Als Edmund Gettier 1963 seinen Aufsatz über die Frage, ob gerechtfertigter wahrer Glaube Wissen ist, veröffentlichte, wusste er noch nicht, welche Auswirkungen dies haben kann. Bis heute werden diese sog. „Gettier-Cases“ diskutiert und es gibt nach wie vor keine anerkannte Auslegung, was denn nun Wissen ist.
In diesem Essay möchte ich einen kurzen Überblick über die Fälle von Gettier geben und anhand dieser aufzeigen, dass der Begriff der Rechtfertigung in der Erkenntnistheorie immer noch mangelhaft ist. Danach möchte ich meine Theorie anführen, wann etwas gerechtfertigt sein kann, um etwas wissen zu können und anhand von Beispielen erläutern. Zum Schluss werde ich noch auf mögliche Kritikpunkte, die mit meiner Theorie aufkommen können, eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problem der Rechtfertigung
Zielsetzung & Themen
Der vorliegende Essay untersucht das erkenntnistheoretische Problem der Rechtfertigung von Wissen, ausgehend von den sogenannten „Gettier-Cases“, und entwickelt eine eigene Definition von Rechtfertigung als vollständige, wahrheitsgetreue und unanzweifelbare Evidenz.
- Analyse der Gettier-Fälle als Ausgangspunkt für Wissensprobleme
- Kritische Beleuchtung des Begriffs der Rechtfertigung
- Entwicklung eines Kriterienkatalogs für sichere Rechtfertigung
- Diskussion des Verhältnisses von Wahrnehmung, Wahrheit und Evidenz
- Auseinandersetzung mit Fallibilismus und Letztbegründung
Auszug aus dem Buch
Problem der Rechtfertigung
Als Edmund Gettier 1963 seinen Aufsatz über die Frage, ob gerechtfertigter wahrer Glaube Wissen ist, veröffentlichte, wusste er noch nicht, welche Auswirkungen dies haben kann. Bis heute werden diese sog. „Gettier-Cases“ diskutiert und es gibt nach wie vor keine anerkannte Auslegung, was denn nun Wissen ist.
In diesem Essay möchte ich einen kurzen Überblick über die Fälle von Gettier geben und anhand dieser aufzeigen, dass der Begriff der Rechtfertigung in der Erkenntnistheorie immer noch mangelhaft ist. Danach möchte ich meine Theorie anführen, wann etwas gerechtfertigt sein kann, um etwas wissen zu können und anhand von Beispielen erläutern. Zum Schluss werde ich noch auf mögliche Kritikpunkte, die mit meiner Theorie aufkommen können, eingehen.
Gettier stellt zwei Situationen vor: Smith und Jones bewerben sich um eine Arbeitsstelle. Smith glaubt, dass Jones den Job bekommt. Als Rechtfertigung zieht er die Aussage des Firmenchefs heran, der Smith gesagt hat, dass Jones den Job bekommen wird. Smith hat auch die Münzen in Jones Tasche gezählt (es waren 10 Münzen). Somit hat Smith folgende Konjunktion aufgestellt: Jones erhält den Job und Jones hat 10 Münzen in der Tasche.
Zusammenfassung der Kapitel
Problem der Rechtfertigung: Dieser Abschnitt führt in die erkenntnistheoretische Problematik ein, indem er die Gettier-Fälle präsentiert, um den Mangel in der klassischen Definition von Wissen als „gerechtfertigter wahrer Glaube“ aufzuzeigen.
Schlüsselwörter
Erkenntnistheorie, Rechtfertigung, Wissen, Gettier-Cases, Wahrheit, Evidenz, Unanzweifelbarkeit, Fallibilismus, Wahrnehmung, Letztbegründung, Wissenschaftstheorie, Philosophie, Logik, Beweisführung, Objektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der erkenntnistheoretischen Herausforderung, Wissen zweifelsfrei zu rechtfertigen, nachdem die klassische Wissensdefinition durch die Gettier-Fälle in Frage gestellt wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Mittelpunkt stehen die Anforderungen an eine belastbare Rechtfertigung von Aussagen, die Unterscheidung zwischen subjektiver Wahrheitstreue und objektiver Wahrheit sowie die Rolle von Beweisen in der Wissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine eigene Definition von „sicherer Rechtfertigung“ zu etablieren, die auf den Kriterien Vollständigkeit, Wahrheitsgetreue und Unanzweifelbarkeit basiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Der Autor nutzt die analytische Philosophie, indem er bestehende Theorien wie die Gettier-Problematik und den Fallibilismus durch logische Argumentation und Beispiele aus Geschichte und Rechtswissenschaft hinterfragt.
Was wird im Hauptteil des Essays erörtert?
Der Hauptteil analysiert die Schwächen rein wahrnehmungsbasierter Erkenntnisse, illustriert dies an Beispielen wie dem Spiel „Flüsterpost“ oder dem historischen Weltbildwandel und leitet daraus die Notwendigkeit unanzweifelbarer Evidenz ab.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Erkenntnistheorie, Rechtfertigung, Unanzweifelbarkeit und Letztbegründung.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Wahrnehmung bei der Rechtfertigung?
Der Autor argumentiert, dass Wahrnehmung als Quelle für Wissen allein unzureichend ist, da sie fehleranfällig ist und somit keine „vollständige“ oder „unanzweifelbare“ Rechtfertigung liefern kann.
Warum ist der Fallibilismus laut dem Autor keine befriedigende Lösung?
Der Autor lehnt den Fallibilismus ab, weil dieser die Möglichkeit von sicherem Wissen verneint und damit auch die Grundlage für wissenschaftliche Erkenntnisse entziehen würde.
In welchem Verhältnis stehen „Wahrheitstreue“ und „Wahrheit“?
Wahrheitstreue ist für den Autor ein subjektiver Begriff der sachlichen Schilderung, während Wahrheit einen objektiven Wesenscharakter beansprucht, der unabhängig vom menschlichen Wissen existiert.
Wie begründet der Autor die Notwendigkeit von „unanzweifelbarer Evidenz“?
Er führt aus, dass ohne die Forderung nach Unanzweifelbarkeit jeder Zweifel an Beweisketten berechtigt bliebe und Wissen somit beliebig würde; erst die Unanzweifelbarkeit ermögliche eine stabile Basis für Wissenschaft.
- Quote paper
- Matthias Seidel (Author), 2008, Problem der Rechtfertigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93102