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Aufgefächerte Wahrnehmung in Clemens Brentanos "Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter"

Titre: Aufgefächerte Wahrnehmung in Clemens Brentanos "Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter"

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2006 , 25 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Anna Scheiterbauer (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Résumé Extrait Résumé des informations

Ein neuer philosophischer Anstoß im 18. Jahrhundert brachte eine philosophische Deutung der Sinne mit sich. Bis ins 18. Jahrhundert bedeutete „Aisthesis“ nach der griechischen Definition die neutrale Wahrnehmung durch die fünf Sinne. Seit der Ausprägung des Begriffes der „Ästhetik“ durch Alexander Gottlieb Baumgarten und der Reklamation der Ästhetik für die Philosophie wurde die Sinneswahrnehmung zu einem Thema der Künste.
Die Literatur der Romantik setzt sich auseinander mit den vielfältigen Aspekten der Wahrnehmung, mit der Wirkung der Sinneskräfte, mit der Erinnerung und schließlich mit der Projektion.
Die Philosophie der sinnlichen Erkenntnis besagt, dass wir das, was wir aus der Welt aufnehmen, als Phantasie im Kopf haben, und damit arbeiten. Man war der Ansicht, Kunst könne nur auf Grundlage der Erinnerung entstehen, und die Einbildungskraft wurde zu einer wichtigen Voraussetzung für die Kunst. Die Projektion als ein immer wiederkehrendes Thema der romantischen Literatur bedeutet die Übertragung eigener Erinnerungen auf die momentane Wirklichkeit.
Sinnliche Wahrnehmung wird nun nicht mehr als rezeptiver, sondern als aktiver Prozess aufgefasst. Es kommt zu einer Umkehrung der Innen- und der Außenwelt. Dabei hat die traditionelle Metapher der Sinne als das Fenster zur Seele ihre Gültigkeit behalten.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Betrachter rückt ins Bild:

2.1 Subjektive Wahrnehmung – zum Problem der Vermittlung:

2.2 Text – Bild – Projektionen:

3 Aufgefächerte Wahrnehmung:

3.1 Das Denkmal der Mutter:

3.2 Das Denkmal der Violette:

3.3 Künstlerische Einbildungskraft:

4 Abschließendes und Weiterführendes:

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetischen Strukturen der Wahrnehmung im Roman "Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter" von Clemens Brentano. Das primäre Ziel ist es, die Verschränkung von Wahrnehmung, Einbildungskraft und Erinnerung als einen aktiven, progressiven Prozess aufzuzeigen, durch den die Romanfiguren und der Leser die fiktive Welt interpretieren und gestalten.

  • Die aktive Rolle der Einbildungskraft in der romantischen Literatur
  • Die Subjektivität des Wahrnehmungsakts und seine erzählerische Vermittlung
  • Wechselwirkungen zwischen bildender Kunst und sprachlicher Darstellung
  • Die metareflexive Behandlung ästhetischer Prozesse im Roman
  • Der kreative Rezeptionsprozess des Lesers als Teil des Werks

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Denkmal der Mutter:

Wie nehmen wir als Leser das Denkmal der Mutter wahr? Wir können nur so viel über die tatsächliche Erscheinung dieser Statue wissen, wie Clemens Brentano in seinem Roman darüber berichtet. Doch Brentano baut noch weitere Mittler in den Kommunikationsprozess mit dem Leser ein: Er legt die jeweiligen Ausführungen über die Statue in den Mund einer seiner Romanfiguren, wir können also unmöglich davon ausgehen, das Kunstwerk aus einem objektiven Blickwinkel weitervermittelt zu bekommen. Trotzdem wird der Leser dazu angeregt, sich selbst ein Bild von dem zu machen, was er den subjektiven sprachlichen Darstellungen entnehmen kann.

„O Godwi, wo ist deine Mutter! Die Schmerzen des steinernen Bildes fielen mir ein; wo ist meine Mutter!“ Diesen Ausruf Römers lesen wir am Ende des ersten Romanteils, als Schlusswort eines kurzen Briefes, den Römer am Allerseelentag an Godwi schreibt. Es scheint, als hätte Römer genau dieselbe schmerzhafte Beziehung zur Figur der Mutter, und so sehen auch beide den schmerzerfüllten Ausdruck der Statue, die an einem Teich im Garten von Godwis Vater steht. Jedoch ist das steinerne Bild der Mutter bloß als imaginäres Zentrum des ersten Romanteils zu sehen. Eine vage Schilderung der Marmorstatue gibt uns Godwi in der „Scene aus meinen Kinderjahren“, die er an Otilie richtet:

„Und es schien das tiefbetrübte / Frauenbild von Marmorstein, / Das ich immer heftig liebte, / An dem See im Mondenschein, / Sich mit Schmerzen auszudehnen, / Nach dem Leben sich zu sehnen. / […] Hält das Kindlein fest im Arm. / Ach, in ihren Marmorarmen / Kann’s zum Leben nie erwarmen!“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung verortet den Roman im Kontext der romantischen Ästhetik und führt in die zentrale These ein, dass Wahrnehmung im Werk als ein aktiver, durch Einbildungskraft geprägter Prozess verstanden wird.

2 Der Betrachter rückt ins Bild:: Dieses Kapitel analysiert, wie Brentano die Subjektivierung des Betrachtens analog zur Bildästhetik von Caspar David Friedrich thematisiert und durch eine multiperspektivische Erzählstruktur die vermittelte Wahrnehmung darstellt.

