Das Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft. Wie körperliche Aktivität die Gesundheit von Schwangeren fördert


Fachbuch, 2021

135 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen der Schwangerschaft
2.1 Gesundheitsbegriff in der Schwangerschaft
2.2 Trimester der Schwangerschaft
2.3 Veränderungen in der Schwangerschaft
2.4 Geburt

3 Theoretische Grundlagen zu Bewegung in der Schwangerschaft
3.1 Definition von Bewegung in der Schwangerschaft
3.2 Bedeutung von Bewegung
3.3 Auswirkung eines Bewegungsmangels in der Schwangerschaft
3.4 Krankheiten in der Schwangerschaft und Bewegung
3.5 Motivation zur Bewegung in der Schwangerschaft

4 Studien zum Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft
4.1 Studien zu gesunden Bewegungen in der Schwangerschaft
4.2 Studien zu ungesunden Bewegungen in der Schwangerschaft

5 Studienvergleiche
5.1 Positive Auswirkungen der Bewegungen anhand vorgestellter Studien
5.2 Ganzheitliche Gesundheit durch Bewegungen in der Schwangerschaft anhand vorgestellter Studien
5.3 Negative Auswirkungen der Bewegungen anhand vorgestellter Studien

6 Empfehlung für das Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft
6.1 Empfehlungen anhand der Studienvergleiche
6.2 Basisbildender Leitfaden für individuelle Bewegungsempfehlungen

7 Diskussion

8 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Entwicklung des Kindes in der Schwangerschaftswoche 1 bis 40

Abbildung 2: Zwerchfellhochstand in der Schwangerschaf,

Abbildung 3: Die Plazenta mit dem Fötus im vierten Schwangerschaftsmona,

Abbildung 4: Ödembildungen in der Schwangerschaft

Abbildung 5:Verlagerung des Körperschwerpunktes in der Schwangerschaft

Abbildung 6: Sichtbarwerden der Linea nigra im zweiten Trimester der Schwangerschaft

Abbildung 7: Radfahren in der Schwangerschaft, in: Dotdash, Indoor Cycling Safety for Pregnant Women?

Abbildung 8: Yogaübung zur Atemtechnik

Abbildung 9: Yogaübung zur Verbesserung der Körperhaltung im zweiten Trimester der Schwangerschaft

Abbildung 10: Yogaübung zur Linderung lokaler Schmerzen im zweiten Trimester der Schwangerschaft

Abbildung 11: Yogaübung zur Entspannung im zweiten Trimester der Schwangerschaft

Abbildung 12: Yogaübung zur Muskelstärkung im zweiten Trimester der Schwangerschaft

Abbildung 13: Yogaübung für den Beckenboden im zweiten Trimester der Schwangerschaft

Abbildung 14: Sportklettern in der Schwangerschaft, in: Haselsteiner-Köteles, Klettern in der Schwangerschaft

Abbildung 15: Tauchen in der Schwangerschaft, in: Bokelmann, Sport in der Schwangerschaft

Abbildung 16: Bewegungen in großer Höhe in der Schwangerschaft

Abbildung 17: Marathonlauf während der Schwangerschaft

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Äußerliche Einflussfaktoren auf die Gesundheit in der Schwangerschaft

Tabelle 2: Gewichtsentwicklung und Längenwachstum eines Fötus

Tabelle 3: Empfohlene Gewichtszunahme in Abhängigkeit vom Ausgangs-BMI vor der Schwangerschaft

Tabelle 4: Empfohlene und Erlaubte Bewegungen in der Schwangerschaft,

Tabelle 5: Risikoreiche Sportarten in der Schwangerschaft

Tabelle 6: Warnzeichen ein Training während der Schwangerschaft zu beenden

Tabelle 7: Kontraindikationen für körperliche Aktivität in der Schwangerschaft

Tabelle 8: Apgar-Ergebnisse der Säuglinge

Tabelle 9: Potentielle problematische Bewegungen in der Schwangerschaft im Beruf

Tabelle 10: Spezifischer Studienvergleich des Aerobic-Programms als auch des Schwimmtraining-Programms

Tabelle 11: Spezifischer Studienvergleich des Walking-Programms als auch des Radtraining-Programms

Tabelle 12: Analyse zur Förderung der ganzheitlichen Gesundheit anhand von Bewegungen aus vorgestellten Studien

Tabelle 13: Spezifischer Studienvergleich zu „Marathonlauf in der Schwangerschaft“ als auch zu „Aktivitäten mit hoher Intensität in der Schwangerschaft“

Tabelle 14: Spezifischer Studienvergleich zu „Bewegungen in großer Höhe in der Schwangerschaft“ als auch zu „Bewegungen in belastenden Berufen in der Schwangerschaft“

Tabelle 15: Aktivitäten aus Studien und die Gründe der positiven Auswirkungen auf die Mutter

Tabelle 16: Aktivitäten aus Studien und die Gründe der positiven Auswirkungen auf das Kind

Tabelle 17: Aktivitäten aus Studien und die Gründe der negativen Auswirkungen auf die Mutter

Tabelle 18: Aktivitäten aus Studien und die Gründe der negativen Auswirkungen auf das Kind

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Schwangerschaft ist ein positives Lebensereignis und wird häufig als Wunder des Lebens oder als freudige und erwartungsvolle Zeit beschrieben. Im Regelfall freut sich die Schwangere auf ihr Kind, sie möchte ihr Ungeborenes so gut wie möglich beschützen und auf das Leben vorbereiten. Die Schwangerschaft ist eine Zeit der Veränderung im Leben einer Frau. In der Gravidität ist der Körper der Frau zahlreichen Wandlungen, welche zum Beispiel das Herz-Kreislaufsystem, die Atmung, die hormonelle Umstellung oder den Stoffwechsel betreffen, ausgesetzt. Abgesehen von physischen Faktoren werden weitere Dimensionen im Leben der Frau durch die Schwangerschaft beeinflusst, welche zusätzliche Veränderungen mit sich bringen. Dadurch entstehen viele Unsicherheiten bezüglich des neuen Lebensabschnittes.

In unserer Gesellschaft wird die Schwangerschaft teilweise als ein defizitäres, funktionseinschränkendes und beschwerendes Konstrukt angesehen. Vor allem bestehen Unsicherheiten bezüglich der körperlichen Aktivität in der Gravidität, da eine lange Zeit die Schwangerschaft wie ein Krankheitsbild betrachtet wurde.1 Durch das vergangene Bild der Schwangerschaft halten sich Unsicherheiten bei Müttern, bei Ärzten, als auch bei Hebammen. Häufig werden Müttern zusätzlich aus dem privaten Umfeld von bestimmten Bewegungen abgeraten, was zusätzliche Unsicherheit schürt. Unklarheiten bezüglich der spezifischen sportlichen Betätigung selbst, deren Umfang als auch deren Intensität in der Schwangerschaft bestehen. Übertriebene Schonung, um dem Kind und sich selbst nicht zu schaden, sind die Folge dieser Bedenken, obwohl manche Krankheiten in der Schwangerschaft sogar Indikation zu den Bewegungen darstellen.2 Viele Schwangere schränken ihre körperliche Aktivität enorm ein. Einer amerikanischen Studie zufolge sind 57,1% der Frauen in ihrer Schwangerschaft, sportlich inaktiv und gehen überwiegend sitzendem Verhalten nach.3

Bewegung ist in allen Phasen des Lebens, sofern keine Kontrainduktionen bestehen, wertvoll und gesundheitsfördernd, durch positive Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem, den Stoffwechsel, als auch auf die Muskulatur oder die Psyche. Vor allem auch in der Gravidität wirkt sich körperliche Aktivität in allen Trimestern vorteilhaft auf die Schwangere aus. Weiterhin nimmt gesunde sportliche Betätigung in der Schwangerschaft nicht nur positiven Einfluss auf die Mutter, sondern auch auf das Ungeborene und auf die Geburt selbst. Vor allem stellen Gesundheitsprogramme, welche die ganzheitliche Gesundheit mit ihren unterschiedlichen Dimensionen in der Schwangerschaft fördern, einen besonderen Mehrwert für Frauen dar. Aus diesen Gründen werden in der vorliegenden Arbeit zwei Fragen nachgegangen.

Welche Bewegungsempfehlungen, aufgrund von positiven Auswirkungen auf die Mutter als auch auf das Kind, können Frauen, auch im Hinblick auf ein ganzheitliches Bewegungsprogramm in der Schwangerschaft gegeben werden?

Welche Bewegungen sollten in der Gravidität angesichts von negativen Auswirkungen auf die Mutter, als auch auf das Kind vermieden werden?

