Ziel dieser Arbeit ist es, aus verschiedenen Perspektiven einen Einblick in das Feld der Praxisanleitung zu erhalten und auf Basis dieser Erkenntnisse Lehrmaterialien zu konzipieren.
Diese sollen jedoch nicht nur eine kompetenzübergreifende Förderung ermöglichen, sondern ebenso einen Beitrag dazu leisten, die Weiterbildung theoriegestützt und adressatenorientiert gestalten zu können. Handlungskompetente Praxisanleiter sind ein zentraler Bestandteil der praktischen Pflegebildung und übernehmen eine Vielzahl verantwortungsvoller Tätigkeiten. Demzufolge sollte auch ihre Schulung, ebenso wie alle weiteren fachspezifischen Bildungsgänge, in der Pflegepädagogik Berücksichtigung finden.
Wenngleich sich die Praxisanleiterweiterbildung in Inhalt und Umfang von der pflegerischen Grundausbildung unterscheidet, so scheint es doch naheliegend, dass sich die positiven Effekte der Falldidaktik auch für andere Zielgruppen und Bildungswege nutzen lassen. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee eine Fallsammlung zu entwickeln, welche sich auf verschiedene Weise in der berufspädagogischen Weiterbildung integrieren lässt.
Zu diesem Zweck wird im Kontext der theoretisch-analytischen Auseinandersetzung der Beruf des Praxisanleiters aus didaktischer Perspektive beleuchtet. Hierbei sollen Potentiale herausgestellt werden, welche die Falldidaktik für die berufspädagogische Weiterbildung aufweist und somit erste Anregungen zur Unterrichtsgestaltung geben. Im Anschluss werden in Zusammenarbeit mit Praxisanleitern und Auszubildenden des Pflegeberufs Fälle erhoben, in denen diese ihre Erfahrungen bezüglich herausfordernder Lehr-Lern-Situationen schildern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literaturrecherche
3. Die Textanalyse als Methode
4. Die Entwicklung des Berufsfeldes Praxisanleitung
5. Grundlagen der fallorientierten Didaktik
5.1 Fallarten und die Typologie von Fallmethoden
5.2 Problemlösungsorientierte Verfahren
5.2.1 Die Fallmethode
5.2.2 Das Einzelfallprojekt
5.3 Hermeneutisch ausgerichtete Verfahren
5.3.1 Der Falldialog
5.3.2 Die Fallarbeit
6. Normative und didaktische Argumentationslinie
6.1 Normative Rahmenbedingungen
6.2 Die Perspektive der Erwachsenenbildung
7. Zuständigkeitsbereich des Praxisanleiters
7.1 Das Aufgabenfeld von Praxisanleitern des Pflegeberufes
7.2 Kompetenzbereiche im Kontext Praxisanleiterweiterbildung
8. Die konstitutiven Elemente einer Lehr-Lern-Situation
8.1 Der systemische Ansatz als Rahmen einer Lehr-Lern-Situation
8.2 Der innere Systemkreis einer Lehr-Lern-Situation
8.2.1 Der Anleitungsanlass
8.2.2 Erleben und Verarbeiten
8.2.3 Interaktionsstrukturen
8.2.4 Der Lernort Praxis und der Lehr-Lern-Prozess
9. Falldidaktik im Kontext Praxisanleiterweiterbildung
10. Konzeption einer Fallsammlung für die Praxisanleiterweiterbildung
10.1 Das Verfahren der Fallerhebung
10.2 Entwicklung der Analysekriterien
10.2.1 Analysekriterien als Grundlage der didaktischen Aufbereitung
11. Eine Fallsammlung für die Weiterbildung zum Praxisanleiter
11.1 Exemplarische Analyse einer dokumentierten Fallbeschreibung
11.1.1 Falldokument 1.0
11.1.2 Fallbezogene Analyse
11.1.3 Analyse didaktischer Potentiale
11.2 Fälle mit problemlösungsorientierter Zielausrichtung
11.2.1 Der Lernwunsch
11.2.2 Ein Zwischenfall
11.2.3 (K)ein guter Tag zum Anleiten
11.2.4 Konkrete Anweisungen
11.3 Fälle mit hermeneutischer Zielausrichtung
11.3.1 Der Lernwunsch (Variante 2)
11.3.2 Das Zimmer
11.3.3 Die Praxisanleiterin
12. Kritische Reflexion des Arbeitsprozesses
13. Für alle Fälle? Potentiale und Grenzen dieser Arbeit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung didaktischer Lehrmaterialien auf Basis der Falldidaktik für die Weiterbildung von Praxisanleitern in der Pflege, um eine theoriegestützte und adressatenorientierte Ausbildung trotz herausfordernder Rahmenbedingungen zu ermöglichen.
