Maschinelle Übersetzung. Besonderheiten bei Übersetzungen von Untertiteln


Akademische Arbeit, 2013

30 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Untertitel

3 Übersetzungsbesonderheiten beim Untertiteln

4 Der Untertitelungsprozess

5 SUMAT

6 Beispiele DE-EN aus OPUS

7 Google Translate und Pons Lingenio im Vergleich

8 Fazit

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die folgende Arbeit behandelt im Rahmen des Seminars „Maschinelle Übersetzung“ das Thema der Evaluierung von Ergebnisse der Maschinellen Übersetzung. Die Spezifizierung erfolgt auf Untertitel in den Sprachen Deutsch und Englisch.

Als erstes werden wir erst einmal definieren, was Untertitel sind und welche Arten von Untertiteln es gibt. Danach werden wir die Eigenschaften des Mediums bzw. des Kanals für Untertitelung definieren und gehen näher auf die verschiedenen Arten der Untertitel ein, die eine Unterscheidung zwischen Untertiteln für Kinofilme, Untertiteln für TV, Video und DVD, und Untertiteln für Hörgeschädigte beinhalten.

Danach erläutern wir die Besonderheiten, die während des Übersetzungsprozesses der Untertitel entstehen können und dann gehen wir detaillierter auf den Untertitelungsprozess ein mit der Erläuterung der Strategien der Textverkürzung und den häufigen Übersetzungsproblemen.

Wir werden danach das europäische SUMAT-Projekt mit seinem Ansatz, der Vorgehensweise uns den Zielen vorstellen und die teilnehmenden Partner auflisten. Danach folgt die Analyse der Beispiele von deutschen und englischen Untertiteln aus der Untertiteldatenbank OPUS, wonach wir dann dieselben Beispiele im Vergleich bei Googel Translate und Pons Lingenio analysieren werden. Letztendlich werden wir dann versuchen ein Fazit aus unserer Analyse zu ziehen und hier zu präsentieren.

2 Untertitel

Es wird zwischen intralingualen Untertiteln, bei welchen keine Übersetzung stattfindet, und zwischen interlingualen Untertiteln, bei denen ein Sprachtransfer stattfindet, unterschieden.1

Heutzutage werden Untertitel überwiegend in kleinen Ländern eingesetzt, was sowohl aus Kostengründen, als auch aus Prioritätsgründen für die Zuschauer, geschieht.2 Neben dem Kosten- und Prioritätsfaktor spielt auch der Zeitfaktor eine wichtige Rolle, denn für Untertitel wird wesentlich weniger Zeit gebraucht, als z.B. für die Synchronisation eines Films, unter anderem dadurch, dass bei einer Synchronisation mehr Personen involviert sind.3

Untertitel erstellen bürgt ein Platz- und Zeitproblem, denn der Untertitler hat nur eine eingeschränkte Anzahl an Zeichen und Verweildauer auf dem Bildschirm zur Verfügung, denn in der Regel erscheinen etwa 60 bis 79 Zeichen (Leerzeichen, Buchstaben, Zahlen, Interpunktionszeichen, etc.) bei einer Dauer von 1,5 bis 6 Sekunden pro Untertitel.4 Untertitel werden im Unteren Bereich des Bildschirms eingeblendet und nehmen etwa 20% des Bildes ein – sie sollen aber nicht so kurz wie möglich sein, sondern so kurz bzw. lang im Rahmen der technischen Einschränkungen wie nötig bzw. möglich.5 Auch wichtig für das Zeit- und Platzproblem ist die Lesegeschwindigkeit, denn um einen Text zu lesen braucht man mehr Zeit, als um den gleichen Text zu hören, und deswegen müssen die Untertitel so verkürzt werden, dass für zwei Zeilen vier bis sechs Sekunden Lesezeit benötigt werden.6 Um eine gute Lesbarkeit zu gewährleisten muss das Tempo der Untertitel durchgängig konstant sein, was bei längeren Aussagen zum Problem wird und auch von Person zu Person abhängig ist, aber die modernen Untertitelungssoftwares berechnen automatisch das Verhältnis der benötigten Lesedauer zu der Zeichenanzahl, was außerdem manuell abgeändert werden kann7.