Ziel dieser Arbeit ist es, eine fundierte Empfehlung an schwangere Frauen bezüglich körperlicher Bewegung in der Schwangerschaft zu erteilen. Es soll Klarheit geschafft werden, welche Bewegungen, in welchem Ausmaß körperliche Aktivität, als auch in welchem Rahmen Sport in der Schwangerschaft gesundheitsfördernd ist. Ein basisbildender Leitfaden für eine individuelle Bewegungsempfehlung wird weiterhin vorgestellt. Es werden auf die positiven Auswirkungen von Bewegungen auf die Mutter, als auch auf das Kind aufmerksam gemacht. Zusätzlich werden mögliche sinnvolle Gesundheitsprogramme dargestellt, welche die ganzheitliche Gesundheit der Schwangeren fördern, sodass sich Frauen in der Gravidität daran ein Beispiel nehmen können. Außerdem werden körperliche Aktivitäten beschrieben, welche aufgrund von negativen Auswirkungen auf die Mutter als auch auf ihr ungeborenes Baby, ungesund sein können und denen demnach nicht in der Schwangerschaft nachgegangen werden sollte.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage, werden vorab theoretische Grundlagen in Bezug auf die Schwangerschaft geschaffen, wobei einleitend ein Gesundheitsbegriff für die Schwangerschaft erarbeitet wird. Folgend werden die Trimester der Schwangerschaft aufgegriffen und veranschaulicht. Nachkommend werden die Veränderungen in der Schwangerschaft, als auch die unterschiedlichen Wege der Geburt dargelegt. Weiterhin werden theoretische Grundlagen bezüglich der Bewegung in der Schwangerschaft beschrieben. Vorab wird auf die Definition von Bewegung in der Schwangerschaft eingegangen, wobei gesunde, als auch ungesunde Bewegungen in der Gravidität grundgelegt werden. Nachfolgend wird die Bedeutung von Bewegung thematisiert, wobei eine Betrachtung der Auswirkungen von Bewegung auf die Schwangere stattfindet. Ferner werden die Auswirkungen eines Bewegungsmangels in der Schwangerschaft besprochen. Anschließend folgen Krankheiten in Zusammenhang mit Bewegung, wobei auf Krankheiten eingegangen wird, welche Indikationen für Bewegung in der Schwangerschaft aufweisen. Auch werden Krankheiten thematisiert, welche Kontraindikationen zur Bewegung mit sich bringen. Zuletzt folgt in diesem Abschnitt ein Gliederungspunkt über die Motivation zur Bewegung in der Schwangerschaft.

Im vierten Gliederungspunkt werden Studien zum Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft vorgestellt. Es werden je sieben Studien über gesunde Bewegungen, als auch über ungesunde Bewegungen aufgegriffen. Im fünften Gliederungspunkt finden Studienvergleiche statt, wobei vorab Studien verglichen werden, die positive Auswirkungen von Bewegung auf das Kind als auch auf die Mutter untersuchen. Anschließend folgt eine Betrachtung der Studien, ob die vorgestellten Bewegungsprogramme die ganzheitliche Gesundheit in der Schwangerschaft fördern resp. behindern. Zuletzt finden Studienvergleiche statt, die negative Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf das Kind als auch auf die Mutter erforschen. Im nächsten Teil folgt eine Empfehlung für das Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft durch die behandelten Studien. Außerdem wird ein basisbildender Leitfaden für individuelle Bewegungsempfehlungen für das Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft ausgesprochen. Es folgt die Diskussion und den Abschluss der Arbeit bildet das Fazit.

2 Theoretische Grundlagen der Schwangerschaft

In den theoretischen Grundlagen der Schwangerschaft wird vorab ein Gesundheitsbegriff in der Gravidität erarbeitet. Nachfolgend werden die drei Trimester der Schwangerschaft erläutert. Anschließend werden auf die Veränderungen in der Schwangerschaft eingegangen. Letztlich werden die Wege der Geburt mit Berücksichtigung der Sectio als auch der Spontangeburt erläutert.

2.1 Gesundheitsbegriff in der Schwangerschaft

Vor allem in der Schwangerschaft, welche eine große Veränderung darstellt, ist die Gesundheit der Frau zentral wichtig. Die Gravidität ermöglicht einen neuen Blick auf die Gesundheit. Die World Health Organisation (WHO) entwickelte 1946 eine Definition für Gesundheit, an der sie bis heute festhält.

„Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen.“4

Um die Gesundheit einer schwangeren Frau zu fördern ist demnach mehr als die körperliche Unversehrtheit notwendig. Diese Definition ist wichtig, um Krankheit in der Schwangerschaft definieren zu können und um die Schwangere und ihr Kind vor einer Krankheit schützen zu können. Eine Definition von Krankheit in der Schwangerschaft stellt weiterhin die Basis für die Studienvergleiche dar, da kranke Schwangere oft erwähnt werden. Anzumerken ist allerdings, dass der Gesundheitsbegriff der WHO einen Idealzustand beschreibt, an den sich die Schwangere wahrscheinlich nur annähern kann, weswegen zusätzlich das Modell der Salutogenese zu einer Gesundheitsdefinition in der Schwangerschaft herangezogen wird.5

Nach dem Modell der Salutogenese stellt Krankheit in der Schwangerschaft, nicht wie nach der Definition der WHO, eine gewöhnliche Erscheinung dar und gehört damit zur Normalität in dieser Lebensphase. Gesundheit und Krankheit sind in der Schwangerschaft Pole eines gemeinsamen Kontinuums. Die Schwangere befindet sich demnach zwischen diesen zwei Polen durch schwangerschaftsbedingte Veränderungen, welche beispielsweise zu Unwohlsein führen. Nach der Definition der WHO würde dies nicht einer gesunden Schwangeren entsprechen, obwohl die Schwangere eigentlich gesund ist.6 Die Entstehung von Gesundheit in der Schwangerschaft in Verbindung mit Bewegung stellt einen wichtigen Aspekt der Arbeit dar.

Die Frau wird in ihrer Gesamtheit mit Leib und Seele in den Kontext ihrer Umwelt gebracht, wodurch Gesundheit in der Schwangerschaft ganzheitlich betrachtet werden muss. Verschiedene Faktoren können Einfluss auf die Gesundheit in der Schwangerschaft nehmen. Um Gesundheit messbar machen zu können und um Empfehlungen für ein Förderung der Gesundheit durch Bewegung geben zu können, muss der Begriff Gesundheit operationalisiert werden. Beeinflussbare Faktoren der Gesundheit in der Schwangerschaft werden in folgender Tabelle 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Äußerliche Einflussfaktoren auf die Gesundheit in der Schwangerschaft, in: Bellmann / Bremer-Roth / Groger, Weiter Wissen Gesundheit, 16 – 17.

Die dargestellten Dimensionen der Gesellschaft, der Psyche, des Sozialen, der Physis und der Emotionalität nehmen Einfluss auf die Gesundheit in der Schwangerschaft.

Durch die emotionale Gesundheit ist die Schwangere in der Lage ihre wechselnden Gefühle, wie Freude, Angst, Kummer oder Ärger einzuordnen und passend mitzuteilen. Weiterhin ist eine Schwangere emotional gesund, wenn sie die Spannung, den Stress, die Depression oder die Beklemmung bewältigen und abbauen kann. Zusätzlich beeinflusst die gesellschaftliche Gesundheit die Gesundheit der Schwangeren. Demnach kann eine kranke Gesellschaft, etwa durch Krieg, Umweltverschmutzung oder politische Probleme die Gesundheit der Schwangeren gefährden. Die psychische Gesundheit der Schwangeren ist gegeben, wenn diese klar zu denken vermag und damit produktiv und aktiv sein kann. Die Schwangere kann ihre Probleme im Fall der psychischen Gesundheit selbst durch kognitive Leistungen bewältigen. Die soziale Gesundheit kann eine Frau in ihrer Gravidität fördern, indem sie Beziehungen aufrechterhält, aufbaut oder eingeht. Eine Integration in ein soziales Gefüge fördert die soziale Gesundheit der Frau. Die physische Gesundheit in der Schwangerschaft ist gegeben, wenn die Schwangere sich körperlich fit und vital fühlt und wenn die Funktionsweisen ihres Körpers übereinstimmen.7

Durch verschiedene Bewegungsmöglichkeiten können die Dimensionen der Gesundheit beeinflusst werden, und die Gesundheit der Frau in der Schwangerschaft kann dadurch verbessert werden. Die Fähigkeiten des Ungeborenen können dadurch gefördert und unterstützt werden und die Mutter kann ihre Gesundheit präventiv fördern. Möglichkeiten der Bewegung werden im methodischen Teil dargestellt.8

2.2 Trimester der Schwangerschaft

Die Schwangerschaftsdauer wird nach der Naegele-Regel vom ersten Tag der letzten Menstruation bis zur Geburt berechnet. Die Anzahl der Tage, auch das Menstruationsalter genannt, der Schwangerschaft beträgt 280, was insgesamt 40 Wochen sind.9 Der Embryo bzw. der Fötus durchläuft in seinen verschiedenen Altersphasen unterschiedliche Größen und Gewichtszustände, welche in folgender Tabelle 2 dargestellt werden.10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Gewichtsentwicklung und Längenwachstum eines Fötus, in: Schünke / Schulte / Schumacher, Prometheus: LernAtlas der Anatomie, 4.

