Der Begriff Kanzlerdemokratie wurde ursprünglich in der politischen Publizistik geprägt und hat sich mittlerweile als wissenschaftlicher Arbeitsbegriff etabliert (Schmidtke 2001, S. 12). Trotz breiter Akzeptanz des Begriffes Kanzlerdemokratie in der Politikwissenschaft ist er weiterhin Gegenstand kontroverser Diskussionen (ebd. S. 14). Ausgehend von der Voraussetzung, dass es sich bei der "Kanzlerdemokratie" um einen Regierungstyp der Bundesrepublik handelt, soll unter der Verwendung der von Niclauß aufgestellten Strukturmerkmale anhand zwei neuerer Biographien sowie Zeitungsberichten über die ersten und die letzten Monate der Amtszeit Schröders untersucht werden, inwieweit die erste Regierung Schröder ein Beispiel für eine Kanzlerdemokratie ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Forschungsstand
2.1 Kanzlerdemokratie ausschließlich als Charakterisierung der Regierungszeit Adenauers
2.2 Kanzlerdemokratie als Regierungstyp
3 Strukturmerkmale der Kanzlerdemokratie nach Niclauß
3.1 Politische Führungskraft des Bundeskanzlers
3.2 Bundeskanzler als Außenpolitiker
3.3 Das persönliche Prestige des Bundeskanzlers
3.4 Führung der größten Regierungspartei
3.5 Gegensatz zwischen Regierungslager und Opposition
4 Regierungsstil Gerhard Schröders in seiner ersten Amtszeit
4.1 Politische Führungskraft
4.1.1 Nutzung der institutionellen Möglichkeiten
4.1.2 Richtlinienkompetenz und Kabinettsdisziplin
4.1.3 Disziplinierung der Regierungsfraktionen
4.1.4 Umgang mit dem Koalitionspartner
4.2 Die Außenpolitik Gerhard Schröders
4.3 Das persönliche Ansehen Gerhard Schröders
4.4 Schröder und die SPD
4.5 Das Verhältnis zur Opposition
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der Strukturmerkmale nach Niclauß, inwieweit die erste Regierung von Gerhard Schröder als Beispiel für eine Kanzlerdemokratie klassifiziert werden kann und wie sich sein Regierungsstil im Vergleich zu seinen Amtsvorgängern darstellt.
- Analyse der theoretischen Grundlagen der Kanzlerdemokratie als Regierungstyp
- Untersuchung des Regierungsstils Gerhard Schröders unter besonderer Berücksichtigung seiner politischen Führungskraft
- Evaluierung der außenpolitischen Handlungsspielräume und des persönlichen Prestiges des Kanzlers
- Betrachtung des Verhältnisses zwischen dem Bundeskanzler und seiner Partei sowie zur Opposition
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Richtlinienkompetenz und Kabinettsdisziplin
Der Bundeskanzler bestimmt gemäß Art. 65 GG die Richtlinien der Politik. In welchen Maße es ihm gegenüber seinem Kabinett gelingt, seine Richtlinienkompetenz durchzusetzen, hängt von seinem Führungsstil und der Stärke seiner Persönlichkeit ab. Gerhard Schröder Vergleich vom Fußball und der Politik:
“Im Fußball ist es meistens wie im Leben -und übrigens auch in der Politik: Es kommt auf ein gutes Mannschaftsspiel an und auf glänzende Einzelspieler, die den entscheidenden Tick für den gemeinsamen Erfolg geben können” (Schröder 2000).
bringt sein Verständnis von politischer Führung zum Ausdruck.
Der Regierungsstil Gerhard Schröders ist dadurch gekennzeichnet, dass er, mit Ausnahme der von ihn zur Chefsache erklärten Problemen, seinen Ministern große Freiheiten einräumte. Krause-Burger stellt dazu fest, dass
”... es bisher keinen Kanzler -die Zeit von Willy Brandts Führungsschwäche vor seinem Rücktritt einmal ausgenommen- gab, dessen Minister so ungestört auf eigene Faust, im Negativen wie im Positiven, Profil gewinnen durften” (Krause-Burger 2002, S. 98).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in den Begriff der Kanzlerdemokratie und die Zielsetzung der Untersuchung der ersten Regierung Schröder.
2 Forschungsstand: Überblick über die politikwissenschaftliche Debatte, ob Kanzlerdemokratie zeitlich begrenzt oder ein dauerhaftes Regierungsmodell ist.
3 Strukturmerkmale der Kanzlerdemokratie nach Niclauß: Definition der wesentlichen Kriterien wie Führungskraft, Außenpolitik und Parteiführung nach Niclauß.
4 Regierungsstil Gerhard Schröders in seiner ersten Amtszeit: Detaillierte Analyse der Ausübung der Richtlinienkompetenz, der Außenpolitik und der Krisenbewältigung unter Schröder.
5 Zusammenfassung: Resümee darüber, dass der Regierungsstil stark von der persönlichen Ausgestaltung und dem Erfolg des Kanzlers in der Parteiarbeit abhängt.
Schlüsselwörter
Kanzlerdemokratie, Gerhard Schröder, Richtlinienkompetenz, Kabinettsdisziplin, Außenpolitik, Parteien, Koalitionspartner, Krisenmanagement, Personalisierung, Machtkampf, Regierungsstil, Bundeskanzler, Opposition, Konsenspolitik, politische Führung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob die erste Amtszeit von Gerhard Schröder als klassisches Beispiel für das Modell der Kanzlerdemokratie nach Niclauß angesehen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Ausübung der institutionellen Macht, dem Regierungsstil, dem außenpolitischen Agieren und der innerparteilichen Stellung Schröders.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Regierungsweise Schröders mit den etablierten Strukturmerkmalen der Kanzlerdemokratie abzugleichen und Abweichungen oder Kontinuitäten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse politikwissenschaftlicher Literatur, den Abgleich mit Strukturmerkmalen nach Niclauß sowie die Auswertung von Zeitungsberichten und Biographien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt konkret die Nutzung institutioneller Möglichkeiten, die Kabinettsdisziplin, das Verhältnis zum Koalitionspartner und die außenpolitische Profilierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kanzlerdemokratie, Regierungsstil, politische Führung, Richtlinienkompetenz und Koalitionsmanagement sind die zentralen Begriffe.
Wie bewertet die Arbeit Schröders Umgang mit seinen Ministern?
Die Arbeit stellt fest, dass Schröder seinen Ministern einerseits große Freiheiten ließ, andererseits aber bei wichtigen Themen ("Chefsache") zentralistisch in die Kommunikation und Entscheidung eingriff.
Welche Rolle spielte die SPD für den Kanzler?
Das Verhältnis zur SPD wird als "Achillesferse" beschrieben, da die Unterstützung der Partei stark an den persönlichen Erfolg des Kanzlers gekoppelt war.
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- Steffen Wirks (Author), 2002, Die erste Regierung Schröder - ein Beispiel für eine Kanzlerdemokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9296