Problem der Rechtfertigung


Essay, 2008

8 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Als Edmund Gettier 1963 seinen Aufsatz über die Frage, ob gerechtfertigter wahrer Glaube Wissen ist, veröffentlichte, wusste er noch nicht, welche Auswirkungen dies haben kann. Bis heute werden diese sog. „Gettier-Cases“ diskutiert und es gibt nach wie vor keine anerkannte Auslegung, was denn nun Wissen ist.

In diesem Essay möchte ich einen kurzen Überblick über die Fälle von Gettier geben und anhand dieser aufzeigen, dass der Begriff der Rechtfertigung in der Erkenntnistheorie immer noch mangelhaft ist. Danach möchte ich meine Theorie anführen, wann etwas gerechtfertigt sein kann, um etwas wissen zu können und anhand von Beispielen erläutern. Zum Schluss werde ich noch auf mögliche Kritikpunkte, die mit meiner Theorie aufkommen können, eingehen.

Gettier stellt zwei Situationen vor:

Smith und Jones bewerben sich um eine Arbeitsstelle. Smith glaubt, dass Jones den Job bekommt. Als Rechtfertigung zieht er die Aussage des Firmenchefs heran, der Smith gesagt hat, dass Jones den Job bekommen wird. Smith hat auch die Münzen in Jones Tasche gezählt (es waren 10 Münzen). Somit hat Smith folgende Konjunktion aufgestellt:

Jones erhält den Job und Jones hat 10 Münzen in der Tasche.

Aus dieser Konjunktion leitet er folgende Aussage ab:

Der Mann, der 10 Münzen in der Tasche hat, bekommt den Job.

Das Problem, das jetzt auftritt ist, dass Smith unwissentlich auch 10 Münzen in der Tasche hat und den Job erhält. Smith wusste vermeintlich, dass Jones den Job bekommen sollte, aber er konnte es nicht sicher wissen.

Somit haben wir einen Fall der zeigt, dass Smith keineswegs wissen konnte, wer den Job erhält. Smith hatte den glauben daran, dass es wahr ist und er glaubte der Aussage des Firmenchefs. Aber Smith konnte es nicht wissen.

Smith hat seine eigene Rechtfertigung auf Annahmen basiert, konnte es aber nicht wissen, da sich die Definition von Wissen als geglaubte, gerechtfertigte Wahrheit eingebürgert hat.

Der zweite Fall, den Gettier anführt, handelt erneut von Smith und Jones.

Jones besaß seit jeher einen Ford und Smith fährt mit ihm in dieser Situation in einem Ford. Smith glaubt, dass Jones den Ford besitzt, weil Jones schon immer einen Ford besessen hat seitdem Smith Jones kennt (Rechtfertigung).

Smith sagt demnach also folgendes:

Jones besitzt einen Ford.

Smith hat einen anderen Freund, Brown, dessen Aufenthaltsort Smith nicht kennt. Daher formuliert er folgende Aussagen (Orte sind im Beispiel willkürlich gewählt):

Entweder Jones besitzt einen Ford oder Brown ist in Bosten.

Entweder Jones besitzt einen Ford oder Brown ist in Barcelona.

Entweder Jones besitzt einen Ford oder Brown ist in Brest-Litovsk.

Indem Moment, in dem eine der beiden Teilaussagen wahr ist, ist die gesamte Aussage wahr. Wenn also Brown tatsächlich zufällig in Boston ist, kann Smith nicht wissen, ob der Ford tatsächlich Jones gehört, denn der Wagen könnte auch geliehen sein. Wir sehen auch hier, dass die Frage, ob allein die bloße Vermutung als Rechtfertigung ausreichend ist, um Wissen zu begründen.

Das Problem, welches sich von diesen Beispielen ableiten lässt, ist die Frage, wann etwas gerechtfertigt sein kann. In beiden Fällen kann man erkennen, dass die bloße Annahme alleine einen Mangel an Sicherheit besitzt und noch keine hinreichende Rechtfertigung ausmacht. Demnach muss die Rechtfertigung auch Sicherheit mit sich bringen. Doch wann besitzen wir Sicherheit? Kann es irgendetwas geben, was wirklich sicher ist?

Daher möchte ich nun meine Definition von „Rechtfertigung“ vorbringen und erläutern:

Sichere Rechtfertigung ist vollständige, wahrheitsgetreue und unanzweifelbare Evidenz.

Zum einen muss die Bedingung der Vollständigkeit gegeben sein. In Platon´s „Theaitet“ hat Sokrates festgestellt, dass die Wahrnehmung eine nicht sichere Quelle für Erkenntnis darstellt. Durch Täuschungen, Fehlinformationen des Gehirns oder einfach durch mangelnde Vollständigkeit glaubt man zwar, etwas wahrzunehmen oder zu wissen, aber dennoch ist es nicht wahr.

Dies kann man anhand eines modernen Beispieles deutlich machen, um die Vollständigkeit der Rechtfertigung aufzuzeigen. Das Spiel „Flüsterpost“ ist vielen bekannt. In einer Kette von Menschen beginnt der Erste mit einem Spruch und flüstert es seinem Nachbarn so, dass andere es nicht hören können. Und dieser muss den Satz, so wie er den Satz verstanden hat, seinem Nachbarn ins Ohr flüstern. Der Letzte, der den Satz geflüstert bekommt, muss den ihm geflüsterten Satz laut sagen, um zu überprüfen, ob dieser mit dem Ursprungssatz übereinstimmt. Meist kommen hier veränderte Satzgebilde heraus, was beweist, dass die Wahrnehmung keinesfalls vollständig sein kann und als mögliche Rechtfertigung nicht ausreichend ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Problem der Rechtfertigung
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Einführung in die Erkenntnistheorie
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
8
Katalognummer
V93102
ISBN (eBook)
9783638062848
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Problem, Rechtfertigung, Einführung, Erkenntnistheorie
Arbeit zitieren
Matthias Seidel (Autor:in), 2008, Problem der Rechtfertigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93102

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