Außerdem soll der Untertitel nicht über den Szenenwechsel hinausgehen, damit der Zuschauer beim Szenenwechsel nicht den Eindruck hat, dass es ein neuer Untertitel ist und er von vorne mit dem Lesen anfangen muss, aber aus Zeitgründen ist es manchmal unmöglich, wie z.B. wenn eine Aussage kurz vor dem Schnitt stattfindet, aber der Kognitionsforschung zufolge sollten zwischen den eingeblendeten Untertiteln 1/6 bis ¼ Sekunden Pause bestehen, damit der Zuschauer erkennt, dass ein neuer Untertitel eingeblendet wurde8.

Dadurch kommt es dazu, dass die Dialoge stark gekürzt oder paraphrasiert werden müssen, was aber keineswegs das Auslassen von Informationen mit sich bringen darf9. Die Untertitel sollen auch nur eine „condensation“ des „original“ sein, somit ist die bloße Reduktion der Wörteranzahl nicht möglich und deswegen ist es wichtig zu erkennen, was, wie und warum transformiert werden muss10. Z.B. ist es im Fall der Übersetzung von Spanisch, Französisch oder Italienisch ins Englische oder Deutsche muss eine noch höhere Textreduktion stattfinden, denn die Sprechgeschwindigkeit bei den romanischen Sprachen ist um einiges höher11.

Weiterhin müssen die Untertitel auch an die Bildfolge angepasst werden, d.h. dass der Inhalt des jeweiligen Untertitels zeitlich an die jeweilige Bildinformation angepasst werden muss und außerdem muss die Formulierung des Untertitels der Syntax und der Reihenfolge der Schlüsselwörter, dem Sprechtempo und dem Stil der Aussage entsprechen12. Jedoch können all diese o.g. Probleme mittels verschiedener Strategien behoben werden, wie in den folgenden Kapiteln näher erläutert wird.

a. Medium

Beim Untertiteln findet die Übertragung der gesprochenen Sprache sowohl in die gleiche geschriebene, als auch in eine andere geschriebene Sprache, wodurch nicht nur das Medium gewechselt wird, sondern auch die Sprache, was das Problem mit sich bringt, dass die gesprochene Aussage nicht immer mit all ihren Feinheiten in die geschriebene Aussage übertragen werden kann13. Dadurch wird bei dem Prozess des Untertitelns bei der intralingualen Übertragung der gesprochenen in die geschriebene Sprache statt dem Begriff „translation“ der Begriff „conversion“ angewendet und bei dem zusätzlichen Wechsel von einer Sprache in die andere wird der Begriff „double conversion“ genutzt.14

Der Prozess beim interlingualen Untertiteln findet somit auf zwei Ebenen statt – Gottlieb15 bezeichnet diese „conversion“ oder die „double conversion“ als einen zweidimensionalen Prozess.

Das folgende Schaubild zeigt die klassische Form der Translation16:

Diese Grafik veranschaulicht, dass bei den klassischen Formen der Translation der Übersetzungs- bzw. Dolmetschprozess eindimensional und horizontal stattfindet, denn bei beiden Arten erfolgt die Übertragung von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache mittels des gleichen Mediums – schriftlich zu schriftlich und mündlich zu mündlich.

Bei dem Untertitelungsprozess dagegen sieht es anders aus, wie die folgende Grafik zeigt17:

Diese Grafik veranschaulicht, dass der Prozess der Untertitelung nicht horizontal stattfindet, sondern zweidimensional stattfindet – vertikal und diagonal. Bei der vertikalen Übertragung bleibt die Ausgangs- und Zielsprache gleich, nur das Medium bzw. der Kanal ändert sich von gesprochen und geschrieben – dies wird auch als der Prozess der intralingualen Untertitelung bezeichnet. Bei der diagonalen Übertragung unterscheiden sich die Ausgangs- und Zielsprache – die gesprochene Ausgangssprache wird in eine geschriebene Zielsprache übersetzt – dies wird auch als der Prozess der interlingualen Untertitelung bezeichnet.

Durch den Wechsel des Mediums bzw. des Kanals muss auch zwangsläufig der Sprachstil geändert werden, denn der Zuschauer würde es komisch finden in schriftlicher Form typische schriftsprachliche Phänomene, wie z.B. Ellipsen, vulgäre oder umgangssprachliche Ausdrücke, Abkürzungen, etc. vorzufinden und somit muss der Text in gewisser Hinsicht Neutralisierung stattfinden, auch wenn der Stil dabei etwas geändert wird.

