Entwicklung des Okzitanischen vom Lateinischen. Ein Vergleich mit der Entwicklung der spanischen Sprache


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

25 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Thematische Einführung

2. Die Entwicklung des Okzitanischen vom Lateinischen: Interne Sprachgeschichte
2.1 Sprachwandel auf phonetischer und phonologischer Ebene:
2.1.1 Vokalsystem
2.1.2 Konsonantismus
2.2 Sprachwandel auf morphosyntaktischer Ebene:
2.3 Sprachwandel auf lexikalischer Ebene:
2.4 Zwischenergebnis:

3. Die Entwicklung des Spanischen vom Lateinischen : Interne Sprachgeschichte
3.1 Sprachwandel auf phonetischer und phonologischer Ebene:
3.1.1 Quantitätenkollaps
3.1.2 Monophongierung und Dipthongierung
3.1.3 Kosonantismus
3.1.5 Zwischenergebnis
3.2 Sprachwandel auf morphosyntaktischer Ebene:
3.3 Sprachwandel auf lexikalischer Ebene
3.4 Zwischenergebnis

4. Gegenüberstellung: Vom Lateinischen zum Okzitanischen - ein Vergleich mit der Entwicklung des Spanischen
4.1 Vergleich auf phonetischer und phonologischer Ebene
4.2 Vergleich auf morphosyntaktischer Ebene
4.3 Vergleich auf lexikalischer Ebene

5. Abschließende Bemerkung und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1 Thematische Einführung

Spanisch und Okzitanisch - Weltsprache gegen Minderheitssprache: Zwei romanische Sprachen, die ihren sprachlichen Ausgangspunkt im Vulgärlatein haben. Allerdings sind beide sprachlichen Entwicklungen unterschiedlich verlaufen und jede Sprache weist für sich verschiedene Sprachwandelphänomene auf.

Das Okzitanische oder auch die Langue d'oc, die zu den galloromanischen Sprachen zählt, wird primär im südlichen Teil Frankreichs gesprochen. Darüber hinaus in 15 Talschaften in Italien und in der spanischen Region Val d'Aran in den Pyrenäen. Die spanische Sprache, die weit in der Welt verbreitet ist und zu den Iberoromansichen Sprachen zählt, umfasst neben dem spanischen Gebiet vor allem auch Lateinamerika.

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Entwicklung der Okzitanischen Sprache aus dem Lateinischen im Vergleich zur Entwicklung der spanischen Sprache. Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist es, die Entwicklung beider Sprachen herauszuarbeiten und anschließend miteinander zu vergleichen. Zunächst wird die Entwicklung der okzitanischen Sprache vorgestellt. Im Anschluss wird die Entwicklung der spanischen Sprache vom Vulgärlatein aufgezeigt. Abschließend erfolgt ein Vergleich beider Entwicklungen. Der Fokus dieser Hausarbeit liegt darin, die einzelnen Sprachwandelphänomene zu erörtern, insbesondere den Prozess als auch die Ergebnisse dieses Sprachwandels. Daher liegt der Schwerpunkt auf den Veränderungen innerhalb der Sprache, also auf der internen Sprachgeschichte des Okzitanischen und des Spanischen. Auf die externe Sprachgeschichte beider Sprachen wird wegen der Schwerpunktsetzung auf die interne Sprachgeschichte nicht eingegangen. Zudem sei kritisch anzumerken, dass die Ausführungen zur internen Sprachgeschichte des Spanischen ausführlicher erfolgen, als die Ausführungen zum Okzitanischen. Grund dafür ist, die mangelnde Existenz spezifischer Werke zur detaillierten Entwicklung des Okzitanischen vom Lateinischen.

2. Die Entwicklung des Okzitanischen vom Lateinischen: Interne Sprachgeschichte

Im nachstehenden Kapitel wird die Entwicklung der okzitanischen Sprache vom Lateinischen dargestellt.

Dabei muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass allein das Vulgärlatein, also die gesprochene Sprache des Volkes, den Grundstein für die Herausbildung der romanischen Sprachen, auch des Okzitanischen, darstellt (vgl. Pöckl/Rainer/Pöll 2007: 44).

Die Sprachwandelphänomene werden auf phonetischer und phonologischer, morphosyntaktischer, lexikalischer und grammatischer Ebene aufgezeigt.

