Auszug aus der Einleitung: Im Nachfolgenden wird der Versuch unternommen, den/die Protagonisten/in des Filmes Boys don't cry in die verschiedenen Konzepte weiblicher Männlichkeiten, wie sie von Judith Halberstam vorgestellt werden, einzuordnen und damit zu klären, wie die spezifische Männlichkeit der Hauptfigur konstruiert wird. Weiterhin soll verdeutlicht werden inwiefern sich die Maskulinität Brandon Teenas von der dominanten Männlichkeit seiner Freunde und Mörder abhebt. Kurz gesagt, diese Arbeit stellt verschiedene Konzepte weiblicher Männlichkeit vor, überprüft ihre Abbildung in Boys don’t cry und versucht sie von den darin auftauchenden „echten“ Männern abzugrenzen.
Inhaltsverzeichnis
1 Probleme der Grenzziehung
2 Teena Brandon? Brandon Teena? Butch? FTM?
2.1 Stone Butch
2.2 Female to Male Transsexueller
3 Weibliche Männlichkeit vs. dominanter Männlichkeit in Boys don’t cry
3.1 Körperlichkeit und das Auto als Prothese der Männlichkeit
3.2 Draufgängertum
3.3 Gewalttätigkeit und Dysfunktionalität
3.4 Verhältnis zu Frauen
4 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion weiblicher Männlichkeit anhand der Hauptfigur Brandon Teena im Spielfilm "Boys don’t cry". Dabei wird analysiert, wie sich diese spezifische Form von Maskulinität von traditionellen, dominanten Männlichkeitskonzepten abgrenzt und welche Rolle soziale Performanz sowie externe Zuschreibungen in diesem Kontext spielen.
- Kritische Auseinandersetzung mit Männlichkeitskonzepten nach Judith Halberstam.
- Untersuchung der Performativität von Geschlechtsidentität im fiktiven Kontext.
- Kontrastierung von "weiblicher Männlichkeit" mit dominanter, dysfunktionaler Männlichkeit.
- Analyse von Strategien wie "Passing" und der Bedeutung des sozialen Umfelds für die Identitätsbildung.
- Bewertung der Rolle des "weiblichen Mannes" in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Auszug aus dem Buch
Passing
Aus diesem Grund wird Passing für Brandon zu einer wichtigen Überlebensstrategie. Darunter versteht man sein öffentliches Auftreten als Mann, das die wahre biologische Gegebenheit verschleiert und ihn als männlich wahrgenommen werden lässt.
„Passing as a narrative assumes that there is a self that masquerades as another kind of self and does so successfully; at various moments, the successful pass may cohere into something akin to identity. At such a moment, the passer has become.
Wichtig hierbei ist, dass Passing nicht einer Maskerade gleichgesetzt werden kann, bei der man das eigene Selbst versteckt. Erfolgreiches Passing ist Teil einer Identität. Wenn Brandon erfolgreich als Mann auftritt, dann ist er nicht Teena, die sich geschickt verkleidet hat, er wird zu - und ist wahrhaftig - Brandon.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Probleme der Grenzziehung: Die Einleitung thematisiert die Schwierigkeit, eine fiktive Filmhandlung von realen Kriminalfällen abzugrenzen und legt die theoretische Basis für die Untersuchung der Geschlechterrollen fest.
2 Teena Brandon? Brandon Teena? Butch? FTM?: Dieses Kapitel führt in die Konzepte der "Stone Butch" und des "Female to Male Transsexuellen" ein, um die Identität der Hauptfigur theoretisch zu verorten.
3 Weibliche Männlichkeit vs. dominanter Männlichkeit in Boys don’t cry: Der Hauptteil kontrastiert Brandons sanfte, fürsorgliche Männlichkeit mit der gewalttätigen und dysfunktionalen Maskulinität seiner Umgebung.
4 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die weibliche Männlichkeit der Hauptfigur trotz körperlicher Unterlegenheit durch emotionale Kompetenz in der sozialen Interaktion überlegen agiert.
Schlüsselwörter
Weibliche Männlichkeit, Boys don’t cry, Geschlechtsidentität, Transsexualität, Stone Butch, FTM, Performativität, Passing, Maskulinität, Judith Halberstam, Identität, Geschlechterrolle, Sozialverhalten, Filmwissenschaft, Brandon Teena.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Konstruktion von "weiblicher Männlichkeit" anhand des Spielfilms "Boys don’t cry" und hinterfragt, wie Geschlechteridentität abseits binärer Kategorien im Film dargestellt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die performative Theorie von Geschlecht, die Abgrenzung von "Stone Butch" und "FTM"-Identitäten sowie die Gegenüberstellung von alternativer und dominanter Männlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Hauptfigur Brandon Teena eine Männlichkeit verkörpert, die sich durch emotionale und soziale Aspekte von der gewalttätigen Männlichkeit der anderen Filmcharaktere unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine diskursanalytische Herangehensweise unter Einbeziehung der Gender-Theorien von Judith Halberstam und Judith Butler, angewandt auf das fiktive Werk des Films.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil befasst sich mit den körperlichen und sozialen Attributen wie "Passing", dem Gebrauch des Autos als Männlichkeitsprothese und dem Draufgängertum im Vergleich zur restlichen Männerriege des Films.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie weibliche Männlichkeit, Performativität, Geschlechterfiktion und Transidentität.
Warum wird Brandon Teena in der Arbeit weder als reine Frau noch als reiner Mann eingeordnet?
Die Arbeit argumentiert, dass Brandon Merkmale verschiedener Konzepte (Stone Butch vs. FTM) vereint und die Grenze zwischen diesen Identitäten in der Fiktion bewusst verwischt wird.
Wie bewerten die Frauen im Film Brandons "weibliche Männlichkeit"?
Frauen wie Lana schätzen die sanfte und emotionale Art von Brandon, was ihn im sozialen Wettstreit um Zuneigung attraktiver erscheinen lässt als die dominanten, aber aggressiven Männer im Film.
Welche Rolle spielt das "Passing" für die Identität im Film?
Passing ist für Brandon eine Überlebensstrategie, um als Mann wahrgenommen zu werden, wobei das erfolgreiche Passing im Idealfall nicht als Maskerade, sondern als tatsächliche Identität verstanden wird.
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- Nadine Schnappinger (Author), 2008, Weibliche Männlichkeit in "Boys don't cry", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93065