Z.B. im Falle der Schimpfwörter wird die Methode des Abschwächens genutzt – gesprochensprachliches „Scheiße“ wird in geschriebensprachliches „Mist“ umgewandelt oder es wird nur der Anfang des Wortes – „Sch****“ – ausgeschrieben. Außerdem hängt es sehr stark von dem Unterschied zwischen der Ausgangs- und der Zielkultur ab, inwiefern die vulgären Ausdrücke und die Schimpfwörter umgewandelt und an das Zielpublikum angepasst werden müssen.

b. Untertitel für Kinofilme

Die Untertitel für Kinofilme werden im Wesentlichen ähnlich erstellt wie auch die Untertitel für TV, Video und DVD. Nichtsdestotrotz gibt es doch einige technische und auch wirtschaftliche Unterschiede. Es geht darum, dass unterschiedliche Filmarten, also Kinofilme, Videofilme und Filme für das Fernsehen von unterschiedlichen Gesellschaften betreut werden und somit variieren auch die Arbeitsbedingungen.

Bei den Kinofilmen beträgt die Anzahl der Bilder pro Sekunde 24, bei Video und Fernsehen sind es 25 Bilder pro Sekunde. Diese Anzahl hängt von der Bildauflösung ab, die wichtig für die Lesefreundlichkeit ist.

Wenn es darum geht, die Untertitel auf den Film zu bringen, dann wird dies meistens per Laser gemacht oder mithilfe einer chemischen Behandlung. Dabei können die Untertitel nicht farbig sein, da dabei die Emulsion des Films entfernt werden könnte, was zu einer weißen Schrift führt.18

Abhängig von dem Bildformat sollte es möglich sein, die Untertitel entweder ganz oder wenigstens teilweise auf den schwarzen Balken an der Unterseite des Filmes zu legen. Somit nehmen die Untertitel keinen Platz weg und verdecken auch nicht bestimmte Bildinformationen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bezüglich der Untertitel von Kinofilmen, ist der Versuch die Untertitel nicht über einen Schnitt hinweg zu lassen, auch wenn es eventuell auf Kosten der Leserfreundlichkeit geschehen könnte. Gottlieb sagt dazu Folgendes: „So if the audience cannot read the subtitles as the dialog is spoken before the next cut, it is just too bad. To the film industry, esthetics is what counts, not reading time for subtitles”.19

c. Untertitel für TV, Video, DVD

Der erste Film im Fernsehen, der mit Untertiteln erschien, war vermutlich der deutsche Film namens „Der Student von Prag“ von Arthur Robinson, der am 14. August 1938 auf BBC ausgestrahlt wurde.20

Aller Anfang ist schwer und so wurde zunächst nicht erkannt, dass die Untertitel, die für einen Kinofilm gemacht wurden, jedoch nicht für das Fernsehen und Video geeignet waren. Die Untertitel, die im Kino auf einer Leinwand gut lesbar waren, konnte man auf dem Bildschirm nur mit Mühe entziffern.

Man hat Versuche durchgeführt, die gezeigt haben, dass man die Untertitel von der Leinwand um 30 % schneller ablesen konnte als auf dem Fernsehbildschirm. Es gibt zwei mögliche Erklärungen dafür: entweder liegt es an der größeren Auflösung der Kinoleinwand als der des Fernsehbildschirmes oder daran, dass die Buchstaben auf der Kinoleinwand einfach viel größer sind. Eine weitere Möglichkeit wäre noch die unterschiedliche Anzahl der angezeigten Bilder pro Sekunde (beim Kinofilm 24, beim Fernsehfilm 25). Ob das wirklich die Erklärung für die bessere bzw. schlechtere Lesbarkeit ist, wurde noch nicht nachgewiesen.21

Die Videountertitel sind noch schlechter zu lesen, als die im Fernsehen, denn die Auflösung auf Videokassetten noch kleiner ist.

Was die Auflösung der DVDs angeht, so ist diese zwar besser, aber da man sich DVDs genauso wie Videokassetten über den Fernsehbildschirm anschaut, ist die Lesequalität einfach viel schlechter, als die die im Kino erreicht wird.

