Unsere forschungsleitenden Thesen waren, dass Mitarbeiter Veränderungen auf vielen Ebenen wahrnehmen und, dass die Art und Weise, wie die Veränderung durchgeführt wird, einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg der Veränderung und die Zielerreichung hat.
Welche Rolle spielen die Art der Veränderung, die Führungskräfte und die Emotionen während einer Veränderung?
Wie erleben Mitarbeiter den Veränderungsprozess? Was sollten Führungskräfte während einer Veränderung beachten?
Wie sollte eine Veränderung idealweiser durchgeführt werden, um etwas erfolgreich und dauerhaft zu verändern und ein Ziel zu erreichen?
Um diese Fragen zu beantworten, suchten wir ein Praxisbeispiel in der Arbeitswelt. Wir interviewten zwei Mitarbeiterinnen eines österreichischen Sozialversicherungsträgers, die uns erklärten, wie sie die Umstellung auf ein neues Softwaresystem empfunden hatten. Das Interview half uns dabei, Bereiche, die während einer Veränderung eine große Rolle spielen, zu identifizieren, und die Fragen, die wir uns gestellt hatten, zuerst einmal fallbezogen zu beantworten. Von diesem Fallbeispiel ausgehend überlegten wir uns dann Hypothesen, um verallgemeinerte Annahmen treffen zu können und die Fragen allgemeiner zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Erkenntnisinteressen
1.2. Aufbau
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Art von Veränderungsvorhaben
2.2. Rolle von Führungskräften in Veränderungsprozessen
2.3. Rolle von Emotionen bei Veränderungen
3. Empirie: Veränderung, Führung und Emotionen bei der Einführung einer neuen Software in einem österreichischen Sozialversicherungsträger
3.1. Vorgehen
3.1.1. Erhebung
3.1.2. Auswertung
3.2. Ergebnisse
3.2.1. Ergebnisse im Überblick
3.2.2. Ergebnisse der fallübergreifenden Analyse
3.3. Interpretation der Ergebnisse
3.3.1. Interpretation der Art des Veränderungsvorhabens
3.3.2. Interpretation der Emotionen
3.3.3. Interpretation des Führungsverhaltens
3.4. Resümee empirischer Erhebung
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen eines IT-Veränderungsprozesses innerhalb eines österreichischen Sozialversicherungsträgers auf die Mitarbeiterinnen. Ziel ist es, die Rolle von Kommunikation, Führung und Emotionen während einer solchen Transformation zu verstehen, um verallgemeinerte Erkenntnisse für die Gestaltung zukünftiger Veränderungsvorhaben abzuleiten.
- Analyse der Bedeutung von Kommunikation bei IT-Umstellungen.
- Untersuchung der emotionalen Belastungen der Mitarbeiterinnen.
- Evaluation des Einflusses von direktem Führungsverhalten auf den Projekterfolg.
- Identifikation von Erfolgsfaktoren für eine reibungslose Veränderung.
- Vergleich theoretischer Change-Management-Ansätze mit praktischen Erfahrungen.
Auszug aus dem Buch
2.1. Art von Veränderungsvorhaben
Man unterscheidet in der Literatur oft zwischen zwei Arten von Veränderungen: der episodischen Veränderung und der kontinuierlichen Veränderung.