Die Schwangerschaft wird in drei Trimester unterteilt, in welchen sich die Frau sowie das Ungeborene entwickeln. Die Entwicklungen des ungeborenen Lebewesens von Woche 1 – 40 werden in der nachfolgenden Abbildung 1 gezeigt, wobei das Wachstum des Embryos bzw. des Fötus innerhalb eines Trimesters zusätzlich sichtbar gemacht wird. Darauf folgt eine Beschreibung der drei Trimester in der Schwangerschaft, in welchen auf die Entstehung des Ungeborenen in der Schwangerschaft eingegangen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Entwicklung des Kindes in der Schwangerschaftswoche 1 bis 40, in: Philips Consumer Lifestyle B.V., ihr Baby, in: Schwangerschaft + (Version 5.9.1) [mobile application software],in: https://apps.apple.com/de/app/schwangerschaft/id505864483 (zuletzt besucht am: 28.05.2020).

2.2.1 Erstes Trimester

In Woche 1 – 12 findet das erste Trimester der Schwangerschaft statt. Zwei Wochen nach der letzten Regelblutung findet der Eisprung statt, wodurch die Eizelle befruchtet werden kann. Die befruchtete Eizelle teilt sich auf ihrem drei bis viertägigen Weg hin zur Gebärmutter vielmals und besteht zu diesem Zeitpunkt, wenn sie sich in der Gebärmutter befindet aus 32 bis 64 Zellen. Die Einnistung der Eizelle beginnt nach weiteren zwei Tagen. Das Schwangerschaftshormon humanes Choriongonadotropin ist etwa zwei Wochen nach der Befruchtung, demnach ab der fünften Schwangerschaftswoche im Urin der Frau nachweisbar. Ab der fünften Schwangerschaftswoche kann außerdem durch eine Ultraschalluntersuchung die 1cm3 große Fruchtwasserhöhle mit dem darin enthaltenen noch nicht sichtbaren Embryo in der Gebärmutter beobachtet werden. Ab der sechsten Schwangerschaftswoche kann die Herzaktivität des Embryos anhand eines Ultraschallgeräts erfasst werden. Nach der neunten Woche der Schwangerschaft sind die Extremitäten des Säuglings erkennbar.11 Mit der achten Schwangerschaftswoche werden die Finger sowie die Zehen des Säuglings sichtbar und alle Organe sind bereits vorhanden. Ab der zwölften Schwangerschaftswoche ist der Fötus vollständig als Mensch entwickelt und kann sich selbst aktiv bewegen.12 Im ersten Trimester der Schwangerschaft ist der Fötus hinter der Symphyse, einer Knochenverbindung, die mehr Bindegewebe enthält, gut geschützt.13

2.2.2 Zweites Trimester

In den Wochen 13 – 24 findet das zweite Trimester der Schwangerschaft statt, in welchem der Fötus merkbar aktiver wird und die Plazenta rapide heranwächst. Langsam beginnen die Organe des Fötus zu arbeiten, die kindliche Niere produziert bereits Harn, durch die Lunge wird bereits das Atmen mit Fruchtwasser erprobt. Der Kopf des Fötus macht im dritten Trimester etwa ein Drittel seiner Größe aus.14 Ab der 15. Schwangerschaftswoche kann der Fötus schmecken und erste Haare entstehen um seinen Kopf. Das Herz des Fötus pumpt täglich etwa 24 Liter Blut durch seinen Körper und die Knochen des Fötus verhärten sich bereits und Fettzellen bilden sich nach und nach. Trotz den Fettzellen sind Knochen und Organe durch die Haut noch sichtbar.15 Fort an der 16. Schwangerschaftswoche kann der Fötus Geräusche, wie die Stimmen, den Herzton, resp. Verdauungsgeräusche der Mutter hören. Außerdem wird der Unterschied zwischen hell und dunkel wahrgenommen.16 Ab der 18. Schwangerschaftswoche können durch eine Ultraschalluntersuchung strukturelle Anomalien des Ungeborenen diagnostiziert werden. Die 19. Schwangerschaftswoche bringt mithilfe einer Ultraschalluntersuchung Klarheit über das Geschlecht des Fötus. Bei einem weiblichen Fötus sind zu dieser Zeit bereits die Hälfte der Eizellen ausgebildet, mit welchen sie geboren wird. Weiterhin ist der Säugling ab der 19. Schwangerschaftswoche mit Vernix, einem weißen Schutzbezug bedeckt. Einzelne Säuglinge werden mit dieser Schutzschicht geboren. In der 23. Schwangerschaftswoche entwickelt sich besonders das Großhirn, und damit das Teilstück des Gehirns, welches für das Erinnerungsvermögen sowie die Motorik und den Verstand zuständig ist.17 Ab der 24. Schwangerschaftswoche bewegt der Fötus sich bedeutend mehr. Er probiert sich in verschiedenen Körperhaltungen, dreht sich im Bauch, greift an der Nabelschnur oder nuckelt an seinem Daumen.18

2.2.3 Drittes Trimester

In der 25. bis hin zur 40. Schwangerschaftswoche findet das dritte Trimester statt. Ab der 25. Schwangerschaftswoche entwickelt der Fötus ein Erinnerungsvermögen, wodurch Stimmen oder Musik wiedererkennt werden können. Die Lungen bilden sich durch neue Blutgefäße stärker aus. Außerdem wird ab der 25. Schwangerschaftswoche die Großhirnrinde ausgebildet, in welcher Gefühle, der Verstand, und die Problemlösefähigkeit des Fötus entwickelt werden. Weiterhin wird als Vorbereitung zum Stillen der Saugreflex durch Daumenlutschen ab Woche 27 stärker ausgeprägt.19 Ab der 28. Schwangerschaftswoche sind die Augenlider des Fötus geöffnet und das Sehen und Blinzeln wird damit möglich. Verschiedene Abstufungen des Lichts sind ab diesem Zeitpunkt erkennbar.20 Vor allem entwickelt sich in der 30. Schwangerschaftswoche das Gehirn des Fötus, zusätzlich sind die Alveolen in den Lungen mit Flüssigkeit gefüllt, wodurch der erste Atemzug nach der Geburt vereinfacht wird.21 Die Entwicklung der Lunge des Fötus ist damit fast vollendet. Der Fötus gewöhnt sich außerdem langsam an die Embryonalhaltung.22 Bis hin zur 32. Schwangerschaftswoche gewann das Ungeborene außerordentlich an Fett und Muskelgewebe, wodurch die Haut nicht mehr durchsichtig wirkt. Bis zur 36. Schwangerschaftswoche begeben sich die meisten Ungeborenen in die endgültige Geburtsposition, indem diese mit dem Kopf nach unten im Becken liegen. Der Schädel des Fötus ist weich, damit dieser leichter den Geburtskanal passieren kann. Ab der 40. Schwangerschaftswoche bewegt sich der Fötus weniger, da der Platz gering ist. Das Ende der Schwangerschaft ist damit erreicht und der Fötus wird geboren. Bei einer Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche, spricht man von einer Frühgeburt.23 Durch eine Frühgeburt geht oft ein niedriges Geburtsgewicht einher. Ab unter einem Geburtsgewicht von 2500g wird von einem niedrigen Geburtsgewicht gesprochen. Risikofaktoren dafür sind schwangerschaftsbedingte Erkrankungen der Mutter, ein vorzeitiger Blasensprung, resp. vorzeitige Wehen Tätigkeit, Infektionen, Fehlernährung oder psychosozialer bzw. chronischer Stress in der Schwangerschaft. Frühgeburten sind problematisch für Mutter und Kind und gehören in Deutschland zu den größten Problemen in der Mutter-Kind-Gesundheit. 65 – 75% der neonatalen Todesfälle sind auf Frühgeburten bzw. auf ein niedriges Geburtsgewicht zurückzuführen.24

2.3 Veränderungen in der Schwangerschaft

Der Körper einer Frau vollbringt in der Schwangerschaft ein wahres Wunderwerk. Die Schwangerschaft der Frau führt zu einer Anpassung des weiblichen Organismus. Damit einher gehen Veränderungen des Herz-Kreislaufsystems, des Atmungsapparates der Frau, der Hormone sowie des Stoffwechsels der Schwangeren. Auch verändern sich körperliche äußere als auch innere Strukturen der Frau, auf welche eingegangen wird. Die körperlichen Veränderungen sind basisbildend für das Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft und sind für das Verständnis von Bewegung in der Schwangerschaft essentiell. Nicht nur die Physis der Frau verändert sich, außerdem finden im Leben einer Schwangeren psychische, emotionale, soziale resp. gesellschaftliche Veränderungen statt.

