Die Rolle des Humors im Werk des costumbristischen Schriftstellers Mariano José de Larra

Analyse der Satire El castellano viejo anhand der Komiktheorie Henri Bergsons „Das Lachen“


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Henri Bergson: Das Lachen

3 El castellano viejo
3.1 Inhalt und Aufbau
3.2 Humor in El castellano viejo
3.2.1 Voraussetzungen
3.2.2 Analyse

4 Fazit

5 Bibliographie

1 Einleitung

Mariano José de Larra gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des spanischen Costumbrismo. Als romantischer Aufklärer und Liberalist auf ganzer Linie unterscheidet er sich stark von seinen traditionsverbundenen, nostalgischen Schriftstellerkollegen, wie etwa Mesonero Romanos. Larra will mit seinen Schriften etwas bewegen und nicht der bloßen Unterhaltung dienen. Dabei spielen in beinahe all seinen Texten Humor und Komik eine große Rolle.[1] Larra ist ein Meister der humorvollen Satire und verwendet diese Stilform vor allem, um auf die Rückständigkeit seiner Gesellschaft, sowie politische und soziale Missstände aufmerksam zu machen.

In dieser Arbeit soll der Humor Larras genauer betrachtet werden. Im Zentrum meiner Beobachtungen stehen die Fragen, welche Formen von Humor Larra einsetzt und welche Wirkung sie auf den Leser haben. Dazu werde ich exemplarisch den Text El castellano viejo mit Fokus auf Larras gezielten Einsatz von Komik analysieren. Dieser Text erscheint mir besonders geeignet, da er 1832, also in einer Lebensphase Larras entstand, als dieser noch voller Optimismus für die Änderung seiner Gesellschaft war. Spätere Texte Larras, besonders die Elegien, die er kurz vor seinem Selbstmord schrieb, sind weitaus ernster und weisen folglich nur wenige komisch Elemente auf.[2]

Als theoretische Grundlage werde ich mit der Komiktheorie Henri Bergsons „Das Lachen“ arbeiten. Bergsons Überlegungen zum Humor erscheinen mir für die Betrachtung von Larras Texten besonders geeignet, da sie das Lachen und den Humor selbst als soziales Phänomen beschreiben und sich Larras Interesse als costumbristischer Schriftsteller insbesondere auf die Gesellschaft richtet.

Ich werde im Folgenden zunächst auf die Humortheorie Bergsons eingehen, ihre wichtigsten Thesen zusammenfassen und diese anschließend, auf El castellano viejo anwenden.

2 Henri Bergson: Das Lachen

Henri-Louis Bergson (1859-1941) war ein französischer Philosoph, der sich vor allem durch seine Theorie des „élan vital“, der Lebenskraft, die alles durchströmt[3], einen Namen machte. Von der Vorstellung der alles durchfließenden Kraft ausgehend, ist auch sein Essay über den Humor „Le rire“(1899), zu Deutsch „Das Lachen“ zu verstehen.

Das zentrale Moment, das Bergson zufolge in den verschiedensten Situationen zu Komik führt, ist die Starrheit, beziehungsweise ein eingeschlichener Automatismus, der den Regeln des élan vital widerspricht und uns somit zum Lachen reizt. In seinem Essay gibt Bergson zahlreiche Beispiele für die unterschiedlichen Arten von Komik, sie alle haben jedoch das Motiv der Starrheit, die sich auf vielfältige Weise ausdrückt, als Auslöser gemeinsam.

Allgemein betrachtet ist das Komische ein rein menschliches Phänomen[4], das nur in Gesellschaft möglich ist und infolgedessen auch eine „soziale Funktion“[5] hat. Objekte der Komik können Menschen, Situationen, Sprache oder allgemeine Charaktere sein, wichtig ist, dass man diese Objekte mit einem gewissen Abstand, d.h. ohne Gefühlsregung, wie z.B. Mitleid, betrachten kann. Worauf auch immer sich Komik bezieht, sie setzt „eine zeitweise Anästhesie des Herzens“[6] voraus.

Bei der Komik, die sich auf Menschen bezieht, unterscheidet Bergson zwischen „innerer“ und „äußerer“ Komik.[7] Äußere Komik entsteht, wenn wir über die Zerstreutheit eines Menschen lachen, wobei die Komik oberflächlich bleibt. Innere Komik betrifft die Zerstreutheit eines Menschen, die einem gewissen System folgt, wie beispielsweise der vollkommen verwirrt scheinende don Quijote, der, in allem was er Verrücktes tut, seiner Vorstellung ein Ritter zu sein folgt. In beiden Fällen ist die Zerstreutheit eine Form von Starrheit, die der natürlichen Vitalität widerspricht und die darum komisch wirkt.

