Die Literaturverfilmung Crazy

Eine gelungene Adaption?


Hausarbeit, 2005
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literaturverfilmung
2.1. Vermittlungs- und Wirkungsmodus der Literatur
2.2. Vermittlungs- und Wirkungsmodus des Filmes
2.3. Literaturverfilmung- zwei verschiedene Sprachen

3. „Crazy“- die Literaturverfilmung
3.1. Zwei verschiedene Sprachen- am Beispiel „Crazy“
3.1.1. Die Vorstellung Benjamins- im Buch
3.1.2. Die Vorstellung Benjamins- im Film
3.2. Darstellungsweise der Themen des Buchs im Film
3.2.1. Das Thema „ Mädchen“
3.2.2. Das Thema „Freundschaft“
3.3. Die Literaturverfilmung „Crazy“- eine gelungene Adaption?

4. Rückblick

5. Bibliografien

1. Einleitung

Auf die Frage, ob man ein spezifisches Buch gelesen habe, folgt oft die simple Antwort, nein, aber man hätte ja den dazugehörigen Film gesehen. Im ersten Moment schließt wohl die Mehrzahl der Teilnehmer solch einer Konversation auf eine gemeinsame Gesprächsbasis, bei der die in den Medien „Literatur“ und „Film“ beschriebene, beziehungsweise gezeigte Handlung einander entspricht. In den meisten Fällen stellt sich aber schon nach kurzer Zeit heraus, dass dem nicht so ist. Dies kann nicht nur für den Handlungsverlauf gelten, sondern auch Charaktere und das Setting entsprechen oftmals nicht den Beschreibungen im literarischen Werk. Warum aber entfernt sich eine Literaturverfilmung von seiner literarischen Vorlage? Warum wird diese Transformation in ein anderes Medium oftmals als Enttäuschung empfunden? Und vielmehr, wann lässt sich dann von einer gelungenen Adaption sprechen?

Im Folgenden werde ich versuchen, diese Fragen zu beantworten. Dazu möchte ich zunächst die Medien „Literatur“ und „Film“ einzeln betrachten, um ihre spezifischen Vermittlungs- und Wirkungsmodi zu verdeutlichen. Es sollen auch die Schwierigkeiten einer Literaturverfilmung aufgezeigt werden.

Als spezifisches Beispiel werde ich im dritten Kapitel auf die Literaturverfilmung von Benjamins Leberts popliterarischen Bestseller „Crazy“ eingehen. Ich möchte anhand einer im Buch und Film vorkommenden Szene die Unterschiede der literarischen zur filmischen Sprache exemplarisch analysieren und darstellen.

Des Weiteren werde ich Bezug auf die im Buch und Film dargestellten Themen nehmen. Da sich diese sehr ähnlich sind, möchte ich durch die Analyse bestimmter Szenen die Raffinesse und Vielschichtigkeit der filmischen Mittel vorführen. Dieses wird sicherlich zu Beantwortung meiner Leitfrage nach einer gelungenen Adaption beitragen können. Eine konkrete Antwort stellt den Schluss des dritten Kapitels dar.

Im letzten Teil dieser Hausarbeit möchte ich rückblickend meine eigenen Gedanken kurz festhalten und aufzeigen, in wie weit sie meine Einstellung bezüglich Literaturverfilmungen verändert hat.

2. Literaturverfilmung

Das Genre der Literaturverfilmung ist eines der Ältesten innerhalb der Filmgeschichte. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts, also bereits wenige Jahre nach der Erfindung des Films, diente ausgewählte Literatur als Inspirationsquelle und bot somit den Stoff für filmische Produktionen.[1]

Den hohen Zahlen der Literaturverfilmungen innerhalb der Kino- und Fernsehunterhaltung stehen Kritiker skeptisch gegenüber; Neil Postman argumentiert, die mediale Transformation sei ein entscheidender Faktor für den kulturellen Verfall der literarischen Bildung und unterbände jegliche Eigenaktivität der Phantasietätigkeit der Zuschauer.[2] Auf der anderen Seite kann eine Literaturverfilmung aber auch als „Einstieg“ zur Literatur dienen und dazu anregen, die dazugehörigen oder weitere schriftliche Werke zu lesen.[3] Welche der beiden Positionen persönlich vertreten wird, ist hier nicht von Relevanz, die Diskussion hebt jedoch bereits die auffälligsten Merkmale der Medien „Literatur“ und „Film“ hervor. Es ist für die Analyse einer Literaturverfilmung wichtig und notwenig, sich über die unterschiedlichen Vermittlungs- und Wirkungsmodi der beiden Medien im Klaren zu sein.

Das Ziel bleibt dennoch in beiden Fällen ein gemeinsames: Der Leser, beziehungsweise der Zuschauer, soll gefesselt und unterhalten werden, die vom Sender dargestellte Geschichte soll nicht nur verstanden werden, sondern auch beeindrucken und berühren.[4] Die Herstellung eines kommunikativen Kontaktes zwischen Sender und Empfänger stellt dabei den Erfolg eines für gut empfundenen Buches oder Filmes dar.[5]

Im Folgenden werde ich konkreter auf die medialen Eigenschaften von Literatur und Film eingehen, um auch die Problematik einer Literaturverfilmung verdeutlichen zu können.