- Berufspädagogische Weiterbildung von Praxisanleitern
- Methodik der Falldidaktik und ihre Anwendungsmöglichkeiten
- Konzeption und Kriterienentwicklung für eine Fallsammlung
- Analyse und Didaktisierung realer Praxisfälle aus dem Pflegealltag
- Systemische Betrachtung von Lehr-Lern-Situationen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Im Rahmen meiner Tätigkeit als Dozentin der Praxisanleiterweiterbildung beschäftigte ich mich intensiv mit der Frage, wie sich Unterricht für diesen Lehrgang adressatengerecht und handlungsorientiert umsetzen lässt. Um die praktische Begleitung von Auszubildenden des Pflegeberufes übernehmen zu können, bedarf es umfassender berufspädagogischer Kenntnisse und Fertigkeiten, die zuständige Fachkräfte in einem kurzen Zeitraum von 200 Lehrstunden erlangen müssen (vgl. §2 Abs. 2 KrPflAPrV). Dies erfordert einen inhaltlich begründeten Unterricht, der sich an der Wirklichkeit von Praxisanleitern orientiert sowie ein exemplarisches Lernen ermöglicht.
Im Prozess der didaktischen Vorklärung führte ich verschiedene Recherchen durch, um Anregungen für relevante Themenbereiche und methodische Vorgehensweisen zu erhalten. Dabei wurde deutlich, dass keinerlei Literatur vorliegt, die sich an Dozenten der Praxisanleiterweiterbildung richtet oder sich mit der Lehrgangsgestaltung auseinandersetzt. Diese Tatsache scheint insbesondere dann verwunderlich, wenn man sich mit der zentralen Bedeutung von Praxisanleitern im Kontext der pflegerischen Grundausbildung beschäftigt.
Im Zuge demografischer Veränderungen und des Fachkräftemangels steigen die Anforderungen an Pflegekräfte kontinuierlich an (vgl. Kersting 2014: 486f.). Um auch in Zukunft die professionelle Versorgung von pflegebedürftigen Personen gewährleisten zu können, ist eine qualitativ hochwertige Grundausbildung somit unerlässlich. Praxisanleitern kommt dabei eine besonders verantwortungsvolle Rolle zu: Sie sind die Lehrkräfte der Praxis, die mannigfache Aufgaben übernehmen und als Bindeglied zwischen theoretischem und praktischem Lernort fungieren (vgl. Schewior-Popp 2011: 6ff.). Um diese Tätigkeiten adäquat ausführen zu können, benötigen sie neben pflegerischer Fachexpertise auch umfassende pädagogische Fähigkeiten. Die Weiterbildung soll angehende Praxisanleiter befähigen, Auszubildende trotz schwieriger Arbeitsbedingungen individuell, kompetenzorientiert und ganzheitlich zu begleiten. Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, didaktisch-begründetes Unterrichtsmaterial einzusetzen, das durch einen hohen Praxisbezug die Interessen der Teilnehmer aufgreift und der Vorbereitung auf das zukünftige Handlungsfeld dient.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin begründet die Notwendigkeit der Arbeit aufgrund fehlender didaktischer Literatur für Dozenten der Praxisanleiterweiterbildung und führt die Falldidaktik als zielführenden Ansatz ein.
2. Literaturrecherche: Es wird dargelegt, dass trotz systematischer Suche keine spezifische Literatur für die Gestaltung dieser Weiterbildung existiert, was die Notwendigkeit der vorliegenden Masterthesis unterstreicht.
3. Die Textanalyse als Methode: Der theoretische Rahmen für die Arbeit wird durch die hermeneutische Textanalyse auf Basis von Klafki und dem hermeneutischen Zirkel nach Kron definiert.
4. Die Entwicklung des Berufsfeldes Praxisanleitung: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung und die steigenden berufspädagogischen Anforderungen an Praxisanleiter nach, von der fehlenden gesetzlichen Vorgabe bis zur verpflichtenden Weiterbildung.
5. Grundlagen der fallorientierten Didaktik: Hier werden zentrale Begriffe definiert und eine Typologie von Fallarten (Störfall, Exemplum, Problemfall, paradigmatischer Fall, Narrativ) sowie methodische Vorgehensweisen (Fallmethode, Einzelfallprojekt, Falldialog, Fallarbeit) erläutert.
6. Normative und didaktische Argumentationslinie: Es wird analysiert, inwieweit normative Vorgaben und Prinzipien der Erwachsenenbildung nach Kaiser den Einsatz fallbezogener Lehre in der Praxisanleiterweiterbildung legitimieren.
