Mit dieser Arbeit möchte die Autorin dazu beitragen zu ermitteln, welche individuelle subjektive Wirksamkeit besteht, nachdem ältere Menschen an einem Achtsamkeitskurs teilgenommen haben. Aus diesem Grund widmet sie sich diese Arbeit der Fragestellung welche persönlichen Erfahrungen sie mit der Integration ihrer Achtsamkeitspraxis in ihrem Lebensalltag machen. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Im ersten theoretischen Teil wird auf das Vorhandensein des Alters, der Altersprozesse, den demographischen Alterungsprozess und die Neurogenese eingegangen, da die vorliegende Arbeit ältere Menschen in einem Seniorenzentrum untersucht.
Des Weiteren wird das Konzept der Achtsamkeit genauer dargestellt. Es geht dabei um eine möglichst präzise Annäherung, als was Achtsamkeit verstanden werden kann. Möglich wird dies über die Betrachtung seiner ursprünglichen Bedeutung im Buddhismus, seiner Anwendung in der Psychotherapie und über die wissenschaftlichen Definitionsansätze, die feststellen, um was es sich bei dem Achtsamkeitskonzept aus psychologischer Sicht handelt. Neben Definitionsversuchen wird ein Überblick über aktuelle Meditationstechniken, Achtsamkeitsmeditation als psychologische Intervention, Meditation im Alter und die Ergebnisse des bisherigen Forschungsstandes in Bezug auf die Wirksamkeit, vorgestellt. Nach Erläuterung der konkreten Fragestellungen widmet sich der zweite, empirische Teil der Arbeit der Beschreibung der Stichprobe, der verwendeten Erhebungsinstrumente sowie der Darstellung des Studienablaufes. Anschließend werden die Ergebnisse in Bezug auf die jeweilige Fragestellung dargestellt und näher erläutert.
Die Interventionsgerontologie geht davon aus, dass die Abbauprozesse, die mit dem Alter einhergehen durch überlegte Maßnahmen positiv zu beeinflussen sind. Sie vertritt die Annahme, dass ältere Menschen grundsätzlich Entwicklungsfähig sind. Einen vielversprechenden Ansatz stellen achtsamkeitsbasierte Interventionen dar, deren vordergründiges Ziel die Vermittlung einer absichtsvollen und nicht wertenden Wahrnehmung des augenblicklichen Moments ist. Die Autorin, die an einem MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction) Kurs nach Jon Kabat-Zinn teilgenommen und subjektive innere Veränderungsprozesse wahrgenommen hat, kommt zu der Überlegung: Warum sollte die Auswirkung der Achtsamkeit älteren Menschen über 60 Jahren vorenthalten werden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Alter und Alterungsprozess: Eine Begriffsbestimmung
3 Alterstheorien
3.1 Das Phasenmodell von Havighurst
3.2 Das Modell des „gelingenden Alterns“
4 Neurowissenschaften und der Alterungsprozess
4.1 Neurogenese: „Die Zukunft im Alterungsprozess?“
4.2 Adulte Neurogenese und Neuroplastizität - Kompetenzen fördern
5 Das Konstrukt der Achtsamkeit (Mindfulness)- Buddhistische Konzepte
5.1 Die Vier Edlen Wahrheiten
6 Zum Gegenstand der Meditation
6.1 Begriffsbestimmung der Meditation
7 Achtsamkeitsmeditation als Intervention
7.1 Begriffsbestimmung der Achtsamkeit
7.2 Achtsamkeitsmeditation
8 Wirksamkeit achtsamkeitsbasierter Interventionen
8.1 Wirkmechanismen
8.2 Bisherige Ergebnisse zur Wirksamkeit achtsamkeitsbasierter Interventionen bei älteren Personen
9 Die Fragestellung
10 Methodik
10.1 Forschungsansatz
10.2 Datenerhebung: Das Leitfadeninterview
10.3 Datenauswertung nach der Grounded Theory
10.4 Gütekriterien qualitativer Forschung
11 Ergebnisdarstellung
11.1 Vorstellung der Interviewpartner
11.2 Das Kategorienschema – Achsenkategorie
11.3 Darlegung der Achsenkategorien - Ergebnisdarstellung der Kategorien
12 Diskussion und Zusammenfassung
13 Abschließende Gedanken
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht explorativ die subjektiv wahrgenommene Wirksamkeit von Achtsamkeitsmeditation bei Bewohnern über 60 Jahren in einem Senioren-Zentrum. Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die Integration einer Achtsamkeitspraxis in den Lebensalltag von Senioren gelingen kann und welche persönlichen Erfahrungen sie dabei machen, um Anknüpfungspunkte für künftige Konzepte zum erfolgreichen Altern zu identifizieren.
