Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 auf die Ausbildungsmotivation im Bankensektor


Hausarbeit, 2018

32 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen zur Forschungsfrage
2.1 Kurze Zusammenfassung der Finanzkrise
2.2 Digitalisierung und Personalbedarf im Bankensektor
2.3 Veränderung der Geschäftsmodelle von Banken

3 Empirische Datenerhebung
3.1 Forschungsfrage
3.2 Forschungsdesign
3.3 Auswahl der Daten
3.4 Erhebung der Daten
3.5 Auswertung der Daten

4 Ergebnisse
4.1 Ergebnisse K1
4.2 Ergebnisse K2
4.3 Ergebnisse K3

5 Kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl der Beschäftigten bei Kreditinstituten

Abkürzungsverzeichnis

Abb. = Abbildung

bzw. = beziehungsweise

z.B. = zum Beispiel

1 Einleitung

Im Jahr 2008 erlebte die Weltwirtschaft einen starken Einbruch, als in der Folge von Ausfällen einer Reihe von Banken und Versicherungen eine weltweite Finanzkrise ausgelöst wurde, deren Auswirkungen noch bis heute spürbar sind. Durch fehlerhafte Spekulationen mussten Banken Insolvenz anmelden. Viele Kundinnen und Kunden verloren einen großen Teil ihres Vermögens und Zentralbanken mussten eingreifen, um Schäden zu regulieren und einen Stillstand der Finanzmärkte zu verhindern. Aufgrund des massiven Versagens von Banken, Versicherungen und Kontrollinstitutionen im Rahmen der Finanzkrise sank insbesondere das Vertrauen in den gesamten Bankensektor. Im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit soll untersucht werden, inwieweit sich die Finanzkrise und etwaige Veränderungen des Images von Banken auf die Motivation zur Aufnahme einer Ausbildung als Bankkaufmann/-frau ausgewirkt haben. Da sich in der Folge der Finanzkrise wesentliche Veränderungen in den weltweiten Finanzsystemen ergeben haben, welche technische Veränderungen im Bankensektor vorangetrieben haben, soll die Ausbildungsmotivation außerdem im Hinblick auf die Digitalisierung untersucht werden.

Die Forschungsfrage ist gerade in der heutigen Zeit relevant, da der technische Fortschritt exponentiell zunimmt und jedes Unternehmen bzw. jeder Markt unterschiedlich betroffen ist. Die Arbeit hat eine wissenschaftliche Relevanz, da die Auswirkungen der Finanzkrise und möglicherweise einen direkten Einfluss auf die Bewerbersituation hat und durch eine Befragung der Interviewteilnehmer Erkenntnisse über die aktuelle und zukünftige Situation getroffen werden können.

Zunächst soll ein kurzer theoretischer Überblick über die Finanzkrise geschaffen werden. Der Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung soll hergestellt und ein aktueller Bezug darüber geschaffen werden, mit welchen Herausforderungen sich Banken heutzutage stellen müssen. Der Einfluss der genannten Aspekte auf die Ausbildungsmotivation wurde anhand von zwei qualitativen Interviews untersucht. Diese wurden in der Folge analysiert und kategorisiert. Die Ergebnisse werden zusammengefasst und aufbereitet, sodass anschließend eine Prognose für die Zukunft der Bankenbranche und das Bewerberverhalten abgegeben werden kann. Abschließend erfolgt eine kritische Auseinandersatzung mit den gesammelten Ergebnissen.

