Prozesskostenrechnung. Ziele, Aufgaben- und Einsatzfelder


Seminararbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Prozesskostenrechnung
2.1 Das Wesen der Prozesskostenrechnung
2.2 Ziele der Prozesskostenrechnung
2.3 Aufgabenfelder der Prozesskostenrechnung
2.4 Einsatzfelder der PKR

3 Systematik und Vorgehensweise
3.1 Faktoren der Prozesskostenrechnung
3.1.1 Prozess
3.1.2 Kostentreiber
3.1.3 Prozesskosten
3.2 Vorgehensweise
3.2.1 Auswahl der einzubeziehenden Bereiche und Festlegung des Projektziels
3.2.2 Tätigkeitsanalyse und Aufstellung einer Prozesshierarchie
3.2.3 Bestimmung prozessbezogener Kostentreiber
3.2.4 Ermittlung der Prozesskosten je Teilprozess
3.2.5 Ermittlung der Prozesskostenansätze je Teilprozess
3.2.6 Hauptprozessverdichtung
3.2.7 Kalkulation mit Prozesskostensätzen
3.3 Die Funktionen-Prozess-Matrix

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

PKR Prozesskostenrechnung

lmn Leistungsmengenneutral

lmi Leistungsmengeninduziert

z.B. zum Beispiel

u. a. unter anderem

evtl. eventuell

bspw. beispielsweise

1 Einleitung

Die traditionellen Ansätze des Rechnungswesens gehen auf die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Zu dieser Zeit des Industriezeitalters galt das Prinzip der Massenproduktion.

Heute sind fast alle Märkte „Käufermärkte“, d.h. der Kunde bestimmt, welche Eigenschaften ein Produkt haben muss. Die Unternehmen fertigen nicht für einen homogenen Markt, sondern individuell nach Kundenwunsch, was viele Produktvarianten bedeutet.

Durch die Veränderung der Kostenstrukturen verloren die existierenden Kostenrechnungssysteme zunehmend an Aussagekraft. Grund dafür ist der gestiegene Anteil der Gemeinkosten an den Herstellungskosten. Dadurch verschärfte sich das Problem der Zurechnung von Kosten auf die Kostenträger. Hinzu kommt eine Verschiebung der Kosten von der Produktion zu den vor- und nachgelagerten Bereichen (z.B. F&E, Produktionsplanung, Logistik, Vertrieb, Kundenservice), auch indirekte Bereiche genannt.

Die ausgeprägte Globalisierung und die Neustrukturierung der Märkte haben zu einer enormen Erhöhung der Wettbewerbsintensität geführt. Eine detaillierte Kenntnis der eigenen Produktkosten ist existenziell. Die Produktkosten reichen aber heute allein als Informationsbasis zu Kostensenkungsmaßnahmen nicht aus. Kostenreduktionen können nur dann erfolgreich sein, wenn vorher die Abläufe (Prozesse) im Unternehmen und insbesondere die Kostenzusammenhänge (Kostentreiber) klar erkannt werden.

Die Unternehmen sind heute viel stärker auf Prozesse ausgerichtet. Das bestands- und aufbauorientierte Denken tritt in den Hintergrund. Anzeichen hierfür ist das Produktionsmanagement (z.B. Just-in-Time, Qualitätsmanagement) und das Finanzmanagement (z.B. Kapitalflussrechnung).

Aus oben genannten Gründen entstand eine zunehmende Distanz zwischen Theorie und Praxis. Um diese Distanz überwinden zu können, wurden neue Instrumente entwickelt, wie z.B. die Prozesskostenrechnung, die Wertanalyse oder das Target Costing.

Die auf Vorgänge in der Produktion zugeschnittenen Kostenrechnungssysteme, wie z.B. die Deckungsbeitragsrechnung oder die Grenzplankostenrechnung, sind nicht in der Lage, Gemeinkosten indirekter Vorgänge den Produkten verursachungsgerecht zuzuordnen. Die in der Zuschlagskalkulation unterstellte Prämisse der Proportionalität von Gemeinkosten in Bezug zu den Einzelkosten vernachlässigt die bei inhomogener Material-, Produkt-, Auftrags- oder Vertriebsstruktur unterschiedlich hohe spezifische Leistungsinanspruchnahme.1

2 Prozesskostenrechnung

Die Prozesskostenrechnung (PKR) ist kein völlig neues und eigenständiges Kostenrechnungssystem, sondern vielmehr eine andere Variante der bekannten Vollkostenrechnung. Sie kann, wie die traditionelle Vollkostenrechnung auch, in drei Schritten durchgeführt werden:2

1. Kostenartenrechnung: Zuordnung der Kosten direkt (Einzelkosten) oder indirekt (Gemeinkosten).
2. Kostenstellenrechnung: Sie stellt fest, in welchen Kostenstellen die einzelnen Kostenarten entstanden sind.
3. Kostenträgerrechnung: Sie stellt anhand einer Kalkulation fest, wie viel Kosten auf die einzelnen Kostenträger (Produkte, Produktgruppen) entfallen.

