Vor etwa 2000 Jahren lebte ein Mann, dessen Wirkungsgeschichte die Menschheit wie Weniges geprägt hat: Jesus von Nazaret. In seinem von Liebe geprägten Tun wurde Gott erfahrbar. In ihm offenbarte sich Gott den Menschen. Er starb für uns am Kreuz. Doch wurde Jesus von Gott aus den Toten erweckt und so mit seinem Lebensprogramm der Liebe bestätigt. Menschen, die von all diesen Geschehnissen tief getroffen waren, verkündigten und verkündigen diesen Jesus bis heute als Sohn Gottes, als Kyrios und Christus.
Doch wie sieht die andere, die historische Seite des nachösterlichen Christus aus? Wer war Jesus von Nazaret? Was ist an den uns überlieferten Worten und Taten Jesu historisch tatsächlich wahr? Diese Frage nach dem historischen Jesus ist hochaktuell. Zahlreiche Bücher, seien es welche wissenschaftlicher Art oder Romane, beschäftigen sich mit einer Biographie Jesu. Auch eine Reihe von Filmen zu seinem Leben ist gedreht worden.
Diese Arbeit setzt sich mit dem Problem der in den letzten Jahren kontrovers diskutierten Fragestellung nach dem hisorischen Jesus auseinander. Sie will einen Beitrag zum Verständnis jener Fragestellung leisten und fragmentarisch analysieren, was wir heute von Jesus als historischer Person wissen.
Dazu werden in einem ersten Teil die Quellenmaterialien, die für eine Rekonstruktion des irdischen Lebens Jesu zur Verfügung stehen, analysiert; also die Grundlagen für die Fragestellung betrachtet. Der zweite Teil stellt die Methodik für die Suche nach dem historischen Jesus vor – die historisch-kritische Rückfrage nach selbigem – sowie deren Grenzen und Möglichkeiten. Aus den Ergebnissen des ersten und zweiten Teils erfolgt zum Schluss eine skizzenhafte Darstellung des historischen Jesus.
Inhaltsverzeichnis
1 Quellen über den historischen Jesus
1.1 Außerbiblische Quellen
1.1.1 Römische Quellen
1.1.2 Jüdische Quellen
1.1.3 Agrapha
1.2 Evangelien des Neuen Testaments
2 Die Rückfrage nach dem historischen Jesus
2.1 Begriff der historischen Rückfrage
2.2 Rechtfertigung der Rückfrage
2.3 Probleme der Rückfrage
2.3.1 Geschichtsverständnis der Antike
2.3.2 Selektion der Jesusüberlieferungen
2.3.3 Neuformung der Überlieferungen
2.3.4 Neuinterpretation des überlieferten Stoffes
2.4 Möglichkeiten der Rückfrage
2.4.1 Kriterien nach Norman Perrin
2.4.2 Konkrete Einzelkriterien
3 Skizzenhafte Darstellung des historischen Jesus
3.1 Das Problem der Historizität der Kindheitsgeschichten
3.2 Herkunft und Familie
3.3 Die Zeit des öffentlichen Wirkens
3.3.1 Die Botschaft vom Reich Gottes
3.3.2 Nachfolgeforderung und Jüngerkreis
3.3.3 Auftrittsgebiete
3.3.4 Konflikte
3.4 Prozess und Kreuzigung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die Möglichkeiten und Grenzen der historisch-kritischen Rückfrage nach dem irdischen Jesus zu analysieren und auf dieser Grundlage ein fragmentarisches Bild seiner historischen Person und seines Wirkens zu entwerfen.
- Analyse der verfügbaren Quellenmaterialien zur Rekonstruktion des Lebens Jesu.
- Untersuchung der theoretischen Problematik und Rechtfertigung der historischen Rückfrage.
- Anwendung methodischer Kriterien zur Prüfung der Echtheit neutestamentlicher Überlieferungen.