Auch die Physiognomie eines Menschen kann zu Komik führen, etwa im Falle einer unbewussten Grimasse, die auf die Trägheit der Gesichtsmuskeln zurückzuführen ist.[8] Genauso reizt eine Bewegung, die immer wieder unbewusst ausgeführt wird, zum Lachen, da sich ein unnatürlicher Automatismus eingeschlichen hat und der Körper so an einen bloßen Mechanismus erinnert.[9]

Situations- und Wortkomik entstehen gleichermaßen durch scheinbare Automatisierung eines eigentlich zufälligen Geschehens oder der Verschiebung eines Sinnes von der Ein- zur Mehrdeutigkeit.

„Komisch ist jede Verkettung von Handlungen und Ereignissen, die uns die Illusion des Lebens und das deutliche Gefühl eines mechanischen Arrangements verschafft“[10], wie etwa in der klassischen Komödie das Prinzip der Wiederholung. Ein anderer Mechanismus, der Situationskomik verursacht, ist das „Schneeballprinzip“, bei dem es durch die sonderbare Verkettung von an für sich unabhängigen Ereignissen zur Komik kommt.[11] Bergson spricht in diesem Zusammenhang von dem Mechanismus als Eindringling im lebendigen Zusammenhang menschlicher Dinge oder auch der „Zerstreutheit“[12] des Lebens, das natürlicherweise das Gegenteil von mechanisch ist – es ändert stets sein Aussehen, seine Erscheinungen sind unumkehrbar und jeder Moment ist individuell. Die Komödie arbeitet mit genau diesen Charakteristika, indem sie sie in ihr Gegenteil verkehrt. So benutzt sie Repetition, Inversion und Interferenz, beschreibt dadurch gewisse mathematische Ordnungen, führt Rollenvertauschungen herbei, oder gibt Ereignissen einen doppelten Sinn.

Mit dem Prinzip des doppelten Sinns spielt auch die Metapher und auch sie kann eingesetzt werden um Komik zu erzeugen.

Man erhält eine komische Wirkung in all den Fällen, wo man sich so stellt, als verstände man einen Ausdruck, der übertragen gemeint war, im eigentlichen Sinne. Oder auch: Soweit unsere Aufmerksamkeit sich auf die materielle Seite einer Metapher wendet, wird die in dieser ausge- drückte Idee komisch.[13]

Eine weitere Spielart der Wortkomik ist der Wortwitz. Er entsteht, wenn der Satz auch umgedreht einen Sinn ergibt (Inversion), wenn er zwei Gedanken gleichzeitig ausdrückt (Interferenz) oder wenn ein Gedanke in einer inadäquaten Tonart wiedergegeben wird (Transposition). Zu der Form der Transposition zählen auch die Ironie und der Humor, beides Formen, die häufig Elemente der Satire sind. Die Ironie beschreibt hierbei ein erstrebenswertes Ideal anstelle der Wirklichkeit, der Humor, gewissermaßen als das Gegenteil der Ironie, beschreibt die Gegenwart als Utopie. Der Humorist wird dadurch zum Moralisten. Er seziert die Wirklichkeit um abzuschrecken.[14]

[...]


[1] Da es eine Vielzahl an Definitionen für die Begriffe „Humor“ und „Komik“ gib, beziehe ich mich in dieser Arbeit auf die umgangssprachlichen Auslegungen dieser beiden Termini. Humor soll verstanden werden als Fähigkeit, andere Menschen (hier: Leser) zum Lachen zu bringen. Die Abgrenzung zu den Denkformen Ironie, Zynismus oder Spott, wie sie in vielen Definitionen vorgenommen wird, wird an dieser Stelle nicht realisiert. Sie werden in dieser Arbeit als Stilmittel verstanden, die der Humorentste- hung dienen, also gewissermaßen als Erscheinungsformen des Humors betrachtet. Komik bezieht sich auf diejenigen Situationen, Wörter etc., die der Autor bewusst einsetzt um Humor zu erzeu- gen.

[2] Zu Larras Biographie, seinem Charakter und Werk vgl.: Konitzer, Eva: Larra und der Costumbrismo, Meisenheim am Glan 1970, S. 33-59

[3] Vgl.: Bergson, Henri: Schöpferische Entwicklung, Zürich 1967

[4] Bergson, Henri: Das Lachen, Jena 1921,

[5] Ebd.,

[6] Ebd.,

[7] Ebd., S. 10 ff

[8] Ebd., S. 18 ff

[9] Ebd., S. 23 ff

[10] Ebd.,

[11] Ebd., S. 55 ff

[12] Ebd.,

[13] Ebd.,

[14] Ebd.,

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Humors im Werk des costumbristischen Schriftstellers Mariano José de Larra
Untertitel
Analyse der Satire El castellano viejo anhand der Komiktheorie Henri Bergsons „Das Lachen“
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V92588
ISBN (eBook)
9783638065139
ISBN (Buch)
9783638953450
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Humors, Werk, Schriftstellers, Mariano, José, Larra
Arbeit zitieren
Christine Mewes (Autor), 2008, Die Rolle des Humors im Werk des costumbristischen Schriftstellers Mariano José de Larra, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92588

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Rolle des Humors im Werk des costumbristischen Schriftstellers Mariano José de Larra



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden