Im internationalen Vergleich werden in Deutschland zu wenige Unternehmen gegründet. Nur wenige Menschen trauen sich hierzulande, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Lediglich 20 % der erwachsenen Deutschen schätzen die Chancen einer Unternehmensgründung positiv ein und beinahe jeder zweite läßt sich durch die Furcht vor einem Scheitern von der Firmengründung abhalten. Immerhin meinen 39 % der Deutschen, über das Wissen, die Fähigkeiten und die Erfahrung zu verfügen, die für eine Gründung notwendig sind.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, in wieweit die Einstellungen zu Unternehmensgründungen kulturellen Einflüssen unterliegen. Hierzu wird zunächst der Kulturbegriff geklärt und die Kennzeichnung nationaler Kulturen vorgestellt. Im Anschluß werden die Einstellungen zu Unternehmensgründungen näher erläutert, um dann an nationalen Beispielen Hypothesen über den möglichen Einfluß der Kultur auf die Einstellungen zu Unternehmensgründungen zu bilden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kultur
2.1 Einordnung der Kultur in die mentale Programmierung des Menschen
2.2 Die vier Tiefenebenen der Verfestigung der Kultur und kulturelle Ebenen
3 Nationale Kulturen
3.1 Kennzeichnung nationaler Kulturen
3.2 Soziale Ungleichheit und Machtdistanz
3.3 Individualismus
3.4 Maskulinität und Femininität
3.5 Unsicherheitsvermeidung
3.6 Zeitorientierung
4 Einstellungen zu Unternehmensgründungen
4.1 Elemente der Gründungseinstellung
4.2 Einschätzung der eigenen Gründungsfähigkeit
4.3 Einschätzung der Möglichkeiten zur Unternehmensgründung
4.4 Individuelle Risikoaversion
5 Vergleich von Kulturen und Gründungseinstellungen anhand nationaler Beispiele
5.1 Datenbasis der Determinanten für die Ermittlung gründungsbezogener Einstellungen
5.2 Datenbasis der Kulturdimensionen
5.3 Machtdistanz und Einstellungen zu Unternehmensgründungen
5.4 Individualismus und Einstellungen zu Unternehmensgründungen
5.5 Maskulinität und Einstellungen zu Unternehmensgründungen
5.6 Unsicherheitsvermeidung und Einstellungen zu Unternehmensgründungen
5.7 Zeitorientierung und Einstellungen zu Unternehmensgründungen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Forschungsfrage, inwieweit die Einstellungen zu Unternehmensgründungen kulturellen Einflüssen unterliegen. Hierzu werden zunächst der Kulturbegriff und die Theorie der nationalen Kulturdimensionen nach Hofstede erläutert und anschließend mit empirischen Daten des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) in Beziehung gesetzt, um Hypothesen über den Einfluss der Kultur auf das Gründungsverhalten abzuleiten.
- Kulturbegriff und mentale Programmierung des Menschen
- Die fünf Kulturdimensionen nach Geert Hofstede
- Determinanten gründungsbezogener Einstellungen (Gründungsfähigkeit, Gründungschancen, Risikoaversion)
- Empirischer Vergleich kultureller Dimensionen mit Gründungsdaten
Auszug aus dem Buch
3.3 Individualismus
Eine fundamentale Frage menschlicher Gesellschaften ist, welchen Stellenwert das Individuum gegenüber der Gruppe hat. In den meisten Gesellschaften ist das Interesse der Gruppe dem Interesse des Individuums übergeordnet. Hofstede bezeichnet diese Gesellschaften als kollektivistisch (ohne eine politische Wertung des Wortes vorzunehmen). Die erste und wichtigste Gruppe, die ein Mensch kennenlernt, ist die Familie. Zu ihr gehören neben den Eltern und Geschwistern auch die Großeltern, Onkel, Tanten und andere mit im Haushalt lebende Menschen. Man nennt dies auch „Wir-Gruppe“. Im Gegensatz hierzu sind alle anderen Menschen einer Gesellschaft Mitglieder von „Sie-Gruppen“, von denen es viele gibt.
Familienstrukturen sind in unterschiedlichen Gesellschaften verschieden. In kollektivistischen Kulturen dominiert die Großfamilie. Sie gilt als Ort der Sicherheit. Aus diesem Grund schuldet der Einzelne seiner „Wir-Gruppe“ sein Leben lang bedingungslose Loyalität. Hier werden auch andere soziale Kontakte wie zu Ehepartnern oder Freunden nicht selbst ausgewählt, sondern durch die Familie bestimmt und das Umfeld somit festgelegt. Bricht das Individuum mit der Familie oder folgt es nicht deren Entscheidungen, so ist dies eines der schlimmsten Vergehen.
