Lessing und die Freimaurer


Seminararbeit, 2006

23 Seiten, Note: 2,5

Helen Lorentz (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aufklärung in Deutschland
2.1 Aufklärungsgesellschaften und Freimaurerlogen

3 Entstehungsgeschichte der Freimaurerei
3.1 Rituale
3.2 Freimaurerei in Deutschland

4 Lessings freimaurerische Biografie
4.1 Die Entstehungsgeschichte von Ernst und Falk
4.1.1 Interpretation
4.1.1.1 Erstes Gespräch
4.1.1.2 Zweites Gespräch
4.1.1.3 Drittes Gespräch
4.1.1.4 Viertes Gespräch
4.1.1.5 Fünftes Gespräch
4.1.2 Geschichtsphilosophisches Konzept Lessings
4.2 Lessing-Kult bei den Freimaurern

5 Fazit

Endnoten

Literaturverzeichnis

1 Einleitung:

Schon in der Antike schlossen sich Menschen zu Mysterienbünden zusammen, um ihre Rituale und Ziele vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Gegenwärtig sind die Freimaurer die weltweit größte Geheimgesellschaft. Sie traten 1717 in London zum ersten Mal offiziell in Erscheinung und gründeten zwanzig Jahre später in Hamburg die erste deutsche Freimaurerloge. Diese Arbeit befasst sich mit der Freimaurerei in Deutschland im 18. Jahrhundert. Sie will die einstige Freimaurerei anhand der Biografie des Freimaurers Gotthold Ephraim Lessing und seines Werks „Ernst und Falk“ näher beleuchten und ihr Arkanum aufdecken. Sie thematisiert nicht die Auseinandersetzung zwischen der Kirche und den Freimaurern und bezieht aus der gegenwärtigen Situation der Bruderschaft nur den Lessing- Kult ein, den die Mitglieder seit seinem Tod um ihn betreiben. Obwohl seit ihrer Gründung viel über die Freimaurerei geschrieben wurde, sind doch die wenigsten dieser Aufzeichnungen für wissenschaftliche Zwecke nutzbar. Es handelt sich dabei zumeist um Texte, die sich in unkritische Werke der Anhängerschaft und polemische Schriften der Gegner polarisieren. Erst in den letzten Jahrzehnten entwickelte sich ein wissenschaftliches Interesse für die Freimaurerei. Sie ist aber nach wie vor wenig erforscht, da symbolische, mythologische und rituelle Bestandteile in die Untersuchung einbezogen werden müssen. Eine unter Freimaurern vertretene Ansicht besagt zudem, dass es fast nicht möglich ist „freimaurerische Verhältnisse zu schildern, ohne dem Bunde selbst anzugehören“[i].

Die Arbeit beginnt mit der Beschreibung der Aufklärung, dem politischen Hintergrund vor dem die Freimaurerei gegründet wurde. Darauf folgen eine Darstellung der Entstehung und Entwicklung der Freimaurerei bis ins 18. Jahrhundert und ein Einblick in ihre Rituale. Die Arbeit endet mit der Untersuchung des Lebens und Werks Lessings auf freimaurerische Inhalte.

2 Aufklärung in Deutschland:

Das Deutschland des 17. Jahrhunderts war geprägt durch den Dreißigjährigen Krieg. Es war dabei zunächst um konfessionelle Gegensätze innerhalb Deutschlands gegangen. Dann beteiligten sich aber auch andere europäische Länder am Krieg und trieben den Kampf auf deutschem Boden voran. Später bekamen machtpolitische Fragen, unter anderem darüber, ob die deutschen Fürsten ihre Unabhängigkeit bewahren konnten, eine immer größere Bedeutung. Der Krieg endete damit, dass die Fürsten ihre Macht bewahrten und festlegten, welcher Glaube in ihrem Einzelstaat gelten soll. Nach Abschluss des Westfälischen Friedens mussten zunächst die Kriegsfolgen überwunden werden, da viele Menschen umgekommen waren und Handel, Gewerbe und Landwirtschaft nicht mehr existierten. Nach ein paar kleineren Auseinandersetzungen und unterschiedlichen politischen Entwicklungen in den einzelnen deutschen Staaten, geriet die Aufklärung in den Mittelpunkt des Interesses. Diese Veränderung im Denken trat zunächst im 17. Jahrhundert bei R.Descartes und T.Hobbes auf und entfaltete sich dann vollends im 18. Jahrhundert.