2.3.1 Herz-Kreislaufsystem

Durch Hormoneinflüsse beginnen in der sechsten Schwangerschaftswoche Umstellungen im Herz-Kreislauf-System der Frau. Durch einen höheren Wasseranteil im Blut nimmt das Blutvolumen der Frau während der Schwangerschaft um etwa 50% zu, um die Versorgung der Plazenta zu gewährleisten. Im Verhältnis zum Blutvolumen ist der Hämoglobinwert verringert, da sich die Blutzellen selbst weniger vermehren. Die Leukozytenmenge steigt auf bis zu 15 000 Zellen pro mm2 an. Der Blutverlust unter der Geburt selbst wird durch eine gesteigerte Synthese von Gerinnungsfaktoren verringert. Das Herz der Schwangeren vergrößert sich, um die größere Blutmenge zu fördern, wodurch das Herz zudem schneller schlägt und 30% mehr Blut pro Schlag transportiert.25 Das Herzzeitvolumen steigt an. Die peripheren Blutgefäße werden weit gestellt, wodurch es im Beginn der Schwangerschaft häufig zu niedrigem Blutdruck kommt.26 Schwindel und Ohnmacht können bei schnellem Aufstehen aus der Waagerechten Symptome darstellen.27

2.3.2 Atmung

Während der Schwangerschaft ändern sich die Funktionen der Atemwege sowie die der Lunge. Durch eine erhöhte Östrogenkonzentration treten in der Gravidität bei etwa 30% aller Frauen Behinderungen der Nasenatmung durch Hyperämie, Hypersekretion und durch Schleimhautödeme der oberen Atemwege auf.28 Das Hormon Progesteron löst in den ersten Wochen der Schwangerschaft einen gesteigerten Atemantrieb aus29, wodurch einige Schwangere Kurzatmigkeit, auch im Ruhezustand beobachten. Diese Dyspnoe verschwindet meist mit der Senkung des Bauches ab der 36. SSW wieder.30 Die Frau muss in der Schwangerschaft, vor allem bei körperlicher Bewegung eine um 40% erhöhte Atemarbeit durch die Steigerung des Atemzugvolumens leisten. Der Sauerstoffbedarf steigt in der Gravidität um ca. 20 – 30% an31. Der Uterus nimmt ab dem dritten Trimester an Volumen zu, wodurch ein Zwerchfellhochstand von ungefähr 4 cm bewirkt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Zwerchfellhochstand in der Schwangerschaft, in: Coad / Dunstall, Anatomie und Physiologie für die Geburtshilfe, 296.

Die Abbildung 2 zeigt im dunklen blau den Brustkorb der Frau im nicht schwangeren Zustand, im hellen blau wird der Brustkorb in der Schwangerschaft abgebildet. Aus diesem Grund findet eine Abnahme der Totalkapazität der Lunge statt. Das Atemzugvolumen steigt an, unterdessen die Atemfrequenz sich nicht verändert.32

2.3.3 Hormonelle Umstellung

Durch eine hormonelle Umstellung wird die Frau in der Schwangerschaft auf die Geburt und das Stillen vorbereitet. In der ersten Phase der Schwangerschaft verursacht das Hormon Östrogen, dass sich die Gebärmutterschleimhaut der Frau aufbaut. Das Hormon Progesteron verursacht schließlich günstige Einnistungsbedingungen für ein befruchtetes Ei.

Im ersten Trimester der Schwangerschaft entsteht die Plazenta, in welcher Hormone wie Östrogen, Progesteron, humanes Choriongonadotropin (hCG), sowie humanes Plazentalaktogen (hPL), was ein Wachstumshormon darstellt, gebildet werden.

Die folgende Abbildung 3 zeigt einen Fötus mit der Plazenta im vierten Schwangerschaftsmonat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Plazenta mit dem Fötus im vierten Schwangerschaftsmonat, in: Frenken, Symbol Plazenta: Pränatalpsychologie der Kunst, 18.

Das Hormon Progesteron verlangsamt die Schwangere in ihrem Gang und in ihren Tagesrhythmen, durch welches Hormon die Frau außerdem schneller Müdigkeit verspürt. Auch wird die Verdauung durch dieses Hormon verlangsamt, was bei der Frau zu einer besseren Nährstoffaufnahme im Darm führt, woraus jedoch auch Verdauungsprobleme entstehen können. Durch Progesteron wird zusätzlich im ersten Trimester der diastolische Blutdruck auf unter 70 mmHg gesenkt, was die Schwangere als unangenehm erleben kann. Im zweiten Trimester normalisiert sich der Blutdruck im Normalfall wieder.

Durch das in der Plazenta gebildete hCG wird die Konzentration von Östrogen und Progesteron im Blut der Frau gesteigert. HCG wird durch den Urin ausgeschieden und ist schon früh in der Schwangerschaft nachweisbar.33 Bereits zwei Wochen nach der Befruchtung kann das Hormon im Urin festgestellt werden. Nach ungefähr 8 – 10 Wochen sinkt die Produktion von hCG auf eine niedrigere Konzentration, welche die gesamte Schwangerschaft weiterbesteht.34 Das hCG erreicht über das Blut den Eierstock und beeinflusst den Follikel, aus welchem das Ei entsprang, dazu sich zum Gelbkörper zu bilden. Im Gelbkörper wird so lange Östrogen und Progesteron gebildet, bis die Funktion des Mutterkuchens dafür genügt.

Der Körper der Schwangeren reduziert seine Immunabwehr im ersten Trimester, damit der Embryo nicht abgestoßen wird. Außerdem steigt der Cortisolspiegel an, was bei der Schwangeren zu Depressionen führen kann. Häufig kommt in dieser Phase der Schwangerschaft durch die körperliche Umstellung zudem Schwangerschaftsübelkeit vor. Im ersten Trimester der Schwangerschaft entsteht zusätzlich ein Spannungsgefühl in den Brüsten der Mutter, da die Milchdrüsen durch das Hormon Prolaktin zum Wachstum angeregt werden. Im zweiten Trimester der Schwangerschaft wird das Östrogen hauptsächlich durch den Fötus gebildet. Das Hormon bewirkt Ödembildungen im Gewebe der Schwangeren, wie auf den Fotographien in Abbildung 4 verdeutlicht wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Ödembildungen in der Schwangerschaft, in: Wolhoff, Ödeme, in: https://burg-apotheke-beilstein.de/informationen/krankheiten-und-therapie/herz-gefaesse-kreislauf/oedeme (zuletzt besucht am 01.04.2020)

Das Östrogen verstärkt außerdem die Fruchtwasserproduktion und steigert den Blutfluss zur Gebärmutter, welche in der Gravidität ca. 50-mal kräftiger durchblutet wird.

Progesteron sorgt ab dem zweiten Trimester für einen nachlassenden Verschluss des Mageneingangs, aufgrund von seiner Wirkung, die den Muskeltonus vermindert. Dadurch kann Magensäure die Speiseröhre passieren und es kann demzufolge zu Sodbrennen kommen.35 Ferner können bei der Schwangeren Krampfadern entstehen, durch den Verlust des Tonus in den Venenwänden. Zusätzlich werden die Venenklappen schwächer, wodurch der Rückfluss des Blutes zum Herzen erschwert wird.

Die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wird beeinflusst, wodurch Venen mit geringerer Fließgeschwindigkeit rapider agglutinieren und Thrombosen bilden können.36 Im dritten Trimester der Schwangerschaft wird Progesteron überwiegend in Östrogen umgewandelt, wodurch insgesamt mehr Ödeme entstehen können. Das Hormon Relaxin, zusammen mit Östrogen verändern die Bindegewebszusammensetzung der Beckengelenke als Vorbereitung auf die Geburt. Durch diese Hormonzusammensetzung wird die Gebärmutter dazu angeregt Prostaglandine zu synthetisieren, welche dafür verantwortlich sind den Muttermund weicher zu machen. Außerdem bilden sich durch Prostaglandin Rezeptoren für das Hormon Oxytocin, welches Wehen auslöst, in der Gebärmutter.

