Inhalte und Ziele der Air Land Battle-Konzepte und ihre Bedeutung für die bundesdeutsche Sicherheitspolitik


Hausarbeit, 1989

22 Seiten, Note: gut


Leseprobe

INHALT SEITE

1. EINLEITUNG: Air Land Battle

2. AIR LAND BATTLE
2.1. Das „Air Land Battle"-Konzept
2.1.1. Die Strategie der NATO
2.1.2. Die „Air Land Battle"-Doktrin
2.1.3. Die Waffen der „Air Land Battle"
2.1.4. „Air Land Battle 2000"
2.2. Die Bedeutung für die Sicherheitspolitik in Europa
2.3. Die Bedeutung für die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland

3. SCHLUSSTEIL: Der Versuch einiger Schlussfolgerungen

4. ANHANG:
4.1. Zeichnung: „Vorneverteidigung"
4.2. Zeichnung: „Waffensysteme des 'Air Land Battle' - Konzepts"
4.3. Zeichnung: „Schadenswirkung eines 20 Kilotonnen Sprengkopfes"
4.4. Zeichnung: „Atomwaffen in der Bundesrepublik"
4.5. Zeichnung: „Atomwaffenstandorte in Nordrhein-Westfalen"

5. LITERATURVERZEICHNIS

6. THESENPAPIER

AIR LAND BATTLE

„Air Land Battle“ heißt übersetzt „Luft-Land-Schlacht“. Unter diesem Namen sind von der US- Armee bis ins Einzel gehende Schlachtpläne für den Atomkrieg erarbeitet worden. „Air Land Battle“ ist ein Konzept für die Kriegsführung bis Mitte der neunziger Jahre. Es wurde ab Mitte der siebziger Jahre für die US-Armee entwickelt und 1981 erstmals veröffentlicht. 1982 wurde das „Air Land Battle“-Konzept der Felddienstvorschrift 100-5 der US-Armee zugrunde gelegt. An dieser Dienstvorschrift orientiert sich die Ausbildung der Truppen bei Manövern und Übun­gen. Bundeswehreinheiten üben bereits seit 1982 zusammen mit US-Truppen die Kriegsfüh­rung nach „Air Land Battle“. Inzwischen gibt es bereits „Air Land Battle 20001“, das Konzept für die Kriegsführung ab 1995 bis 2019 - oder, wie es im Vorwort dazu heißt, für das „Kämpfen und Siegen auf den Schlachtfeldern der Zukunft. Es wurde von der US. Armee in Zusammen­arbeit mit Bundeswehrstäben erarbeitet und trägt auch die Unterschrift des Heeresinspek- teurs Glanz. Was die „Air Land Battle“- Konzepte beinhalten, welche Bedeutung ihnen im Rah­men der europäischen, insbesondere der bundesdeutschen Sicherheitspolitik zufallen und welche Schlussfolgerungen sich daraus ergeben können, soll im Weiteren erörtert werden.

AIR LAND BATTLE

2.1. Das "Air Land Battle" - Konzept

2.1.1. Die NATO - Strategie

Der Westen fühlt sich aus vielerlei Gründen, realen und irrealen, militärisch bedroht. Er sieht sich daher gezwungen, einem ständig drohenden Angriff entsprechende Abwehrkräfte entge­genzustellen. Die NATO sieht sich darum als ein Verteidigungsbündnis, welches ausschließlich dazu dient, „die Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit der Mitgliedsstaaten zu wah­ren."1 Oberstes Ziel der Strategie der NATO ist die Kriegsverhütung durch Abschreckung. „Die Abschreckung hat den Zweck, eine gegnerische Macht von der Entscheidung abzuhalten, zu den Waffen zu greifen. Das bedeutet, allgemein gesagt, den Gegner zu hindern, in einer be­stimmten Situation zu handeln oder zu reagieren., in dem man selbst Maßnahmen trifft, die für den Gegner eine ausreichende Bedrohung darstellen."2 Die ursprüngliche Strategie der „massiven Vergeltung" sah bei jeder Art eines Angriffs den sofortigen, massiven Einsatz von taktischen Nuklearwaffen vor. Mit der Aufgabe des Soforteinsatzes von Nuklearwaffen als Strategie, trat die Strategie der „Flexiblen Reaktion" in den Vordergrund. Die gültige Strategie der „flexible response" kennt - nach dem Weißbuch 1983 des Bundesverteidigungsministeri­ums - drei Reaktionsarten:

1.) Die Direktverteidigung soll dem Aggressor verwehren, sein Ziel zu erreichen, und zwar auf der Stufe des militärischen Konflikts, die der Aggressor selbst gewählt hat. Das kann den Einsatz nuklearer Waffen einschließen. Entweder scheitert die Aggression oder der Ag­gressor wird mit der Gefahr der Eskalation konfrontiert.
2.) Die Vorbedachte Eskalation soll einen Angriff dadurch abwehren, dass sie den Angreifer zu der politischen Entscheidung bewegt, seine Kriegshandlungen einzustellen, weil Erfolg­schancen und Risiken in keinem für ihn tragbaren Verhältnis stehen. Als mögliches Mittel, ihn hiervon zu überzeugen, hält das Bündnis Optionen des politisch kontrollierten, selek­tiven Einsatzes nuklearer Waffen offen.
3.) Die allgemeine Nukleare Reaktion richtet sich vor allem gegen das strategische Potential des Angreifers und bedeutet den Einsatz der nuklear-strategischen Waffen-Allianz. Ihre Anordnung wäre die stärkste der möglichen NATO- Reaktionen.3

Da die Verteidigungsplaner der NATO einen konventionellen Angriff des Warschauer Pakt für möglich halten, setzt das Abschreckungssystem bereits auf konventioneller Ebene an. Somit wirken Abschreckung und Verteidigung sowohl auf konventioneller, taktisch-nuklearer und strategisch-nuklearer Ebene. Für alle drei Ebenen gelten jedoch folgende Prinzipien: Verhält­nismäßigkeit der Mittel, Hinlänglichkeit der Kräfte und Begrenztheit der Ziele. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit der Mittel soll den politischen Führungen die Möglichkeit geben einen gewissen Entscheidungs- und Handlungsspielraum zu erhalten. Die Gefahr, durch eine „Über­reaktion“ den Konflikt unnötig oder vorzeitig zu eskalieren soll damit verhindert werden. Die Strategie lässt jedoch bewusst die Frage offen, wann welche Reaktion erfolgt. Aus operativer Sicht ist das Prinzip der „Vorneverteidigung“ der NATO-Verteidigungsplanung ein besonders deutschen Interessen entsprechendes Prinzip. „Vorneverteidigung“ bedeutet grenznahe, zu­sammenhängende Verteidigung mit dem Ziel, die Integrität des Territoriums der Mitglieds­staaten bewahren und bei Gebietsverlusten wiederherzustellen [vergl.: Karte „Vorneverteidi­gung“ im Anhang]. „Wiederherstellung der territorialen Integrität, bedeutet Rückgewinnung verloren gegangener Gebiete. Dazu gehört die Fähigkeit, Gegenangriffe zu führen. [..] Der tak­tische Angriff ist Element der strategischen Defensive.“4

2.1.2. Die „Air Land Battle"-Doktrin

Der letzte Satz im vorhergehen Abschnitt zeigt, dass ein Schwenk zur offensiven Kriegsführung vollzogen wurde. Bereits im Sommer 1977 gab der amerikanische Präsident Jimmy Carter die Anweisung, eine grundlegende Überprüfung der militärischen und zivilen Zielzuweisung vor­zunehmen. Mitte der siebziger Jahre wurde vom „US-Army Training and Doctrine Command“ (Tradoc), der „Denkfabrik“ des amerikanischen Heeres die „Air Land Battle and Corps 86“ ent­wickelt. Beginn des Jahres 1979 werden die darin enthaltenen wesentlichen Maximen der neuen Strategie durch den US-Verteidigungsminister Harold Brown dem US -Präsidenten vor­gelegt, der sie im August 1980 in der „Presidential Directive No. 59“ als neue Doktrin kodifi­zierte. Am 25. März 1981 stellt das Tradoc unter dem Titel „US Army Operational Concepts: The Air Land Battle and Corps 86 - Pamphlet 525-5“ das neue „Operationskonzept“ vor. Am 20. August 1982 wird das „Air Land Battle“-Konzept in der „Field Manual FM 100-5“ als Doktrin endgültig festgelegt.