2.1 Subjektive Wahrnehmung – zum Problem der Vermittlung:: Es wird untersucht, wie im Roman Gegenstände wie Gemälde nicht als objektive Größen, sondern als durch die Einbildungskraft transformierte Gebilde präsentiert werden, wobei Perspektivwechsel das Problem der Subjektivität verdeutlichen.

2.2 Text – Bild – Projektionen:: Dieses Kapitel beleuchtet das Ineinandergreifen von erzählerischer und bildlicher Darstellung und zeigt, wie Bilder im Roman durch den kreativen Rezeptionsprozess der Figuren und Leser erst zum Leben erweckt werden.

3 Aufgefächerte Wahrnehmung:: Die Einleitung in das dritte Kapitel betont den zentralen Stellenwert von Bildern als imaginierte sowie reale Bezugspunkte, die von den Figuren ästhetisch wahrgenommen und in den Prozess des "ewigen Werdens" eingebunden werden.

3.1 Das Denkmal der Mutter:: Hier wird die Statue als ein imaginäres Zentrum des ersten Romanteils analysiert, auf das Gefühle wie Schmerz projiziert werden, was die Statue zu einer Allegorie der Unerlöstheit macht.

3.2 Das Denkmal der Violette:: Dieses Kapitel widmet sich der zentralen Bedeutung des Grabmals der Violette, das durch die "Übersetzung" des Betrachters und die Einführung einer imaginären Wunde als hochkomplexes, erotisch-mystisches Symbol fungiert.

3.3 Künstlerische Einbildungskraft:: Es wird dargelegt, wie die Figuren des Romans durch ihre Fähigkeit zur produktiven Einbildungskraft die Wirklichkeit ästhetisieren und somit den Fragmentcharakter des Werkes maßgeblich mitgestalten.

4 Abschließendes und Weiterführendes:: Das Kapitel fasst zusammen, dass die Struktur der aufgefächerten Wahrnehmung eine "Poetisierung des Lebens" bewirkt und der Roman durch die synästhetische Verschmelzung von Sinneseindrücken als exemplarisch für das romantische Kunstverständnis gelten kann.

Schlüsselwörter

Clemens Brentano, Godwi, Romantik, Wahrnehmung, Einbildungskraft, Projektion, Subjektivität, Ästhetik, Kunstwerk, Perspektivität, Vermittlung, Bildlichkeit, Synästhesie, Poetisierung, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Strukturen der Wahrnehmung im Roman "Godwi" von Clemens Brentano und zeigt, wie Wahrnehmung, Einbildungskraft und Erinnerung in einem ständigen, aktiven Wechselspiel stehen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Kernbereichen gehören die Subjektivität der Wahrnehmung, die Transformation von Bildern durch die Einbildungskraft, das Verhältnis von Text und Bild sowie die metareflexive Ebene des Erzählens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die spezifische "aufgefächerte Wahrnehmung" im Roman nachzuweisen und zu zeigen, wie durch diesen Prozess die Grenzen zwischen fiktiver Welt und subjektiver Imagination verschwimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze, indem sie Textstellen des Romans mit philosophischen und kunsttheoretischen Konzepten (etwa von Iser, Tetens, Schlegel) verknüpft, um die poetischen Strukturen des Werks zu ergründen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Betrachterstrukturen, die Analyse spezifischer Kunstwerke im Roman (Denkmal der Mutter, Grabmal der Violette) sowie die Reflexion der künstlerischen Einbildungskraft als produktive Instanz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere: Romantik, Godwi, Einbildungskraft, Projektion, aufgefächerte Wahrnehmung, Subjektivität und ästhetische Vermittlung.

Welche Rolle spielt das Denkmal der Mutter im ersten Teil des Romans?

Es dient als imaginäres Zentrum, auf das die Figur Godwi ihren persönlichen Schmerz projiziert, wobei die Statue für ihn zu einer Allegorie der eigenen Unerlöstheit wird.

Was unterscheidet das Grabmal der Violette in seiner Bedeutung?

Es wird als eine Apotheose des Todes und der freien Sinnlichkeit wahrgenommen, wobei die Einführung einer "imaginären Wunde" durch den Erzähler Maria die Dynamik und die erotisch-mystische Aufladung des Kunstwerks verdeutlicht.

Wie wird das Konzept der "Übersetzung" im Roman verstanden?

Das Romantische wird als eine Art "Übersetzung" definiert – sowohl im Sinne der Medialität (von der bildenden Kunst in die Sprache) als auch im Sinne der subjektiven Brechung durch die Phantasie des Betrachters.

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Résumé des informations

Titre
Aufgefächerte Wahrnehmung in Clemens Brentanos "Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter"
Université
University of Vienna
Note
1,0
Auteur
Anna Scheiterbauer (Auteur)
Année de publication
2006
Pages
25
N° de catalogue
V92743
ISBN (ebook)
9783638066266
ISBN (Livre)
9783638953467
Langue
allemand
mots-clé
Aufgefächerte Wahrnehmung Clemens Brentanos Godwi Bild Mutter
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Anna Scheiterbauer (Auteur), 2006, Aufgefächerte Wahrnehmung in Clemens Brentanos "Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92743
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Extrait de  25  pages
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