Als einer seiner Hauptvertreter definierte der deutsche Philosoph Immanuel Kant Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen sich seines Verstandes ohne Hilfe eines anderen zu bedienen.“[ii] Das Motto des Zeitalters fasste Kant als „Sapere aude“[iii] zusammen: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“[iv] ist also der Wahlspruch der Aufklärung.[v]

Dieser Anspruch auf intellektuelle Selbstbestimmung richtet sich auch vor allem gegen die ausschließliche Lehrautorität der Kirche, da der Mensch die Wahrheit Gottes und der Welt mit seiner Vernunft erkennen solle und es dazu keiner kirchlichen Vermittlung bedürfe (vgl. Microsoft Corporation 2005, Aufklärung). Außerdem kritisierten die Aufklärer die exklusive Inanspruchnahme des Menschen für eine Nation, einen Staat, eine Religion und einen Stand und stellten die Moral über diese Zugehörigkeiten. Sie wollten auch an ein Gemeinsames aller Menschen glauben und riefen zu Menschenfreundlichkeit auf. Es gab auch aufgeklärte Fürsten, wie Friedrich II. von Preußen. Er definierte sich als erster Diener des Staates und damit als primär dem Gemeinwohl verpflichtet. Im Sinne einer humanitären Staatsidee führte er Reformen durch, Zum Beispiel die allgemeine Schulpflicht, Pressefreiheit, Erziehung, Entwicklung einer öffentlichen Meinung. Er stützte sich zwar in Verwaltung und Wirtschaft in großem Umfang auf das aufstrebende Bürgertum, versagte ihm aber die entsprechende politische Repräsentanz im Staatswesen. Zunächst waren die Hoffnungen der Gebildeten auf Reformen also bestätigt worden, Gleichberechtigung war aber nur partiell entstanden. Diese Spannungen entluden sich im Rahmen der Französischen Revolution.

2.1 Aufklärungsgesellschaften und Freimaurerlogen:

Das aufklärerische Gedankengut wurde zunächst noch in Zeitschriften und Büchern diskutiert. Aber schon bald suchten die Interessierten andere Möglichkeiten des Austausches. Sie fanden ihn in kleineren Gesellschaften, literarischen Salons, Kaffeehäusern und in Freimaurerlogen. Sie wurden zum dynamischen und aktiven Element der deutschen sozialen Welt des späteren 18. Jahrhunderts. Waren die Mitglieder der Aufklärungsgesellschaften in Deutschland vor allem höhere Beamte und Angehörige des Adels, so nahmen an den Logen auch Männer ohne akademischen Hintergrund teil. Die Freimaurer hatten sich dazu verpflichtet, „jeden würdigen Mann von gehöriger Anlage, ohne Unterschied des Vaterlandes, ohne Unterschied der Religion, ohne Unterschied seines bürgerlichen Standes, in ihren Orden aufzunehmen“[vi]. Das war auch ein Charakteristikum im Denken der Aufklärer. Was im Endeffekt aber eher existiert hatte, die Aufklärer oder aufklärerisches Gedankengut in den Logen, kann retrospektiv nicht mehr entschieden werden. Zumindest entsprachen sich die Vorstellungen und Ziele der beiden in vielen Punkten, denn wie bei den Aufklärern ist es auch bei den Freimaurern die „Freiheit zu denken“[vii], die im Mittelpunkt steht. Darüber hinaus kam es nicht selten vor, dass Personen sowohl als Aufklärer und auch als Freimaurer auftraten und zum selben Publikum sprachen. Sie hatten also ein freundschaftliches Verhältnis und suchten auch das Gespräch miteinander, innerhalb der Bruderschaften oder durch schriftliche Korrespondenzen. Sie glichen sich weiterhin in ihrem Selbstverständnis als senior pars, der kleinen Gruppe der Wissenden, deren Zugehörigkeitsbewusstsein aus gleichen Überzeugungen und Verhaltensregeln resultierten. Hingegen die Freimaurer aber eher als organisierte Gruppe auftraten, im Gegensatz zu den Aufklärern, die eine gemeinsame intellektuelle Haltung ohne Mitgliedschaft verband. Die Aufklärer nutzten zwar die intimen Logen als Ort des Zusammenkommens, wollten ihre Forderungen aber publik machen und in der Öffentlichkeit wirken. Sie strebten eine Bewusstseinsänderung über das geschriebene Wort und die öffentliche Erziehung an. Der Freimaurer ist außerhalb der Loge Privatperson. Er will nicht bewusst die gesellschaftlichen Strukturen im Staat verändern und zeigt Loyalität gegenüber ihm. Außerdem will er nicht kritisieren, sondern sich in seiner Moral bestätigen. Wobei der Rückzug der Freimaurer nicht unbedingt als unpolitisch zu definieren ist, da versucht wurde innerhalb der Loge dem Ideal zu entsprechen, dass in der Öffentlichkeit noch nicht zu realisieren war. Freimaurer und Aufklärer waren aber der festen Meinung, dass ihr tun nicht zum Nachteil des Staates sei, unterstützt wurden sie darin, durch Mitglieder und Mitdenker aus dem Adel. Sie meinten dadurch auch an der Politik teilzunehmen und dazu beizutragen. Ihre Gegner unterschieden ohnehin nicht zwischen ihnen. In die Freimaurerei sind aber auch ganz andere Gedanken eingeflossen, esoterische, mystische, die dem Aufklärertum entgegenstanden und häufig der bloßen Bedeutungssteigerung dienten.