Das „Air Land Battle“-Konzept skizziert einen Ansatz für militärische Operationen, der das ge­samte Potential der US-Streitkräfte zur Wirkung bringt. Zwei Gedanken werden dabei verbun­den: Erstens die Ausweitung des Schlachtfelds und zweitens die Integration konventioneller, nuklearer, chemischer und elektronischer Waffen. Dabei soll der Feind bis in die volle Tiefe seiner Formationen angegriffen werden. In Kapitel 1 „Operationskonzept für den Air Land Battle“ heißt es dazu: „Was wir anstreben, ist die Fähigkeit zu einer frühen Initiative zu Offen­sivaktionen mit Luft - und Landstreitkräften, um die Beendigung des Kampfes zu unseren Be­dingungen herbeizuführen.“ Das Konzept betont häufiger, dass, wenn politische Machthaber militärische Kräfte in Verfolgung politischer Ziele einsetzen, die militärischen Kräfte gewinnen müssten. „Sonst wird es keine Grundlage geben, auf der die politischen Machthaber verhan­deln können, um politisch zu gewinnen. Der Zweck militärischer Operationen kann es daher nicht einfach sein, eine Niederlage abzuwenden, sondern muss sein, zu gewinnen.“5 Während die bisherige NATO-Strategie von einem grenznah beginnenden Abwehrkampf auf eigenem Territorium ausging („Vorneverteidigung“), fordert „Air Land Battle“ das schnell in die Tiefe zu erweiternde Gefechtsfeld, was nur eine Umschreibung von Angriff ist („Vorwärtsverteidi­gung“). Die „Field Manuel 100-5“, die als Dienstvorschrift ausführt, wie das Militär die „Air Land Battle“-Doktrin durchzuführen hat, sagt einiges über die Art und Weise wie militärisch vorgegangen werden soll aus: „Die Vorschrift betont die Anwendung konventioneller Waffen; dennoch muss die Armee in der Lage sein, in jeder Situation Operationen durchzuführen, ein­schließlich auf atomaren und chemischen Gefechtsfeldern [...]."6 Das Ziel aller Kampfhand­lungen ist die Vernichtung der gegnerischen Streitmacht. Die Überlegung diktiert, dass die NATO-Strategie von Beginn an dazu bestimmt sein muss, mit der sowjetischen Bedrohung ei­nes konventionellen, nuklearen, chemischen, elektronischen durch Waffenvererbung inte­griertem Schlachtfeld fertig wird. „Die Notwendigkeit für Angriffe in die Tiefe erwächst aus der Natur unserer potentiellen Feinde - ihrer Doktrin [...]. Daher müssen auf einem integrier­ten Schlachtfeld Systeme [...] in der Lage sein, konventionelle und/oder atomare Feuerkraft durch das gesamte Spektrum des Kampfes - quer durch die Tiefe des Schlachtfelds - zum Tra­gen bringen.“7 Die Operationstaktik, mit denen die US-Armee das dargelegte Operationskon­zept auszuführen versucht, muss dabei für eine schnelle Beendigung des Kampfes unter Um­ständen sorgen, die es den politischen Machthabern erlauben, mit ihrem Gegner von einer Position der Stärke aus zu verhandeln. Außerdem soll diese Operationstaktik gleichzeitig ver­suchen:

1.) Dem Feind den Zugang zu den Zielen zu verwehren, die er anstrebt.
2.) Die feindlichen Kräfte daran zu hindern, die die Angriffskraft verstärkenden Angriffsstaf­ feln aufzufrischen und so durch eine entschlossene Vorwärtsverteidigung verwehrt wer­den könnte.
3.) Die Gelegenheit zu finden, die Initiative zu ergreifen anzugreifen, um die Unversehrtheit des feindlichen Operationsentwurfs zu zerstören und den Feind zu zwingen, den Angriff abzubrechen oder eine nachhaltige Niederlage zu riskieren.