2 Grundlagen zur Forschungsfrage

2.1 Kurze Zusammenfassung der Finanzkrise

Über die Jahre veränderte sich der Blickwinkel auf sogenannte „Investments“. Die Anlage erfolgte nicht mehr in Produktionsmittel oder Maschinen, sondern vermehrt in Geld als Ware. Dadurch stieg die Nachfrage nach Investmentmöglichkeiten in solche Finanzwerte und entsprechend erfolgte eine Ausweitung des Angebots. Die Basis bildeten Aktien, bei denen man sein Kapital in ein Unternehmen investiert und einen Eigentumsanteil an diesem erhält und meist jährlich einen Gewinn in Form einer Dividende ausgeschüttet bekommt. Zur Mehrung dieser Finanzware lassen sich mehrere dieser Aktienbündel zu einem abstrakten Fonds zusammenfassen, wobei die Anteilseigner keine Stimmrechte genießen. Die Dividenden werden nach einem Abzug der Verwaltungskosten an die Käufer der Fonds ausgezahlt. Im Immobiliensektor wurden hier die Finanzierungen von Hauskäufen als Bündel in sogenannte „mortgage backed securities“ zusammengefasst und an institutionelle und private Anleger verkauft. Das große Risiko solcher Anlagen lag in der Zahlungsunfähigkeit der Kreditnehmer. Sollte eine solche eintreten und mehrere Kreditnehmer fallen aus, kann es zu einer Kettenreaktion und einer Zahlungsunfähigkeit der Investmentbanken führen, die nur durch andere Financiers wie z.B. Staaten oder Zentralbanken abgewendet werden können. Genau dies passierte, als es in den USA speziell im Bereich der Immobilienfinanzierungen zu massenhaften Zahlungsausfällen kam. Eine stetige Wertsteigerung der Immobilien wurde prophezeit und Banken vergaben Kredite, die hauptsächlich durch den physischen Wert der Immobilie besichert wurden. Dies führte zu einer Vertrauenskrise in Folge derer die Preise der Immobilien rasant fielen und eine Rückzahlung der Kredite nicht möglich war. Dies führte zu einem Platzen der Immobilienblase und einem Dominoeffekt, der die Finanzkrise zu einer weltweiten Wirtschaftskrise anwachsen und das Vertrauen in Banken verschwinden ließ, da vor allem die Federal Reserve Bank der USA und die Europäische Zentralbank als Financiers dienen mussten und Kredite zu Niedrigzinsen vergaben.1

2.2 Digitalisierung und Personalbedarf im Bankensektor

Die Digitalisierung beschreibt den digitalen Wandel und damit eine kontinuierliche Veränderung des Geschäftsmodells, bei der Betriebsprozesse und Kundeninteraktion im Vordergrund stehen, da in der heutigen Zeit neue Möglichkeiten der Informations- und Kundentechnologien vorhanden sind.2 Viele der einzelnen unterstützenden Prozesse und Bereiche werden, wie zum Beispiel die Abwicklung der Zahlungsströme, herausgelöst und in Kooperation mit FinTechs abgewickelt, sodass die Banken sich auf das Kerngeschäft der Kundeninteraktion konzentrieren können. Durch die Digitalisierung ändert sich das Kundenverhalten dahingehend, dass die Kunden weniger in Zweigstellen gehen. Die meisten Finanzprodukte werden bereits im Internet angeboten und ermöglichen eine Transparenz, die früher nicht vorhanden war. Auch bevor es zu einem Beratungsgespräch kommt, informieren sich die meisten Kunden bereits im Vorfeld über sämtliche Konditionen. Die individuellen Kundenwünsche bleiben im Online-Geschäft jedoch weitestgehend unberücksichtigt, sodass nach wie vor der Berater in der Filiale aufgesucht wird. Speziell bei komplexen Finanzprodukten mit einem langen Anlagehorizont in Bezug auf die Altersvorsorge oder einer großen Kreditsumme wie beispielsweise im Immobiliengeschäft, sind die Bankberater nach wie vor nicht wegzudenken.3 In der nachfolgenden Grafik wird die Anzahl aller Beschäftigten in Kreditinstituten von 2006 bis 2017 dargestellt. Man kann einen stetigen Abbau von Stellen erkennen, was mit der Optimierung bzw. Digitalisierung von Geschäftsprozessen einhergeht. Über die betrachteten 11 Jahre ist der Personalbedarf von Kreditinstituten um ca. 11% gesunken.

Abbildung 1 : Anzahl der Beschäftigten bei Kreditinstituten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statista, 2018

2.3 Veränderung der Geschäftsmodelle von Banken

Durch die fortschreitende Digitalisierung müssen Banken ihr Geschäftsmodell überdenken, da sich die Erwartungshaltung der Kunden gegenüber ihren Beratern grundlegend geändert hat.4 Das bestehende Konzept muss angepasst werden und der Innovationsprozess vorangetrieben werden, da die Kunden heutzutage jederzeit Zugriff auf ihre Bankdaten haben und entsprechend erwarten, eine schnelle Reaktion ihres Beraters zu erhalten. Unter Berücksichtigung der Standorte, insbesondere von Sparkassen, ist es wichtig, sich breit aufzustellen und dem Kunden als Multikanalbank eine Möglichkeit der Kommunikation zu gewährleisten. Des Weiteren darf der Anschluss an die technischen Möglichkeiten in Bezug auf schnelle Zahlungsmethoden nicht verloren gehen, da durch FinTech Unternehmen völlig neue Konkurrenten auf dem Bankensektor auftauchen, die es auf einen Teil der Wertschöpfungskette der klassischen Banken abgesehen haben. Die Kontakte zum Handel sollen genutzt werden, um direkt mit den Geschäftskonten entsprechende Bezahlmethoden zu beraten und umzusetzen.5

