Missmanagement der Finanzpolitik. Die Achillesferse Griechenlands

Kann Griechenland seine schlechte Steuerpolitik überwinden?


Ausarbeitung, 2019

17 Seiten, Note: 1,50


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Griechenlands Fehler
2.1. Staatsausgaben
2.2. Inflationsrate
2.3. Steuern
2.4. Arbeitslosigkeit und Produktion
2.5. Staatsbetriebe
2.6. Faule Kredite
2.7. Kapitalflucht

3. Lösungsansätze für Griechenland
3.1. Staatsausgaben senken und Staatseinnahmen erhöhen
3.2. Löhne, Steuern und Arbeitslosigkeit
3.3. Standortattraktivität

4. Wie soll es nun weitergehen?

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Griechenlands Wirtschaft erholt sich und im ersten Halbjahr von 2018 konnte ein Wirtschaftswachstum von 2,2 % anhand des BIPs gemessen werden. Verglichen dazu waren es im Jahr 2017 1,3 % und zwei Jahre davor stagnierte es. Sowohl Importe als auch Exporte stiegen an, Arbeitslosigkeit sank und der Tourismus erhöhte sich. Dennoch hat Griechenland doppelt so hohe Staatsschulden wie im EU-Durchschnitt. Die Arbeitslosigkeit ist zwar deutlich geringer als vor einigen Jahren mit etwas weniger als 21%, dennoch ist der Anteil sehr hoch (WKO 2018; dw.com 2018; Spiegel 2018).

Seit 2010 erhält Griechenland Kredite von Europartnern und dem Internationalen Währungsfonds. Das dritte und letzte Hilfsprogramm ist im August 2018 ausgelaufen. Es besteht die Hoffnung, das Griechenland sich bald selbstständig Geld vom Kapitalmarkt leihen kann, das Wirtschaftswachstum ansteigt und Griechenland seine Schulden bezahlen kann (Spiegel 2018).

Daraus ergibt sich folgende Frage: Kann Griechenland seine schlechte Steuerpolitik, seine Achillesferse, überwinden? Welche Entscheidungen muss Alexis Tsipras treffen, um die Steuerpolitik wieder in Ordnung zu bringen?

In der vorliegenden Arbeit werden die Fehler von Griechenland sowie Lösungsansätze für die Zukunft beschrieben.

2. Griechenlands Fehler

Griechenland hat in der Vergangenheit viele Fehler gemacht und steht nun vor der Herausforderung, viele dadurch entstandenen Probleme lösen zu müssen. In Folge werden daher die bisher größten Fehler des Landes vorgestellt, die teils in Zusammenhang mit der expansiven Fiskalpolitik Griechenlands stehen.

2.1. Staatsausgaben

Das derzeitige Hauptproblem ist, dass Griechenland durch drei EU-Hilfsprogramme bereits viel Geld bekommen hat, dieses jedoch nicht sinnvoll einsetzt: Die europäischen Hilfsgelder wurden damals wie heute vorwiegend für die Aufrechterhaltung der Staatsausgaben sowie die Begleichung der Schulden bei ausländischen Investoren genutzt (Jayakumar 2017, 5). Zudem finanzierte man mit den billigen Krediten die Importe. Die Gläubiger erwarteten sich dabei Sparmaßnahmen und sinnvolle Investitionen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands (Jayakumar 2017, 6). 2016 verkündete Alexis Tsipras außerdem die Verteilung von einem Weihnachtsbonus an die Pensionisten mit einem niedrigen Einkommen – was die Regierung 617 Millionen Euro kostete (Jayakumar 2017, 1). Tsipras kündigte zudem an, Löhne und Pensionen erhöhen und Steuern senken zu wollen (Jayakumar 2017, 8) – dies passiert über die Staatsausgaben. Eine Erhöhung der Staatsausgaben verschiebt die IS-Kurve im IS-LM-Modell nach rechts. Dies würde zu einem höheren Zinssatz in Griechenland führen (Mankiw 2011, 381ff.). Da es in der EU jedoch einen Leitzinssatz gibt, muss sich der Zinssatz Griechenlands an diesem orientieren (Arbeitsgemeinschaft Finanzen o.J.). Der Leitzinssatz der EZB liegt derzeit bei 0% (finanzen.net 2018). Folglich muss die griechische Zentralbank die Geldmenge erhöhen, damit der Zinssatz gleichbleibt. Die LM-Kurve verschiebt sich dabei nach rechts und der neue Schnittpunkt der IS-Kurve mit der LM-Kurve liegt nun auch weiter rechts: Der Zinssatz bleibt gleich, während sich das Einkommen erhöht (Mankiw 2011 388f.). Mittelfristig führt ein Geldmengenwachstum somit zu Inflation (Blanchard & Illing 2004, 747). Die Staatsausagaben sollten daher nur vorübergehend erhöht werden, da eine dauerhafte Erhöhung die Staatsverschuldung steigen lässt und zu Inflation führt.