In vielen Ländern werden seit den späten 90ger Jahren unterschiedliche Untertitelversionen für Kino, Fernsehen, Video und DVD erstellt. Es müssen somit einige Untertitel noch gekürzt werden und manche eventuell anders aufgeteilt werden. Dadurch können bessere Bedingungen für eine optimierte Lesbarkeit geschaffen werden.

d. Untertitel für Hörgeschädigte

Bei den Untertiteln für Hörgeschädigte handelt es sich um ein sehr umfangreiches Thema. Somit wird hier eher ein grober Überblick über das Thema gegeben. Bei den Untertiteln für Hörgeschädigte gibt es mehrere Aspekte, die anders gestaltet werden.

Es gibt die sogenannten intralingualen Untertitel, die noch zusätzliche Informationen für die Hörgeschädigten beinhalten. Somit werden mithilfe dieser Untertitel bestimmte handlungsrelevante Geräusche übertragen bzw. Musik. Wenn also zum Beispiel im Film jemand an der Tür klopft, so wird bei den intralingualen Untertiteln der Satz „jemand klopft an der Tür“ hinzugefügt. Weiterhin werden bei den Untertiteln unterschiedliche Farben eingesetzt, die verschiedene Personen, die gerade sprechen, markieren. Außerdem werden die Untertitel dabei unter der Person angezeigt, die in dem Moment spricht. Somit wird versucht, den Film so nah wie möglich an den Menschen zu bringen.

Wenn es darum geht, an den Untertiteln für Hörgeschädigte zu arbeiten, so sollte auch beachtet werden, dass das ausgewählte Vokabular, aber auch die Syntax eher einfach gehalten werden. Es sollte vor allem deshalb berücksichtigt werden, weil die Hörgeschädigten einfach mehr Zeit zum Lesen benötigen als Hörende und somit die Lesegeschwindigkeit beachtet werden muss.

Es gibt unterschiedliche Formen von Untertiteln. Dabei handelt es sich um „Closed Subtitles“ und um „Open Subtitles“. Die „Open Subtitles“ sind ein fester Bestandteil von Filmen. Die „Closed Subtitles“ jedoch, kann man optional dazuschalten. Dies könnte über einen Decoder oder aber als Videotext realisiert werden. Bei den Untertiteln für Hörgeschädigte handelt es sich meist um die „Closed Subtitles“.22

3 Übersetzungsbesonderheiten beim Untertiteln

Untertitel können nicht als Übersetzung bezeichnet werden, denn der Untertitel ist keine exakte schriftliche Kopie des gesprochenen Filmtextes, sondern eine inhaltliche Übertragung der Informationen des gesprochenen Filmtextes in den geschriebenen Untertitel, und trotzdessen wird heute von einer Translation bzw. von einer besonderen Art der Translation gesprochen23. Gottlieb definiert folgendermaßen die Untertitelung als Übersetzung:

„Übertragung in eine andere Sprache (intralinguale Untertitel sind davon ausgeschlossen) von verbalen Aussagen (enthalten Dialoge, Schriftzüge und Texteinfügungen) in filmischen Medien (Kino, Video, Fernsehen, DVD, Blue Ray) in Form von ein- oder zweizeiligen Texten (Untertitel können von links nach rechts oder auch von rechts nach links gelesen werden, je nach Schrift), präsentiert auf Leinwand oder Bildschirm (Untertitel müssen nicht immer am unteren Bildrand eingeblendet werden, denn wenn dadurch wichtige Bildinformationen verloren gehen würden, können sie auch an der Oberseite des Bildschirms platziert werden.) und synchron zur Originalaussage (Untertitel werden sowohl bei Kinofilmen, als auch beim Fernsehen, auf Video und DVD mithilfe eines Timecodes platziert, um Synchronität mit dem Dialog und dem Schnitt zu gewährleisten).“24

Das bedeutet, dass ein guter Übersetzer nicht gleichzeitig ein guter Untertitler ist, denn Untertiteln ist nicht gleich Übersetzen25 und somit stellt sich die Frage nach der Kategorisierung der Übersetzungstypen. Nach Reiß, die für die Untertitel den Oberbegriff „bearbeitende Übersetzung“ vorschlägt, verändert diese Art der Übersetzung „den Ausgangstext in der sprachlichen Gestaltung, vor allem aber inhaltlich und/oder in der Mitteilungsintention nicht aus übersetzungstechnisch notwendigen Erfordernissen, sondern bewusst zu einem bestimmten Zweck“.26 Unter diese Kategorie fällt auch der Prozess der Untertitelung, denn der Ausgangstext wird nicht nur bewusst verändert, sondern auch gekürzt, da das Ziel der Untertitel es ist dem Zuschauer den Inhalt des ausgangssprachlichen Dialogs zu vermitteln und somit ist bei dem Übersetzungsprozess von Untertiteln „der Ausgangstext in unterschiedlichem Ausmaß nur Rohmaterial, das zielsprachlich für einen anderen (...) Verwendungszweck verarbeitet wird“.27