2.1 Sprachwandel auf phonetischer und phonologischer Ebene:

2.1.1 Vokalsystem

Das Vokalsystem des okzitanischen besteht aus vier Öffnungsgraden im Bereich der Vorderzungenvokale und drei im Bereich der Hinterzungenvokale. Zudem hat das Okzitanische einen gerundeten Vorderzungenvokal [y] und einen Mittelzungenvokal [a] (vgl. Bossong: 2008: 132 f.). Folgende Grafik verdeutlicht das okzitanische Vokalssystem (Quelle: Bossong 2008: 133).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grundlage für das Vokalsystem des Okzitanischen und anderer romanischen Sprachen war das vulgärlateinische Vokalsystem.

Letzteres unterlag einem sprachlichem Wandel auf dem Weg vom Lateinischen zum Vulgärlateinischen, nämlich dem Quantitätenkollaps: Dabei handelt es sich um: „[...] einen Zusammenbruch der phonematischen Unterscheidung von Lang- und Kurzvokalen [...]“ (ebd: 277). Auf den sogenannten Quantitätenkollaps wird nochmals genauer in Kapitel 3.1.1 eingegangen.

Folgende Grafik (Quelle: Bossong 2008: 278) kontrastiert das klassische lateinische System mit dem des Vulgärlateinischen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.2 Konsonantismus

Im Bereich der Konsonanten verzeichnet sich im Okzitanischen die Palatalisierung des langen [u] des Lateinischen. Mithin wird der Laut wie [y] ausgesprochen (vgl. ebd: 133). Vor den velaren Vokalen [a], [o] und [u] wird der Konsonant [c] als [k] ausgesprochen, während dieser vor den palatalen Vokalen [e] und [i] als ein stimmloser Affrikat [ts] artikuliert wird. Außerdem wird der Konsonant [g] vor den velaren Vokalen [a], [o] sowie [u] als [g] artikuliert, während dieser vor den palatalen Vokalen [e] und [i] als stimmhafte Affrikate [dz] artikuliert wird (vgl. Lafont: 1991: 5).

2.2 Sprachwandel auf morphosyntaktischer Ebene:

Auf der morphosyntaktischen Ebene ist zunächst der Aspekt des Kasussystems anzusprechen. Während das lateinische Kasussystem 6 Kasus besitzt (vgl. Pöckl/Rainer/Pöll 2007: 48), gibt es in der okzitanischen Sprache von heute keine derartige Kasusflexion mehr. Zwar war im Altokzitanischen noch ein Zweikasus-system zu beobachten, wie auch im Vulgärlatein, das aber in der Jahrhundertwende vom 13. zum 14. Jahrhundert verschwand.

Das Zweikasussystem bestand zum Einen aus dem Casus rectus (CR) und zum Anderen aus dem Casus obliquus (CO): „Der CR stand für den Nominativ, der CO für sämtliche übrigen Kasusfunktionen, insbesondere für den Akkusativ [...]“ (Bossong 2008: 136 f.).

Folgendes Beispiel verdeutlich das soeben Gesagte (ebd: 137):

(1) Nomen Sg. Casus rectus : murs (lat. MURUS)
(2) Akkusativ Sg. Casus obliquus mur (lat. MURUM)
(3) Nominativ Pl. Casus rectus mur (lat. MURI)
(4) Akkusativ Pl. Casus obliquus murs (lat. MUROS)

Resultat dieses Zweikasussystems ist, wie man dem Beispiel entnehmen kann, dass der Casus rectus im Singular ebenso lautet wie der Casus Obliquus Plural sowie der Casus Obliquus im Singular wie der Casus Rectus im Plural.

Ein weiterer Aspekt auf morphosyntaktischer Ebene ist, dass die okzitanische Sprache eine Verbalflexion entwickelt, die sehr nah an der der lateinische Sprache ist und die jeweiligen Verbalsuffixe die Funktion eines Personalpronomens einnehmen: canti, cantas, canta, cantam, cantatz, cantan (vgl. Lafont 1991: 10).

Betrachtet man das Verbalsystem des klassichen Latein, so bevorzugte es in seinem Verbalsystem synthetische Formen, während das Vulgärlatein vielmehr zu analytischen, das heißt zu zusammengesetzten Zeiten tendierte (Wesch 2001: 150).