Das Gegenteil zu kollektivistischen sind individualistische Gesellschaften. Sie sind auf der Welt in der Minderheit. In ihnen haben die Interessen des Individuums Vorrang vor denen der Gruppe. Es dominiert die Familienstruktur der Kernfamilie. Dies bedeutet, daß der heimische Familienverbund meist lediglich aus den Eltern und den Kindern besteht und der Rest der Familie ortsabwesend ist und daher nur selten gesehen wird. In diesen Gesellschaften werden Kinder so erzogen, daß sie in der Lage sind, sich später eigenständig zu versorgen. Ist dies erreicht, wird erwartet, daß das Kind das Elternhaus verläßt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, dass in Deutschland zu wenig Unternehmen gegründet werden und die Untersuchung kultureller Einflussfaktoren auf diese Gründungsentscheidungen.
2 Kultur: Theoretische Herleitung des Kulturbegriffs als mentale Programmierung nach Geert Hofstede und Darstellung der Tiefenebenen der Kultur.
3 Nationale Kulturen: Definition und Erläuterung der fünf kulturellen Dimensionen nach Hofstede: Machtdistanz, Individualismus, Maskulinität/Femininität, Unsicherheitsvermeidung und Zeitorientierung.
4 Einstellungen zu Unternehmensgründungen: Analyse der Einflussfaktoren auf Gründungsentscheidungen wie Gründungsfähigkeit, Chancenwahrnehmung und Risikoaversion basierend auf Daten des Global Entrepreneurship Monitor.
5 Vergleich von Kulturen und Gründungseinstellungen anhand nationaler Beispiele: Empirische Gegenüberstellung der Kulturdimensionen mit den Gründungsdaten der untersuchten Länder zur Identifikation von Einflussmustern.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, welche einen deutlichen Einfluss der Kultur auf die Einstellungen zu Unternehmensgründungen nahelegen.
Schlüsselwörter
Kultur, Nationale Kulturen, Geert Hofstede, Global Entrepreneurship Monitor, Unternehmensgründung, Gründungsfähigkeit, Gründungschancen, Risikoaversion, Machtdistanz, Individualismus, Kollektivismus, Maskulinität, Unsicherheitsvermeidung, Zeitorientierung, Mentale Programmierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen nationalen kulturellen Prägungen und den Einstellungen der Menschen zu unternehmerischen Gründungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind der Kulturbegriff nach Hofstede, die fünf nationalen Kulturdimensionen sowie die Determinanten für gründungsbezogene Einstellungen wie Risikoaversion und Gründungsfähigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Hypothesen darüber zu bilden und zu prüfen, inwieweit kulturelle Einflüsse erklären können, warum die Gründungsneigung und die Einschätzung von Chancen international variieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive vergleichende Analyse durchgeführt, bei der Indexwerte der Kulturdimensionen mit empirischen Daten zu Gründungsattitüden des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) grafisch gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Kulturbegriffs, die Vorstellung der fünf Kulturdimensionen, die Analyse der Determinanten von Gründungseinstellungen und einen anschließenden Ländervergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kulturdimensionen, Unternehmertum, Risikoaversion, mentale Programmierung und der Global Entrepreneurship Monitor (GEM).
Welche Rolle spielt der Global Entrepreneurship Monitor (GEM)?
Der GEM dient als zentrale Datenquelle, um empirische Werte für die Gründungsfähigkeit, Gründungschancen und Risikoaversion in verschiedenen Ländern über einen Zeitverlauf zu erhalten.
Warum ist das Beispiel Chinas für die Untersuchung besonders?
China liefert aufgrund seines extremen wirtschaftlichen Umbruchs oft statistische Ausreißer in den Modellen, was bei der Interpretation der Kurvenverläufe besonders berücksichtigt werden muss.
Welchen Einfluss hat die Machtdistanz auf Gründungen?
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass ein sehr hoher Grad an Machtdistanz mit einer eher negativen Einschätzung der eigenen Gründungsfähigkeit einhergeht.
Beeinflusst die Kultur auch die Risikoaversion?
Während die Risikoaversion durch Faktoren wie das Alter beeinflusst wird, zeigt die Arbeit, dass ein direkter Einfluss der Kulturdimensionen auf die Risikoaversion weniger stark ausgeprägt ist als auf die Einschätzung der Gründungsfähigkeit.
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- Bachelor of Arts in Business Administration Nils Torben Wolk (Autor), 2007, Der Einfluß der Kultur auf die Einstellungen zu Unternehmensgründungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92708