Griechenland steht derzeit mit seiner expansiven Geldpolitik auch vor dem Problem, immer größere Schwierigkeiten zu haben, neue Geldgeber zu finden. Besser wäre jedenfalls eine antizyklische Geldpolitik: In wirtschaftlich schwachen Zeiten würden die Staatsausgaben erhöht werden, um so den Konsum zu fördern. In wirtschaftlich starken Zeiten sollte der Staat dann aber Geld sparen, um so genug für höhere Staatsausgaben in schwachen Zeiten zu haben, ohne sich dabei hoch verschulden zu müssen.

2.2. Inflationsrate

Griechenlands Inflationsrate hat von 2008 bis heute sehr viele und starke Schwankungen erfahren. In den Jahren 2013-2015 kam es in Griechenland beispielsweise zu einer Deflation (Statista 2018a). Bei einer Deflation wird das Geld aufgewertet und VerbraucherInnen können sich mehr leisten. Jedoch: Die KonsumentInnen warten darauf, dass sie sich später noch mehr mit dem Geld leisten können. Die Nachfrage sinkt, es entsteht ein Warenüberangebot und die Unternehmen verlieren Umsätze. Wegen der Absatzverluste müssen sie dann MitarbeiterInnen entlassen. Arbeitslose Menschen können sich dann aber erst recht weniger leisten, weshalb die Güternachfrage weiter sinkt. Dem Staat entgehen in so einem Prozess Steuereinnahmen und er kann – theoretisch – weniger investieren (financescout24 2017). Die Inflationsrate wird für das Jahr 2018 auf 0,7% geschätzt und ist somit niedriger als im Vorjahr, wo sie 1,14% betrug (Statista 2018a). Prinzipiell ist das gut, da es so zu fast keiner Geldentwertung kommt und die Preise für Güter im Wesentlichen nicht steigen. Jedoch drohen bei einer sinkenden Inflationsrate auch Gefahren: Können sich die Menschen bei fallenden Preisen zunächst mehr leisten, werden Einkäufe in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise verschoben. Wie bei der Deflation, machen Unternehmen so weniger Gewinn und MitarbeiterInnen werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten, wodurch der Druck auf weitere Preissenkungen zunimmt. Folglich wird die Konjunktur geschwächt, Steuereinnahmen sinken und die Belastungen durch Schulden sowie Sozialleistungen nehmen zu (Stern 2014).