Die Bevorzugung analytischer Formen hat sich auch im Bereich des okzitanischen Verbalssystems durchgesetzt.

Die folgenden Beispiele des Perfekts und Futur unterstreichen die Tendenz der Verwendung analytischer Formen im Bereich des Verbalssystems (Cichon 1999: 39 ff.):

(5) ai trabalhat (passat compausat)
(6) as legit (passaut compasat)
(7) a sentit (pasat compausat)
(8) vau trabalhar (futur compausat)
(9) aurai acabat (furur anterior)

Darüber hinaus ist auf der morphosyntaktische Ebene die Herausbildung des bestimmten Artikels zu nennen.

Dieser geht auf die lateinische Demonstrativpronomen ille, illa, illud zurück (vgl. Lafont 1991: 9) . Im Okzitanischen hat sich folglich la und las für das Femininum herausgebildet und lo und los für das

Maskulinum:

„Das Standard- Languedokische hat lo los/la las [...]“ (Bossong 2008: 140). Der unbestimmte Artikel wurde von den lateinischen Formen unus und una gebildet. Folglich sieht man, dass das Neutrum nicht ins Okzitanische übertragen wurde.

2.3 Sprachwandel auf lexikalischer Ebene:

Im Hinblick auf die lexikalische Ebene darf natürlich der lateinische Einfluss auf das Okzitanische nicht unerwähnt bleiben. Allgemein bekannt ist, dass das okzitanische eine romanische Sprache ist und somit der Inhalt des okzitanischen seinen Ursprung im Lateinischen findet.

Folgende Tabelle verdeutlicht die sprachlichen Ähnlichkeiten zwischen dem Lateinischen und dem Okzitanischen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ferner sind noch zwei weitere Superstrate zu erwähnen, die Einfluss auf den okzitanischen Wortschatz genommen haben:

Zum einen lässt sich germanischer Einfluss feststellen, zum anderen ein geringer arabischer Einfluss, der auf einen Sprachkontakt zwischen der okzitanischen und spanischen Sprache ab dem 11. Jahrhundert beruht (Lafont 1991: 19).

Aufgrund des Fokus auf die Entwicklung der okzitanischen Sprache vom Lateinischen werden hier weitere Ausführungen diesbezüglich ausgelassen.

2.4 Zwischenergebnis:

Das Kapitel 2 beschäftigte sich mit der Entwicklung des Okzitanischen vom Lateinischen. Untersucht wurden die Entwicklungen auf phonetischer und phonologischer Ebene, auf morphosyntaktischer sowie aus lexikalischer Ebene.

Die Erörterung der internen Sprachgeschichte des Okzitanischen hat unter anderem gezeigt, dass der Ausgangspunkt für das okzitanische Vokalsystem das Vulgärlateinische ist, dass die lateinische Kasusflexion im heutigen Okzitanische keinen Bestand hat und dass der Ursprung der okzitanischen Lexik in der lateinischen Sprache liegt.

Das dritte Kapitel setzt sich mit der Entwicklung der spanischen Sprache vom Lateinischen auseinander.

3. Die Entwicklung des Spanischen vom Lateinischen : Interne Sprachgeschichte

Der folgende Abschnitt dient dazu, die wichtigsten Veränderungen innerhalb der spanischen Sprache bei der Entwicklung vom Vulgärlatein zum Spanischen darzustellen. Denn allein das gesprochene Latein, das Vulgärlatein, war die Grundlage für die Herausbildung der spanischen Sprache (Becker 2013: 206). Gleichzeitig ist es jedoch unverzichtbar die Veränderungen zwischen klassischem Latein und dem Vulgärlatein aufzuzeigen. Die Veränderungen werden auf phonetischer und phonologischer, morphosyntaktischer und lexikalischer Ebene erörtert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Entwicklung des Okzitanischen vom Lateinischen. Ein Vergleich mit der Entwicklung der spanischen Sprache
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V926222
ISBN (eBook)
9783346258113
ISBN (Buch)
9783346258120
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, okzitanischen, lateinischen, vergleich, sprache
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Entwicklung des Okzitanischen vom Lateinischen. Ein Vergleich mit der Entwicklung der spanischen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/926222

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