie bereits herausgearbeitet, werden יְהוָה und הַשָּׂטָן֙ im ersten Dialogabschnitt (Hiob 1,6-12) mit je sieben Nennungen gleich oft erwähnt. Dabei ist bedeutsam, dass alle vierzehn Erwähnungen von הַשָּׂטָן֙ , die im gesamten Prolog zu konstatieren sind, mit dem Artikel הַ stehen. Bei הַשָּׂטָן֙ handelt es sich somit im Kontext des Hiob-Prologs nicht um einen Eigennamen („Satan“), sondern um eine Funktionsbeschreibung, die sich am ehesten mit Widersacher, Störer wiedergeben lässt. Die großen dialogischen Diskursanteile in Hiob 1,6-22 ließen sich zudem auch anhand der Verbstrukturen nachweisen: So sind auch Art und Häufigkeit der verwandten Verben primär diskursiver Natur: אמר ist mit neun Erwähnungen das am häufigsten vorkommende Verb. Auch נגד (mitteilen) ist bei vierfachem Vorkommen als Beispiel eines diskursiven Verbs zu nennen. Untersucht man in Hiob 1,6-22 zudem die vorhandenen Redeanteile im Hinblick auf die sprechenden Personen, so fällt der beachtliche Redeanteil von הַשָּׂטָן֙ ins Auge: bei 38 Wörtern, die er zum Dialog mit יְהוָה beiträgt, ist הַשָּׂטָן֙ in der untersuchten Perikope von allen Hauptfiguren jene mit dem größten Redeanteil.1 Dieser (rein quantitative) Redeanteil deutet zunächst auf eine nicht unbedeutende Stellung von הַשָּׂטָן֙ innerhalb des Hiob-Prologs hin. Als ein Indikator für die Stellung von הַשָּׂטָן֙ (auch im Verhältnis zu יְהוָה ) lässt sich zudem die beiderseitige Verwendung von Imperativen heranziehen. Auch bei der Verwendung der Befehlsform ist הַשָּׂטָן֙ die vorrangig agierende Figur: von den drei Imperativformen, die in Hiob 1,6-22 zu finden sind, finden sich zwei im Redeanteil von הַשָּׂטָן֙ wieder. Dies ist zum einen die Aufforderung an יְהוָה , seine Hand auszustrecken ( שְֽׁלַֽח־נָ֣א , V.11) und zum anderen, den gesamten Besitz Hiobs anzurühren ( וְגַ֖ע , V.11). Bei der ersten imperativischen Aussage von הַשָּׂטָן֙ wird die Aufforderung sogar emphatisch durch die Partikel נָ֣א verstärkt. Der Redeanteil von יְהוָה enthält dagegen nur eine einzige Verbotsform im Vetitiv, mit welcher יְהוָה es seinem Gegenpart verbietet, die Hand gegen Hiob selbst auszustrecken ( אַל־תִּשְׁלַ֖ח , V.12). Sowohl יְהוָה , als auch הַשָּׂטָן֙ verwenden in ihren Redeanteilen also Verbots- bzw. Befehlsformen. Neben den größeren quantitativen Redeanteilen von הַשָּׂטָן֙ ist die zweifache (zum Teil emphatische) Verwendung des Imperativs als ein weiteres Indiz für die nicht unbedeutende Stellung des Widersachers Gottes zu sehen. Ob man aufgrund dieser morphologischen Befunde gleichsam schlussfolgern kann, dass es sich bei Hiob 1,6-12 um einen Dialog auf Augenhöhe zwischen יְהוָה und הַשָּׂטָן֙ handelt, werde ich bei der Gegenüberstellung von Hiob-Buch und Zoroastrismus weitergehend thematisieren. Trotz der offenkundig zentralen Rolle, die הַשָּׂטָן֙ im untersuchten Erzählabschnitt einnimmt, fällt dessen textliche Einführung – wie etwa am Vergleich mit Hiob gezeigt – jedoch ausgesprochen kurz aus. An dieser Stelle gilt es somit zu fragen, warum zu Beginn des Hiob-Prologs eine ausführliche Charakterisierung von הַשָּׂטָן֙ ausbleibt. Setzen die Autoren der Rahmenerzählung bei ihren Adressaten etwa das Wissen um die Figur הַשָּׂטָן֙ voraus? Und wenn dies der Fall ist, auf Grundlage welcher Tradition und Überlieferung wird dieses Wissen vorausgesetzt? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, werde ich im Folgenden darlegen, inwiefern das Satansmotiv innerhalb der Hebräischen Bibel eine begriffliche Wandlung durchlaufen hat. Zu diesem Zweck werde ich jene Erzählungen, in denen הַשָּׂטָן֙ Erwähnung findet, in den Blick nehmen und sie innerhalb der Geschichte Israels historisch verorten. Diese Einordnung soll im Folgenden zur Untersuchung der Ursprünge des Satansmotivs überleiten. Somit soll der geschichtliche Zusammenhang des Aufkommens der Satanserzählungen herausgestellt und im Denken des Alten Orients verwurzelt werden. Zunächst gilt es daher nun, das Vorkommen von הַשָּׂטָן֙ innerhalb der Hebräischen Bibel zu thematisieren.