Mit höheren Staatsausgaben erhöht sich das Geldangebot. Griechenland hatte in der Vergangenheit hohe Staatsausgaben und wie in Kapitel 2.1. beschrieben, würde Tsipras das auch gerne weiter tun. In dem Ausmaß, in dem das Geldangebot zunimmt, wachsen aber auch die Inflationsrate und der Nominalzinssatz. Diese Eins-zu-Eins-Beziehung zwischen der Inflationsrate und dem Nominalzinssatz nennt man Fisher-Effekt (Mankiw 2011, 120). Dies hat eine Verringerung der Realkasse zur Folge, wodurch die Menschen öfters auf die Bank gehen müssen, um Geld zu beheben. Man bezeichnet diesen Nachteil als Shoeleather Costs. Ein zweiter Nachteil trägt den Namen Menu Costs, da Unternehmen aufgrund hoher Inflationsraten ihre Preise neu auszeichnen müssen und so beispielsweise neue Kataloge gedruckt und verteilt werden müssen. Ein weiteres Problem ergibt sich aus den Steuervorschriften, die Inflationseffekte ignorieren: Dadurch kommt es zu höheren steuerlichen Gewinnen, die de facto keine echten Gewinne sondern bloß ein Resultat der Preisanpassung an die Inflation sind, damit das Unternehmen eben nicht weniger echte Gewinne macht. Letztlich erschwert das sich ändernde Preisniveau auch die Finanzplanung, weil alle Haushalte vor der Frage stehen, welcher Teil des Einkommens heute konsumiert werden soll und welcher Teil für das Alter gespart werden soll (Mankiw 2011, 128f.). Betrachtet man nun die griechische Inflationsrate von der Wirtschaftskrise 2008 bis heute 2018, so erkennt man, dass es über die Jahre hinweg insgesamt mehr zu einer Geldentwertung als -aufwertung kam. Vor allem die Jahre 2008, 2010 und 2011 waren von einer hohen Inflation geprägt (Statista 2018a). Diese hohe Inflation war für die GriechInnen besonders unangenehm, da Giorgos Papandreou in seiner Regierungszeit (2009-2011) angekündigt hatte, die Löhne im öffentlichen Sektor sowie die Pensionen jedenfalls für die nächsten drei Jahre nicht erhöhen zu wollen (Jayakumar 2017, 6). Für den Staat Griechenland ist eine Inflation dahingehend gut, weil bestehende Schulden bei den Gläubigern an Wert verlieren. Anderseits macht die Inflation die Produkte für die Bevölkerung teurer – und hat damit negative Effekte auf den Konsum, da Güter schwerer leistbar werden. Demzufolge würden die Gewinne der Unternehmen sinken, da die Produktnachfrage wegen der Verteuerung zurückgeht. Folglich würde auch das zu einer Entlassung der MitarbeiterInnen führen, da die Absatzzahlen sinken. Zudem ist eine hohe Inflation für Sparer schlecht, da bei schnell steigenden Preisen ihre Geldanlagen umso höher verzinst werden müssen, um einen Wertverlust ihres Geldes vorzubeugen (Stern 2014). Aktuell ist die Inflation zwar niedrig, liegt aber über dem Leitzinssatz von 0% im Euroraum, wodurch kein Geld mit Sparbüchern erwirtschaftet werden kann (finanzen.net 2018).

Ideal wären daher stabile Preise, um einer Verteuerung und Geldentwertung oder der Spekulation auf fallende Preise vorzubeugen, sowie einer Lohnanpassung gemäß der Inflation oder Deflation. Vorhersehbare Preisniveaus würden auch die Frage, wieviel vom Einkommen gespart werden soll, erleichtern (Mankiw 2011, 129).

2.3. Steuern

Griechenland hat in den letzten Jahren die Steuern stark erhöht: Zuerst erfolgte eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 21% auf 23% (Jayakumar 2017, 6), die inzwischen auf 24% erhöht worden ist (Der Tagesspiegel 2018a). Des Weiteren wurde eine Steuer von 90% auf den Bonus der Privatbankiers erhoben sowie erhöhte Steuern auf Tabak, Alkohol (Jayakumar 2017, 6), Mineralöl und Kraftfahrzeuge. Das Einkommen der Spitzenverdiener wird nun mit 45% und Unternehmensgewinne mit 29% versteuert (Der Tagesspiegel 2018a).

Steuern dienen dem Staat dazu, Einnahmen zu generieren. Die Unternehmen und die Bevölkerung treffen solche Steuererhöhungen dabei relativ hart: Die BürgerInnen können sich mit ihrem Einkommen weniger Produkte leisten, da die Steuern sie teurer machen. Dies beruht auf der Konsumfunktion, die besagt, dass der Konsum vom verfügbaren Einkommen abhängt, das wiederum durch die Steuern verringert wird (Mankiw 2011, 369). Für Unternehmen bedeutet das einen Umsatz- und Gewinnrückgang, was sich durch die hohe Steuer auf Unternehmensgewinne verstärkt. Folglich müssen Arbeitskräfte entlassen werden, was die Arbeitslosigkeit nach oben treibt. Demzufolge ist Griechenland mit seiner Steuerpolitik kein attraktiver Wirtschaftsstandort. Solange Griechenland seine expansive Geldpolitik daher nicht zurückfährt und die Steuereinnahmen sinnvoll verwendet, gehen die Steuern nur zu Lasten des Volkes und der Wirtschaft, ohne nachhaltige positive Wirkungen für das Land zu haben.

