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Von einer lokalen Vampirform zum politischen Schreckgespenst: Der polnische Upiórglaube in kulturhistorischer Perspektive

Titel: Von einer lokalen Vampirform zum politischen Schreckgespenst: Der polnische Upiórglaube in kulturhistorischer Perspektive

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2008 , 21 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Piotr Grochocki (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Osteuropa
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ausschnitt aus Einleitung: [...] Die vorliegende Arbeit geht von zwei Leitfragen aus. Erstens ist zu klären, welche Rolle der Glaube an den Upiór in der polnischen Nationalbewegung spielte. Zweitens soll untersucht werden, warum der polnische Vampir von der deutschen Publizistik erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde. In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die einschlägigen Quellen und der politisch-historische Hintergrund untersucht. Danach wird analysiert, wie der erwähnte Volksglaube von den Nationalbewegungen der beiden Länder literarisch verarbeitet und publizistisch instrumentalisiert wurde. Die Forschungsliteratur auf dem Gebiet der Nationalbewegungen ist umfangreich, zum Vampir- und besonders zum Upiórglauben jedoch überschaubar. Unter den deutschsprachigen Arbeiten ist besonders der noch nicht erschienene Aufsatz von Thomas M. Bohn hervorzuheben, der durch prägnante Thesen und ausführliche Literaturhinweise besticht und auf diesem Gebiet Pionierarbeit leistet. In der polnischen Forschung findet das Thema leider noch kaum Interesse, die Arbeit von Maria Janion etwa beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Rezeption des Vampirmythos im westlichen Kulturkreis. [...] Abstract English: Some sources document the alleged occurrence of revenants on polish ground for the 17th century already. The belief in the “upiór” was widely common in occupied Poland too. After the last partition of Poland in 1795 a strong national movement emerged on the territory of the nonexistent Polish state. It was based on an engrained popular belief in the historic mission of the Polish nation and the resurrection of Polish statehood. The initial sympathy of German liberals for the Polish national movement gave way to a distinct hostility for Poland after 1848. This was partly influenced by the belief of the Polish nation being some kind of a revenant or vampire that haunts the neighbouring partition forces after its self-inflicted death and sucks the blood out of them. The belief in the upiór, which appeared at the Slavic population in the Prussian part of former Polish territory, was stylized from a myth treasure to the political issue of “Polish danger”.

Leseprobe


Inhalt

I. Einleitung

II. Von einer lokalen Vampirform zum politischen Schreckgespenst: Der polnische Upiórglaube in kulturhistorischer Perspektive

1. Die Voraussetzungen: Quellenlage und politisch-historischer Hintergrund

1.1. Wiedergänger- und Vampirfälle im Polen der Frühen Neuzeit

1.2. Niedergang, Teilungen und Nationalbewegungen: Polen im 18. und 19. Jhdt.

2. Die literarische Bearbeitung des Upiór-Sujets durch Adam Mickiewicz und andere polnische Autoren

2.1. Der Upiór in Adam Mickiewiczs Dichtung und Prosa

2.2. Der Upiór bei anderen polnischen Autoren

3. Von einer Volkssage zum politischen Schreckgespenst: Der Upiór bei den deutschen Liberalen

3.1. Die antipolnische Publizistik

3.2. Die spätromantische Mythologie- und Sagenforschung

3.3. Die Kriminalistik

III. Zusammenfassung / Abstract

IV. Anhang

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die kulturhistorische Entwicklung des polnischen Upiórglaubens und dessen Transformation von einer lokalen volkskundlichen Sagenform hin zu einem politisch instrumentalisierten Schreckgespenst in der deutschen Publizistik des 19. Jahrhunderts.

