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Eliminationsriten im Alten Testament am Beispiel des Rituals vom Jom Kippur (3. Mose 16)

Título: Eliminationsriten im Alten Testament am Beispiel des Rituals vom Jom Kippur (3. Mose 16)

Trabajo Escrito , 2006 , 23 Páginas

Autor:in: Tino Wiesinger (Autor)

Teología - Estudio bíblico
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Jemanden in die Wüste schicken – das ist in unserer Gesellschaft eine gebräuchliche Redewendung. So würde man beispielsweise ungeliebte Politiker häufig gerne „in die Wüste schicken“, sich ihrer also gleichsam entledigen. Wenn in der Politik etwas schief läuft, dann wird oft statt der wirklichen Ursache des Übels einfach ein „Sündenbock“ gesucht. Auch dieser Begriff ist in unserem Sprachraum gang und gäbe.
Beide Begriffe, „in die Wüste schicken“ und „Sündenbock“, sind biblischen Ursprungs. Sie gehen auf das Ritual des großen Versöhnungstages (3. Mose 16) zurück, bei welchem der Hohepriester des Volkes Israel vor Gott alle Sünden und Vergehen des Volkes bekennt und diese unter Handauflegen auf einen Ziegenbock überträgt. So wird der Ziegenbock zum „Sündenbock“ für das Volk Israel (3. Mose 16, 20ff.). Anschließend wird das Tier wortwörtlich „in die Wüste geschickt“, damit es die aufgeladenen Sünden weit fort trage.

Dieser „Eliminationsritus“, wie er im Alten Testament in 3. Mose 16 beschrieben wird, ist Gegenstand dieser Arbeit. Nach einer literarkritischen und formgeschichtlichen Annäherung an das Ritual vom Jom Kippur, so der hebräische Name des Versöhnungstages, wird dann im Wesentlichen der Sündenbockritus mit seinen unterschiedlichen Facetten und unter verschiedenen Blickwinkeln verstärkt in das Zentrum der Untersuchungen treten.
Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in der Untersuchung der Intertextualität von 3. Mose 16. Dementsprechend wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich ein solcher Eliminationsritus wie der am großen Versöhnungstag auch an anderen Stellen des Alten Testaments wieder findet. Die Textstellen 3. Mose 14, 4-7 sowie 5. Mose 21, 1-9 sollen dazu näher analysiert und kritisch hinterfragt werden.
Abschließend soll am Ende der Arbeit kurz ein Bezug zum Neuen Testament hergestellt und die Bedeutung des Sündenbockritus für die heutige Lebenswelt und die christliche Lehre nachvollzogen werden.
Die vorliegende exegetische Untersuchung beruht auf der Bibelübersetzung von Martin Luther in der revidierten Fassung von 1984. Dementsprechend beziehen sich auch die Abkürzungen der Bibelstellen sowie die Schreibung der biblischen Eigennamen auf diese Übersetzung. Aufgrund meiner nicht vorhandenen Hebräisch-Kenntnisse muss auf eine genauere textkritische Untersuchung verzichtet werden.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Ritual vom Jom Kippur (3. Mose 16)

2.1 Annäherung an den Text

2.1.1 Der narrative Rahmen des Textes

2.1.2 Abgrenzung der beschriebenen Sühneriten

2.1.3 Der sozialgeschichtliche Kontext des Textes

2.2 Der Sündenbockritus

2.2.1 Die Vorbereitung des Sündenbockritus

2.2.2 Der Ritus am lebenden Bock und der Gestus der Handaufstemmens

2.2.3 Das „Sündenbock“-Motiv in der heidnischen Ritualtradition

2.2.4 Asasel und der Sündenbock

2.3 Die Intertextualität von 3. Mose 16

2.3.1 Die Symbolik des Vogelrituals bei der Reinigung von Aussätzigen (3. Mose 14, 4-7)

2.3.2 Die Sühnung des von unbekannter Hand verübten Mordes (5. Mose 21,1-9)

3. Die Bedeutung des Sündenbockmechanismus für die heutige Lebenswelt und das Neue Testament: Jesus Christus als Sündenbock der Welt

4. Nachwort

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das alttestamentliche Ritual des Versöhnungstages in 3. Mose 16, insbesondere den Sündenbockritus, unter literarkritischen, formgeschichtlichen und intertextuellen Gesichtspunkten, um dessen Bedeutung für das Neue Testament und die heutige Gesellschaft zu erschließen.

  • Literarkritische und formgeschichtliche Analyse von 3. Mose 16.
  • Untersuchung des Sündenbockritus und seiner intertextuellen Bezüge.
  • Vergleich mit anderen alttestamentlichen Eliminationsriten (Vogelritual, Sühnung bei Mord).
  • Deutung der Asasel-Gestalt im rituellen Kontext.
  • Analyse des Sündenbockmechanismus in der heutigen Lebenswelt und im Neuen Testament.

Auszug aus dem Buch

2.2.3 Das „Sündenbock“-Motiv in der heidnischen Ritualtradition

Nach der in V. 21 beschriebenen Sündenübertragung folgt in V. 21b.22 der eigentliche Eliminationsritus. Der Bock wird stellvertretend für die Sünden des israelitischen Volkes in die Wüste geschickt und trägt die Schuld Israels hinaus zu Asasel. Martin Noth erklärt, dass im Kontext von 3. Mose 16 „mit der ‚Wüste’, […] die das Lager Israels am Sinai […] umgebende Wüste gemeint“ sei. Jedoch ist, wie bereits erläutert, der Sündenbockritus eine nachträgliche Hinzufügung zum Ritual der Tempelreinigung und dem der „Priesterführung“ und „stellt aber sicher einen sehr alten Ritus dar, der einmal außerhalb des jetzigen Zusammenhangs eine selbständige Rolle gespielt hatte“. Wie Erhard S. Gerstenberger zudem ausführt, zeigt der Sündenbockritus „außer dem Namen Aaron absolut nichts Israelitisches oder Jahwistisches.“ Es scheint also eine Verknüpfung eines heidnischen Brauches mit dem „Jahwefest“ vorzuliegen.