2.1.3. Die Waffen der „Air Land Battle“

Bei der Tagung der Nuklearen Planungsgruppe am 13. und 14. November 1980 bekräftigten die Verteidigungsminister, „[...] die strategische Doktrin der Vereinigten Staaten (die sog. Di­rektive 59) im Rahmen der Bündnis-Strategie Kernpunkt einer hinreichenden Abschreckung gegenüber der Bedrohung bleibt, die von den sowjetischen Nuklearstreitkräften angesichts ihrer nuklearen Doktrin und Strategie ausgeht."8 Vor diesem Hintergrund stellten die Minister fest, dass es wichtig sei, die Wirksamkeit des gesamten Spektrums der Bündnisstreitkräfte, nämlich der konventionellen Waffensysteme, der in Europa stationierten Nuklearsysteme (Theater Nuclear Forces/TNF) und der zentralstrategischen Nuklearkräfte zu verbessern. „Wir werden in den nächsten Monaten 25 Millionen Dollar aufwenden, um die Infrastruktur unse­rer Truppenübungsplätze in Westeuropa zu verbessern. Außerdem sollen an die hundert Waf­fensysteme modernisiert, beziehungsweise durch Neuentwicklungen ersetzt werden. Die Feststellungen eines Stabsoffiziers unterstreichen die Absicht des Pentagon, die Schlagkraft seines NATO-Kontingents ganz erheblich zu erhöhen."9 General Rogers erklärte in einem Süd­westfunk Interview auf die Frage: „Mit welchem Gerät wollen Sie erreichen, dass der Angreifer im Hinterland so getroffen wird, dass seine Fronttruppen weder Nachschub noch Verstärkun­gen bekommen?" zur Modernisierung der Bündnisstreitkräfte folgendes: „Mit bemannten Flugzeugen, aber auch mit Boden-Luft und Boden-Boden Raketen, die die Allianz anschaffen müsste. Sie müssen von hoher Treffgenauigkeit sein und entweder über dem Ziel die im Sprengkopf enthaltenen Streusprengkörper freigeben, die zerstören, was sie treffen; oder aber Sprengkörper, von denen sich jeder sein Ziel selbst sucht, beziehungsweise ins Ziel fern­gesteuert wird. Das ist heute möglich, aber teuer. Das ist ein Weg, um den Gegner im Hinter­land zu schlagen." Auf die Frage, was er mit „Hinterland" meine, antwortete Rogers: „Ich meine Schläge, die Verzögerungen und Unterbrechungen in so rückwärtigen Gebieten wie den drei westlichen Militärbezirken der Sowjetunion verursachen und ganz gewiss in Polen, der CSSR und Ostdeutschland. Es würden sich da sehr lohnende Ziele bieten, wie wir aus der Über­wachung der Manöver im Osten wissen." (vergl.: Schröder, Diethelm (Hrsg.): „Krieg oder was sonst?"; Hamburg, 1984; Seite: 25).

Laut Verteidigungsdoktrin der NATO wird ein konventioneller Angriff des Warschauer Pakts mit „adäquaten Mitteln" beantwortet („flexible response"). Unter konventionellen Waffen versteht man auszugsweise den Kampfpanzer M-60 A1, den Standardpanzer M-1 ABRAMS, den Panzerabwehrhubschrauber YAH-64, den Transporthelikopter UH-60 A, die Panzerhau­bitze M-1 10 A2, und vieles mehr. Diese können außer Raketen-Granaten auch Munition mit nuklearen Sprengköpfen verschießen. Sollte allerdings dem Angreifer ein Erfolg beschieden sein, wird die NATO den Einsatz von sogenannten taktischen atomaren Gefechtsfeldwaffen (Short-Range Theatre Nuklear Forces / SRTNF) befehlen. „Taktischer" Einsatz bezieht sich auf den Angriff solcher Ziele, bei denen mehr oder weniger direkte Auswirkungen auf den Verlauf von Kampfeshandlungen angenommen werden können. Darunter fallen alle atomaren Waf­fen bis zu einer Reichweite von 200 Kilometern. Zur Unterstützung von Operationen auf der Ebene von Armeekorps im näheren Hinterland gegen die Reserven und den Nachschub kön­nen noch Atomwaffen mittlerer Reichweite eingesetzt werden (Medium-Range Theatre Nuk­lear Forces / MRTNF). Die Reichweite liegt bei 200 bis 1.000 Kilometern. Zu diesen taktischen Atomwaffen zählen auch die Neutronenbombe und miniaturisierte Atomwaffen (Mini-Nukes). Sollte der Einsatz dieser taktischen Nuklearwaffen keinen Erfolg haben, so werden auf „euro­strategische Waffen“ zurückgegriffen. Dieser Begriff ist synonym zu den weitreichenden Atomwaffen in Europa (Long-Range Theatre Nuklear Forces / LRTNF), die eine Reichweite von mehr als 1.000 Kilometer haben. Dazu gehören die erst 1983 in Europa stationierten Pershing II und der Marschflugkörper Cruis Missiles. Unter diese Waffengattung fallen aber auch see­oder landgestützte Raketen (Longe-Range Ballistic Missiles / LRBM), Bomber oder Jagdbom­ber, die aus dem Gefechtsfeld operieren (Forward Based Systems / FBS), wie beispielsweise Bomber vom Typ B-52, FB-111-A, F 15, F 16 oder der Tornado, und land-, luft- oder seege­stützte Marschflugkörper, wie beispielsweise die Flugabwehrraketen HAWK und NIKE, die vom westeuropäischen Territorium der NATO abgeschossen werden. Die letzte Stufe stellen die „strategischen Waffen“ dar. Dazu gehören die landgestützten Interkontinentalraketen (In- ter-Continential-Ballistic MissiIes / ICBM).