  • Kulturhistorische Analyse von Vampir- und Wiedergängerglauben im Polen der Frühen Neuzeit.
  • Untersuchung der literarischen Verarbeitung des Upiór-Motivs bei Adam Mickiewicz und anderen polnischen Autoren.
  • Analyse der Wahrnehmung und Instrumentalisierung polnischer Sagen durch deutsche Liberale und Kriminalisten.
  • Verständnis der Verschiebung von Polenbildern im 19. Jahrhundert im Kontext von Nationalbewegungen und polnischer Fremdherrschaft.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die antipolnische Publizistik

Wie bereits gezeigt wurde, konzentrierte sich die polnische Nationalbewegung auf die von Preußen, Österreich und Russland ausgehende Fremdherrschaft. Sie bemühte sich, die Existenzberechtigung der polnischen Adelsrepublik historisch zu rechtfertigen. Für die polnische Elite war die „Wiedergeburt“ ihrer Nation eine gemeinsame Vorstellung, die sie aus der Leidensgeschichte der Bibel ableitete. Währenddessen hielten sich die deutschen Besatzer für kulturell höherwertig und hielten einen polnischen Staat für nicht überlebensfähig, wie es die Geschichte ihrer Meinung nach bereits gezeigt hatte. Deutsche Publizisten schrieben Vampirfälle bei der polnischsprachigen Landbevölkerung dem Aberglauben zu und sahen sie als individuelle Ausdrücke einer „polnischen Gefahr“.

Als Vertreter des deutschen Historismus stellte Heinrich von Sybel – indem er von der Kategorie der historischen und unhistorischen Völker ausging – im Jahre 1860 einen „politischen und sittlichen Selbstmord“ der Adelsnation fest, der dieser den Einzug in das Paradies verwehre.

Schon im Jahre 1855 hatte Gustav Freytag in seinem Roman „Soll und Haben“, der bis zur Jahrhundertwende in nicht weniger als 40 Neuauflagen erschien, dem antipolnischen Bewusstsein der deutschen Kolonisatoren einen „künstlerischen“ Ausdruck gegeben. Polnische Misswirtschaft, Unordnung und Falschheit verkörpern in dem Roman das böse Prinzip, gegen das der bürgerliche Tugendwächter Anton Wohlfahrt mit unermüdlicher Tatkraft ankämpft. Am Beispiel Freytags wird der Wandel in der Beurteilung der polnischen Kultur deutlich, der bei einem Teil der deutschen Liberalen auf dem Weg zum Nationalliberalismus aufritt. Ein anderes Beispiel für diesen Wandel ist die volkskundliche Literatur und hier speziell die spätromantische Mythologie- und Sagenforschung sowie die damit verbundene Kriminalistik.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Erläutert die Relevanz der Kulturgeschichte und führt in die zentrale Bedeutung des Vampirglaubens für die Identitätsbildung im polnischen und deutschen Kontext ein.

II. Von einer lokalen Vampirform zum politischen Schreckgespenst: Der polnische Upiórglaube in kulturhistorischer Perspektive: Analysiert historische Quellen zu Vampirfällen und den politisch-historischen Kontext der Teilungen Polens.

1. Die Voraussetzungen: Quellenlage und politisch-historischer Hintergrund: Beschreibt die Anfänge des Upiórglaubens durch Naturgeschichten und den Einfluss der polnischen Teilungen.

1.1. Wiedergänger- und Vampirfälle im Polen der Frühen Neuzeit: Untersucht frühe Berichte über Wiedergänger und deren Behandlung durch kirchliche Instanzen.

1.2. Niedergang, Teilungen und Nationalbewegungen: Polen im 18. und 19. Jhdt.: Erörtert den politischen Zerfall der Adelsrepublik und die Entstehung des polnischen Nationalbewusstseins.

2. Die literarische Bearbeitung des Upiór-Sujets durch Adam Mickiewicz und andere polnische Autoren: Beleuchtet die Integration des Vampirmotivs in den polnischen Messianismus und die Literatur.

2.1. Der Upiór in Adam Mickiewiczs Dichtung und Prosa: Analysiert das Werk "Die Totenfeier" und die symbolische Verknüpfung von Vampirismus und nationalem Widerstand.

2.2. Der Upiór bei anderen polnischen Autoren: Zeigt die abweichende Verwendung des Motivs in der späteren polnischen Literatur als Mittel zur sozialen Kritik.