7. Zuständigkeitsbereich des Praxisanleiters: Basierend auf dem Aufgabenfeld werden erforderliche Kompetenzen (Fach-, Methoden-, Personal- und Sozialkompetenz) für Praxisanleiter abgeleitet, die in der Weiterbildung gefördert werden sollen.
8. Die konstitutiven Elemente einer Lehr-Lern-Situation: Auf Basis des systemischen Ansatzes von Hundenborn et al. werden Anleitungsanlass, Erleben und Verarbeiten, Interaktionsstrukturen, Lernort Praxis und Lehr-Lern-Prozess als zentrale Elemente analysiert.
9. Falldidaktik im Kontext Praxisanleiterweiterbildung: Die vorangegangenen theoretischen Analysen werden zusammengeführt und die Eignung der Falldidaktik für die berufspädagogische Weiterbildung bekräftigt.
10. Konzeption einer Fallsammlung für die Praxisanleiterweiterbildung: Das methodische Vorgehen zur Fallerhebung und die Entwicklung der Analysekriterien für die didaktische Aufbereitung werden detailliert beschrieben.
11. Eine Fallsammlung für die Weiterbildung zum Praxisanleiter: Das Kernkapitel enthält dokumentierte Praxisfälle, deren Analyse und didaktische Kommentare für den Einsatz in der Weiterbildung.
12. Kritische Reflexion des Arbeitsprozesses: Die Autorin reflektiert die Herausforderungen der Literaturrecherche, der Fallakquise und der kriteriengeleiteten Analyse im Kontext der Masterthesis.
13. Für alle Fälle? Potentiale und Grenzen dieser Arbeit: Eine abschließende Bewertung zeigt die Bedeutung der Arbeit auf und gibt Empfehlungen für die praktische Umsetzung und Weiterentwicklung des Lehrmaterials.
Schlüsselwörter
Praxisanleitung, Pflegeausbildung, Falldidaktik, Fallmethode, berufspädagogische Weiterbildung, Erwachsenenbildung, Handlungskompetenz, Lehr-Lern-Situation, systemischer Ansatz, Fallerhebung, didaktische Aufbereitung, Praxisfälle, Reflexivität, Pflegepädagogik, Kompetenzförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis primär?
Die Arbeit entwickelt fallorientiertes Unterrichtsmaterial für die berufspädagogische Weiterbildung von Praxisanleitern in der Pflege, da es für diesen Bereich bisher kaum spezifische Lehrmaterialien gibt.
Welche Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen der Falldidaktik und Erwachsenenbildung werden das Anforderungsprofil und der Zuständigkeitsbereich von Praxisanleitern sowie die konstitutiven Elemente einer Anleitsituation detailliert analysiert.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Handlungskompetenzen angehender Praxisanleiter durch eine theoriegestützte und adressatenorientierte Fallsammlung gezielt zu fördern und Anregungen für eine methodisch variable Unterrichtsgestaltung zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer deduktiven theoretischen Erarbeitung mittels hermeneutischer Textanalyse sowie einer induktiven Entwicklung einer Fallsammlung durch die Erhebung realer Praxiserfahrungen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Analyse der Falldidaktik und des Anleiterberufs sowie einen umfangreichen Praxisteil, der acht erhobene Fälle inklusive didaktischer Analysen und Dozentenleitfäden enthält.
Welche Schlüsselbegriffe sind zentral für das Verständnis?
Besonders relevant sind die Konzepte "Falldidaktik", "Lehr-Lern-Situation" (im systemischen Ansatz) sowie die vier verschiedenen Fall-Methoden: Fallmethode, Einzelfallprojekt, Falldialog und Fallarbeit.
Wie wurde der Altersunterschied zwischen Praxisanleiter und Auszubildenden in den Fällen thematisiert?
Der Altersunterschied wird in den Fällen als zentraler Faktor für Rollenkonflikte identifiziert, da er sowohl die Beziehungsgestaltung als auch die wahrgenommene Autorität und Weisungsbefugnis beeinflusst.
Welche Bedeutung kommt der Patientenverfügung in den Fallbeispielen zu?
In den Fällen dient die Patientenverfügung als ethisches und rechtliches Spannungsfeld, das den Praxisanleiter vor die Herausforderung stellt, zwischen individuellem Lehrauftrag, Patientenwohl und rechtlichen Rahmenbedingungen zu entscheiden.
Warum wird die „Stated-Problem-Methode“ für den Fall „Ein Zwischenfall“ empfohlen?
Die Methode eignet sich hier besonders, um das Verhalten der Praxisanleiterin in einer akuten Stresssituation retrospektiv zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen, da die Perspektive der Auszubildenden eine starke emotionale Belastung widerspiegelt.
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- Dorothee Hennecke (Author), 2018, Praxisanleitung in der Pflege. Unterrichtsmaterial zur theoretischen Weiterbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/927357