3 Entstehungsgeschichte der Freimaurerei:

Über die Entstehungsgeschichte der Freimaurerei gibt es viele Theorien. Ein französischer Freimaurer, der Ende des 19. Jahrhunderts 206 Werke untersucht hatte, fand darin allein 39 verschiedene Angaben über ihren Ursprung. Die meisten Theorien lassen sich aber historisch nicht belegen. So stellen einige frühmaurerische Geschichtsschreiber zum Beispiel Verbindungen zu Adam her, der in damaliger Zeit aber auch von der Christen als Urvater angesehen wurde, oder glaubten an einen Ursprung der Freimaurerei in einer Zeit vor dem Existieren des Sonnensystems. Im 18. Jahrhundert betrachteten sich die Freimaurer als Nachfolger der Templer. Der freimaurerische Historiograph Oskar Posner merkt dazu an, dass es, seitdem Menschen in Gruppen zusammenleben, immer etwas gegeben habe, dass sich mit der Freimaurerei vergleichen ließe (vgl. Binder, S.10). Mit ziemlicher Sicherheit liegen die Wurzeln der Freimaurerei in den Bauhütten, die sich im 11. Jahrhundert herausbildeten. In dieser Zeit wuchs die Bautätigkeit besonders im Kathedralenbau stark an. An den Bauwerken errichteten die Bauleute ihre Werkstätten, Bauhütten, die der Lagerung von Werkzeugen und der Besprechung von Projekten dienten. Seit dem Mittelalter umfasst der Begriff Bauhütte auch alle am Bau beteiligten Bauleute. Zunächst gehörten insbesondere Klöster zu den Auftraggebern, deshalb stellte sich ein intensiver Bezug der Bauleute zur christlichen Religion her. Mit der Zeit schlossen sich einzelne Bauhütten zusammen und unterwarfen sich übergeordneten Bruderschaften in Straßburg, Wien, Köln und Zürich. Aus Straßburg stammt die älteste überlieferte Bauhüttenordnung, nämlich „die Ordnungen der Steinmetzen zu Straßburg“ aus dem Jahre 1459. Sie beinhaltet zum Beispiel eine eidesstattlich Versicherung, die der Lehrling am Ende seiner Ausbildung, über die Wahrung der Bauhüttengeheimnisse, ablegen musste. Dadurch versuchten die Bauhütten sich abzuschotten und vor Werkspionage zu schützen. Sie entwickelten darüber hinaus Rituale, um ihre Geheimnisse zu bewahren. Unter anderem begrüßten sich die Mitglieder untereinander mit einem für Außenstehende unauffälligen Handschlag oder benutzten Geheimworte, um sich zu verständigen. Ende des 16. Jahrhunderts wurden die ersten Nichtmaurer in die Bauhütten aufgenommen. Es handelte sich dabei zunächst um wenige Ehrengäste, die aber im Laufe der Zeit in ihrer Anzahl überwogen. Da die Bauaufträge im 17. Jahrhundert zurückgegangen waren und die Baubrüder soziale Verantwortung für ihre Mitglieder trugen, waren ihnen die Beiträge der Ehrenmitglieder willkommen. Es waren reine Männerbünde, die ihre Vereinigung Loge nannten. Wahrscheinlich interpretierten die neuen Mitglieder unter Beibehaltung der alten, geheimen Zeichen, Worte und Griffe den Vorgang des Kirchen- oder Tempelbaus mystisch und moralisch und führten ihn symbolisch weiter. Darin liegt der Wandel von der Werkmaurerei zur spekulativen Maurerei. Es gibt nur wenige, ungenaue Aufzeichnungen über das Geschehen in den frühen Bauhütten, deshalb kann der genaue Übergang von den Bruderschaften zur spekulativen Maurerei zeitlich nicht fixiert werden. Der Wandlungsprozess war aber bereits abgeschlossen, als sich am 24.Juni 1717 in London vier Logen bei einer Versammlung im Wirtshaus Goose and Gridion zu einer Großloge zusammenschlossen.