3. Von einer Volkssage zum politischen Schreckgespenst: Der Upiór bei den deutschen Liberalen: Beschreibt, wie der Vampirglaube im 19. Jahrhundert politisch gegen Polen instrumentalisiert wurde.

3.1. Die antipolnische Publizistik: Dokumentiert den Wandel des deutschen Polenbildes von Unterstützung hin zur Stilisierung als "polnische Gefahr".

3.2. Die spätromantische Mythologie- und Sagenforschung: Analysiert die wissenschaftliche Erfassung des Vampirglaubens und dessen Einordnung in völkische Kategorien.

3.3. Die Kriminalistik: Untersucht die Verwendung von Berichten über "Leichenschändungen" als juristisches und propagandistisches Instrument gegen die polnische Bevölkerung.

III. Zusammenfassung / Abstract: Fasst die Kernergebnisse der Arbeit in deutscher und englischer Sprache zusammen.

IV. Anhang: Listet die verwendeten Quellen und Darstellungen zur weiteren Recherche auf.

Schlüsselwörter

Upiór, Vampir, Polen, Nationalbewegung, Messianismus, Adam Mickiewicz, Kulturgeschichte, deutsche Liberale, antipolnische Publizistik, Mythologie, Kriminalistik, Wiedergänger, 19. Jahrhundert, Fremdherrschaft, Diskursanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die kulturhistorische Transformation des polnischen Vampirglaubens (Upiór) und dessen instrumentelle Rolle im Diskurs zwischen polnischen Nationalbewegungen und deutscher Publizistik im 19. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen den Volksglauben an Wiedergänger, die literarische Adaption dieser Sagen in der polnischen Romantik sowie die politische Stilisierung polnischer Identität durch deutsche Akteure im Rahmen des Nationalismus.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein volkskundliches Motiv – der Upiór – im Kontext politischer Spannungen und territorialer Konflikte von einem Gegenstand der Sagenforschung zu einem machtpolitischen Narrativ der "polnischen Gefahr" umgedeutet wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine kulturhistorische Untersuchung, die primäre Quellen (Sagenberichte, Reiseberichte, juristische Dokumente) sowie eine Auswertung der zeitgenössischen literarischen und publizistischen Rezeption kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Quellenanalyse des Upiórglaubens, die literarische Interpretation bei Adam Mickiewicz und die Untersuchung der Instrumentalisierung durch deutsche liberale Publizisten und Kriminalisten.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?

Die wichtigsten Begriffe sind Upiór, Nationalbewegung, Messianismus, kulturhistorische Perspektive, antipolnische Publizistik und Identitätsbildung.

Welche Bedeutung spielt der "Messianismus" in Mickiewiczs Werken?

Der Messianismus dient Mickiewicz als religiöses Paradigma, um das Leiden Polens nach den Teilungen zu deuten, wobei der Upiór-Mythos als Metapher für den nationalen Widerstand und das potenzielle Wiedererstehen der Nation genutzt wird.

Wie veränderte sich der Blick der deutschen Liberalen auf Polen nach 1848?

Nach 1848 schlug die anfängliche Sympathie für die polnische Unabhängigkeitsbewegung bei vielen deutschen Liberalen in eine dezidierte Polenfeindschaft um, die sich unter anderem in der Stigmatisierung polnischer Traditionen als "un-zivilisiert" oder gefährlich äußerte.

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Details

Titel
Von einer lokalen Vampirform zum politischen Schreckgespenst: Der polnische Upiórglaube in kulturhistorischer Perspektive
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Kulturgeschichte der Vampire 1732-1897
Note
2,0
Autor
Piotr Grochocki (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V92702
ISBN (eBook)
9783638062534
ISBN (Buch)
9783638951036
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vampirform Schreckgespenst Upiórglaube Perspektive Kulturgeschichte Vampire
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Piotr Grochocki (Autor:in), 2008, Von einer lokalen Vampirform zum politischen Schreckgespenst: Der polnische Upiórglaube in kulturhistorischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92702
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Leseprobe aus  21  Seiten
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