Die Übersetzung ist somit nur ein Teil des Bearbeitungsprozesses bei der Erstellung von Untertiteln, denn das Untertiteln ist ein Adaptierungsprozess und je mehr die Übersetzung kulturell und situationsbedingt angepasst wird desto größer ist die Herausforderung für den Übersetzer funktional relevante Situationseigenschaften in die Bedeutung des Zieltextes einzubauen.28

Somit kann man den Untertitelungsprozess als dreifache Übertragung oder „triple adaption“ bezeichnen, die folgendermaßen aussieht:

1. von einer Sprache in eine andere,
2. von einem gesprochenen Dialog in einen geschriebenen Text, und
3. von einem nicht-gekürzten Text in eine gekürzte Fassung29.

Gottlieb definiert folgender Merkmale der Untertitelung als besondere Art der Übersetzung30:

Es lässt sich festhalten, dass die Untertitelung

1. in schriftlicher Form erfolgt,
2. additiv ist, denn ein Zieltext wird zu dem Ausgangstext, der erhalten ist, hinzugefügt,
3. unmittelbar ist, denn die Dialoge werden kontrolllos und fließend im Hörer-Zuschauer-Leser-Modus präsentiert, und
4. simultan ist, da die Untertitel gleichzeitig mit dem Originalfilm ausgestrahlt werden.

Dadurch, dass in einem untertitelten Film zwei Kanäle verwendet werden, ist dieser somit multimedial.31

Das Besondere an der Übersetzung von Untertiteln ist, dass der Ausgangstext audio-medial ist und nicht-sprachliche Ausdrucksformen akustischer, optischer und grafischer Art enthält32.

Dadurch muss die Übersetzungsmethode die gleiche Wirkung auf den Leser der zielsprachlichen Untertitel, wie auf den Hörer der ausgangssprachlichen Dialoge erzielt werden. So kann es ein, dass die Untertitel sich stark von Form und Inhalt des Originals unterscheiden, aber dadurch, dass die Untertitel gleichzeitig mit dem Original auf dem Bildschirm erscheint, können diese mit dem Original verglichen werden, was z.B. im Falle der Synchronisation nicht möglich ist33 und dementsprechend auch an das Original soweit wie möglich angepasst sein müssen. Untertitel übertragen zwar die lexikalischen und syntaktischen Eigenschaften des Ausgangstextes, aber prosodische Elemente der Sprache können nicht in den Untertiteln wiedergespiegelt werden, weswegen Untertitel als fragmentarisch bezeichnet werden können34. Es können zwar unterschiedliche Buchstabengrößen, der Kursiv- und Fettdruck und Interpunktionszeichen genutzt werden, aber diese schriftlichen Elemente können nicht alle Feinheiten der Intonation weidergeben, was dazu führt, dass der Zuschauer sich diese Elemente aus dem gesprochenen Original erschließen muss35.

Für den Untertitler ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass eine Untertitelung, wie eine Art Simultanübersetzung ist und da der Zuschauer den Film nicht zurückspulen kann (im Kino oder im Fernsehen), müssen die Untertitel so konzipiert werden, dass sie beim ersten Mal verstanden werden können36.

Untertitel sind sowohl eine zusätzliche Information zum Originalfilm, als auch ein „Störenfried“, denn sie nehmen Platz weg und so hat der zielsprachliche Zuschauer gleichzeitig „mehr“ und „weniger“. Das Platzproblem kann je nach Bildformat gelöst werden, aber der Untertitler selbst hat keinen Einfluss darauf.

Die Untertitel haben als Hauptfunktion die Übermittlung von Informationen – in dem Fall könnte sagen, dass sie eine Begleitfunktion erfüllen, denn Untertitel begleiten die audiovisuellen Informationen, wobei das Bild im Film der Hauptinformationsträger ist und der Dialog nur eine Zusatzinformation. So werden die aus den Untertiteln erworbenen Informationen von den visuellen Informationen ergänzt und dadurch kann der Zuschauer es als eine semantisch vollständige Aussage auffassen.