3 Empirische Datenerhebung

Im Folgenden wird erläutert, mit welchem Forschungsdesign und anhand welcher Datenauswahl, Datenerhebung sowie Datenauswertung die Forschungsfrage untersucht wird.

3.1 Forschungsfrage

Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, inwieweit die Finanzkrise von 2008 die Motivation zur Aufnahme einer Ausbildung als Bankkaufmann/-frau beeinflusst. Darüber hinaus sollen die Auswirkungen der Digitalisierung im Bankensektor auf die Ausbildungsmotivation untersucht werden, da diese im Zusammenhang mit der Finanzkrise zu betrachten ist.

3.2 Forschungsdesign

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird die Methode der qualitativen Forschung angewendet, da im Gegensatz zur quantitativen Forschung offene Fragen gestellt werden, die eine subjektive Meinung des Befragten ermöglichen und eine neue Sichtweise auf die Thematik geben können. Durchgeführt wird die qualitative Forschung mit einem Leitfadeninterview, bei dem ein Fragenkatalog als Leitfaden dient, um gezielt auf die Emotionen und Meinungen der Befragten einzugehen.6

3.3 Auswahl der Daten

Um Daten zur Beantwortung der Forschungsfrage zu sammeln, werden zwei Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter einer Sparkasse befragt. Es handelt sich um eine 22-jährige Auszubildende, die seit zwei Jahren im Unternehmen ist und um eine 25-jährige Mitarbeiterin der Personalabteilung, welche seit sechs Jahren im Unternehmen ist und täglich mit verschiedenen Auszubildenden Gespräche über die persönliche Entwicklung führt. Die Gespräche wurden in privaten Räumen geführt, bei denen jeweils nur die Befragten und der Interviewer anwesend waren. Die Gespräche wurden aufgezeichnet und haben jeweils eine Dauer von etwa 7-10 Minuten.

3.4 Erhebung der Daten

Die Daten wurden mithilfe eines Interview-Leitfaden geführt, welcher sich im Anhang 1 befindet. Im Leitfaden wurden vier Fragen in fett markiert, was bedeutet, dass diese Fragen definitiv in jedem Interview gestellt werden sollen. Die restlichen Fragen dienen zur Orientierung, falls sich Antworten in einen interessanten Bereich begeben, der durch ad-hoc Fragen tiefer begleitet werden kann. Nachdem das Einverständnis der Befragten eingeholt wurde und die Anonymität der Befragten versichert wurde, ist das Interview mit einem mobilen Endgerät aufgezeichnet worden. Während des Interviews wurden, bis auf die Ergänzung von ad-hoc-Fragen, keine Änderungen des Leitfadens vorgenommen. Die Befragten hatten vor dem Interview Informationen über das Forschungsthema, jedoch nicht über den Inhalt des Fragebogens, sodass eine Vorbereitung bis auf die Grundkenntnisse, die sich bereits aus der Forschungsfrage bzw. dem Thema ergaben, nicht möglich war. Anschließend wurden die Ergebnisse mittels Transkription ohne Transkriptionssoftware durchgeführt und sind anonymisiert in Anhang 2a bis 2b einzusehen.

3.5 Auswertung der Daten

Die ermittelten Daten wurden mithilfe einer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Kategorien wurden hierzu deduktiv erstellt und werden mithilfe der transkribierten Interviews induktiv ergänzt. Durch die Analyse der Interview-Inhalte wurden die Kategorien gebildet, wobei Inhalte oder Aussagen, die keinen Bezug zu der Forschungsfrage haben nicht berücksichtigt. Anschließend wurden die Kategorien übersichtlich mit Nummern versehen. Die entsprechenden Inhalte der Interviews wurden passagenweise den Kategorien zugeordnet.7 Die gesammelten Inhalte und Kategorien wurden in Anhang 3 in eine Tabelle eingefügt, welche die Kategorie, die zugeordnete Nummer, die Definition der Kategorie sowie ein Ankerbeispiel aus den Interviews erhält.8