- Skizzenhafte Darstellung ausgewählter Lebensaspekte Jesu, wie sein öffentliches Wirken, Konflikte und sein Prozess.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Geschichtsverständnis der Antike
Soll Jesu irdisches Leben in einer Art Biographie rekonstruiert werden, so werden Eckdaten von seiner Geburt, Herkunft, seinem Wirken, Tod, usw. benötigt. Die Evangelien – wie auch die anderen oben genannten antiken Quellen – haben an solchen Eckdaten aber kein Interesse. Dies ist auf das Verständnis der Geschichte der Antike zurückzuführen. Die altertümlichen Historiker kennen in ihrer Geschichtsschreibung keine scharfe Trennung zwischen gegebenen Tatsachen und deren Interpretation. Historische Fakten und deren Deutung verschmelzen also. Es gibt Geschichtsschreibung „nur im Wissen um ein Sinnganzes allen weltlich-menschlichen Geschehens“. Stellt ein Evangelist Jesus dar, so interpretiert er ihn im Sinne jenes Sinnganzen, das er in der Geschichte erkennen lassen will. Da kann natürlich von neutraler Geschichtsschreibung wie wir sie heute kennen, keine Rede sein. Diese Tatsache macht es schwer, den irdischen Jesus aus den Evangelien zu rekonstruieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Quellen über den historischen Jesus: Dieses Kapitel analysiert die verfügbaren Quellen zur Rekonstruktion des Lebens Jesu, einschließlich römischer und jüdischer Zeugnisse, apokrypher Schriften sowie der neutestamentlichen Evangelien.
2 Die Rückfrage nach dem historischen Jesus: Hier wird die Notwendigkeit der Rückfrage begründet, die methodischen Probleme wie das antike Geschichtsverständnis oder die Neuinterpretation des Stoffs erörtert und Kriterien zur Echtheitsprüfung vorgestellt.
3 Skizzenhafte Darstellung des historischen Jesus: Das abschließende Kapitel bietet eine fragmentarische Zusammenfassung des historischen Wissens über Jesus, von seiner Herkunft über sein öffentliches Wirken bis hin zu seinem Prozess und Tod.
Schlüsselwörter
Historischer Jesus, Rückfrage, Evangelien, Neutestamentliche Exegese, Historisch-kritische Methode, Reich Gottes, Quellenanalyse, Antikes Geschichtsverständnis, Jesus von Nazaret, Überlieferung, Christuskerygma, Nachfolge, Forschungskriterien, Leben Jesu, Theologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Herausforderung, aus den vorhandenen neutestamentlichen und außerbiblischen Quellen Informationen über den historischen Menschen Jesus von Nazaret zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Analyse der Quellenlage, die methodischen Hürden der historischen Rückfrage sowie die skizzenhafte Rekonstruktion markanter Stationen im Leben Jesu.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, den historischen Jesus trotz der Schwierigkeiten durch die historisch-kritische Methode greifbar zu machen und zu zeigen, dass seine Person auch im irdischen Dasein für den christlichen Glauben bedeutsam ist.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die historisch-kritische Methode der Exegese, einschließlich spezifischer Kriterien wie dem Unähnlichkeits- und Mehrfachbezeugungsprinzip.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Quellenkritik, die Erläuterung der methodischen Problematiken bei der Interpretation der Evangelien sowie die inhaltliche Darstellung der Kindheitsgeschichte, der Botschaft Jesu und seines Prozesses.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die Rückfrage nach dem historischen Jesus, das Reich Gottes, die historisch-kritische Methode, Quellenkritik und das Christuskerygma.
Welche Bedeutung misst die Autorin den außerbiblischen Quellen bei?
Die Autorin stellt fest, dass römische und jüdische Quellen nur sehr wenige, teilweise polemisch gefärbte Informationen liefern, die für eine detaillierte Rekonstruktion kaum ausreichen.
Warum wird die Historizität der Kindheitsgeschichten kritisch gesehen?
Die Autorin argumentiert, dass diese Erzählungen weniger an historischen Fakten als vielmehr an theologischen Zielen der Evangelisten orientiert sind, was sich unter anderem in widersprüchlichen Angaben zu Stammbäumen und Geburtsdaten zeigt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Prozess Jesu?
Sie schlussfolgert, dass der Tod Jesu die Zuspitzung von Konflikten mit dem jüdischen religiösen System war und die Hinrichtung letztlich durch römische Behörden unter dem Druck der damaligen politischen Umstände erfolgte.
- Quote paper
- Monika Ringleb (Author), 2004, Die Rückfrage nach dem historischen Jesus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92988