2.1. Vermittlungs- und Wirkungsmodus der Literatur

„Das literarische Werk besitzt zwei Pole, die man den künstlerischen und den ästhetischen Pol nennen könnte, wobei der künstlerische den vom Autor geschaffenen Text und der ästhetische die vom Leser geleistete Konkretisation bezeichnet.“[6] Somit entfaltet sich das literarische Werk in seiner Vollkommenheit erst während des Lesevorgangs und zeichnet sich als das „Konstituiert- Sein“ des Textes im Bewusstsein des Lesers aus.[7] Ein guter Text lässt dem Leser gedankliche Freiheit und vermag dadurch imaginäre Gegenstände vor dessen innerem Auge hervor zu rufen. Diese vom Text bewusst gelassenen Leerstellen sind ein notwendiges Element, um das Lesen zum Vergnügen zu machen.[8] Indem der Leser das Unformulierte formuliert, entsteht eine Kommunikation zwischen ihm und dem Autor.

Wichtig ist hierbei, auf die individuelle und somit einzigartige Konkretisierung hinzuweisen. Jeder Leser tritt mit unterschiedlichem Vorwissen an einen Text heran, ist anders kulturell geprägt und bettet die neue Information somit individuell in seine Erfahrungen ein.[9] Ein implizierter Rezipient, der genau das in seinem Vorstellungsvermögen produzieren würde, was der Sender, in diesem Fall der Autor, selbst imaginiert, ist nicht zu finden. Die Schnittmengen an Übereinstimmung variieren, doch absolut gleiche Bilder und ein selbiges Empfinden kann es nicht geben.[10]

2.2. Vermittlungs- und Wirkungsmodus des Filmes

Beim Film handelt es sich um ein audiovisuelles Medium, das somit andere Sinne des Rezipienten anspricht. Im Vordergrund steht dabei das konkrete, bewegte Bild, das durch seine Detailträchtigkeit sehr viel reicher an Informationseinheiten ist als ein literarischer Text.[11] Paech beschreibt „das Kino als Antwort auf ein Begehren im innersten unserer psychischen Struktur“.[12] Dabei wirkt die filmische Illusion als eine Erweiterung des eigenen Lebensraums, die Rede ist von einer Einfühlungsästhetik, die eine Identifikation des Zuschauers mit den Schauspielern provoziert und möglich macht.[13] Im besten Fall nimmt der Zuschauer die filmische Zeit als die eigene wahr und fühlt sich somit unmittelbar Teil des filmischen Ereignisses.[14]

Film wird im Gegensatz zur Literatur als ein „heißes Medium“ geschrieben, das sich durch eine höhere Wirkungsintensität auszeichnet. Trotz der größeren räumlichen Distanz entsteht ein stärkerer Kontakt zu den Bildern.[15]

[...]


[1] Wolfgang Hammerschmidt, Der Film zum Buch, Literaturverfilmungen im Fernsehspiel, ZDF, Mainz, 1989, S. 7.

[2] Wolfgang Gast, Literaturverfilmung, Buchner Verlag, Bamberg, 1993, S. 9-10.

[3] Wolfgang Gast, Literaturverfilmung, a.a.O., S. 14.

[4] Joachim Paech, Methodenprobleme der Analyse verfilmter Literatur, Münster MAkS Publikationen, 1984, Münster, S. 53.

[5] Joachim Paech, Methodenprobleme der Analyse verfilmter Literatur, a.a.O., S. 53.

[6] Wolfgang Iser, Der Lesevorgang, Wilhelm Fink Verlag, München, 1975, S. 253.

[7] Wolfgang Iser, Der Lesevorgang, a.a.O., S. 253.

[8] Wolfgang Iser, Der Lesevorgang, a.a.O., S. 254.

[9] Rainer Winter, Cultural Studies als kritische Medienanalyse: Vom „encoding/decoding“- Modell zur Diskursanalyse, in: Andreas Hepp, Kultur-Medien-Macht, Westdeutscher Verlag, Opladen, 1997, S. 51-53.

[10] Rainer Winter, Cultural Studies als kritische Medienanalyse, a.a.O., S. 51-53.

[11] Heidemarie Schuhmacher, Fernsehen fernsehen, Modelle der Medien- und Fernsehtheorie, Dumont Literatur und Kunst Verlag, Köln, 2000, S. 180.

[12], Joachim Paech, Eine Dame verschwindet, Zur dispositiven Struktur apparativen Erscheinens, in: Hans Ulrich Gumbrecht und Karl Ludwig Pfeiffer, Paradoxien, Dissonanzen, Zusammenbrüche, Suhrkamp, Frankfurt/Main 1991, S. 782.

[13] Joachim Paech, Eine Dame verschwindet, a.a.O., S. 783.

[14] Maurizio Lazzarato, Video, Ströme und reale Zeit, in: Videophilosophie. Zeitwahrnehmung in Postfordismus, b_books, Berlin, 2002, S.79-80.

[15] Heidemarie Schuhmacher, Fernsehen fernsehen, Modelle der Medien- und Fernsehtheorie, a.a.O., S. 113.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Literaturverfilmung Crazy
Untertitel
Eine gelungene Adaption?
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Popliteratur
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V92971
ISBN (eBook)
9783640097111
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literaturverfilmung, Crazy, Popliteratur
Arbeit zitieren
Catharina Cerezo (Autor), 2005, Die Literaturverfilmung Crazy, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92971

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