4 Ergebnisse

4.1 Ergebnisse K1

Für das Image der Banken wird die Kategorie K1 aus der Perspektive der Kundinnen und Kunden, der eigenen Einschätzung des Interviewten sowie des Bekanntenkreises beleuchtet. Die Mitarbeiterin der Personalabteilung (im Folgenden „Mitarbeiterin“ genannt) führt auf, dass es in der Filiale mit eigenem Kundenstamm oft zu der Situation gekommen ist, dass Kundinnen und Kunden aufgrund ihrer Skepsis Beratungsinhalte bis ins kleinste Detail hinterfragen und es häufig nicht zu einem Abschluss kommt.9 Die Auszubildende spricht dies ebenfalls an und bezeichnet die Kundinnen und Kunden als Beratungsscheu, da es während der Finanzkrise zu mangelhaften Beratungsgesprächen kam.10 Zur eigenen Einschätzung des aktuellen Images gibt die Auszubildende an, dass das Image sich in den letzten Jahren etwas erholt hat.11 Zur Reaktion im Bekanntenkreis erklärt die Auszubildende, dass es hin und wieder ironisch belächelt wird, wenn sie von der Tätigkeit erzählt.12

4.2 Ergebnisse K2

In der Kategorie K2 werden die Zukunft des Ausbildungsberufes sowie die Chancen von Bankkaufleuten erläutert. Es wird hierbei auf die Digitalisierung eingegangen und welchen Einfluss diese auf die tägliche Arbeit hat. Zudem wird auf die Zukunft des klassischen Ausbildungsberufes eingegangen und welche Änderungen sich ergeben können. Die Auszubildende vermutet, dass es aufgrund der Digitalisierung zu einer Reduktion von Arbeitsplätzen kommen wird.13 Sie führt auf, dass dies bis auf den Bewerbungsablauf kein entscheidender Faktor für sie war, die Ausbildung zu beginnen, sie aber nicht bei einer Bank beworben hätte, die diesen Prozess auf dem Postweg erledigt.14 Die Mitarbeiterin vertritt dieselbe Meinung, dass es in der Zukunft zu einer Reduktion der Jobs kommen wird und nennt hierbei ebenfalls die Digitalisierung, sowie insbesondere den Aspekt des fortgeschrittenen Onlinebankings.15 Zum Ausbildungszweig fügt sie hinzu, dass es zu einer Erweiterung der klassischen Ausbildung zum Bankkaufmann/-frau kommen wird, welche einen Fokus auf die Digitalisierung legt. Im Zuge dieser Erweiterung lieg ein Schwerpunkt in Bereichen wie Social Media oder digitaler Vertrieb.16 Ergänzend spricht sie von einer Filialreduktion, sodass ein Fokus auf den internen Abteilungen liegen würde.17

4.3 Ergebnisse K3

In Kategorie K3 wird auf die Charaktereigenschaften und die Bewerberanzahl eingegangen. Die Mitarbeiterin beschäftigt sich durch ihre Tätigkeit täglich mit der Betreuung von Auszubildenden und gibt an, dass sich die Forderungen der Bewerber sehr geändert hätten. Bewerber fragten bereits in den Einstellungsgesprächen, welche konkreten Möglichkeiten zur Weiterbildung es nach der Ausbildung gebe.18 Sie zieht den direkten Vergleich zu ihrem eigenen Ausbildungsstart 2012 und den Einstellungen ihrer damaligen Mitauszubildenden, welche der Ausbildung einen sehr hohen Stellenwert beimaßen und es weniger um die Zeit nach der Ausbildung gegangen sei.19 Sie erwähnt ebenfalls, dass die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber drastisch sinken würde, was mitunter auch an der Digitalisierung sowie an der Akademisierung liege, aufgrund derer Bewerberinnen und Bewerber immer häufiger auch ein Studium anstreben.20