B.II. הַשָּׂטָן֙ in der Hebräischen Bibel

In seinem Wortschatz der Hebräischen Bibel beziffert Samuel Arnet die Anzahl der substantivischen Nennungen der Wurzel שָּׂטָן mit insgesamt 27 Nennungen.2 Dabei übersetzt er die Wurzel mit Widersacher; Gegner und gibt ihr somit zunächst eine rein profane Bedeutung, die weit entfernt ist von den Satansvorstellungen vieler zeitgenössischer Christen. Dem erstmaligen Auftreten von הַשָּׂטָן֙ als einer konkreten personalen Gestalt geht somit in den (vor-)exilischen Texten der Hebräischen Bibel zunächst eine rein profane Bedeutung der Wurzel שָּׂטָן֙ voraus. Zudem unterscheidet sich die Funktion jener Figur mit opponierenden Eigenschaften zum Teil erheblich von der Rolle des הַשָּׂטָן֙ im Hiob-Prolog. Als ein Beispiel benennt Elaine Pagels etwa die Erzählung vom Weg Bileams zu Balak (Num 22). Dort wird berichtet, dass יְהוָה einen Engel zu Bileam entsendet, um diesem auf dessen Weg zu Balak entgegenzutreten ( לְשָׂטָ֣ן לֹ֑ו , V.22). Die Verbwurzel שָּׂטָן֙ taucht dabei zweimalig in einem Infinitiv Constructus ( לְשָׂטָ֣ן , V.22, 32) auf, um die zweckhafte Absicht des מַלְאַ֧ךְ יְהוָ֛ה deutlich zu machen, Bileam in seinem Vorhaben entgegenzutreten. In Num 22 tritt die Verbwurzel שָּׂטָן֙ somit – anders als in Hiob 1,6-22 – nicht im Kontext einer Gegnerschaft zu יְהוָה auf. Vielmehr bezieht sich das Verb שָּׂטָן֙ in diesen Stellen auf den מַלְאַ֧ךְ יְהוָ֛ה , womit jene mit dem Verb verbundene Handlung ganz dem Willen Gottes entspricht – anstatt ihm entgegenzulaufen. Die Gegnerschaft, die mit dem Verb שָּׂטָן֙ ausgedrückt werden soll, bezieht sich in Num 22 also nicht auf eine Opposition gegenüber יְהוָה , sondern gegenüber Bileam.3 Zusammen mit den Anhängern von Frank Moore Cross datiert Henry Ansgar Kelly die Gesamtkomposition der Bileam-Erzählung um das Jahr 560 v.Chr.4 und verortet sie damit in der Zeit des Babylonischen Exils. (Vor-)exilisch lässt sich das Verb שָּׂטָן֙ somit noch nicht im Kontext einer einzelnen Figur begreifen und steht desweiteren noch nicht in ausschließlicher Opposition zu יְהוָה . Stattdessen hat das Verb שָּׂטָן֙ die rein profane Funktion, das Versperren von Bileams Weg durch den מַלְאַ֧ךְ יְהוָ֛ה auszudrücken. Im Gegensatz dazu tritt הַשָּׂטָן֙ in Hiob 1,6-22 explizit als Widersacher Gottes auf. Wie oben herausgestellt, wird das Substantiv הַשָּׂטָן֙ im gesamten Hiob-Prolog vierzehn Mal genannt. Auffällig ist dabei, dass diese Figur des Widersachers von יְהוָ֛ה bei vierzehn Erwähnungen nicht ein einziges Mal ohne den Artikel הַ genannt wird. Zwar finden wir im Hiob-Prolog die Wurzel שָּׂטָן֙ nun ganz konkret in Verbindung mit einer einzelnen Figur vor. Diese Figur הַשָּׂטָן֙ ist jedoch nach wie vor über ihre Funktion (nämlich die des Widersachers) definiert. Handelte es sich bei הַשָּׂטָן֙ in Hiob 1,6-22 stattdessen bereits um einen Eigennamen („Satan“), würden wir die Nennung des Substantivs שָּׂטָן֙ ohne Nennung des Artikels הַ erwarten. Ludger Schwienhorst-Schönberger sieht eine frühnachexilische Entstehung des Hiob - Prologs dabei als die wahrscheinlichste entstehungsgeschichtliche Hypothese zur Hiob - Grundschicht an.5 Damit kann Hiob 1,6-22 im Vergleich zu Num 22 um einige Jahrzehnte jünger datiert und die Stellung einer konkreten Figur הַשָּׂטָן֙ als Widersacher Gottes in der frühnachexilischen Zeit verortet werden. Diese Stellung lässt sich in der Hebräischen Bibel noch an einer weiteren Textstelle festmachen, in der הַשָּׂטָן֙ Erwähnung findet: in