Während der ganzen Schwangerschaft kommt es bei der Frau zu leichten Wehen, die dem Blutkreislauf zwischen dem Fötus und der Plazenta dienen. Gegen Ende der Schwangerschaft bereitet sich der Fötus auf die Geburt vor und beginnt Kortisol zu produzieren, wodurch er seine Lungen auf die Atmung vorbereitet.37

2.3.4 Stoffwechsel

Während der Schwangerschaft nimmt die Aktivität des Stoffwechsels der Frau zu, da zwei Organismen ernährt werden müssen. Vor allem Hormone verändern den Stoffwechsel in der Schwangerschaft. Ungefähr 300 kcal muss die Schwangere täglich zusätzlich zu sich nehmen.38 Für das Wachstum und die Energiegewinnung des Fötus werden unterschiedliche Gase und Nährstoffe durch die Plazentaschranke aus dem Blut der Mutter geleitet. Für das Wachstum des Ungeborenen spielt als Energiequelle vor allem Glukose die größte Rolle, als auch Aminosäuren. Durch Insulin wird das fetale Wachstum sowie der Glukosestoffwechsel gesteuert.39 Hormone führen bei der Schwangeren dazu, dass sich das körpereigene Insulin steigend ungünstiger auf den Zuckerhaushalt auswirkt. Die Insulinresistenz führt bei der Schwangeren zu einer gesteigerten Insulinausschüttung. Im ersten Trimester der Schwangerschaft wird bei der Mutter häufig eher ein niedriger Blutzuckerspiegel gemessen, wohingegen im zweiten Trimester eher eine zunehmende Insulinresistenz mit erhöhten Glukosewerten gemessen wird. In diesem Zusammenhang tritt ein Gestationsdiabetes auf, der bei den meisten Frauen reversibel ist. Möglich ist jedoch, dass die betroffenen Mütter zu einem zukünftigen Zeitpunkt an Typ-II-Diabetes-mellitus erkranken.40 Auch verändern sich in der Schwangerschaft die Strukturen des Körpers.

2.3.5 Strukturen des Körpers

Der Körper der Frau verändert sich in der Gravidität enorm. Die Veränderung reicht von äußerlichen Veränderungen, die das Gewicht, den Körperschwerpunkt, den Bandapparat als auch das Bindegewebe, die Gelenke, als auch den Bauch betreffen, bis hin zu innerlichen Veränderungen, welche sich rund um die Entstehung der Plazenta drehen.

2.3.5.1 Äußerliche Veränderung

Durch die Schwangerschaft verändert sich der Körper der Frau in einer relativ kurzen Zeit. Äußerlich ist ungefähr ab dem vierten Monat eine Veränderung erkennbar. Durchschnittlich nimmt jede Frau während ihrer Schwangerschaft 15,6kg an Gewicht zu. Idealerweise liegt die Gewichtszunahme bei einer normalgewichtigen Schwangeren zwischen 11 bis 16kg. In folgender Tabelle 3 sind die empfohlenen Gewichtszunahmen in der Schwangerschaft anhand unterschiedlicher Gewichtskategorien vor der Schwangerschaft abgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Empfohlene Gewichtszunahme in Abhängigkeit vom Ausgangs-BMI vor der Schwangerschaft, in: Günther / Hauner-Freising / Kick, GeliS – Gesund leben in der Schwangerschaft. Eine Studie zur Ernährung und Bewegung in der Schwangerschaft, 355.

20,3-25,4cm werden durchschnittlich an Taillenumfang zugenommen. Hüftmessungen zeigen einen durchschnittlichen Wuchs von 10,6-12,7cm.41 Diese Veränderungen entstehen durch den Wuchs des Fötus, des Uterus sowie der Plazenta und außerdem durch Ödembildungen. Der Körperfettgehalt der Frau erhöht sich in der Gravidität, sowie die Hautfaltendicke.

Während der Schwangerschaft findet außerdem eine Verlagerung des Körperschwerpunktes statt, durch eine Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne und durch eine Aktivitätssteigerung der Streckmuskulatur des Rückens wird der Schwerpunktverschiebung entgegengewirkt.

Die Abbildung 5 zeigt den verlagerten Schwerpunkt der Frau in der Schwangerschaft, sowie die gestreckte Wirbelsäule mit einer Lordose der Lendenwirbelsäule. Durch die dargestellte Veränderung entsteht eine erhöhte Spannung in der Muskulatur als auch in den Bändern. Vielfach treten bei Schwangeren aus diesem Grund Rückenschmerzen auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5:Verlagerung des Körperschwerpunktes in der Schwangerschaft, in: Kroll, Rückenschmerzen Schwangerschaft? 5 Tipps mit denen sie schmerzfrei werden können, in: https://ergofit24.de/rueckenschmerzen-schwangerschaft/ (zuletzt besucht am 29.03.2020).

Hormonell wird der Bandapparat sowie das Bindegewebe in der Schwangerschaft aufgelockert, zusätzlich wird die Gelenkmobilität verstärkt, wodurch die Geburt durch das Becken entlastet werden soll. Alle Modifikationen treten bereits ab dem ersten Trimester auf und erreichen ab dem fünften Monat der Schwangerschaft ein anhaltendes Niveau. Nach der Geburt bilden sich diese Veränderungen wieder zurück.42

Ab dem zweiten Trimester der Schwangerschaft wölbt der Bauch der Frau sich immer weiter nach vorne und die Linea nigra kann sichtbar werden. Durch die Zunahme von Östrogen und Progesteron wird das Pigment Melanin vermehrt produziert, wodurch eine Linie zwischen dem Bauchnabel und dem Schambein, in manchen Fällen auch zwischen dem Bauchnabel und dem Rippenbogen sichtbar wird. Das Sichtbarwerden der Linea nigra wird in der folgenden Fotografie in Abbildung 6 veranschaulicht.43

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Sichtbarwerden der Linea nigra im zweiten Trimester der Schwangerschaft, in: Grünebaum, meine Schwangerschaft Tag für Tag, 60.

2.3.5.2 Innerliche Veränderung

In der Schwangerschaft einer Frau entsteht ein neues Organ, die Plazenta, welche für das Überleben des Fötus entscheidend ist. Eine Veranschaulichung dieses Organs findet sich auf Seite 14. Am fünften Tag nach der Befruchtung beginnt die Entwicklung des Organs. Durch die Befruchtung entsteht die Blastozyste in welcher sich der Embryoblast befindet. Der Trophoblast umhüllt die Blastozyste. Aus den Zellen des Embryoblasten formen sich der Embryo sowie die Nabelschnur und der Trophoblast wird mehrschichtig.44 Die Plazenta befindet sich im Uterus, also in der Gebärmutter der Schwangeren. Die Plazenta spielt für den Stoffaustausch zwischen der Mutter sowie zwischen dem Ungeborenen eine wichtige Rolle, außerdem regelt die Plazenta die normale und zeitgerechte Entwicklung des Fötus. Dieses Organ ist im Wesentlichen ein vaskulärer Parasit, der die Nährstoffe sowie den Sauerstoff aus dem mütterlichen Blut bezieht. Es findet kein Austausch zwischen dem mütterlichen Blut und dem Blut des Ungeborenen statt, da die Plazenta als Filter dient, indem ihre Blutgefäße mit denen der Mutter sowie mit denen des ungeborenen Babys verbunden sind. Über die Plazenta werden Nährstoffe transportiert, gespeichert und an den Fötus weitergegeben. Der Fötus gibt über die Plazenta Stoffwechselabbauprodukte, Wärme und CO2 ab. Weiterhin stellt die Plazenta eine Barriere für bestimmte Viren, Bakterien und Mikroorganismen dar. Antikörper, bestimmte Arzneimittel und Zigarettenrauch können die Plazentaschranke hingegen passieren. Der Mutterkuchen produziert hCG und ab dem dritten Schwangerschaftsmonat produziert er Östrogen Progesteron und zahlreiche andere Hormone.45 Im Folgenden wird näher auf das Ende der Schwangerschaft, der Geburt eingegangen.

2.3.6 Weitere Veränderungen

Nicht nur die Physis der Schwangeren wandelt sich im Laufe der Schwangerschaft. Es geschehen weitere zahlreiche Veränderungen, auf welche im Folgenden knapp eingegangen wird, um ein ganzheitliches Bild der Veränderung in der Schwangerschaft zu erhalten. Es finden psychische Veränderungen im Leben der Schwangeren statt. Mit den körperlichen Veränderungen muss die Schwangere beispielsweise lernen mit ihrem wachsenden Bauch umzugehen. Sie muss lernen sich in ihrem Körper trotz der Gewichtszunahme wohl zu fühlen. Die Frau möchte ihrer Rolle als werdende Mutter gerecht werden, ohne sich selbst dabei zu verlieren, wodurch außerdem ein psychischer Druck entstehen kann. Psychische Veränderungen passieren zusätzlich durch die genannten hormonellen Umstellungen, wodurch Depressionen möglich sind. Die Emotionalität verändert sich, da neue Gefühle in Bezug auf das heranwachsende Leben entstehen, mit denen die Schwangere umgehen muss. Neue Ängste, Kummer oder Freuden entstehen im Leben der Schwangeren. Weiterhin verändern sich soziale Begebenheiten im Leben der Schwangeren, durch die Konzentration auf die Schwangerschaft. Auf manche soziale Situation muss verzichtet werden. Andere soziale Beziehungen können durch die Schwangerschaft entstehen und vertieft werden mit beispielsweise anderen Schwangeren oder dem Lebenspartner. Es bestehen zuletzt gesellschaftliche Veränderungen für die Frau durch ihre Schwangerschaft. Der Mutter wird eine besondere gesellschaftliche Aufmerksamkeit im alltäglichen Leben zuteil, da die Schwangerschaft einen besonderen Stellenwert im Leben einnimmt. Weiterhin beeinflussen gesellschaftliche Veränderungen, wie etwa die Coronakrise das Leben der Schwangeren.

