Die folgende Arbeit hat sich aus der Praxis mehrjähriger Bildungsarbeit mit Betriebsräten und Personalräten zum Thema Mobbing im Rahmen der Deutschen Angestellten Gewerkschaft und privater Bildungsträger entwickelt. Die Konzeption für die Fortbildung von Betriebsräten und Personalräten zum Thema Mobbing umfasst mehrere Phasen und hat zur Struktur der vorliegenden Arbeit beigetragen. Zunächst geht es um Informationen über das Phänomen Mobbing und um die Sensibilisierung für die differenzierte Wahrnehmung dieses aktuellen sozialen Problems. Sodann werden mögliche Ursachenfaktoren interdisziplinär und multikausal diskutiert. Weiterhin werden Wege zu einer gezielten Intervention im Mobbing-Fall aufgezeigt. Außerdem soll die Methode der Mediation als ein vieldiskutiertes und vielerprobtes Streitschlichterverfahren skizziert werden. Ein Exkurs zeigt, dass es Mobbing nicht nur im Arbeitsleben, sondern auch in der Schule gibt. Schließlich werden in den folgenden Ausführungen auch rechtliche Aspekte zum Thema Mobbing aufgezeigt, die von Klaus TUSCHINSKY zusammengetragen und freundlicherweise überlassen worden sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Erscheinungsformen des Mobbing
2.1 Zur Definition des Begriffes Mobbing
2.2 Das Ausmaß des Mobbing
2.3 Mögliche Anlässe des Mobbing
2.3.1 Private Anlässe
2.3.2 Betriebliche Anlässe
2.4 Konflikt als Mobbing- Anlass
2.4.1 Marginalisierung und Stigmatisierung
2.5 Typische Mobbing- Opfer
2.6 Das Phasen-Modell
2.7 Stressbelastung durch Mobbing
2.7.1 Vergewaltigung - Folter – Psychoterror
2.7.2 Verlaufsmodell
2.8 Typische Stress-, Schock, -Belastungs- Krankheit
2.9 Früherkennung
3 Ursachen des Mobbing
3.1 Persönlichkeitstheorien
3.2 Persönliche Belastungen des Mobbing-Opfers
3.3 Arbeitsstrukturelle Gründe für Mobbing
3.4 Betriebliche Ursachen von Mobbing
3.5 Zur Bedeutung der Wirtschaftskrise
3.6 Angestellte spezifisch belastet
3.7 Betriebsklima und Unternehmenskultur
3.8 Mobbing als moderne Erscheinung?
3.8.1 Der autoritätshörige Charakter
3.8.2 Die moderne Gesellschaft
3.8.3 Individualismus und Egoismus
3.8.4 Die pluralistische Gesellschaft
3.8.5 Sehnsucht nach Gemeinschaft
3.8.6 Suche nach Sündenbock
3.8.7 Ablenkung von eigenem Versagen
3.9 Mobbing als bewusste Strategie
3.9.1 Mobbing nach Plan
3.9.2 Wem nützt Mobbing?
3.9.3 Zynismus statt Verantwortung
3.9.4 Anleitung zum Mobbing
3.9.5 Mobbing-Schikane von oben: Bossing
3.9.6 Antigewerkschaftliche Tendenz
4 Interventionsmöglichkeiten bei Mobbing
4.1 Untaugliche Mittel
4.2 Tabletten und Alkohol
4.3 Sinnvolle Maßnahmen gegen Mobbing
4.4 Rückendeckung suchen
4.5 Offene Aussprache fordern
4.6 Personalrat, Betriebsrat, Mobbing-Beauftragter
4.7 Stressabbau durch Sport, Autogenes Training
4.8 Verbesserung des Betriebsklimas und der Unternehmenskultur
4.9 Mobbing-Test
4.10 Kernpunkte einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung zum Thema Mobbing
5 Mobbing in der Schule
6 Mediation als professionelle Beratungsmethode
6.1 Beratungsgespräch
6.2 Das Mediationsverfahren
7 Rechtliche Aspekte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein tiefgreifendes Verständnis für das Phänomen Mobbing im Arbeitsleben und im schulischen Kontext zu entwickeln, Erscheinungsformen sowie Ursachen aufzuzeigen und praxistaugliche Interventionsmöglichkeiten vorzustellen. Dabei wird insbesondere der Rolle von Betriebs- und Personalräten sowie der Methode der Mediation als wirksames Streitschlichterverfahren besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
- Phänomenologie und Verlauf von Mobbing-Prozessen
- Multikausale Ursachenanalyse (psychologisch, strukturell, gesellschaftlich)
- Präventions- und Interventionsstrategien für Betroffene und Betriebe
- Die Rolle der Mediation als professionelle Konfliktlösungsmethode
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Mitbestimmungsrechte
Auszug aus dem Buch
2.3 Mögliche Anlässe des Mobbing
Dem Beginn des Mobbing liegen Konflikte zugrunde, wie sie sich überall im zwischenmenschlichen Bereich finden. Außerordentlich häufig gibt es organisatorische, betriebliche und wirtschaftliche Hintergründe. Die Anlässe selbst sind allerdings sehr häufig menschlich, allzu menschlich.
