Ethisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Wege zu einer ethischen Entscheidungsfindung


Hausarbeit, 2020

19 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

3. Die Verantwortungsethik und die Gesinnungsethik

4. Grubers verantwortungsethisches Handlungsmodell
4.1 Bestimmungsmomente
4.2 Orientierungshilfen ethischer Entscheidungsfindung

5. Ein Fallbeispiel

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zur Unterscheidung von Ethik und Moral

Abbildung 2: Bestimmungsmomente des ethischen Handlungsentscheids

Abbildung 3: Fragen und Kriterien des ethischen Handlungsentscheids

1. Einleitung

Das Berufsfeld der Sozialen Arbeit stellt seine Akteure immer wieder vor Situationen, in denen sie schwerwiegende Handlungsentscheidungen treffen müssen. Nicht selten entstehen für den Sozialarbeiter so Entscheidungsdilemmata, bei denen die vorhandenen Handlungsalternativen zu verschiedenen negativen Folgen für das Berufsumfeld führen können.

Gerade durch die Vielfältigkeit der Entscheidungssituationen ist es für eine Profession, wie der Sozialen Arbeit, von essentieller Natur seinen Akteuren ein gewisses Maß an Handlungssicherheit zu geben.

Die philosophische Disziplin der Ethik vollzieht eine solche Orientierungshilfe, indem sie, in ihren wissenschaftlichen Bereich der Verantwortungsethik unterstützende Handlungsmodelle entwickelt.

Diese können unter Berücksichtigung von diversen Bestimmungsmomenten einen Abwägungsprozess bei der Entscheidungsfindung einleiten. In der nachfolgenden Arbeit soll auf Grund dessen, ein von Hans-Günter Gruber konzipiertes Handlungsmodell vorgestellt werden und anhand der nachfolgenden Forschungsfrage näher untersucht werden:

Welche ethischen Prinzipien können als eine Orientierungshilfe bei einer Entscheidungsfindung dienen und welchen Stellenwert haben ethische Handlungsmodelle für die Soziale Arbeit?

In einem ersten Gliederungspunkt sollen die für die vorliegende Arbeit relevanten Begrifflichkeiten Ethik und Moral in einer theoretischen Einführung von einander differenziert werden.

In einem weiteren Kapitel soll der von Max Weber postulierte Begriff der Verantwortungsethik in einer Unterscheidung zur Gesinnungsethik vorgestellt werden und das von Gruber entworfene Handlungsmodell der Verantwortungsethik zugeordnet werden.

In einem vierten Kapitel erfolgt anschließend die Vorstellung des verantwortungsethischen Handlungsmodells von Gruber.

Hiernach soll in einem Gliederungspunkt 5 eine praktische Anwendung des vorgestellten Modells, anhand eines Fallbeispiels aus der Eingliederungshilfe, vorgestellt werden.

In einem letzten Gliederungspunkt sollen die Ergebnisse der Arbeit abschließend zusammengefasst werden und es erfolgt ein Ausblick.

Allein aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter.

2. Theoretische Grundlagen

Die Begrifflichkeiten Ethik und Moral werden im allgemeinen Sprachgebrauch oft als Synonym verwendet. Linguistisch betrachtet haben die Wortstämme der Begriffe Ethik, abgeleitet vom griechischen Wort ethos und Moral, lateinisch mos eine synonyme Bedeutung. Sowohl ethos als auch mos können in diesem Verbund mit dem deutschen Wort Sitte/Sittlichkeit übersetzt werden. (vgl. Schumacher 2013, S. 38)

Im wissenschaftlichen Kontext der Philosophie findet jedoch eine Differenzierung der beiden Begrifflichkeiten statt, obwohl es weiterhin auch einen gewissen Schnittbereich der beiden Begrifflichkeiten gibt:

Der Terminus Ethik kann ursprünglich auf den griechischen Philosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.) zurückgeführt werden. Dieser führte den Begriff erstmalig in seinen Ausführungen zur nikomachischen Ethik, in welcher er ein gutes und richtiges Handeln in der Politik thematisierte, ein. (vgl. Eisenmann 2006, S.37)

Thomas Schumacher unternimmt in seinem Lehrbuch Ethik in der Sozialen Arbeit eine Differenzierung anhand von zwei Merkmalen. Zum einen habe die Ethik, so Schumacher, im Unterschied zur Moral einen allgemeinen Charakter. Sie erforscht in diesem Sinne allgemeine Bedingungen und Bezugspunkte, die als eine Orientierungshilfe für eine Handlungsentscheidung dienen können. Die Moral hingegen tendiert zu einer Vereinzelung und beschäftigt sich mit einer Ansammlung von Moralnormen, die dem einzelnen Menschen Verhaltenserwartung für sein Handeln auferlegen. (vgl. Schumacher 2013, S. 41)

Ein weiterer Unterschied liegt nach Schumacher darin, dass die Moral im Gegensatz zur Ethik einen beschreibenden Charakter besitzt. Die Ethik hingegen versucht eine Begründung und Deutung für ein Handeln zu erzielen. (vgl. Schumacher 2013, S. 41)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zur Unterscheidung von Ethik und Moral (Schumacher, 2013, S. 41)

Wie die oben angeführte Grafik zeigt, existiert neben den bereits erwähnten Unterschieden zwischen Ethik und Moral auch eine Überschneidung. Sowohl die Ethik, als auch die Moral haben in diesem Verbund beide das Anliegen menschliches Handeln an Grundsätzen zu orientieren und diese zu begründen. Währenddessen die Moral mit ihren Moralnormen als eine temporäre Abbildung von einem sittlichen Handeln einer Gesellschaft verstanden werden kann, überprüft die Ethik diese stetig auf ihre Allgemeingültigkeit.

Dies soll folgend anhand der Anführung des zehnten Gebotes näher veranschaulicht werden. So heißt es im 10 Gebot:

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Hab und Gut.

„Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen,…“ (Exodus 20,17) Wie das oben angeführte Zitat verdeutlicht, galt die Frau nach der damaligen patriarchalischen Auffassung, neben dem Eigenheim als Besitz des Mannes. Dies stellt die damals vorherrschende Moral/Moralnorm dar.

Diese Moralnorm ist nach heutiger Auffassung als längst veraltet anzusehen und würde somit einer ethischen Prüfung nicht standhalten. Die Ethik kann somit als die Moralphilosophie verstanden werden. Sie versucht in diesem Verbund auf eine philosophischer Art und Weise eine Allgemeingültigkeit beim menschlichen Handeln zu ergründen. Dies vollzieht sie, indem sie menschliches Handeln auf ihre Moralität überprüft. Die Moral ist somit der zu untersuchende Gegenstand der Ethik und kann darüber hinaus als eine angewandte Ethik verstanden werden. (vgl. Eisenmann 2006, S.38)

3. Die Verantwortungsethik und die Gesinnungsethik

Die Verantwortungsethik lässt sich ursprünglich auf den deutschen Soziologen Max Weber zurückführen. Dieser prägte die Theorie der Verantwortungsethik in seinem 1919 gehalten Vortrag Politik als Beruf maßgeblich und unterschied diese von einer weiteren moralischen Theorie, der Gesinnungsethik :

„Wir müssen uns klarmachen, daß alles ethisch orientierte Handeln unter zwei voneinander grundverschiedenen, unaustragbar gegensätzlichen Maximen stehen kann: es kann ´gesinnungsethisch´ oder ´verantwortungsethisch´ orientiert sein. Nicht daß Gesinnungsethik mit Verantwortungslosigkeit und Verantwortungsethik mit Gesinnungslosigkeit identisch wäre. Davon ist natürlich keine Rede. Aber es ist ein abgrundtiefer Gegensatz, ob man unter der gesinnungsethischen Maxime handelt - religiös geredet: ´Der Christ tut recht und stellt den Erfolg Gott anheim´ -,oder unter der verantwortungsethischen: daß man für die (voraussehbaren) Folgen seines Handelns aufzukommen hat.“ (Weber 1999, S. 70) Hiermit hebt Weber zwei Unterschiede zwischen den beiden ethischen Ansätzen hervor.

Währenddessen die Gesinnungsethik ihr Handeln primär an gesinnungsethischen Maximen orientiert und begründet, bezieht die Verantwortungsethik die aus einer Handlung resultierenden Folgen in ihre Betrachtung mit ein.