Laut Bernd Janowski und Gernot Wilhelm weise der in 3. Mose 16, 20-22 beschriebene Sündenbockritus in den Bereich südanatolisch-nordsyrischer Ritualtradition zurück, von wo aus dieser Eliminationsritus in den palästinisch-israelitischen und in den ionisch-griechischen Überlieferungsbereich vorgedrungen sei. Das biblische Ritual stehe am Ende eines langen Entwicklungsprozesses, „der sich im altsyrisch-kanaanäischen Bereich bis nach Ugarit zurückverfolgen“ lasse. In diesem Zusammenhang führen Janowski und Wilhelm hethitische Pestrituale an, die mehrfach vorschrieben, Widder mit verschiedenfarbenen Wollfäden zu versehen und ins Feindesland zu treiben.

Auch Hans Martin Kümmel sieht eine Verbindung zwischen dem biblischen Eliminationsritus in 3. Mose 16 und dem hethitischem Brauchtum. So stellt Kümmel einen Zusammenhang zu den hethitischen Ersatzkönigritualen her, bei denen in bedrohlichen Situationen meist Kriegsgefangene mit dem König die Rolle tauschen und statt des Königs beispielsweise in Kriegsgebiete geschickt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung, Zielsetzung und des methodischen Vorgehens der Arbeit im Kontext des Sündenbockmotivs.

2. Das Ritual vom Jom Kippur (3. Mose 16): Detaillierte exegetische Analyse des Rituals inklusive narrativem Rahmen, Sündenbockritus, Intertextualität und der Rolle Asasels.

3. Die Bedeutung des Sündenbockmechanismus für die heutige Lebenswelt und das Neue Testament: Jesus Christus als Sündenbock der Welt: Untersuchung der Relevanz des Sündenbockkonzepts in der Moderne und seiner theologischen Einordnung im Neuen Testament.

4. Nachwort: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung der Opferriten für das heutige Verständnis von Sühne und Elimination.

5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

3. Mose 16, Jom Kippur, Sündenbock, Eliminationsritus, Asasel, Altes Testament, Neues Testament, Sühne, Ritual, Versöhnungstag, Handaufstemmen, Intertextualität, Heiligkeitsgesetz, Opfer, Schuld.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Sündenbock-Ritual des alttestamentlichen Versöhnungstages (Jom Kippur) in 3. Mose 16 und dessen Bedeutung für den biblischen und gesellschaftlichen Kontext.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die literarkritische Untersuchung von 3. Mose 16, die Erforschung heidnischer Einflüsse auf Eliminationsriten sowie die Übertragung des Sündenbock-Motivs auf neutestamentliche Konzepte und moderne Gesellschaftsphänomene.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Funktionsweise des Eliminationsritus zu verstehen, seine intertextuellen Bezüge zu anderen Bibelstellen zu klären und die Stichhaltigkeit des Mechanismus für heutige Lebenswelten und den christlichen Glauben zu prüfen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt literarkritische und formgeschichtliche Annäherungen an den biblischen Text, ergänzt durch religionsgeschichtliche Vergleiche mit Ritualtraditionen des alten Orients.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Sühneriten am Jom Kippur, der Interpretation der Asasel-Gestalt, einem Vergleich mit dem Vogelritual aus 3. Mose 14 und dem Ritus der Sühnung bei unbekanntem Mord in 5. Mose 21.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sündenbock, Eliminationsritus, 3. Mose 16, Jom Kippur, Asasel, Sühne und Intertextualität.

Inwiefern beeinflussten heidnische Ritualtraditionen das biblische 3. Mose 16?

Der Autor führt aus, dass der Sündenbockritus historisch eng mit südanatolisch-nordsyrischen und hethitischen Ritualen (wie etwa Pestritualen) verknüpft ist, die eine Elimination von Unheil durch Übertragung auf ein Tier vorsahen.

Wie deutet der Autor die Rolle Jesu Christi im Kontext dieses Sündenbockmechanismus?

Der Autor ordnet den Tod Jesu Christi als „Sündenbock der Welt“ ein, der die durch menschliche Sünde zerstörte Kosmosordnung wiederherstellt und somit das Sündenbock-Motiv des Alten Testaments auf die gesamte Menschheit ausweitet.

Final del extracto de 23 páginas  - subir

Detalles

Título
Eliminationsriten im Alten Testament am Beispiel des Rituals vom Jom Kippur (3. Mose 16)
Universidad
University of Kassel  (Ev. Theologie / Religionspädagogik)
Curso
Schuld und Sühne im Alten Testament
Autor
Tino Wiesinger (Autor)
Año de publicación
2006
Páginas
23
No. de catálogo
V93135
ISBN (Ebook)
9783638065214
ISBN (Libro)
9783638952118
Idioma
Alemán
Etiqueta
Eliminationsriten Alten Testament Beispiel Rituals Kippur Mose Schuld Sühne Alten Testament Exegese Altes; Sündenbock Ritus
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Tino Wiesinger (Autor), 2006, Eliminationsriten im Alten Testament am Beispiel des Rituals vom Jom Kippur (3. Mose 16), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93135
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