Bei der Analyse von Mobbinganlässen kristallisieren sich häufig Neid und Missgunst als Motive und Antriebsmechanismen heraus (KRAUS/KRAUS 1994, Seite 8 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Hintergrund der Arbeit, der aus einer mehrjährigen Bildungsarbeit mit Betriebs- und Personalräten resultiert, und führt in das methodische Vorgehen sowie die Struktur der Untersuchung ein.
2 Erscheinungsformen des Mobbing: Der Abschnitt definiert den Mobbingbegriff, beschreibt den Prozessverlauf, die psychischen Folgen wie posttraumatische Stressbelastungen und geht auf die Typologie der Opfer ein.
3 Ursachen des Mobbing: Hier werden die Ursachen interdisziplinär beleuchtet, wobei zwischen psychologischen Persönlichkeitstheorien, arbeitsstrukturellen Bedingungen und bewussten betrieblichen Strategien (Bossing) unterschieden wird.
4 Interventionsmöglichkeiten bei Mobbing: Dieses Kapitel stellt Handlungsoptionen vor, von individuellen Schutzmaßnahmen und Stressabbau bis hin zur betrieblichen Vereinbarung und der Rolle von Interessenvertretungen.
5 Mobbing in der Schule: Ein Exkurs, der aufzeigt, dass Mobbing kein reines Arbeitsplatzphänomen ist, sondern in ähnlicher Weise auch das Schulleben belastet, und entsprechende Präventionsansätze skizziert.
6 Mediation als professionelle Beratungsmethode: Dieses Kapitel führt in das Verfahren der Mediation als konstruktive Konfliktlösungsstrategie ein und beschreibt den methodischen Ablauf in fünf Phasen.
7 Rechtliche Aspekte: Der letzte Teil dokumentiert wichtige rechtliche Grundlagen wie Auszüge aus dem BGB, dem Kündigungsschutzgesetz und dem Betriebsverfassungsgesetz, die für die rechtliche Einschätzung von Mobbing relevant sind.
Schlüsselwörter
Mobbing, Psychoterror, Arbeitsplatz, Schule, Mediation, Konfliktlösung, Betriebsrat, Stigmatisierung, Bossing, Posttraumatische Stressbelastung, Unternehmenskultur, Arbeitsstruktur, Persönlichkeitstheorien, Interventionsmöglichkeiten, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich umfassend mit der Dynamik von Mobbingprozessen, sowohl am Arbeitsplatz als auch in schulischen Kontexten, und beleuchtet dabei Erscheinungsformen, Ursachen sowie Bewältigungsstrategien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition und Phasen von Mobbing, die Analyse von Ursachen auf verschiedenen Ebenen, die psychischen Auswirkungen auf die Opfer sowie rechtliche und praktische Handlungswege zur Intervention.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Betroffene, Betriebsräte und Verantwortliche für das Phänomen zu sensibilisieren und durch eine fundierte Darstellung der Hintergründe sowie die Vorstellung konkreter Interventionsmethoden, wie der Mediation, Wege aus der Mobbing-Falle aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf einen interdisziplinären Ansatz, der Erkenntnisse aus der Mobbing-Forschung, der Psychologie, der Pädagogik und der Rechtswissenschaft integriert und durch Fallbeispiele sowie gewerkschaftliche Erfahrungen ergänzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Mobbing (Konflikte, systemische Ursachen), die psychische Belastung, das Phasenmodell des Mobbing, betriebliche Strategien wie Bossing und praktische Lösungswege inklusive Mediation und rechtlicher Absicherung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Mobbing, Psychoterror, Mediation, Konfliktlösung, Interessenvertretung, Unternehmenskultur, Prävention und psychosomatische Folgen sind die zentralen Begriffe der Publikation.
Wie unterscheidet sich "Bossing" von herkömmlichem Mobbing?
Bossing beschreibt eine spezielle Form des Mobbings, bei der die Schikanen gezielt von oben, also durch Vorgesetzte oder das Management, ausgehen, oft mit der strategischen Absicht, Personalabbau zu betreiben.
Warum ist die Mediation für den Betrieb ein sinnvoller Ansatz?
Mediation ermöglicht es, Konflikte strukturiert und durch einen neutralen Dritten zu bearbeiten, Interessen beider Seiten zu berücksichtigen und konstruktive, dauerhafte Lösungen zu finden, ohne die Situation durch einseitige Schuldzuweisungen weiter zu eskalieren.
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- Professor Dr. phil. Karl-Heinz Ignatz Kerscher (Author), 2008, Mobbing im Arbeitsleben und in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92652