So wäre beispielsweise die Ermordung eines tyrannischen Herrschers nach einer gesinnungsethischen Maxime, wie der des fünften Gebots „ Du sollst nicht töten “ als unethisch zu erachten.

Betrachtet man dies jedoch aus Sicht der Verantwortungsethik und zieht die hieraus entstehenden Folgen wie bspw. die systematische Verfolgung bestimmter ethischer Gruppen durch das tyrannische Herrschaftsregime mit in seinen Handlungsentscheid ein, so könnten drastischere Maßnahmen zur Beendigung dieser Verbrechen auch ethisch gerechtfertigt werden. Das im nächsten Gliederungspunkt vorgestellte Handlungsmodell kann der Verantwortungsethik zugeordnet werden.

Es setzt sich in diesem Verbund, wie die meisten ethischen Handlungsmodelle, explizit mit den aus einem Handlungsentscheid entstehenden Folgen auseinander und wägt diese folgend miteinander ab.

4. Grubers verantwortungsethisches Handlungsmodell

Das im Folgenden vorgestellte verantwortungsethische Handlungsmodell für das Berufsfeld der Sozialen Arbeit wurde vom deutschen Moraltheologen Hans-Günther Gruber (*1957) konzipiert und in seinem Buch Ethisch denken und handeln - Grundzüge einer Ethik der Sozialen Arbeit erstmalig vorgestellt.

4.1 Bestimmungsmomente

In seinem Handlungsmodell benennt Gruber vier Bestimmungsmomente, die eine Handlungsentscheidung als ethisch qualifizieren können. Gruber führt in diesem Verbund die eigene Gesinnung, die eingesetzten Mittel, das Handlungsziel und die resultierenden Folgen als Bestimmungsmomente auf. Diese würden nach Gruber ebenfalls in einem wechselseitigen Bedingungsverhältnis stehen und sollen folgend im Einzelnen näher erläutert werden. (vgl. Gruber 2009, S. 146)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bestimmungsmomente des ethischen Handlungsentscheids (Gruber, 2009, S.147)

1. Die Gesinnung:

Als erstes Bestimmungsmoment nennt Gruber die Gesinnung der handelnden Person.

Er definiert den Begriff der Gesinnung in seiner Ausführung wie folgt:

„Gesinnung bezeichnet zunächst die wertbezogenen Grundeinstellungen einer Person, die ihre Moralität prägen und ihr gesamtes ethisches Urteilen, Streben und Handeln prädisponieren.“ (Gruber 2009, S.146)

Weiterhin postuliert er, dass eine Gesinnung zum Guten den Ursprung für ein ethisch verantwortliches Handeln (in einer Handlungsentscheidung) darstellen würde. So wirkt sich die bewusste Entscheidung einer Person sich in der eigenen Gesinnung für das Gute zu entscheiden auch aktiv auf eine konkrete Handlung aus. (vgl. Gruber 2009, S.147 ff.)

Die eingesetzten Mittel:

„Ein Mittel ist per definitionem ein Sachverhalt, den wir nicht um seiner selbst Willen als Ziel erstreben, sondern den wir um eines anderen zu erstrebenden Zieles willen absichtlich herbeiführen. Mit einer bewusst gesetzten Handlung versuchen wir ein bestimmtes Ziel zu erreichen.“ (Gruber 2009, S. 156)

Um die für einen ethischen Handlungsentscheid notwendigen Mittel zu wählen, müssen nach Gruber zwei Kriterien erfüllt sein. Zum einen muss das gewählte Mittel überhaupt dazu geeignet sein, das zuvor als sittlich erachtete Ziel zu erreichen. Des Weiteren muss das gewählte Mittel in einer angemessenen Verhältnismäßigkeit zum intendierten Ziel stehen. (vgl. Gruber 2009, S. 156 ff.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ethisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Wege zu einer ethischen Entscheidungsfindung
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Note
1,7
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V925994
ISBN (eBook)
9783346253828
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ethisches, handeln, sozialen, arbeit, wege, entscheidungsfindung
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Ethisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Wege zu einer ethischen Entscheidungsfindung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925994

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