5 Kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen

Unter Bezugnahme der Forschungsfrage, ob die Finanzkrise eine entscheidende Rolle für junge Leute spielt, eine Ausbildung bei einer Bank zu beginnen, werden im Folgenden die gewonnenen Ergebnisse aus den Interviews genutzt, um erste Zusammenhänge herauszustellen. Es gibt viele Faktoren, von denen die Entscheidung abhängt, eine Ausbildung zur/zum Bankkaufmann/-frau zu absolvieren. Die Interviewten haben beide nach der Finanzkrise die Ausbildung begonnen, sodass hier ein aktueller Bezug hergestellt werden kann. Wie Kellermann bereits über die Finanzkrise schrieb, hat das Vertrauen der Banken massiv gelitten, nachdem 2008 letztendlich die Bürger die Geldpolitik der großen Notenbanken finanzierten und die Geschehnisse ein sehr schlechtes Bild auf Bankhäuser warfen.21 Dies wird auch anhand der Interviews deutlich. Die Interviewten berichten beide über das geschädigte Image der Banken. Dabei unterscheiden die Meinungen der Befragten leicht: Während die Auszubildende der Meinung ist, dass das Image der Banken sich mittlerweile weitestgehend erholt hätte, befindet es die Mitarbeiterin als immer noch stark geschädigt.

Beide sprechen zu der Finanzkrise allerdings den Punkt der Digitalisierung an, wobei sich beide Interviewten einig sind, dass dies womöglich noch ein größerer Faktor zur Entscheidung der Ausbildung beiträgt, da dieser womöglich die Bankenlandschaft komplett umgestaltet und daher auch eine gewisse Unsicherheit für angehende Auszubildende gibt. Diesen Punkt aufgreifend berichten Rohrmeier und Döring-Katerkamp (2016), dass FinTechs die Bankenlandschaft durch einen hohen technologischen Fortschritt im Bereich des Zahlungsverkehrs revolutionieren können, was laut Fahrenschon (2016) für eine ganz neue Konkurrenz der Banken sorgt und dadurch ebenfalls einen großen Einfluss auf die Entscheidung von jungen Leuten hat. Als mögliche Folge dessen berichtet die Mitarbeiterin, dass ihre Bank reagiert und die bestehende Ausbildungsordnung anpasst, sodass ein neuer Ausbildungsberuf entsteht, der einen Platz in dem sich ändernden Geschäftsmodells der Banken hat. Zieht man die Grafik des Personalbedarfs hinzu, kann man ebenfalls erkennen, dass der Personalbedarf stetig sinkt und damit ebenfalls die Nachfrage nach Auszubildenden oder die Entscheidung der Bewerber sich bei einer Bank zu bewerben. Auf die Frage, wo sie sich in der nahen Zukunft sieht, erzählt die Auszubildende auch, dass sie womöglich einen anderen Ausbildungsberuf oder akademische Ausbildung gewählt hätte, was ein kritisches Licht auf die Ausbildung insgesamt wirft.22 Im direkten Vergleich dazu konnte die Mitarbeiterin von einem damalig sehr hohen Stellenwert der Ausbildung sprechen, sodass der Ruf der Ausbildung scheinbar ebenfalls an Ansehen verloren hat.23