Wenn der Untertitler die Untertitel erstellt braucht er Informationen, welche aus dem Bildkontext ersichtlich sind nicht unbedingt in den Untertiteln zu erwähnen, denn der Zuschauer kann sich diese selber aus dem Bildkontext erschließen. Das Hauptziel der Untertitel ist es dem Zuschauer den Eindruck zu vermitteln, dass er auch alles verstehen würde, wenn er die Untertitel nicht lesen würde. Die gelungensten Untertitel sind die, dank welchen der Zuschauer das Gefühl hat, dass er den Film auch ohne die Untertitel verstanden hätte37.

4 Der Untertitelungsprozess

Um seine Arbeit tun zu können, braucht der Untertitler eine Filmkopie und eine Dialogliste. Normalerweise beinhaltet die Filmkopie einen Timecode, der folgendermaßen aussieht: Stunde:Minute:Sekunde:Frame, also zum Beispiel 02:14:45:13. Mit dem Ausdruck „Frame“ ist ein Einzelbild gemeint. Dieser Timecode hilft dem Untertitler dabei, bestimmte Ein- und Aussteigzeiten der Untertitel genau festzulegen. Bei diesem Verfahren handelt es sich um das sogenannte „Spotting“. Zunächst einmal schaut sich der Untertitler den Film an und bestimmt während dessen die Ein- und Aussteigzeiten der Untertitel, indem er einen Knopf drückt. Nach diesem Prozess wird von dem Untertitler die Übersetzung in die Segmente eingefügt, die er selbst bestimmt hat. Mithilfe eine Untertitelungssoftware kann man die Untertitel sofort auf dem Bildschirm sehen, desweiteren rechnet sie aus, wie lang so ein Untertitel sein muss, damit man es schafft, diesen in dem gespotteten Zeitabschnitt vollständig zu erfassen. Somit ermöglicht die Software dem Untertitler sofort zu sehen, ob der Untertitel so in Ordnung ist oder eventuell geändert werden muss.

Der Prozess wird damit abgeschlossen, dass die fertigen Untertitel entweder an einen Auftraggeber gesendet werden, oder aber selbstständig mit Lasertechnik auf den Film übertragen werden.

[...]


1 vgl. Gottlieb 1998:247

2 vgl. Luyken 1991:106

3 vgl. Dries 1995:17

4 vgl. Marleau 1982:279

5 vgl. Marleau 1982:275

6 vgl. Becquemont 1996:148

7 vgl. Becquemont 1996:149

8 vgl. Hurt/Widler 1998:261

9 vgl. Gottlieb 1992:164ff.

10 vgl. Gambier 1994:278

11 vgl. Schwarz 2002:10

12 vgl. Gottlieb 1992:165

13 vgl. Nir 1984:84

14 vgl. Nir 1984:84

15 vgl. Gottlieb 1994a:103f.

16 vgl. Gottlieb 1994a:104

17 vgl. Gottlieb 1994a:104

18 vgl. Wildblood 2001:22

19 vgl. Gottlieb 1994a:115

20 vgl. Ivarsson/Carroll 1998:20

21 vgl. Ivarsson/Carroll 1998:66

22 vgl. Gottlieb 1998:247

23 vgl. Gottlieb 1992:162

24 vgl. Gottlieb 2001:13f.

25 vgl. Wildblood 2001:21

26 vgl. Reiß 2000:22

27 Reiß 2000: 23

28 Nir 1984:85

29 vgl. Nir 1984:91

30 vgl. Gottlieb 1992:162f.

31 vgl. Gottlieb 1992:162f.

32 vgl. Reiß 1971:49

33 vgl. Gottlieb 1994a:102

34 vgl. Gottlieb 1994a:102

35 vgl. Gottlieb 1994a:102f.

36 vgl. Nir 1984:83

37 vgl. Gottlieb 1994a:116

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Maschinelle Übersetzung. Besonderheiten bei Übersetzungen von Untertiteln
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,1
Autor
Jahr
2013
Seiten
30
Katalognummer
V925167
ISBN (eBook)
9783346246387
ISBN (Buch)
9783346246394
Sprache
Deutsch
Schlagworte
maschinelle, übersetzung, besonderheiten, übersetzungen, untertiteln
Arbeit zitieren
Yevgeniya Marmer (Autor), 2013, Maschinelle Übersetzung. Besonderheiten bei Übersetzungen von Untertiteln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925167

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