2.4. Arbeitslosigkeit und Produktion

Die Arbeitslosenquote in Griechenland befand sich im Jahr 2013 mit 27,48% auf einem Rekordhoch (Statista 2018b). Besonders stark betroffen waren Personen im Alter von 25 Jahren und jünger, die 60% der Arbeitslosen ausmachten (Jayakumar 2017, 7). Für 2018 wird die Arbeitslosenquote auf 19,83% geschätzt (Statista 2018b). Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im EU-Raum betrug im Oktober 2018 im Vergleich dazu 8,1% (Statista 2018c).

Während beschäftigte ArbeitnehmerInnen zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen beitragen, führt ein Anstieg der Arbeitslosenquote zu einer Abnahme des realen Inlandsprodukts, da Arbeitslose nichts produzieren. Diese negative Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und dem BIP bezeichnet man als Okunsches Gesetz (Mankiw 2011, 332ff.). Die Industrieproduktion ist im Vergleich zum Vorjahr auch um 24% gefallen und befindet sich nun auf dem Niveau von 1994. Erschwerend kommt hinzu, dass die Einkommen auf den Stand von 2003 gefallen sind und 40% der GriechInnen – eben auch wegen der hohen Arbeitslosigkeit und den damit verbundenen Einkommensverlusten – von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind (Telepolis 2018). Arbeitslose und Armutsgefährdete haben dabei aber weniger Einkommen zum Konsumieren. Dies lässt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zurückgehen, was sinkende Einnahmen für die Unternehmen bedeutet, die dann noch mehr Menschen entlassen müssen.

Nachdem so viele Jugendliche von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, haben in den letzten Jahren rund 300.000 junge und zumeist (hoch-)qualifizierte Menschen das Land verlassen, welche beim Aufbau Griechenlands fehlen werden (Telepolis 2018).

Mit der hohen Arbeitslosigkeit, einer sinkenden Industrieproduktion und einer Abwanderung junger, qualifizierter Arbeitskräfte wird es der griechischen Volkswirtschaft auch in Zukunft nicht möglich sein, die Schulden zu begleichen.

2.5. Staatsbetriebe

Bis 1990 kontrollierte der griechische Staat 75% des Betriebsvermögens in Griechenland. Die Politik bot folglich viele Jobs im öffentlichen Sektor an, handelte großzügige Löhne sowie Pensionsvereinbarungen in diesem Sektor aus und garantierte den öffentlichen Unternehmen Subventionen. Die Staatsausgaben waren enorm und dienten dazu, die eigene Wiederwahl zu garantieren. Verschlimmernd kam hinzu, dass die Regierung für die Kredite privater und öffentlicher Unternehmen garantierte. Wenn diese Unternehmen nun nicht erfolgreich waren, nahm der Staat die Kredite auf und weitete so sein Geldangebot um 7-9% aus.

Da die öffentliche Hand die Kredite der Unternehmen stütze, war der Anreiz, produktiv und wettbewerbsfähig zu sein, gering. Vor allem der hohe Anteil an Staatsunternehmen war ein gravierender Fehler: Während private Unternehmen um Kunden werben und den Kapitalgebern eine Verzinsung bieten müssen, sind Staatsunternehmen träge und mangels Kostenbewusstsein nicht auf die Wettbewerbsfähigkeit fokussiert. Stattdessen stehen sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze für die MitarbeiterInnen im Vordergrund. Geht dem Staat dann das Geld aus, erhöht er einfach die Steuern (Frankfurter Allgemeine Zeitung 2008).

Griechenland hat daher in den letzten Jahren versucht staatliche Unternehmen zu privatisieren, was jedoch für ziemliche Schlagzeilen gesorgt hat: Proteste und Klagen gab es beispielsweise wegen der geplanten Privatisierung der Wasserbetriebe von Thessaloniki und Athen. Das oberste Gericht Griechenlands hat dieses Vorhaben letztendlich unterbunden, weil die Wasserversorgung als unantastbares öffentliches Gut gesehen wird. Nichtsdestotrotz stehen einige wichtige Energieunternehmen wie Griechenlands Stromversorger PPC und der Gasbetreiber Depa zumindest teilweise zum Verkauf. Zudem interessiert sich Russland für die Bahngesellschaft Trainose und China für das Schienennetz. China ist dabei mit Cosco schon in Griechenlands Hafengeschäft eingestiegen, da nämlich Teile des Containerhafens in Piräus privatisiert worden sind und nun 35 Jahre lang von Cosco betrieben werden (Zeit Online 2015).