Episodische Veränderungen erfolgen, wie der Name schon sagt, nicht durchgehend sondern nur sporadisch und unstetig. Diese Art von Veränderung ist gut überlegt und passiert absichtlich.¹ Wie sich erkennen lässt, handelt es sich bei der episodischen Veränderung also um lineare und zielgerichtete Prozesse.² Episodische Veränderungen werden mitunter als störend wahrgenommen, weil es zu einer kompletten Erneuerung statt bloßen Anpassung der Programme kommt. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass diese Veränderung auf höherer Ebene initiiert wird. Der Auslöser für die Veränderung ist ein Ungleichgewichtszustand.³
Die Störung kann sowohl interne als auch externe Ursachen, wie Veränderungen in der Technologie, haben. Dieses Ungleichgewicht resultiert aus einer wachsenden Differenz zwischen der Tiefenstruktur eines Unternehmens und der Nachfrage beziehungsweise Anforderung der Umwelt. ⁴
Um wieder einen Gleichgewichtszustand zu erreichen, werden Strategien und Strukturen erfolgreicher Unternehmen imitiert. Veränderungen, und damit Neuerungen, sind in diesem Modell dann notwendig, wenn Abhängigkeiten, Feedback oder Gedanken zu Trägheit führen. Trägheit bezeichnet hierbei die Unfähigkeit sich schnell an veränderte Umweltbedingungen anzupassen und resultiert aus vergangenen Erfolgen, die überbewertet werden. Aufgrund dessen werden Signale, die eine Veränderung vorschlagen, ignoriert, die Anpassung erfolgt immer schlechter und es bestehen Tendenzen zu extremer Risikobereitschaft und Konservatismus. Es gibt jedoch neben Trägheit noch weitere Auslöser für eine Veränderung: Umwelt, Leistung, Eigenschaften des Top Managements, Struktur und Strategie. Im Zuge der episodischen Veränderung muss definiert werden, was genau verändert/abgelöst werden soll und wie die Ablöse/Neuerung aussehen soll.⁵
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die forschungsleitenden Thesen zur Bedeutung der Veränderungsgestaltung für den Erfolg und erläutert den groben Aufbau der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Faktoren wie die Art der Veränderung, die Rolle der Führung sowie der Einfluss von Emotionen auf Basis der Fachliteratur beleuchtet.
3. Empirie: Veränderung, Führung und Emotionen bei der Einführung einer neuen Software in einem österreichischen Sozialversicherungsträger: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung sowie die Auswertung und Interpretation der geführten Interviews.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das Kapitel fasst die wichtigsten Erkenntnisse über die Bedeutung von Führung, Kommunikation und Zeitmanagement bei Veränderungsprozessen zusammen.
Schlüsselwörter
Change Management, Führung, Emotionen, Veränderungsprozesse, Sozialversicherung, IT-Umstellung, Mitarbeiterzufriedenheit, Kommunikation, Episodische Veränderung, Führungskultur, Empirische Untersuchung, Qualitative Inhaltsanalyse, Change Agent, Unternehmenskultur, Organisationsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit?
Die Arbeit analysiert am Beispiel eines österreichischen Sozialversicherungsträgers, wie sich die Einführung eines neuen Softwaresystems auf die Mitarbeiterinnen auswirkt und welche Rolle dabei die Führungskräfte spielen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Untersuchung fokussiert sich primär auf die Auswirkungen von Veränderungsprozessen, das Führungsverhalten der verschiedenen Ebenen sowie die emotionalen Reaktionen der Belegschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Erfolgsfaktoren für eine effektive Veränderung zu identifizieren und daraus Handlungsempfehlungen für zukünftige Change-Management-Prozesse abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, wobei Daten aus einem gemeinsamen Experteninterview ausgewertet und mit bestehender Fachliteratur verknüpft werden.
Was sind die Schwerpunkte des Hauptteils?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Konzepte (wie episodische vs. kontinuierliche Veränderung) vorgestellt als auch die praktischen Ergebnisse des Interviews strukturiert interpretiert.
Was charakterisiert die in der Arbeit genannten Schlüsselwörter?
Die Keywords spiegeln die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Dynamik von organisatorischen Veränderungen und der zentralen Bedeutung einer unterstützenden Führungsebene wider.
Warum wurde die direkte Führungskraft von den Befragten positiv hervorgehoben?
Die unmittelbare Führungskraft wurde als emotionale Stütze und "Fels in der Brandung" wahrgenommen, da sie stets für Fragen zur Verfügung stand und durch Fachwissen sowie Geduld Sicherheit vermittelte.
Welche Kritik äußerten die Mitarbeiterinnen am Top-Management?
Das Top-Management wurde als wenig präsent empfunden; es gab kaum direkten Kontakt, was zu Unklarheiten und einem mangelnden Gefühl der Wertschätzung während der Umstellungsphase führte.
Inwiefern beeinflusste die Zeitplanung den Veränderungsprozess?
Die knappe Vorbereitungszeit und der Zeitdruck wurden als belastend empfunden, wobei die Mitarbeiterinnen betonten, dass mehr Zeit für Schulungen und Praxisübungen den Prozess deutlich erleichtert hätte.
- Citation du texte
- Katharina Feigl (Auteur), Patrick Hollerer (Auteur), Christoph von Aufschnaiter (Auteur), Marco Winkler (Auteur), 2016, Forschungsbericht über Veränderungsprozesse am Fallbeispiel eines österreichischen Sozialversicherungsträgers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925376