Warenhäuser, als eine Betriebsform mit einer mehr als einhundert jährigen Geschichte, haben seit ihrer Entstehung zum Ende des 19. Jahrhunderts schon mehrfach Höhen und Tiefen durchlebt. Die attraktiven, breiten und preiswerten Sortimente in den Innenstädten begeisterten die Kunden und verhalfen dem Unternehmen relativ schnell zu einem beträchtlichen Marktanteil. Ab 1975 kamen jedoch zunehmend Krisensymptome auf . Die Warenhäuser boten sämtliche Warengruppen in mittlerer Qualität zu durchschnittlichen Preisen an und positionierten sich somit in einer schwachen, nur wenig profilierten Wettbewerbsposition. Es verwundert daher nicht, dass diese Betriebsform in den letzten Jahren erhebliche Marktanteile verloren hat.
Das Absterben veralteter Betriebsformen, die Anpassung bestehender und das Aufkommen neuer Betriebsformate auf einem Markt, kurz: der „Wandel im Handel“, ist seit langem zentraler Untersuchungsgegenstand der Handelsforschung. Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung der beschriebenen Problemstellung besteht die generelle Zielsetzung der vorliegenden Arbeit darin, die Dynamik der Betriebsform Warenhaus dar-zustellen. Im Zentrum der weiteren Untersuchung steht die Frage, mit welchen Strategien die Warenhausunternehmen seit dem Jahr 1975 versuchten und versuchen, den Abwärtstrend zu stoppen.
Um die Ausführungen auf eine fundierte Basis zu stellen, wird im zweiten Kapitel ein Überblick über die allgemeinen Grundlagen und die aktuelle Positionierung der Betriebs-form Warenhaus gegeben, bevor im dritten Kapitel die vorhandenen theoretischen Aspekte bezüglich der Entwicklung der Betriebsformen im Handel aufgezeigt werden. In den nachfolgenden Ausführungen des vierten Kapitels wird die Dynamik als Phasenschema und Evolutionsmuster, in Anlehnung an die Anpassungstheorie, vorgestellt. Hierbei wer-den die einzelnen Entwicklungsstufen nach ihren verhaltensorientierten Aspekten und ihrer Strategiedominanz erläutert. Dabei eignet sich die Anpassungstheorie am besten, da diese von der Hypothese ausgeht, dass Umweltanalysen und entsprechende Reaktionen die Grundlage für das Überleben von Betrieben erklärt. Dieses Muster lässt sich bei den Strategien in den Jahren ab 1975 wieder erkennen, die der Zielsetzung eines nachhaltigen Turnarounds unterstellt waren. Das abschließende fünfte Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt dabei einen Ausblick darauf, wie eine mögliche Differenzierung der Betriebsform Warenhaus aussehen könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Definition Betriebsform und Darstellung des Betriebsformates Warenhaus
2.2 Historische Entwicklung des Warenhauses
2.3 Positionierung Warenhaus
3 Entwicklungstheorien der Betriebsformen im Handel
3.1 Überblick
3.2 Verdrängungstheorien nach McNair und Nieschlag
3.3 Anpassungstheorie als Evolutionsmuster
4 Die Dynamik der Betriebsform Warenhaus als Evolutionsmuster
4.1 Mutationsphase (Expansionsstrategie)
4.2 Modifikationsphase (Modifikationsstrategie)
4.3 Gruppenbildungsphase (Diversifikationsstrategie)
4.4 Kannibalismusphase (Akquisitionsstrategie)
4.5 Artenschutzphase (Fusionsstrategie)
4.6 Selektionsphase (Schrumpfungsstrategie)
4.7 Auswilderungsphase (Differenzierungsstrategie – anhand der Internationalisierung des Warenhausformates)
5 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die historischen Entwicklungsprozesse und die strukturelle Dynamik der Betriebsform Warenhaus, um Strategien für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Turnaround zu identifizieren.