2.6. Faule Kredite

Die faulen Kredite – also Kredite, die seit über 90 Tagen nicht mehr bedient werden – beliefen sich 2016 auf 119 Billionen Dollar und machten 45% der Kredite Griechenlands aus (Jayakumar 2017, 8). Inzwischen belaufen sich non-performing loans (NPLs) auf 48,5% aller Kredite. Im ersten Quartal 2018 setzten sich diese 48,5% aus rund 43,9% notleidenden Immobilienkrediten, 57,2% notleidenden Konsumentenkrediten und 49,6% notleidenden Unternehmenskrediten zusammen. Im Vergleich dazu sind es in Deutschland gerade einmal 2,5% (Telepolis 2018).

Griechenland muss dabei einen Weg finden, um die notleidenden Kredite aus den Büchern der Banken zu entfernen – möglicherweise auch außergerichtlich – sodass die Banken Darlehen an gesunde Unternehmen vergeben können (Economides 2017).

2.7. Kapitalflucht

Eine hohe Abgabenlast, Vermeidung und Hinterziehung von Steuern und eine inländische Niedrigzinspolitik sind nur einige Gründe, warum Länder von Kapitalflucht betroffen sind (Gabler Wirtschaftslexikon o.J.). Griechenland ist ein Land, dass in den letzten Jahren vermehrt von Kapitalflucht betroffen war – vor allem wegen der Unsicherheit über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands und den Verbleib des Landes in der Währungsunion (Frankfurter Allgemeine Zeitung 2015). Ein weiterer Grund für die Kapitalflucht könnte die Angst sein, dass durch die ständige Erhöhung und Neueinführung von Steuern zukünftig auch das Kapital von diesem Trend betroffen sein könnten. 2015 führte Tsipras daher eine Kapitalverkehrskontrolle ein, die die Barbehebungen auf 60 Euro pro Tag limitierte (Jayakumar 2017, 8). Zusätzlich wurden Zahlungen und Überweisungen ins Ausland untersagt. In der Vergangenheit haben viele Länder solchen Maßnahmen ergriffen, um ihre Einnahmen zu erhöhen, die Währung zu stützen und die Zinsen zu drücken. Der IWF stellte aber fest, dass es nur den wenigsten gelang, die Kapitalflucht zu stoppen. Hinzu kommt, dass aus Griechenland bereits viel Geld abgeflossen ist, wodurch die Maßnahme zu spät kommen könnte. Ein viel größeres Problem ist demnach das Ausbleiben von Kapitalzuflüssen, das ausländische Investoren Länder wie Griechenland meiden, aus denen man Erträge nicht wieder zurückholen kann (DAS INVESTMENT 2015).

3. Lösungsansätze für Griechenland

Nachdem bereits wesentliche Probleme der bisherigen griechischen Fiskalpolitik diskutiert und auch einige Lösungsvorschläge angeschnitten wurden, sollen nun weitere konkrete Empfehlungen für Griechenland abgegeben werden.

3.1. Staatsausgaben senken und Staatseinnahmen erhöhen

Im Bereich der Staatsausgaben hat Griechenland ein wesentliches Problem: die Vetternwirtschaft. Die Einstellungspolitik im öffentlichen Sektor bleibt der größte Skandal in Griechenland. Jahrelang war bei der Einstellung die Loyalität wichtiger als die Leistung, weshalb Parteigänger in Griechenland mit Beamtenposten belohnt wurden. Unter dem Stichwort Rousfeti (Gefälligkeit) wurden Wahlhelfer von Abgeordneten, Bürgermeistern, Präfekten und Gemeindevorstehern mit Jobs – inklusive Frührentengarantie – versorgt. Mit der damit verbundenen künstlichen Schaffung von Arbeitsplätzen wurde der griechische Staat unglaublich bürokratisch, undurchsichtig und ineffizient. Der durch Vetternwirtschaft aufgeblähte öffentliche Dienst in Griechenland ist demzufolge ein riesiges Problem: Rund ein Viertel aller Beschäftigten – also etwa eine Million Menschen – arbeitet beim Staat, während in Deutschland beispielsweise nur jeder Siebte im Staatsdienst beschäftigt ist. Dies geht mit unglaublichen Kosten und einer Verschwendung von Haushaltsmitteln einher (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg 2018). Es gilt daher den griechischen Staat zu entbürokratisieren, indem die Posten mit richtigem sowie kompetentem Personal besetzt werden und unnötige Stellen aufgelassen werden. Griechenlands Regierung muss daher die Struktur des Staates verändern und weitere Sparmaßnahmen setzen.