- Grundlagen der Alters- und Alterungstheorien sowie deren Relevanz für Interventionen.
- Neurowissenschaftliche Perspektiven auf Neurogenese und Neuroplastizität im Alter.
- Buddhistische Ursprünge und psychologische Konzepte der Achtsamkeit (Mindfulness).
- Empirische Untersuchung mittels Leitfadeninterviews und qualitativer Auswertung nach der Grounded Theory.
- Ableitung von Handlungsstrategien und Konsequenzen für die Praxis im Seniorenheim.
Auszug aus dem Buch
11.3.6.1 Einen Raum des kritischen Nachdenkens schaffen
Achtsamkeit geht vielfach mit dem Beobachten der Gedanken daher. Dabei nimmt eine Person wahr, was sie denkt. Daraus lässt sich ableiten, dass sie sich ihrer Gedanken, egal ob positiv oder negativ bewusst wird. Dies hat einen Einfluss auf Emotionen oder Handlungsabläufe. Wenn Handlungsabläufe achtsam erfolgen, wird sichtbar, ob diese Verfahrensabläufe persönlich oder im Austausch mit anderen Personen angenehm oder unangenehm sind. Dies betrifft auch den Umgang mit anderen Menschen.
(…) Ich sage immer, du lernst dich am besten kennen, wenn Du Achtsamkeit lebst, indem du dir bewusst machst, was ist wichtig oder nicht. Das bezieht sich auf alles im Leben. Auf Gegenstände, auf Menschen, auf Gefühle oder auch auf andere Dinge. Es hat immer Auswirkungen auf meinen Seelenfrieden. Beispielsweise mir geht es gut. Wir leben alle im Wohlstand. Ich und meine Frau, die ist 90 Jahre, wir haben die Wohnung im [...] aufgegeben. Wir haben keinen Staubsauger mehr, keine Spülmaschine. Wir haben gar nichts mehr. Im Schrank ein paar Hosen. Und dann ist es fertig. Das hat uns gutgetan, dass wir den ganzen Wohlstandskrempel gar nicht brauchen. Das tut meinem Geist gut. Das macht mich offen. Und ich habe vielmehr Zeit für Dinge, die mir wichtig sind. Und ich beschäftige mich gedanklich nicht mehr mit Dingen, die mir nicht guttun. (Rö.37ff)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Relevanz von Achtsamkeit im Alter und Definition der Forschungsfrage im Kontext der Interventionsgerontologie.
2 Theoretischer Hintergrund: Auseinandersetzung mit verschiedenen Bedeutungen des Alterns als lebenslangen Prozess und Begriffsklärung.
3 Alterstheorien: Überblick über theoretische Modelle zum Altern, von Entwicklungsaufgaben nach Havighurst bis hin zum Modell des gelingenden Alterns.
4 Neurowissenschaften und der Alterungsprozess: Diskussion der Möglichkeiten zur Förderung kognitiver Kompetenzen durch adulte Neurogenese und Neuroplastizität.
