„Die Lektüre von Büchern ermöglicht einen sinnvollen Ausgleich zu Arbeit, Hektik und Stress in der Schule und auch zu Hause, sie hilft räumliche und zeitliche Gebundenheiten überwinden, befreit kurzfristig von Alltagssorgen oder lenkt zumindest ab“(LANDHERR 1991, S. 22).
Dieses Zitat begründet auf besondere Weise, welche positiven Auswirkungen das Lesen von Büchern auf den Menschen und so auch auf Kinder hat, denn in der heutigen Welt sind sie bereits mit einem stark strukturierten, von Hast und Eile durchzogenen Alltag belastet. Um den hohen, mitunter erschwerenden Anforderungen standhalten zu können, ist es wichtig, beziehungsweise sogar notwendig einen Ausgleich zu schaffen. Diesem Anspruch können Bücher gerecht werden, sodass die Heranwachsenden zum Umgang mit ihnen sensibilisiert und die Freude am Lesen entwickelt werden müssen. Dieser Forderung soll auch Schule nachkommen, indem sie das Kinderbuch in die Unterrichtsarbeit aufnimmt. Allerdings reicht das Kriterium allein nicht aus, um die Schüler zum Lesen zu motivieren, denn „Kinder benötigen vielfältige Möglichkeiten, die Erfahrung zu machen, dass Buchlektüre spannend, anregend und unterhaltsam sein kann“(STREYL 2006, S. 32).
Entsprechend dieser Aussage thematisiert die vorliegende Arbeit motivierende Möglichkeiten zur Erschließung eines Kinderbuches. Mit Blick auf den Anspruch eines modernen Grundschulunterrichts nach Schülerorientierung und Schülerselbsttätigkeit wird die inhaltliche Auseinandersetzung in der offenen Unterrichtsform des Werkstattlernens untersucht. Allerdings stellt sich die Frage, ob bei der Behandlung eines Kinderbuches dieser Anspruch erfüllt werden kann und inwieweit eine selbstständige Arbeit der Schüler mit diesem Unterrichtsinhalt überhaupt möglich ist. In den vorliegenden Ausführungen soll unter anderem dieser Fragestellung nachgegangen werden. Dafür ist es notwendig die theoretischen Hintergründe des offenen Unterrichts durch genaue Ziel- und Merkmalsbestimmungen zu beleuchten, um anschließend die Form des Werkstattunterrichts, dessen Zielstellung und die Umsetzung abzuleiten. Im weiteren Verlauf des theoretischen Teils wird das Medium Kinderbuch durch begriffliche Bestimmung, zu beachtende Auswahlkriterien für den Unterricht sowie Behandlungsmöglichkeiten kommentiert. Durch die Betrachtung der theoretischen Schwerpunkte werden Hypothesen aufgestellt, deren Untersuchung in der praktischen Umsetzung der vorliegenden Arbeit erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Zum Gegenstand und Anliegen der vorliegenden Arbeit
2. Darstellung der theoretischen Grundlagen
2.1 Offener Unterricht
2.1.1 Merkmale, Ziele und Formen
2.2 Werkstattunterricht als Form des Offenen Unterrichts
2.2.1 Ziele des Werkstattunterrichts
2.2.2 Die Arbeit im Werkstattunterricht
2.3 Das Kinderbuch in der Grundschule
2.3.1 Zum Begriff Kinderbuch
2.3.2 Auswahlkriterien für ein geeignetes Kinderbuch
2.3.3 Verfahrensweisen und grundlegende Ziele der Behandlung
3. Praktische Untersuchungen zur Unterrichtseinheit
3.1 Sachanalyse
3.2 Beweggründe für die Auswahl des Kinderbuches
3.3 Bemerkungen zur Klassensituation
3.4 Ziele der Unterrichtseinheit
3.5 Curriculare Gliederung der Unterrichtseinheit
3.6 Didaktische Vorüberlegungen zur Unterrichtseinheit
3.7 1. und 2. Stunde der Unterrichtseinheit
3.7.1 Kompetenzen und Ziele
3.7.2 Didaktische Überlegungen
3.7.3 Methodische Entscheidungen
3.7.4 Reflexion
3.8 3. Stunde der Unterrichtseinheit
3.8.1 Kompetenzen und Ziele
3.8.2 Didaktische Überlegungen
3.8.3 Methodische Entscheidungen
3.8.4 Reflexion
4. Reflexion der Unterrichtseinheit/ Darstellung der Ergebnisse
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht motivierende Möglichkeiten, wie das Kinderbuch „Die Olchis sind da“ in einer dritten Klasse der Grundschule mittels Werkstattunterricht erschlossen werden kann, wobei insbesondere die Förderung der Lesemotivation, der Sozialkompetenz und die individuelle Persönlichkeitsentwicklung im Fokus stehen.
- Grundlagen des Offenen Unterrichts und des Werkstattunterrichts
- Kriterien für die Auswahl und Behandlung von Kinderbüchern im Deutschunterricht
- Praktische Umsetzung einer Werkstatt-Unterrichtseinheit zur Erschließung der Ganzschrift
- Methodische Differenzierung zur Förderung unterschiedlicher Lernniveaus
- Evaluation des Lernerfolgs und der Lesemotivation bei den Grundschülern
Auszug aus dem Buch
3.1 Sachanalyse
Das Kinderbuch „Die Olchis sind da“ von Erhard Dietl erschien erstmals 1990 mit Schwarz-Weiß-Illustrationen im Verlag Friedrich Oetinger GmbH, Hamburg. Es ist in fünf Kapitel unterteilt. Die Handlung des Kinderbuchs beschreibt ein auktorialer Erzähler. Diese Erzählweise erfolgt aus der Position der Außenperspektive, sodass der Erzähler in der Handlung nicht mitspielt, aber über Abfolge und Geschehnisse Bescheid weiß.