2.4 Geburt

Die Geburt stellt physisch und psychisch betrachtet eine extreme Grenzsituation für die Frau dar. Das emotionale Ereignis bringt Unsicherheiten und Ängste mit sich, wodurch die Frau Unterstützung ihres sozialen Umfelds benötigt. Gesellschaftlich bestehen große Unterschiede bezüglich der Geburt, diese hängt vom Gesundheitssystem des jeweiligen Landes ab. Es sind verschiedene Wege der Entbindung möglich. Im Folgenden werden die Spontangeburt sowie die Sectio behandelt, da die später angesprochenen Bewegungen Auswirkung auf den Weg der Geburt nehmen können und daher beleuchtet werden müssen.

2.4.1 Spontangeburt

Eine Spontangeburt ist eine natürliche vaginale Geburt, durch das Ausstoßen des Fötus durch die Gebärmutter. Diese wird von der WHO empfohlen, da der Säugling bei Spontangeburten weniger häufig Probleme mit den Atemwegen nach der Geburt aufweist und eine bessere Immunabwehr entwickeln kann.46 Bei einem vorzeitigen Sprung der Fruchtblase steigt das Infektionsrisiko für die Mutter sowie für das Neugeborene, wodurch eine vaginal operative Geburt eingeleitet werden kann. Erfolgen kann diese durch eine Vakuumextraktion, die „Saugglocke“ oder durch weitere operative Verfahren, wie durch die Zangengeburt oder durch die Verwendung einer Pinzette.47

2.4.2 Sectio

Bei einer Sectio, einem Kaiserschnitt oder einer Schnittentbindung wird ein Schnitt in die Bauchdecke der schwangeren Frau gemacht, durch welchen die Geburt des Kindes folgt. Im Jahr 2017 wurden laut dem statistischen Bundesamt in Deutschland 232 505 Kaiserschnitte durchgeführt. Durchschnittlich kommt jedes dritte Kind in Deutschland durch eine Sectio zur Welt.48 Gründe eine Schnittentbindung durchzuführen sind unteranderem das Alter der Mutter, das Gewicht des Fötus, Sauerstoffmangelzustände des Fötus, mütterliche oder kindliche Notsituation, die Querlage des Ungeborenen, Mehrlingsschwangerschaften, Geburtsstillstand, Eklampsie, Gestationshypertonie, als auch bei Erkrankungen der Mutter oder aufgrund des Wunschs der Mutter.49 Durch einen Kaiserschnitt steigt die Gefahr für Plazentastörungen, Uterusrupturen und Narbenschwangerschaften an.50 Eine Sectio kann negative Folgen für das Neugeborene bringen. Im Vergleich zu einer Spontangeburt besteht bei einem Kaiserschnitt ein höheres Risiko, dass das Kind bis zum zwölften Lebensjahr an Asthma erkrankt und bis zum Alter von fünf Jahren adipös wird. Weiterhin ist das Risiko bei einer zweiten Schwangerschaft geringfügig höher eine Fehlgeburt oder eine Totgeburt zu erleiden. Nach der Geburt durch eine Sectio im Vergleich zu einer Spontangeburt ist die Wahrscheinlichkeit für eine Harninkontinenz der Gebärenden allerdings um 44% geringer.51

3 Theoretische Grundlagen zu Bewegung in der Schwangerschaft

In diesem Abschnitt der Arbeit wird eine Definition von Bewegung in der Schwangerschaft getroffen, wobei auf gesunde, als auch auf ungesunde Bewegungen in der Gravidität eingegangen wird. Es wird die Bedeutung von Bewegung thematisiert, wobei auf verschiedene Auswirkungen von körperlicher Aktivität eingegangen wird. Weiterhin werden die Auswirkungen eines Bewegungsmangels in der Schwangerschaft besprochen. Anschließend folgen Krankheiten in der Schwangerschaft im Zusammenhang mit Bewegung, da diese im methodischen Teil eine Rolle einnehmen. Dabei werden Krankheiten mit Indikationen zu den Bewegungen als auch mit Kontraindikationen für körperliche Aktivität in der Schwangerschaft behandelt. Zuletzt wird die Motivation der Schwangeren zur Bewegung angesprochen.

3.1 Definition von Bewegung in der Schwangerschaft

Ein Leben ohne Bewegung ist nicht möglich, da molekularbiologische und chemische Prozesse Vorrausetzungen für das menschliche Leben sind, welche kleine Bewegungsabläufe darstellen. Prozesse des Lebens benötigen, auch im Ruhezustand des Körpers, Energie, welche im Gesamten als Grundumsatz bezeichnet wird. In dieser Arbeit wird die Bewegung der Schwangeren in ihrer Freizeit oder im Alltag behandelt, welche eine durch Muskeln verursachte Bewegung des Menschen darstellt. Die Intensität der Bewegung verursacht einen Energieanstieg, welcher über den Grundumsatz hinaus geht.52 Bewegungen in der Schwangerschaft sind aufteilbar in gesunde als auch in ungesunde Aktivitäten.

3.1.1 Gesunde Bewegungen in der Schwangerschaft

In vergangenen Jahren wurde davon ausgegangen, dass Bewegung in der Schwangerschaft zu Frühgeburten und unerwünschten Schwangerschaftsergebnissen führt, was jedoch in heutiger Zeit widerlegt werden kann. Durch gesunde sportliche Betätigung in der Schwangerschaft besteht kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten, Missbildungen, oder Plazentastörungen.53 Schwangere Frauen, die bereits vor ihrer Gravidität körperlich aktiv waren, sollten ihr Training weiterführen und ihre Bewegungen ab dem zweiten resp. dritten Trimester gegebenfalls, je nach Sportart reduziert fortführen. Dies gilt nicht für Leistungssportlerinnen, welche einem angepasstem Basistraining, nach Absprache mit einem Arzt, nachgehen können. Von einem Maximalkrafttraining wird abgeraten. Inaktive Schwangere sollten in der Schwangerschaft ihre Trainingsdauer bis hin zu 30 Minuten, dreimal pro Woche anheben.54 Ein Training sollte mäßige kardiorespiratorische als auch muskuloskelettale Belastungen enthalten. Es sollte ein aerobes Ausdauertraining mit einer moderaten Tätigkeit stattfinden, wobei die Intensität der Bewegung 50% - 60% der maximalen Herzfrequenz betragen sollte.55 Eine aerobe Tätigkeit wird allgemein, unabhängig vom Leistungsstand der Schwangeren, mindestens zwei bis dreimal wöchentlich für 30 Minuten empfohlen. Empfehlenswert ist diese körperliche Aktivität an den meisten Tagen der Woche. Weiterhin sollten im aeroben Bereich zwei bis dreimal wöchentlich für je 30 Minuten Bewegungen mit Kraftübungen stattfinden, welche mit geringem Widerstand, aber zahlreichen Wiederholungen durchgeführt werden sollten. Ein anaerobes Training ist aufgrund der hohen Intensität nicht ratsam. Folgende Herzfrequenz (HF) sollte, wie anschließend dargestellt, angestrebt werden.

Schwangere im Alter zwischen 20 – 29 Jahren: 135 – 150 HF, Schwangere im Alter zwischen 30 – 39 Jahren: 130 – 145 HF, Schwanger im Alter von >40 Jahren: 125 – 140 HF.56

Individuell ist die angestrebte Herzfrequenz zu berechnen, indem das Alter von dem Wert 220 subtrahiert wird.57 Weiterhin ist die Variabilität der unterschiedlichen Ruheherzfrequenzen als auch der verschiedenen maximalen Herzfrequenzen zu beachten.

Mithilfe einer Puls Uhr oder eines Brustgurtes kann die Herzfrequenz während der Belastung gemessen werden.58

Verschiedene Sportarten eigenen sich in der Schwangerschaft besonders gut und nehmen positive Auswirkungen auf die Mutter als auch das Ungeborene. Empfohlen bzw. erlaubt werden die in der folgenden Tabelle 4 dargestellten Sportarten in der Gravidität.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Empfohlene und Erlaubte Bewegungen in der Schwangerschaft, in: Kleinert / Sulprizio, Sport in der Schwangerschaft: Leitfaden für die geburtshilfliche und gynäkologische Beratung, 74.