5 Das Konstrukt der Achtsamkeit (Mindfulness)- Buddhistische Konzepte: Herleitung des Achtsamkeitsbegriffs aus buddhistischen Lehren, insbesondere den Vier Edlen Wahrheiten.
6 Zum Gegenstand der Meditation: Differenzierung verschiedener Meditationsformen und deren Bedeutung für das innere Fundament.
7 Achtsamkeitsmeditation als Intervention: Definition des Achtsamkeitsbegriffs in der Psychologie und Vorstellung des MBSR-Programms.
8 Wirksamkeit achtsamkeitsbasierter Interventionen: Analyse der Wirkmechanismen von Meditation sowie der aktuellen Studienlage zur Wirksamkeit bei Senioren.
9 Die Fragestellung: Konkretisierung der explorativen Untersuchung im Senioren-Zentrum Simmern.
10 Methodik: Detaillierte Beschreibung des qualitativen Forschungsansatzes, des Studienablaufs und der Anwendung der Grounded Theory.
11 Ergebnisdarstellung: Qualitative Analyse der Interviewdaten und Kategorisierung der Erfahrungen der Studienteilnehmer.
12 Diskussion und Zusammenfassung: Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund bestehender Theorien und Ausblick auf die Bedeutung für die Praxis.
13 Abschließende Gedanken: Fazit der Autorin und Empfehlungen für künftige Kurse in der Seniorenarbeit.
Schlüsselwörter
Achtsamkeit, Mindfulness, Seniorenalter, Alterspsychologie, MBSR, Neurogenese, Neuroplastizität, Meditation, Interventionsgerontologie, Qualitative Forschung, Grounded Theory, Lebensqualität, Altern, psychische Gesundheit, Selbstwahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die subjektiven Erfahrungen und die wahrgenommene Wirksamkeit von Achtsamkeitsmeditation bei Menschen über 60 Jahren, die in einem Seniorenheim leben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Alterstheorien, neurowissenschaftliche Aspekte wie Neurogenese, buddhistische Grundlagen der Achtsamkeit sowie deren Anwendung als psychologische Intervention (MBSR).
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, die individuelle subjektive Wirksamkeit der Achtsamkeitspraxis im Alltag der Senioren zu ermitteln, um das Konzept des erfolgreichen Alterns weiter zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet einen qualitativen Forschungsansatz an, nutzt Leitfadeninterviews zur Datenerhebung und wertet diese nach der Methodik der Grounded Theory aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Altern und Achtsamkeit sowie einen empirischen Teil, in dem die Erfahrungen der fünf Interviewteilnehmer im Hildegard von Bingen Senioren-Zentrum Simmern kodiert und kategorisiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Achtsamkeit, Seniorenalter, MBSR, Lebensqualität, Neuroplastizität und qualitative Forschung beschreiben.
Warum wurde das Hildegard von Bingen Senioren-Zentrum Simmern für die Studie ausgewählt?
Dieser Standort diente als praktischer Interventionsort, an dem die Autorin den Achtsamkeitskurs durchführte und so den direkten Zugang zu den Bewohnern für die explorative Studie hatte.
Welche speziellen Wünsche äußerten die Teilnehmer für zukünftige Kurse?
Die Teilnehmer wünschten sich unter anderem eine längere Kursdauer (mehr Sitzungen), kürzere Einzeleinheiten (ca. 60 Minuten) aufgrund ihrer Konzentrationsspanne sowie vereinfachte körperliche Übungen und schriftliche Aufgaben.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Achtsamkeit im Pflegeheim?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Achtsamkeitsmeditation eine wertvolle Ressource für Senioren darstellt, um mit Stress und schwierigen Emotionen gelassener umzugehen und das subjektive Wohlbefinden zu fördern.
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- Bettina Sieber (Author), 2019, Achtsamkeitserfahrung bei Senioren. Die Wirksamkeit der Achtsamkeit bei Menschen über 60 Jahren im "Hildegard von Bingen Senioren-Zentrum Simmern", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925496