Sach 3,1-2 wird als Teil der vierten Vision Sacharjas berichtet, dass הַשָּׂטָן֙ den Hohepriester Jeschua anklagt, seiner Aufgabe als Hohepriester nicht gerecht zu werden.6 In beiden Versen wird die Wurzel שּׂטן֙ dabei insgesamt viermal erwähnt. Drei dieser Nennungen sind substantivisch ( הַשָּׂטָן֙ ) und beziehen sich – wie schon in Hiob 1,6-22 – auf eine einzelne konkrete Figur mit der Funktion des Widersachers. Ein einziges Mal taucht die Wurzel שּׂטן֙ zudem als Infinitiv Constructus ( לְשִׂטְנֹֽו , V.1) auf, um das Anliegen des Widersachers deutlich zu machen. Abschließend wird הַשָּׂטָן֙ vom Engel des Herrn für sein Verhalten gerügt ( יִגְעַ֨ר יְהוָ֤ה בְּךָ֙ הַשָּׂטָ֔ן , V.2), was darauf hindeutet, dass הַשָּׂטָן֙ auch hier in Opposition zu יְהוָה steht. Zudem lässt sich auch in Sach 3,1-2 keine Stelle ausmachen, bei der הַשָּׂטָן֙ ohne den Artikel הַ erwähnt würde. Von Henry Ansgar Kelly zu Ende des Babylonischen Exils datiert,7 kann הַשָּׂטָן֙ somit auch in dieser Phase der Geschichte Israels noch nicht als Eigenname („Satan“) betrachtet werden, sondern ist als Funktionsbeschreibung eines Widersachers Gottes zu verstehen. Erst bei der dritten (und jüngsten) Erwähnung der Figur שָּׂטָן֙ in der Hebräischen Bibel tritt die Wurzel שּׂטן֙ in einem personalen Kontext ohne den Artikel הַ auf: in 1 Chr 21,1 wird berichtet, wie שָּׂטָן֙ König David dazu verleitet, eine Volkszählung in Israel durchzuführen.8 Elaine Pagels hebt dabei hervor, dass jene Passage aus der 1. Chronik erst nach Sacharjas Bericht über die Anklage von הַשָּׂטָן֙ gegenüber dem Hohepriester Jeschua verfasst worden sei.9 Und auch Georg Steins betont, dass die Datierungsvorschläge zur Chronik „vom ausgehenden 6. Jh. bis zur ersten Hälfte des 2. Jh.s v. Chr.“10 reichten. Damit lässt sich 1 Chr 21,1 als jüngste Stelle der Hebräischen Bibel begreifen, in der eine konkrete Satansfigur auftritt. Anders als in früheren Passagen handelt es sich bei שָּׂטָן֙ in 1 Chr 21,1 jedoch um einen Eigennamen, was durch das Weglassen des Artikels הַ offenkundig wird. Innerhalb der Hebräischen Bibel lassen sich damit zusammenfassend – je nach historischer Datierung – unterschiedliche Verwendungsweisen von שּׂטן beobachten: Während in Num 22 noch eine verbale Verwendung jener Wurzel dominant ist, tritt הַשָּׂטָן֙ im Hiob-Prolog sowie in Sach 3,1-2 als konkrete Figur mit der Funktion des Anklägers und Widersachers auf. Erst in 1 Chr 21,1 handeln es sich bei שָּׂטָן֙ zudem auch um einen Eigennamen („Satan“). Eingeleitet durch die theologische Entwicklung der nachexilischen Zeit11 finden sich zudem auch inhaltliche Begriffsverschiebungen, die sich auf die Art des Widerstands von הַשָּׂטָן֙ konzentrieren. Wo sich das anklagende Element im Numeri-Buch noch gegen Bileam richtet, tritt הַשָּׂטָן֙ bei Hiob und Sacharja – die beide zumindest annähernd in die nachexilische Zeit zu datieren sind – als Widersacher von יְהוָה selbst auf. Es lässt sich somit festhalten, dass innerhalb der Hebräischen Bibel divergierende Verwendungsweisen von שָּׂטָן֙ / הַשָּׂטָן֙ auszumachen sind. Doch wie lassen sich diese Abweichungen in Verwendung und Bedeutung der Wurzel שּׂטן֙ erklären? Durch welche Einflüsse haben sich jene Neuerungen geschichtlich etabliert? Die religiös-historischen Umstände der nachexilischen Zeit geben nützliche Ansätze, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Zugleich sollen sie zur zentralen Thematik der Einflüsse des zoroastrischen Denkens auf Hiob 1,6-22 überleiten.