- Evolutionsbiologische Betrachtung des Warenhaus-Degenerationsprozesses
- Analyse strategischer Unternehmensentscheidungen seit 1975
- Untersuchung verhaltensorientierter Aspekte der Konsumenten
- Bewertung von Diversifikations-, Akquisitions- und Fusionsstrategien
- Potenziale der Internationalisierung und Neupositionierung (Premium-Segment)
Auszug aus dem Buch
4.1 Mutationsphase (Expansionsstrategie)
Zur Erläuterung der Mutationsphase ist es zweckmäßig, die verhaltensorientierten Wissensstrukturen der Konsumenten näher zu betrachten. Der Kunde hat im Hinblick auf die Betriebsform eines Detailgeschäftes ein gewisses Schemata mit bestimmten Attributen und ein bestimmtes Bild vor dem inneren Auge gespeichert. Wesentliche Schemaattribute für das Warenhaus sind das mehrere Branchen umfassende Warenangebot mit tiefer und breiter Sortimentsausrichtung und die 1a-City-Lage mit hoher Standortattraktivität. Daneben wird das innere Bild des Warenhauses von Lebendigkeit dominiert. Die Präferenzen des Konsumenten hängen im Wesentlichen davon ab, wie lebendig das innere Bild ist. Bei der in den siebziger Jahren fortgesetzten Expansion wurden somit offenbar zwei wesentliche verhaltensorientierte Aspekte vernachlässigt. Zum einen mussten die Warenhäuser, infolge des mehrfachen Besatzes der Top-City-Lage durch Mitbewerber, auf die Nebenzentren der Großstädte ausweichen, wobei hier die Erfolgsfaktoren eines großen Sortimentes und einer Top-Lage nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Zum anderen konnte das wahrgenommene Bild des Warenhauses dem inneren Bild nicht mehr gerecht werden, da die z.B. unattraktiven Schaufensterfronten und Warenpräsentationen der kleineren Warenhäuser ein geringeres Aktivierungspotential besaßen. Die Entwicklung wird in Tabelle 3 veranschaulicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich der Abwärtstrends bei Warenhäusern.
2 Grundlagen: Definition der Betriebsform Warenhaus und Einordnung in den Wettbewerbskontext sowie geschichtlicher Abriss.
3 Entwicklungstheorien der Betriebsformen im Handel: Theoretische Herleitung verschiedener Modelle zum Verständnis des Wandels im Handel.
4 Die Dynamik der Betriebsform Warenhaus als Evolutionsmuster: Detaillierte Analyse der verschiedenen Phasen der Degeneration und der darauf folgenden Unternehmensstrategien.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einschätzung zukünftiger Erfolgschancen durch Differenzierungsstrategien.
Schlüsselwörter
Warenhaus, Betriebsform, Einzelhandel, Evolutionsmuster, Anpassungstheorie, Turnaround, Konsumentenverhalten, Wettbewerbsstrategie, Diversifikation, Akquisition, Fusion, Internationalisierung, Luxusgütermarkt, Degeneration, Marktpositionierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische und strukturelle Entwicklung der Betriebsform Warenhaus und analysiert, warum diese über Jahrzehnte Marktanteile verlor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Handelsmanagement, Wettbewerbsstrategien, Konsumentenpsychologie und die Anwendung evolutionstheoretischer Modelle auf den Einzelhandel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Dynamik des Warenhauses darzustellen und Strategien zu bewerten, die Unternehmen seit 1975 eingesetzt haben, um den Abwärtstrend zu stoppen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein empirisch-historischer Ansatz gewählt, der durch eine verhaltensorientierte Analyse ergänzt wird, um die Degenerationsphase des Warenhauses zu erklären.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in ein Phasenmodell (Mutations- bis Auswilderungsphase), das die strategischen Reaktionen der Warenhäuser wie Diversifikation, Fusionen und Internationalisierung kritisch beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernthema "Warenhaus" sind "Degeneration", "Evolutionsmuster", "Markenpositionierung" und "Turnaround-Strategien" zentral für das Verständnis.
Warum wird die Anpassungstheorie auf Warenhäuser angewendet?
Die Theorie dient als Erklärungsmodell, da sie die permanente Notwendigkeit betont, sich an ein sich wandelndes Umfeld anzupassen, was bei den untersuchten Handelskonzernen zu verschiedenen Strategiephasen führte.
Was ist das Ergebnis der Analyse zu Akquisitionsstrategien?
Die Arbeit zeigt, dass Unternehmenszusammenschlüsse ohne ein klares, ertragsfähiges Marketing- und Integrationskonzept – wie bei Karstadt und Hertie geschehen – das eigentliche Problem nicht lösen, sondern nur die Kosten erhöhen.
Welche Rolle spielt die Internationalisierung im Ausblick?
Sie wird als strategische Wachstums- und Profilierungschance gesehen, insbesondere durch die Erschließung des Luxusgütermarktes, um sich aus der "unprofilierten Mitte" zu befreien.
Was bedeutet das "Bermuda-Dreieck" für Warenhäuser?
Es beschreibt die unvorteilhafte Mittellage ("Stuck in the middle"), in der das Warenhaus weder durch Preis noch durch exklusive Leistung eine klare Positionierung gegenüber dem Kunden erreichen kann.
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- Peter Meinert (Author), 2007, Die Dynamik der Betriebsform Warenhaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93011