Bewegungen sind, bis auf einzelne Ausnahmen Trimester unabhängig und sind mit dem persönlichen Befinden der Schwangeren verbunden. Sofern sich die Schwangere wohl fühlt, kann vom ersten bis hin zum dritten Trimester ein Ausdauertraining erfolgen. Auch leichtes und moderates Krafttraining im zweiten oder dritten Trimester nimmt keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Mutter oder den Fötus. Ab dem zweiten und dem dritten Trimester sollte allerdings kein Krafttraining mehr in Rückenlage erfolgen.59 Sobald ein Training schmerzt oder zu anstrengend ist, sollte eine Pause eingelegt werden oder die Bewegung reduziert werden.60

Die Sicherheit der Schwangeren sowie deren Ungeborenes sollte bei jeder Sportart oberste Priorität haben. Ob die Sportart erlaubt ist, hängt davon ab, ob die Schwangere vor ihrer Schwangerschaft bereits sportlich aktiv war.

Einsteigerinnen sollten mit einem moderaten Training beginnen. Von 15 Minuten Bewegung an drei Tagen die Woche, sollten sie sich langsam auf 30 Minuten an drei oder mehr Tagen die Woche steigern. Für sportliche Anfängerinnen sind Aktivitäten wie Nordic Walking, Laufen, Radfahren als auch Schwimmen besonders gut geeignet. Abgeraten werden kann von intensiven Belastungen wie beispielsweise Joggen, wenn die Frau diesbezüglich keine Vorerfahrungen mitbringt.

Schwangere, welche im Vorfeld bereits Freizeitsport betrieben, können ihr Training in der Regel fortführen, wenn dieses nicht risikoreich für die Schwangerschaft ist. Weiterhin sollte die Intensität der Aktivität im aeroben Bereich stattfinden und das Trainingspensum sieben Stunden pro Woche nicht übertreffen. Joggen kann beispielsweise bei trainierten Frauen weiterhin betrieben werden, da bei diesen Damen der Beckenboden stärker trainiert wurde. Untergründe, welche die Stöße durch den Lauf vermindern, wie etwa ein Waldboden, sollten bevorzugt werden.

Frauen, die Leistungssportlerinnen sind und ihre Aktivität in der Schwangerschaft fortsetzen wollen, sollten Rücksprache mit einem bzw. einer Mediziner/-in halten. Sportarten, die potentiell ungesund sind, sollten angepasst oder eingestellt werden.61

Allgemein, für alle Leistungsgruppen, sind vor allem Sportarten in der Schwangerschaft sinnvoll, welche große Muskelgruppen ansprechen, wie Walken, Aerobic, Radfahren, Yoga oder Schwimmen. Zu diesen Sportarten wurde im methodischen Teil, nach aufsteigenden Trimestern der Schwangerschaft Studien dargelegt.62 Jedoch sind nicht alle Sportarten in der Schwangerschaft vorteilhaft. Im Folgenden werden ungesunde Bewegungen in der Schwangerschaft dargestellt.

3.1.2 Ungesunde Bewegungen in der Schwangerschaft

Es bestehen durch bestimmte Bewegungen Risiken in der Schwangerschaft. Risiken, die Bewegungen mit sich bringen sind Unfallrisiken, dynamische Sportimmanente Bewegungsabläufe, Bewegungen mit Körperkontakt, Bewegungen mit Höhen sowie Druckunterschieden, sowie Belastungen an der Grenze der Erschöpfbarkeit. In Tabelle 5 werden Sportarten bzw. Bewegungsabläufe zu den genannten Risiken, die diese mit sich bringen aufgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Risikoreiche Sportarten in der Schwangerschaft, in: Kramarz, Risikosportarten in der Schwangerschaft, 717.

Durch die Sturz- und Unfallrisiken vor allem im Anfängerbereich, welche gewisse Sportarten mit sich bringen, sind Früh- resp. Fehlgeburten grundsätzlich möglich.63 Im ersten Trimester der Schwangerschaft ist der Embryo durch die Lage hinter der Symphyse gut geschützt, wodurch das Risiko einer Fehlgeburt zu dieser Zeit geringer ist. Im zweiten oder dritten Trimester sind vorzeitige Wehen oder Plazentaablösungen durch stumpfe Traumata möglich.64 Durch gewissenhaften Umgang mit diesen Sportarten können Unfälle vermieden werden, indem die schwangeren Sportlerinnen auf neue und anspruchsvolle Herausforderungen verzichten und Wettkampfsituationen vermeiden.

Dynamische Bewegungsabläufe, die beispielsweise schnelles, waagerechtes drehen um die persönliche Körperachse oder auch senkrechte Drehungen wie Saltos mit harten Landungen können möglicherweise Plazentalösungen, Nabelschnurumschlingungen oder Überdehnungen während der Schwangerschaft auslösen. Zusätzliche schnelle dynamische Bewegungen, die den Bauchraum stark belasten, stellen Racket Sportarten durch deren Sprünge dar, welche bei großer Erschöpfung vorzeitige Wehen auslösen können.

Sportarten mit viel Körperkontakt sollten vor allem bei Wettkämpfen unterlassen werden, da aggressiver Körperkontakt zu Verletzungen führen kann. Wettkampfsituationen, bzw. die sportliche Betätigung bis zur Belastungsgrenze sind grundsätzlich zu vermeiden, um vorzeitige Wehen zu verhindern.

Sportarten mit Höhen und Druckunterschieden, wie beispielsweise Bergsteigen sollte nur von konditionell fitten Sportlerinnen betrieben werden. Es sollte maximal bis auf eine Höhe von 3000 Meter und pro Tag sollten zudem nicht mehr als 500 Höhenmeter aufgestiegen werden. Zu beachten ist außerdem, dass schwangere Frauen mit Thromboserisiken oder Bluthochdruck keine sportlichen Aktivitäten, die große Höhenunterschiede verlangen betreiben sollten. Ferner ist Fallschirmspringen eine große Belastung für den Körper einer Schwangeren, durch enorme Druckschwankungen, durch kardiovaskuläre sowie durch abdominelle Beanspruchungen. Diese entstehen durch den großen Höhenunterschied von bis zu 4000 Metern, einer Fallgeschwindigkeit von 180 km/h und durch einen schlagartigen Bremsvorgang. Möglich ist überdies eine Plazentaablösung bei plötzlichem Schirmöffnen und grober Landung. Dieser Sport sollte, wenn überhaupt, lediglich von gesunden Schwangeren bis maximal zur 20. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Zudem stellen Sportarten ein Problem dar, welche z.B. durch schwere Gewichte großen Druck auf den Rumpf, den Bauchraum sowie auf das Kreislaufsystem ausüben, da dadurch bei untrainierten Frauen, beim Erreichen der Erschöpfungsgrenze vorzeitige Wehen ausgelöst werden können. Des Weiteren sollten Damen ab der 20. Schwangerschaftswoche aufhören, gezielt ihre geraden Bauchmuskeln zu trainieren, denn ab dieser Zeit weicht die gerade Bauchmuskulatur für den wachsenden Bauch. Durch ein gezieltes Training wird die Vergrößerung dieses Spaltes provoziert.

Sport an der Grenze der Erschöpfbarkeit, durch beispielsweise High Intensity Trainings oder High Intensity Intervall Trainings sind, auch mit angemessener Regenerationszeit, eine weitere Ursache für Fehl- und Frühgeburten. Insgesamt sollen nur Bewegungen durchgeführt werden, die für die Schwangere angenehm sind, Warnzeichen ein Training zu beenden sind nachfolgend in Tabelle 6 zu erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Warnzeichen ein Training während der Schwangerschaft zu beenden, in: Kramarz, Risikosportarten, 721.

[...]


1 Vgl. Engels / Lambeck / Panitz, Sport und Schwangerschaft: Vier bewährte Programme für Bewegung und Gesundheit, 7.

2 Vgl. Korsten-Reck, Sport und Bewegung in der Schwangerschaft: Prävention und Gesundheitsförderung, in: Die Hebamme, 55.

3 Vgl. Evenson / Wen, Prevalence and Correlates of Objectively Measured Physical Activity and Sedentary Behavior among US Pregnant Women, in: Preventive Medicine, 42.