Bezüglich der Staatseinnahmen ist zu sagen, dass die Steuerhinterziehung in Griechenland seit jeher üblich und ein großes Problem war, da dem Staat etwa ein Drittel der jährlichen Steuereinnahmen entging. Mit der Registrierkassenpflicht wurde hier der erste richtige Schritt zur Vermeidung der Steuerhinterziehung gesetzt. Trotz allem muss Griechenland weiter daran arbeiten, ein rundum funktionierendes Steuer- und Finanzsystem zu haben (Der Tagesspiegel 2018a), da die Schattenwirtschaft in Griechenland boomt. Jeder vierte Euro wird schwarz erwirtschaftet, was ein europäischer Spitzenwert ist. Dem griechischen Staat gehen so jährlich mehr als 30 Milliarden Euro an Steuereinnahmen verloren. 2016 stiegen die rechtskräftigen Steuerschulden in Griechenland auf 85 Milliarden Euro, was etwa der Hälfte der derzeitigen griechischen Wirtschaftsleistung entspricht. Rund 6.000 juristische Personen wie Aktiengesellschaften und GmbHs haben dabei weitere 30 Milliarden Steuerschulden, wobei alleine die Griechischen Staatsbahnen (OSE) rund 1,6 Milliarden Euro Steuerschulden vorweisen. Mit der erhöhten Mineralölsteuer nahm zudem der Benzinschmuggel deutlich zu, wodurch Griechenlands Staatskasse ein Vermögen durch illegalen Kraftstoffhandel und Spritpanscherei verliert. Für das Jahr 2018 wird ein Umfang der Schattenwirtschaft in Griechenland von 21% des offiziellen Bruttoinlandsprodukts prognostiziert (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg 2018).

Der griechische Staat muss daher seine Kontrollmaßnahmen zur Verringerung der Steuerhinterziehungsmöglichkeiten verstärken und härtere Strafen für Steuerhinterziehungen einführen, um diese so unattraktiv wie nur möglich zu machen. Staatsunternehmen wie die OSE müssen zudem wettbewerbsfähiger gemacht werden, indem man sie zumindest teilprivatisiert. Der Staat sollte hier aber aufpassen, keine allzu wichtigen Versorgungsunternehmen zu privatisieren, um die kostengünstige Basisversorgung der Bevölkerung – wie beispielsweise Wasser – nicht zu gefährden. Zudem scheint es gefährlich, wenn Investoren aus einem Land zu viel Kontrolle über ein anderes erwerben, da sich Griechenland damit abhängig und erpressbar macht. Konkret bedeutet das, dass Griechenaland vor China gewarnt sein sollte, das bereits Kontrolle über den Hafen in Piräus hat und nun am griechischen Schienennetz interessiert ist. Die griechische Regierung sollte daher darauf achten, dass es sich um möglichst unterschiedliche Investoren aus verschiedenen Ländern handelt, um den Machteinfluss gering zu halten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Missmanagement der Finanzpolitik. Die Achillesferse Griechenlands
Untertitel
Kann Griechenland seine schlechte Steuerpolitik überwinden?
Hochschule
Fachhochschule Wiener Neustadt
Note
1,50
Autoren
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V925394
ISBN (eBook)
9783346251398
ISBN (Buch)
9783346251404
Sprache
Deutsch
Schlagworte
missmanagement, finanzpolitik, achillesferse, griechenlands, kann, griechenland, steuerpolitik
Arbeit zitieren
BSc (WU) M.A. Katharina Feigl (Autor)Maria Pulay (Autor)Marlene Reumann (Autor)Julia Stumpf-Fekete (Autor), 2019, Missmanagement der Finanzpolitik. Die Achillesferse Griechenlands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925394

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