Anhand der folgenden 12 Kriterien versuchen freimaurerische Forscher ihre Theorie von den Bauhütten als den direkten Vorläufern der Freimaurer zu untermauern:

1)Die Einteilung der Mitglieder in Meister, Gesellen und Lehrlinge; 2) die Verwaltung der Bünde durch eine gewisse Anzahl von Beamten; 3) der Ausschluss Nichteingeweihter aus ihrer Gemeinschaft; 4) die dem Sohn eines Meisters zustehenden Vorrechte; 5) die besondere Qualifikation, um Mitglied zu werden; 6) die brüderliche Gleichheit aller Mitglieder des Ordens; 7) ihre gegenseitige Verpflichtung Leiden zu mildern; 8) ihre besonderen Gesetze; 9) gewisse Eröffnungs- und Schlussformen bei den Versammlungen; 10) gewisse Einführungsrituale; 11) die Zeremonien bei den Festmahlen; 12) die Prüfung fremder Brüder.[viii]

[...]


[i] Agethen, Manfred: Geheimbund und Utopie, Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung. In: Ancien Regime. Aufklärung und Revolution. Hrsg. von Rolf Reichardt und Eberhard Schmitt. München: Oldenbourg 1984. Band 11..

[ii] Kant, Erhard, Hamann, Herder, Lessing, Mendelssohn, Riem, Wieland: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. Hrsg. von Erhard Bahr. Stuttgart 1976. S.9f.; zitiert nach Aufklärung. Microsoft Corporation. Microsoft Encarta 2006 [CD] 2005.

[iii] Ebd. S.9f.; Aufklärung. Microsoft Corporation. Microsoft Encarta 2006 [CD] 2005.

[iv] Ebd. S.9f.; Aufklärung. Microsoft Corporation. Microsoft Encarta 2006 [CD] 2005.

[v] Aufklärung. Microsoft Corporation. Microsoft Encarta 2006 [CD] 2005.

[vi] Reinalter, Helmut: Einleitung, Zur Aufgabenstellung der gegenwärtigen Freimaurerforschung. In: Freimaurer und Geheimbünde im 18. Jahrhundert in Mitteleuropa. Hrsg. von Helmut Reinalter. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1983. S.9-31.

[vii] Reinalter, H.: Einleitung, Zur Aufgabenstellung der gegenwärtigen Freimaurerforschung.

[viii] Binder, Diether Anton: Die diskrete Gesellschaft, Geschichte und Symbolik der Freimaurer. Graz, Wien, Köln: Styria Verlag 1988. S.16,

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Details

Titel
Lessing und die Freimaurer
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V92918
ISBN (eBook)
9783638067942
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lessing, Freimaurer
Arbeit zitieren
Helen Lorentz (Autor), 2006, Lessing und die Freimaurer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92918

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