2.1.4. „Air Land Battle 2000"-Konzept

Die Planungsstudie „Air Land Battle 2000“ ist eine logische Weiterentwicklung der „Air Land Battle“-Doktrin. Sie beschreibt die Kriegsführung der NATO ab den neunziger Jahren. Anders als die „Air Land Battle“-Doktrin und der auf ihr fußenden „Field Manuael FM 100-5“ noch nicht den Status einer Doktrin. Die 1982 von TRADOC herausgegebene Studie „Air Land Battle 2000“ gibt es allerdings in zwei Fassungen. Eine „US- Fassung“ und eine „entschärfte und ge­kürzte“, für den europäischen Gebrauch „bereinigte“ NATO-Fassung.

Von der Öffentlichkeit in Westeuropa unbemerkt wurde diese neue Militärstrategie angenom­men. Selbst die kritische Öffentlichkeit verfügt kaum über genauere Kenntnisse. Auch eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages Anfang September 1983 brachte außer folgenden Passagen keine neuen Erkenntnisse. Im Vorwort heißt es: „[...] das Kämpfen und Siegen auf den Schlachtfeldern der Zukunft [...]". Unter dem Kapitel: „Mili­tary Operational Concepts“ heißt es weiter: „Wartet ein zahlenmäßig unterlegener Verteidiger mit dem Gegenangriff, bis sein zahlenmäßig überlegener Feind in das Gebiet des Verteidigers eingedrungen ist, ist es immer zu spät, schlagkräftige Verbände und Feuerkraft zum Einsatz zu bringen, um den Einbruch zurückschlagen. [...] Daraus folgt: Unabhängig von der jeweiligen Strategie muss der Kommandeur immer vier miteinander verbundene Schritte tun, um zu gewinnen: den Gegner an der Frontlinie schlagen, in die Tiefe des Raumes angreifen, die Initi­ative an sich reißen und das Air Land Battle schnell und entscheidend beenden. Der Angriff in die Tiefe trägt den Kampf zum Gegner.“ (vergl.: Mechtersheimer, Alfred: „Zeitbombe NATO; Köln 1984; Seite: 42ff).

Neben der Modifizierung der „Air Land Battle“-Doktrin beinhaltet „Air Land Battle 2000“ aber auch den NATO-Umgang mit eventuell zu Großmächten avancierenden, heute noch Dritte- Welt-Staaten aus denen die NATO-Staaten Rohstoffe importieren. Aufgrund dessen heißt es, dass sich für das Bündnis „[...] Anlässe oder die Notwendigkeit zum Handeln auch außerhalb der Grenzen des NATO - Bereichs ergeben [...] können.“ Weiteres bleibt jedoch noch heute im Dunkeln.

[...]


1 Der Bundesminister für Verteidigung: „Weißbuch 1983"; Bonn1983; Seite: 139.

2 Guhs, Anton Andreas: „Der Tod in der Grauzone"; Franfurt am Main, 1983; Seite: 41.

3 Der Bundesminister für Verteidigung: „Weißbuch 1983"; Bonn 1983; Seite: 148.

4 Schwarz, Klaus- Dieter: „Sicherheitspolitik"; Bad Honnef-Erpel, 1976; Seite: 271.

5 Charlier, Siegfried: „Wenn Du den Frieden willst", Lindlar, o.A.; Seite: 84.

6 Mechtersheimer, Alfred: „Zeitbombe NATO"; Köln, 1984; Seite: 39.

7 Charlier, Siegfried: a.a.0.; Seite: 87f.

8 Europäische Wehrkunde: „NATO-Tagung der Nuklearen Planungsgruppe"; XXX. Jahrgang; 1/1981.

9 Europäische Wehrkunde: „US-Waffensysteme in Europa werden modernisiert"; XXXI. Jahrgang; 4/82; Seite:181.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Inhalte und Ziele der Air Land Battle-Konzepte und ihre Bedeutung für die bundesdeutsche Sicherheitspolitik
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar
Note
gut
Autor
Jahr
1989
Seiten
22
Katalognummer
V925648
ISBN (eBook)
9783346255655
ISBN (Buch)
9783346255662
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NATO, Warschauer Pakt, Air, Air Land Battle, Verteidigungsstrategie, Pershing II
Arbeit zitieren
Heinz Kerp (Autor:in), 1989, Inhalte und Ziele der Air Land Battle-Konzepte und ihre Bedeutung für die bundesdeutsche Sicherheitspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925648

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