4 Franke, Modelle von Gesundheit und Krankheit, 190.

5 Vgl. Bellmann / Bremer-Roth / Groger, Weiter Wissen Gesundheit, 15.

6 Vgl. Franke, Modelle von Gesundheit und Krankheit, 170.

7 Vgl. Bellmann / Bremer-Roth / Groger, Weiter Wissen Gesundheit, 16 – 17.

8 Vgl. Gellhaus / Satzinger, Sport in der Schwangerschaft, 19.

9 Vgl. Zalpour, Anatomie und Physiologie: Lehrbuch für Physiotherapeuten Masseure/ medizinische Bademeister und Sportwissenschaftler, 572.

10 Vgl. Schünke / Schulte / Schumacher, Prometheus: LernAtlas der Anatomie, 4.

11 Vgl. Jankl, 40 Schwangerschaftswochen: Eisprung bis Geburt, in: MINI MED Magazin, 1.

12 Vgl. Bühling, Der Schwangerschaftsratgeber, 10.

13 Vgl. Bommas / Teubner / Voß, Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie. 27.

14 Vgl. Jankl, 40 Schwangerschaftswochen: Eisprung bis Geburt, in: MINI MED Magazin, 1.

15 Vgl. Philips Consumer Lifestyle B.V., Ihr Baby, in: Schwangerschaft +: Tagesbegleiter für Schwangere (Version 5.9.1) [mobile application software], in: https://apps.apple.com/de/app/schwangerschaft/id505864483 (zuletzt besucht am: 28.05.2020).

16 Vgl. Bühling, Der Schwangerschaftsratgeber, 10.

17 Philips Consumer Lifestyle B.V., Ihr Baby, in: Schwangerschaft + (zuletzt besucht am: 28.05.2020).

18 Vgl. Bühling, Der Schwangerschaftsratgeber, 11.

19 Vgl. Philips Consumer Lifestyle B.V., Ihr Baby, in: Schwangerschaft + (zuletzt besucht am: 28.05.2020).

20 Vgl. Bühling, Der Schwangerschaftsratgeber, 11.

21 Vgl. Philips Consumer Lifestyle B.V., Ihr Baby, in: Schwangerschaft + (zuletzt besucht am: 28.05.2020).

22 Vgl. Jankl, 40 Schwangerschaftswochen: Eisprung bis Geburt, in: MINI MED Magazin, 4.

23 Vgl. Bühling, Der Schwangerschaftsratgeber, 11.

24 Vgl. Altenhöner / Haustein / Möller, Prädiktoren für ein niedriges Geburtsgewicht – Eine epidemiologische Fall-Kontroll-Studie an saarländischen Wöchnerinnen, in: Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie, 78.

25 Vgl. Gellhaus / Satzinger, Sport in der Schwangerschaft, 8.

26 Vgl. Schulze, Embryologie, 8.

27 Vgl. Jansen / Smollich, Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit,27.

28 Vgl. Worth, Asthma in der Schwangerschaft, in: Der Pneumologe, 409 – 410.

29 Vgl. Schulze, Embryologie, 8.

30 Vgl. Gellhaus / Satzinger, Sport in der Schwangerschaft, 8.

31 Vgl. Worth, Asthma in der Schwangerschaft, 409 – 410.

32 Vgl. Gellhaus / Satzinger, Sport in der Schwangerschaft, 8.

33 Vgl. Mack, Hormone in der Schwangerschaft: Was bewirken sie und warum sind sie wichtig?, in: DHZ Spektrum, 18 – 21.

34 Vgl. Coad / Dunstall, Anatomie und Physiologie für die Geburtshilfe, 281.

35 Vgl. Mack, Hormone in der Schwangerschaft: Was bewirken sie und warum sind sie wichtig?, in: DHZ Spektrum, 18 – 21.

36 Vgl. Gellhaus / Satzinger, Sport in der Schwangerschaft, 9.

37 Vgl. Mack, Hormone in der Schwangerschaft: Was bewirken sie und warum sind sie wichtig?, in: DHZ Spektrum, 18 – 21.

38 Vgl. Schulze, Embryologie, 8.

39 Vgl. Moore / Persaud / Torchia, Embryologie ,114.

40 Vgl. Schulze, Embryologie, 9.

41 Vgl. Bye / Sohn, Visual Analysis of Body Shape Changes during Pregnancy, in: International Journal of Fashion Design, Technology and Education, 117 – 118.

42 Vgl. Erhard, Sport und Schwangerschaft, 44.

43 Vgl. Grünebaum, meine Schwangerschaft Tag für Tag, 60.

44 Vgl. Huppertz / Schleußner, Die Plazenta: Grundlagen und klinische Bedeutung, 3.

45 Vgl. Coad / Dunstall, Anatomie und Physiologie für die Geburtshilfe, 193.

46 Vgl. World Health Organization, WHO Recommendations Intrapartum Care for a Positive Childbirth Experience, in: Word Health Organization, 1 – 200.

47 Vgl. Wagner, Praxisanleitung: Spontangeburt – Kraftakt mit Happy End, in: Via medici, 37.

48 Vgl. Venturini, Kaiserschnitt, vaginale und natürliche Geburt: Erleben und Verarbeiten aus psychotherapeutischer Sicht, 51.

49 Vgl. Stark, Der Kaiserschnitt: Indikation – Hintergründe – Operatives Management der Misgav-Ladach-Methode, 80 – 81.

50 Vgl. Wolff, Kaiserschnitt statt spontane Geburt?, in: Gynäkologie + Geburtshilfe, 52.

51 Vgl. Leiner, Kaiserschnitt: Weniger Harninkontinenz, aber mehr Asthma, in: MMW Fortschritte der Medizin, 18.

52 Vgl. Muster / Zielinski, Bewegung und Gesundheit: Gesicherte Effekte von körperlicher Aktivität und Ausdauertraining, 6.

53 Vgl. Erhard, Sport und Schwangerschaft, 76 – 80.

54 Vgl. Korsten-Reck, Sport und Bewegung in der Schwangerschaft: Prävention und Gesundheitsförderung, in: Die Hebamme, 58.

55 Vgl. Esefeld / Halle, Sturmvoll, Diabetes, Sport und Bewegung, in: Diabetologie und Stoffwechsel, 215.

56 Vgl. Korsten-Reck, Schwangerschaft und Sport: Teil 2: Praktische Empfehlungen für sporttreibende Frauen in Schwangerschaft und Wochenbett, 930.

57 Vgl. Hettinger / Hollmann, Sportmedizin. Grundlagen für Arbeit, Trainings- und Präventivmedizin, 395.

58 Vgl. Korsten-Reck, Schwangerschaft und Sport: Teil 2: Praktische Empfehlungen für sporttreibende Frauen in Schwangerschaft und Wochenbett, 930 – 933.

59 Vgl. Barakat / Lucia / Ruiz, Resistance Exercise Training during Pregnancy and Newborn's Birth Size: A Randomized Controlled Trial, in: International journal of obesity, 1049.

60 Vgl. Wäscher / Korsten-Reck: Praxisnahe Empfehlungen für eine bewegte Schwangerschaft, in: B&G Bewegungstherapie und Gesundheitsport, 20.

61 Vgl. Kleinert / Sulprizio, Sport in der Schwangerschaft: Leitfaden für die geburtshilfliche und gynäkologische Beratung, 77 – 79.

62 Vgl. ebd., 73.

63 Vgl. Kramarz, Risikosportarten in der Schwangerschaft, in: Der Gynäkologe, 715 – 725.

64 Vgl. Korsten-Reck, Schwangerschaft und Sport: Teil 1 Folgen für Mutter und Kind, in: Der Gynäkologe, 850.

Ende der Leseprobe aus 135 Seiten

Details

Titel
Das Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft. Wie körperliche Aktivität die Gesundheit von Schwangeren fördert
Autor
Jahr
2021
Seiten
135
Katalognummer
V924785
ISBN (eBook)
9783964872999
ISBN (Buch)
9783964873002
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewegungsempfehlungen, Bewegung, Schwangerschaft, Intelligenz, gesund, ungesund, Herzfrequenz, Gravidität, Empfehlung, Leitfaden, schwanger, Sport, Baby, Fötus, Kind, Trimester, Embryo, Körper, Frau, Veränderung, Schwangerschaftsdiabetes, Diabetes, Gestationsdiabetes, Zyklus, HcG, Östrogen, Progesteron, BMI, Gewicht, körperliche Aktivität, Bewegung in der Schwangerschaft, Bewegte Schwangerschaft, Bewegungsempfehlung für die Schwangerschaft, Mutter, Familie, Geburt, Sectio, Spontangeburt, Sport in der Schwangerschaft, ungesunder Sport in der Schwangerschaft, gesunder Sport, Bewegungsprogramme, Kraftübungen, Yoga, Beckenbodentraining, Pilates
Arbeit zitieren
Annalena Keller (Autor), 2021, Das Bewegungsverhalten in der Schwangerschaft. Wie körperliche Aktivität die Gesundheit von Schwangeren fördert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/924785

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