Die Ganzschrift beginnt mit einer detaillierten Beschreibung der Hauptfiguren. Sie werden hinsichtlich ihres Aussehens und der ungewöhnlichen Lebensweise bildlich und sprachlich charakterisiert. Dietl macht deutlich, wie sich die Olchis von den Menschen unterscheiden, obwohl sie vielerlei menschliche Züge aufweisen.
Im weiteren Verlauf wird ein Erlebnis aus dem Leben der Olchis erzählt. So wollen sie einen Tag am Meer verbringen und packen dafür einen Koffer. Dieser wird jedoch nicht mit der für uns notwendigen Kleidung bestückt, sondern hier finden unter anderem ein Grammofon und ein Bordstein ihren Platz.
Der gemeinsame Flug findet auf dem Drachen Feuerstuhl statt, welcher akustisch mit einem Staubsauger verglichen wird. Dieser, der kindlichen Realität entnommene Vergleich, erzeugt eine reale Vorstellung des Fluges.
Am Meer angekommen findet die Olchifamilie viel angeschwemmten Müll. Dieser bildet eine gute Voraussetzung, sich „pudelwohl“ zu fühlen. Nach einigen Erlebnissen treten die Olchis die Heimreise an. Hier gerät das Olchi-Baby in Gefahr und wird von Olchi-Opa gerettet. Diese Rettungsaktion muss gebührend gefeiert werden, sodass Mama-Olchi einen Kuchen backt. Nach dem gemeinsamen Essen schlafen alle Olchis erschöpft ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zum Gegenstand und Anliegen der vorliegenden Arbeit: Die Einleitung begründet die Relevanz des Lesens für Kinder und stellt die Fragestellung nach motivierenden Möglichkeiten der Bucherschließung im Rahmen des Werkstattunterrichts dar.
2. Darstellung der theoretischen Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die pädagogischen Ansätze des Offenen Unterrichts und des Werkstattunterrichts sowie die didaktischen Anforderungen an die Auswahl und Behandlung von Kinderbüchern in der Grundschule.
3. Praktische Untersuchungen zur Unterrichtseinheit: Hier erfolgt die konkrete Planung, Durchführung und Reflexion der Unterrichtssequenzen zum Kinderbuch „Die Olchis sind da“, inklusive der Analyse der Klassensituation und didaktischer Entscheidungen.
4. Reflexion der Unterrichtseinheit/ Darstellung der Ergebnisse: Das Fazit wertet die aufgestellten Hypothesen anhand der erzielten Unterrichtsergebnisse aus und reflektiert den Lernerfolg sowie die Akzeptanz der gewählten Unterrichtsmethode durch die Schüler.
Schlüsselwörter
Werkstattunterricht, Offener Unterricht, Kinderbuch, Ganzschrift, Lesemotivation, Grundschule, Deutschunterricht, Die Olchis, Sozialkompetenz, Schülerorientierung, Schülerselbsttätigkeit, Lernwerkstatt, Differenzierung, Expertenprinzip, Lesekompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Gestaltung eines Werkstattunterrichts für die dritte Klasse, um das Kinderbuch „Die Olchis sind da“ motivierend und schülerorientiert zu erschließen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Theorie des Werkstattunterrichts als offene Unterrichtsform, Kriterien für die Auswahl von Ganzschriften und die praktische Planung von Deutschstunden, die individuelle Kompetenzen fördern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Schüler durch den Werkstattunterricht zum selbstständigen, motivierten Umgang mit Literatur befähigt und in ihrer Lese- und Sozialkompetenz gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert theoretische Grundlagen aus der Reformpädagogik und Fachdidaktik mit einer qualitativen Analyse und Dokumentation ihrer eigenen praktischen Unterrichtseinheit in der dritten Klasse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zu offenen Unterrichtsformen und eine detaillierte Ausarbeitung und Reflexion der praktischen Unterrichtssequenzen zur Olchi-Ganzschrift.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Werkstattunterricht, Lesemotivation, Kinderbuch-Didaktik, Schülerorientierung und methodische Differenzierung im Grundschulalltag.
Warum spielt das „Expertenprinzip“ in dieser Unterrichtseinheit eine Rolle?
Das Expertenprinzip (oder „Chefprinzip“) stärkt die Selbstverantwortung der Schüler, da diese nach Bearbeitung einer Aufgabe als Ansprechpartner für ihre Mitschüler fungieren und dadurch ihre Kompetenz und Selbstsicherheit festigen.
Wie reagierten die Schüler auf die Unterrichtseinheit?
Laut den Erhebungen der Autorin waren die Schüler sehr motiviert; eine Umfrage ergab, dass 94 % der Kinder die Behandlung des Buches gefiel und sie sich weitere Einheiten im Werkstattunterricht wünschten.
- Quote paper
- Martina Gerlach (Author), 2008, Motivierende Möglichkeiten im Rahmen des Werkstattunterrichts bei der Erschließung des Kinderbuches „Die Olchis sind da“ in Klasse 3, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92799