Obwohl aktuelle Studien deutlich belegen, dass Bildungsungleichheiten im deutschsprachigen Raum bislang nicht beseitigt werden konnten, gestaltet sich die Suche nach den Ursachen noch schwierig. Vorliegende Arbeit stellt einen Zugang zum Verständnis sozialer Selektionsmechanismen am Beispiel der Titelbildgestaltung der Webseiten dreier Fernschulen dar. Anhand einer hermeneutischen Fotoanalyse konnte die Vorannahme bestätigt werden, dass die verwendeten Fotografien genug Potential besitzen, den Habitus bestimmter Zielgruppen selektiv anzusprechen, wodurch subjektive Wahrnehmungen von Gesellschaftsbildern einen Selbstausschluss bewirken können. Ferner weisen die Ergebnisse darauf hin, dass mit Fotos nicht nur um die Aufmerksamkeit ihrer Betrachter*innen gebuhlt wird, sondern, dass diese Gestaltungselemente aufweisen, welche Abdrängungsmechanismen zu aktivieren vermögen. Die Analyse verdeutlichte, dass aufgrund der Komplexität des Habitus im Bereich der Weiterbildung institutionelle Fremdselektion und individueller Selbstausschluss eng miteinander verwoben sein können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Verdeckte Selektionsmechanismen an Weiterbildungseinrichtungen
2 Hermeneutische Fotoanalyse
3 Welche Schlüsse lassen sich ziehen?
1.1 Bildanalyse Euro-FH
1.2 Bildanalyse Fernfachhochschule Schweiz
1.3 Bildanalyse Studiengemeinschaft Darmstadt
1.4 Globalcharakteristik
1.5 Vergleich mit dem Forschungstand
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer hermeneutischen Bildanalyse, inwiefern die Titelbilder von Webseiten dreier Fernschulen als Instrumente für verdeckte soziale Selektionsmechanismen fungieren und ob sie durch die gezielte Inszenierung von Bildmerkmalen bestimmte Zielgruppen ansprechen oder abdrängen.
- Analyse von Selektionsmechanismen an Weiterbildungseinrichtungen
- Einsatz hermeneutischer Fotoanalyse als Forschungsmethode
- Untersuchung der Signalwirkung von Werbefotografien
- Interpretation von Habitus und Bildungskontext in Werbebildern
- Vergleich der Bildsprache zwischen verschiedenen Fernschulen
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Bilder üben eine faszinierende Kraft aus. Ein einziger Blick genügt und der Bildeindruck ist im Unterbewusstsein verankert. Diese Besonderheit wird häufig zu Werbezwecken genutzt, um durch geschickt platzierte Fotos Aufmerksamkeit wecken und jeweilige Botschaften zu übermitteln. Bilder können Sehnsüchte wecken. Ein*Eine Betrachter*in versetzt sich automatisch in eine abgebildete Person und deren jeweilige Situation, sie sieht sich an Stelle der Objekte und entwickelt einen Wunsch ggf. abgebildete Gegenstände zu besitzen. Wirkmechanismen von Fotos sind bereits Gegenstand umfassender Betrachtungen geworden: sie entfalten ihre Kraft durch „eine unbewußte Ablagerung“ (Bourdieu et al., 2014, S. 179), unabhängig davon, ob der*die Betrachter*in ihnen Beachtung schenkt oder nicht, wirkt eine „automatische Magie der unkontrollierten Erinnerung“ (ebd.).
Die Betrachter*innen „kennen keinen Widerspruch zwischen einem objektivierenden Instrument und der Traumfunktion, deren Erfüllung man von ihm erwartet: "Es ist die Synthese realistischer Bilder, die in den Traum mündet“ (ebd.). Die Werbefotografie ist eine Soziologie, durch welche das Publikum in den Grenzen des Denkbaren zum Träumen gebracht werden kann (vgl. ebd., S. 181). Fotos haben damit genug Potential, im Unterbewusstsein das Handeln zu beeinflussen. Sie bilden nicht nur etwas Gewesenes ab, sondern sind auch konstruiert, wodurch sie etwas über das Ziel ihres*r Autor*in verraten (vgl. Pilarczyk, 2007, S. 221). Es ist „ein realistisches Theaterstück mit stets optimistischer Moral.“ (Bourdieu et al., 2014, S. 172).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Wirkungsweise von Bildern in der Werbung und ihre Bedeutung für die Untersuchung sozialer Selektionsmechanismen in der Bildung.
1 Verdeckte Selektionsmechanismen an Weiterbildungseinrichtungen: Theoretische Herleitung des Habitus-Konzepts und Darstellung der sozialen Selektion im Kontext von Bildungsinstitutionen.
2 Hermeneutische Fotoanalyse: Methodische Erläuterung des Vorgehens bei der Analyse der ausgewählten Webseitenbilder nach Beck.
3 Welche Schlüsse lassen sich ziehen?: Detaillierte Fallanalysen der drei Fernschulen, eine Globalcharakteristik der Ergebnisse sowie ein Abgleich mit dem aktuellen Forschungsstand.
4 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse und Ausblick auf den weiteren Forschungsbedarf im Bereich der visuellen Bildungssoziologie.
Schlüsselwörter
Habitus, Soziale Selektion, Fernschule, Bildanalyse, Werbefotografie, Bildungsungleichheit, Bourdieu, Mediale Kommunikation, Zielgruppenansprache, Bildungsentscheidung, Weiterbildung, Soziale Schließung, Visuelle Soziologie, Schulabschluss.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Titelbilder auf Webseiten von Fernschulen verdeckte Signale senden, die soziale Selektionsprozesse bei potenziellen Studierenden auslösen oder verstärken können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Soziologie der Bildung, das Konzept des Habitus nach Pierre Bourdieu, visuelle Kommunikation in der Werbefotografie und die Mechanismen sozialer Schließung in Bildungseinrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzudecken, ob Bilder gezielt genutzt werden, um bestimmte gesellschaftliche Gruppen anzusprechen oder andere durch subtile Botschaften von einer Bildungsteilnahme abzudrängen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine hermeneutische Fotoanalyse nach Christian Beck angewandt, um die Sinngehalte der Bilder systematisch zu entschlüsseln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Internetauftritte von drei ausgewählten Fernschulen (Euro-FH, FFHS, SGD) analysiert und hinsichtlich ihrer Bildsprache und der daraus resultierenden Signale interpretiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Habitus, soziale Selektion, visuelle Bildungssoziologie, Werbemechanismen und Bildungsungleichheit.
Welche Unterschiede zeigen sich bei den drei analysierten Fernschulen?
Während die Euro-FH und die FFHS stark statusorientierte und teils exklusive Signale senden, ist der Auftritt der SGD neutraler und auf ein breiteres Publikum ausgelegt.
Welche Rolle spielt das „Lächeln“ der abgebildeten Personen?
Das Lächeln fungiert oft als Ankerpunkt für die gewünschte Identifikation, kann aber – je nach Kontext – auch als überlegen oder exklusiv empfunden werden, was wiederum selektierend wirkt.
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- Michael Hojbjan (Author), 2019, Was verrät der erste Blick über einen Bildungsanbieter? Eine hermeneutische Bildanalyse der Titelfotos dreier Fernschulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925610