6 Fazit

Die Zielsetzung der Seminararbeit war die Untersuchung auf einen Zusammenhang zwischen der Finanzkrise 2008 sowie der Motivation von jungen Leuten eine Ausbildung als Bankkaufmann/-frau zu beginnen. Durch die Zusammenfassung der Finanzkrise und der fortschreitenden Digitalisierung sowie der Personalentwicklung in Banken, konnte ein grundlegendes Verständnis geschaffen werden. Durch die Durchführung von Qualitativen Interviews mit einer Auszubildenden in einer Sparkasse und einer Mitarbeiterin derselben Sparkasse im Personalbereich konnten verschiedene Meinungen in Bezug auf die Forschungsfrage eingeholt werden. Die Interviews wurden strukturiert und analysiert, um eine Einschätzung der aktuellen Bewerbersituation zu schaffen. Durch die Antworten hat sich herausgestellt, dass die Finanzkrise einen massiven Schaden am Image der Banken hinterlassen hat. Das Vertrauen der Kunden ist weitestgehend in einer leichten Erholung, hat aber dennoch Spuren am Beratungsverhalten und Sicherheitsverständnis der Kunden hinterlassen. Neben der Finanzkrise spielt allerdings die Digitalisierung eine große Rolle, da durch sie ein technischer Fortschritt erlangt wird, der das klassische Bild der Banken in Frage stellt und neuen Anbietern mit höherem technischen Verständnis eine gute Möglichkeit gibt den klassischen Banken Marktanteile streitig zu machen, wenn diese nicht umgehend reagieren. Doch auch in der Bank können die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden und Prozesse optimiert werden, sodass ein Rückgang der Bewerberzahlen nicht zwangsweise auf die Attraktivität des Ausbildungsberufes schließen lassen, sondern auch durch eine natürliche Reduktion von Arbeitsplätzen durch technischen Fortschritt. In Zukunft müssen traditionelle Banken sehen, dass sie ihr Geschäftsmodell entsprechen des digitalen Fortschritts anpassen, damit sie weiterhin im Markt bestehen können und einen attraktiven Ausbildungsplatz für junge Leute bieten, der ebenfalls auf die Zukunft ausgerichtet ist. Zudem müssen die Banken durch hohe Beratungs- und Serviceleistung das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen, damit die neu entstandenen FinTechs nicht die Marktanteile übernehmen mit besseren Infrastrukturen und einem kleineren Filialnetz, welches zukünftig ein entscheidender Vorteil sein wird. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Forschungsfrage nicht pauschal beantwortet werden kann, da in die Entscheidung eine Ausbildung zum Bankkaufmann/-frau abzuschließen viele Faktoren mit hineinspielen. Ich denke, dass die Digitalisierung aktuell einen größeren Einfluss auf die Entscheidung junger Leute hat, als die Nachwirkungen der Finanzkrise, da die Bewerber, die sich heutzutage für eine Ausbildung entscheiden ca. 19 Jahre alt sind und zu Zeiten der Finanzkrise mit 11 Jahren noch kein maßgebliches Verständnis von Kapitalmarktthemen hatten. Dennoch spielen die Nachwirkungen eine große Rolle im Kundenverhalten, sodass eine Abwanderung zu einer neuen Bank mit einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell schneller entschieden wird.

[...]


1 Vgl. Kellermann, P., Soziologie des Geldes, 2014, S. 27 - 29

2 Vgl. Ornau, F., Digitalisierung, 2017, S. 50

3 Vgl. Rohrmeier, D., Döring-Katerkamp, U., Mitarbeiter im Zeitalter der Digitalisierung, 2016

4 Vgl. Ornau, F., 2017, Digitalisierung, S. 52

5 Vgl. Fahrenschon, G., Herausforderungen Sparkasse, 2016, S. 10 - 13

6 Vgl. Döring, N., Bortz, J., 2016, Forschungsmethoden, S. 322 - 323

7 Vgl. Mayring, P., 2002, Qualitative Sozialforschung, S. 85 - 89

8 Vgl. Mayring, P., 2002, Qualitative Sozialforschung, S. 114 - 121

9 Vgl. Anhang 2 b), transkribiertes Interview, Z. 76 - 82

10 Vgl. Anhang 2 a), transkribiertes Interview, Z. 29 - 32

11 Vgl. Anhang 2 a), transkribiertes Interview, Z. 20 - 21

12 Vgl. Anhang 2 a), transkribiertes Interview, Z. 45 - 48

13 Vgl. Anhang 2 a), transkribiertes Interview, Z. 60

14 Vgl. Anhang 2 a), transkribiertes Interview, Z. 68 - 70

15 Vgl. Anhang 2 b), transkribiertes Interview, Z. 29 - 32

16 Vgl. Anhang 2 b), transkribiertes Interview, Z. 32 - 38

17 Vgl. Anhang 2 b), transkribiertes Interview, Z. 30 - 32

18 Vgl. Anhang 2 b), transkribiertes Interview, Z. 62 - 64

19 Vgl. Anhang 2 b), transkribiertes Interview, Z. 65 - 67

20 Vgl. Anhang 2 b), transkribiertes Interview, Z. 20 - 22

21 Vgl. Kellermann, P., Soziologie des Geldes, 2014, S. 27 - 29

22 Vgl. Anhang 2 a), transkribiertes Interview, Z. 80 - 82

23 Vgl. Anhang 2 b), transkribiertes Interview, Z. 65 - 67

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 auf die Ausbildungsmotivation im Bankensektor
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
32
Katalognummer
V926026
ISBN (eBook)
9783346252906
ISBN (Buch)
9783346252913
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wissenschaftliche, methoden, qualitativ, interview, ausbildung, bankkaufmann, bankkauffrau, finanzkrise
Arbeit zitieren
Malik Boysen (Autor), 2018, Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 auf die Ausbildungsmotivation im Bankensektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/926026

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