B.III. Historische Einordnung: Perserzeit

Wie an vorheriger Stelle bereits erwähnt, datiert Ludger Schwienhorst-Schönberger den Hiob-Prolog als Teil der Grundschicht in die frühnachexilische Zeit.12 Somit ist Hiob 1,6-22 zu Beginn der Perserzeit zu verorten. Exemplarisch lässt sich anhand der Könige Kyros und Dareios eine besondere Wertschätzung der zoroastrischen Religion in frühpersischer Zeit deutlich machen. Die Bevorzugung der zoroastrischen Religion gegenüber anderen Denksystemen lässt sich im Achämenidenreich etwa anhand von gefundenen Keilschrifttafeln festmachen, die eine große Bedeutung der Lehre Zarathustras in frühpersischer Zeit suggerieren.13 Diese Wertschätzung gegenüber der Religion Zarathustras gipfelte schließlich in der Erhebung zur verbindlichen Religion im Persischen Reich, die von den Achämenidenkönigen explizit gefördert14 und bei der gemeinsamen Reichsgründung allgemein festgeschrieben wurde.15

[...]


1 Zum Vergleich: Hiobs Redeanteile belaufen sich auf 15 Wörter, während יְהוָה immerhin 28 Wörter zum Dialog mit הַשָּׂטָן֙ beiträgt.

2 vgl. Arnet, Samuel, Wortschatz der Hebräischen Bibel, Zürich 2006, S.258

3 vgl. Pagels, Elaine, Satans Ursprung, Berlin 1996, S.73f.

4 vgl. Kelly, Henry Ansgar, Satan. A biography, Cambridge u.a. 2006, S.15f.

5 vgl. Zenger, Erich u.a., Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart 9.Auflage 2016, S.427

6 vgl. Pagels, Elaine, Satans Ursprung, Berlin 1996, S.79

7 vgl. Kelly, Henry Ansgar, Satan. A biography, Cambridge u.a. 2006, S.23

8 vgl. Pagels, Elaine, Satans Ursprung, Berlin 1 996, S.77

9 vgl. ebd., S.78

10 Zenger, Erich u.a., Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart 9.Auflage 2016, S.325

11 vgl. Kogler, Franz (Hg.), Art. Satan, in: Herders Neues Bibellexikon, Freiburg im Breisgau 2008, S.657

12 vgl. Zenger, Erich u.a., Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart 9.Auflage 2016, S.427

13 vgl. Koch, Heidemarie, Es kündet Dareios der König. Vom Leben im persischen Großreich (=Kulturgeschichte der Antiken Welt 55), Mainz 1992, S.286

14 vgl. Johardelvari, Abdolamir, Iranische Philosophie von Zarathustra bis Sabzewari (=Europäische Hochschulschriften 20), Frankfurt am Main 1994, S.19

15 vgl. Ossami, Said, Zarathustra. Eine Vision, Rheine 2.Auflage 2016, S.113

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Das zoroastrische Denken im Buch Hiob (anhand Hiob 1,6-22)
Untertitel
Eine Untersuchung der Einflüsse
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Zeit- und Religionsgeschichte des Alten Testaments)
Veranstaltung
Hiob. Theologische und literaturwissenschaftliche Lektüren (Hauptseminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
32
Katalognummer
V924169
ISBN (eBook)
9783346260772
ISBN (Buch)
9783346260789
Sprache
Deutsch
Schlagworte
denken, buch, hiob, eine, untersuchung, einflüsse
Arbeit zitieren
Tobias Laubrock (Autor:in), 2019, Das zoroastrische Denken im Buch Hiob (anhand Hiob 1,6-22), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/924169

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