2.1 Das Wesen der Prozesskostenrechnung

Der Ansatz der Prozesskostenrechnung (PKR) bezieht sich vor allem auf die indirekten Bereiche und versucht, dort eine ähnliche Kostenerfassung der Tätigkeiten vorzunehmen, wie die traditionellen Verfahren in den produktiven Bereichen. Das heißt, die Planungs-, Steuerungs- und Kontrolltätigkeiten werden in Teilfunktionen zerlegt und die dabei anfallenden Kosten erfasst. Die daraus abgeleiteten Kosteneinflussgrößen werden ermittelt sowie quantifiziert und können somit Grundlage für eine beanspruchungsgerechtere Kostenzuordnung auf Kostenträger werden.3

Durch eine entsprechende Auswertung kann die PKR strategische Produkt- und Produktionsentscheidungen unterstützen und Potenziale für die Optimierung von Unternehmensprozessen aufzeigen.4

2.2 Ziele der Prozesskostenrechnung

Die PKR hat folgende Ziele:5

- Die Gemeinkostenbereiche kostenmäßig transparent und damit steuerbar zu machen.
- Abteilungsübergreifende Prozesse (u.a. Hauptprozesse) und deren Einflussgrößen (Kostentreiber) zu identifizieren und kostenmäßig bewertbar zu machen.
- Teilprozesse in einzelnen Kostenstellen und Abteilungen zu analysieren und zu Hauptprozessen zusammen zu führen.
- Ineffizienzen aufzudecken, Einsparungspotenziale zu finden, Maßnahmen zu definieren, die Kalkulation zu verbessern und strategische Entscheidungen zu unterstützen.

2.3 Aufgabenfelder der Prozesskostenrechnung

Die PKR lässt sich in zwei Hauptaufgabenfelder unterteilen.6

Zum einen die Kalkulationsaufgaben. Hier zählen folgende Aufgaben zu:

- Strategische Ausrichtung
- Verursachungsgerechtigkeit der Gemein- und Fixkostenverteilung in der Selbstkostenermittlung
- Vielfältigkeit der Kalkulationsobjekte
- Kalkulation von Produkt- und Verfahrensänderungen
- Optimierung des Produktions- bzw. Absatzprogramms

Zum anderen die Managementaufgaben (Schaffung von Transparenz und Effizienz):

- Wirtschaftlichkeitskontrolle im Hinblick auf Stellen, Prozesse und Verhaltensweisen
- Optimierung von Ressourcenverbrauch und Kapazitätsauslastung
- Aufdeckung von Rationalisierungspotentialen
- Gestaltung der Verrechnungspreise für interne Dienstleistungen
- Harmonisierung von Schnittstellen
- Gemeinkostenbudgetierung

2.4 Einsatzfelder der PKR

Die Prozesskostenrechnung ist mittlerweile ein Standardverfahren zur Abbildung von Prozessen in Dienstleistungs- und Handelsunternehmen, Banken und Versicherungen.

Hier kann sie auf alle Prozesse angewendet werden, da in diesen Unternehmen generell die gleichen Bedingungen wie in den Gemeinkostenbereichen einer Industrieunternehmung vorherrschen. In Industrieunternehmen wird sie überwiegend in den Funktionsbereichen Logistik, Beschaffung und Lagerwesen eingesetzt.

3 Systematik und Vorgehensweise

3.1 Faktoren der Prozesskostenrechnung

3.1.1 Prozess

Ein Prozess ist eine auf die Erbringung eines Leistungsoutputs gerichtete Kette von Aktivitäten. Es wird zwischen Hauptprozessen (sie betreffen die gesamte Aktivitätenkette) und Teilprozessen (sie sind einer Kostenstelle zugeordnet) unterschieden. Teilprozesse mit identischen Kosteneinflussfaktoren können zu einem Hauptprozess zusammengefasst werden.7 Unter einem Geschäftsprozess versteht man die umfassenden Aufgabenfelder eines Unternehmens, die ablauforientiert betrachtet werden, z.B. der Beschaffungsprozess.8

3.1.2 Kostentreiber

Ein Kostentreiber bzw. Cost Driver ist im Prinzip nichts anderes als der Umlageschlüssel bei der klassischen Vollkostenrechnung. Ein Kostentreiber hat folgende Funktionen:

- Messgröße für Anzahl der Prozessdurchführungen bzw. Ausbringung des Prozesses (Mengenorientierung)
- proportionaler Maßstab der Ressourceninanspruchnahme und damit der (mittel- bis langfristigen) Höhe der Gemeinkosten
- Bezugsgröße für Verrechnung der Kostenstellenkosten9

3.1.3 Prozesskosten

Prozesskosten sind alle gemäß dem Verursachungs- bzw. dem Beanspruchungsprinzip einem Prozess zuordenbaren Kosten. Zwischen fixen und proportionalen Kosten wird zunächst nicht unterschieden.10

3.2 Vorgehensweise

In der Literatur werden unterschiedliche Vorgehensweisen beschrieben, die sich aber inhaltlich kaum bis garnicht voneinander unterscheiden. Der Verfasser hat folgende Vorgehensweise gewählt:

- Auswahl der einzubeziehenden Bereiche und Festlegung des Projektzieles
- Tätigkeitsanalyse und Aufstellung einer Prozesshierarchie
- Bestimmung prozessbezogener Kostentreiber
- Ermittlung der Prozesskosten je Teilprozess
- Ermittlung der Prozesskostensätze je Teilprozess
- Hauptprozessverdichtung
- Kalkulation mit Prozesskostensätzen

Die Vorgehensschritte werden nun im Einzelnen beschrieben.

3.2.1 Auswahl der einzubeziehenden Bereiche und Festlegung des Projektziels

Zuerst muss das Unternehmen klären, ob es überhaupt sinnvoll ist, ein neues Kostenrechnungssystem einzuführen. Reichen die bisherigen Informationen nicht aus, muss geklärt werden, welche zusätzliche Informationen die PKR liefern kann.

Hat man sich für die Einführung der PKR entschieden, muss festgelegt werden, welche Funktionsbereiche (meist Kostenstellen) in das Projekt einzubeziehen sind. Dann wird das Projektziel definiert, z.B. neue, prozessbezogene Kostensätze für die Kalkulation ermitteln. Üblicherweise ersetzt die Prozesskostenrechnung nicht die herkömmliche Kostenrechnung sondern sie wird parallel dazu durchgeführt.

3.2.2 Tätigkeitsanalyse und Aufstellung einer Prozesshierarchie

In diesem Abschnitt erfasst man sämtliche Teilprozess der einbezogenen Bereiche. Die Teilprozess können ermittelt werden durch:

- Interviews mit den Kostenstellenverantwortlichen
- Untersuchung von vorhandenen Unterlagen (Stellenbeschreibungen, Arbeitsprozessbogen, Statistiken oder bereits vorliegende Untersuchungen)

Die Prozesskostenrechnung konzentriert sich auf erfolgskritische Prozesse, bei denen die personellen und sachlichen Ressourcen durch einzelne Produkte/Varianten oder Kundensegmente in unterschiedlicher Intensität in Anspruch genommen werden.

Die Prozesskostenrechnung sollte nur in den Unternehmensbereichen eingesetzt werden, deren Tätigkeiten

- weitestgehend schematisiert ablaufen,
- sich häufig wiederholen und
- geringen Gestaltungsspielraum unterliegen.

Typische Beispiele sind die Auftragsbearbeitung, die Einkaufsabwicklung, die Storno- und Reklamationsbearbeitung sowie die logistischen Bereiche oder Kundenbearbeitungsprozesse. Nach Ermittlung der Tätigkeiten/Prozesse der Kostenstellen, können diese zu Teilprozessen zusammengefasst werden.

[...]


1 Vgl. Buggert, (2015), S. 95

2 Vgl. Waltermann/Speth/Schmitz, (2013), S. 281

3 Vgl. Graßhoff, (2001), S. 4

4 Vgl. Horváth, (2003), S. 106

5 Vgl. Horváth, (2003), S. 108

6 Vgl. Reckenfelderbäumer, (2005), S. 28

7 Vgl. Horváth, (2003), S. 553

8 Vgl. Mayer, (2001), S. 2

9 Vgl. Jahnke, (2016), S. 11

10 Vgl. Horváth, (2003), S. 553

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Prozesskostenrechnung. Ziele, Aufgaben- und Einsatzfelder
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V924368
ISBN (eBook)
9783346258090
ISBN (Buch)
9783346258106
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prozesskostenrechnung, ziele, aufgaben-, einsatzfelder
Arbeit zitieren
Farouk Saou (Autor), 2020, Prozesskostenrechnung. Ziele, Aufgaben- und Einsatzfelder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/924368

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