Vor dem Hintergrund der Unterrepräsentation von Frauen in hochbezahlten Berufen und der damit einhergehenden Diskriminierung aufgrund des Geschlechts auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird in der Arbeit der Einfluss von geschlechtsspezifischer Sprache in Stellenausschreibungen auf die wahrgenommene Attraktivität der ausgeschriebenen Stelle bei Young Professionals in Deutschland untersucht.
Stellenausschreibungen sind in der Regel der erste Berührungspunkt zwischen Bewerber und Unternehmen, weshalb es für die Gewinnung geeigneter Kandidat von zentraler Bedeutung ist, diese mit einer zielgruppengerechten Ansprache zu einer Bewerbung zu bewegen. Die vergangene Forschung zeigt, dass geschlechtsspezifisch-adressierte Formulierungen in Stellenausschreibungen existieren und diese einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Stellenattraktivität ausüben.
Dazu haben die Versuchspersonen jeweils eine Ausschreibung (entweder weiblich- oder männlich-adressiert formuliert) vorgelegt bekommen, auf dessen Grundlage die wahrgenommene Stellenattraktivität gemessen wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen eine weiblich-adressiert ausgeschriebene Stelle wesentlich attraktiver wahrnehmen als eine männlich-adressiert ausgeschriebene. Für Frauen mit einer stark ausgeprägten weiblichen Geschlechterrollenorientierung ist dieser Effekt dabei größer als bei Frauen mit einer androgynen Geschlechterrollenorientierung. Für Männer konnte kein signifikanter Unterschied in der Wahrnehmung der Stelle aufgrund von geschlechtsspezifischen Formulierungen festgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Begriffsdefinitionen und -erklärungen
2.1.1 Stellenausschreibungen
2.1.2 Young Professionals
2.2 Geschlechtsspezifik und -stereotypen
2.2.1 Die Bedeutung von Geschlecht
2.2.2 Geschlechtsstereotypen als Erklärungsmuster für Geschlechtsspezifik
2.2.3 Gesellschaftliche Auswirkungen von Geschlechtsspezifik und -stereotypen
2.3 Geschlechtsspezifisch-adressierte Sprache in Stellenausschreibungen
3 Forschungsfrage und abgeleitete Hypothesen
3.1 Entwicklung der Forschungsfrage
3.2 Ableitung der Hypothesen
4 Methodisches Vorgehen
4.1 Forschungsdesign
4.2 Operationalisierung der unabhängigen Variablen
4.2.1 Geschlechtsspezifische Stellenformulierung
4.2.1.1 Allgemeine Konzipierung der Stellenausschreibungen
4.2.1.2 Manipulation der Stellenausschreibungen
4.2.2 Geschlecht und Geschlechterrollenorientierung
4.3 Operationalisierung der abhängigen Variable
4.4 Inhaltliche Übereinstimmung als Kontrollvariable
4.5 Stichprobenplanung und Ausschlusskriterien
4.6 Fragebogengestaltung
4.7 Durchführung und Datenerhebung
4.8 Versuchspersonenstichprobe
5 Ergebnisse
5.1 Überprüfung der internen Konsistenz der verwendeten Skalen
5.2 Zusammenhang von inhaltlicher Übereinstimmung und Stellenattraktivität
5.3 Auswertung der wahrgenommenen Stellenattraktivität
5.4 Auswertung der Geschlechterrollenorientierung
6 Diskussion
6.1 Limitationen und kritische Reflexion
6.2 Implikationen für die weitere Forschung und Praxis
7 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Einfluss von geschlechtsspezifischer Sprache in Stellenausschreibungen auf die wahrgenommene Attraktivität der ausgeschriebenen Stelle bei Young Professionals in Deutschland. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, ob und inwiefern geschlechtsspezifisch-adressierte Formulierungen das Interesse potenzieller Bewerberinnen und Bewerber beeinflussen und ob hierbei die Ausprägung der individuellen Geschlechterrollenorientierung eine moderierende Rolle spielt.
- Wirkung geschlechtsspezifischer Sprache in Stellenanzeigen
- Wahrgenommene Attraktivität von Vakanzen bei Young Professionals
- Einfluss der individuellen Geschlechterrollenorientierung
- Subtile sprachliche Diskriminierungseffekte im Recruiting
Auszug aus dem Buch
2.2 Geschlechtsspezifik und -stereotypen
Vorab ist zu erwähnen, dass in der folgenden Forschung nur auf die binären Geschlechter „weiblich“ und „männlich“ Bezug genommen wird, da eine Einbeziehung des Dritten Geschlechts den Umfang dieser Arbeit überschreiten würde.
Der Geschlechterbegriff wird in der Literatur auf verschiedene Weise definiert: Zum einen geht es um das biologische Geschlecht (engl. sex), welches auf der Herausbildung biologischer Merkmale und der physischen Entwicklung basiert (Athenstaedt & Alfermann, 2011), zum anderen um das psychosoziale Geschlecht (engl. gender), welches losgelöst von biologischen Merkmalen die Geschlechtsidentität eines Individuums als soziale Kategorie beschreibt (Villa, 2019). Eine Konzeption des psychosozialen Geschlechterbegriffs ist die Geschlechterrollenorientierung nach Bem (1974). Diese meint den Grad der Orientierung an von der Gesellschaft gefestigten geschlechtsbezogenen Merkmalen. Bem (1974) definiert dabei drei Dimensionen, welche die Geschlechterrollenorientierung beinhaltet: Maskulinität, Femininität und Androgynität. Maskulinität vereint hierbei von der Gesellschaft als „typisch männliche“ beschriebene Merkmale und Verhaltensweisen, während Femininität entsprechend für „typisch weibliche“ Eigenschaften steht. Als androgyn werden Individuen bezeichnet, die sowohl eine weibliche als auch eine männliche Geschlechterrollenorientierung aufweisen (Bem, 1974). Eine Reihe von Studien legt dar, dass die Geschlechterrollenorientierung zum einen die Informationsverarbeitung (Bem, 1981), zum anderen aber auch das Verhalten (Bem & Lewis, 1975) von Individuen beeinflusst.
Das Geschlecht ist insgesamt ein maßgebliches Ordnungsschema für die Gesellschaft (Biskup, 2013), was sich in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens widerspiegelt: So wird im Sport stets in Frauen- und Männermannschaften unterteilt, in der Mode werden verschiedene Linien spezifisch für Frauen und spezifisch für Männer produziert und es gibt getrennte Toiletten für Frauen und Männer (Goffman & Knoblauch, 1994), um nur ein paar Beispiele zu nennen. Im Laufe ihres Lebens erwerben Individuen Kenntnisse darüber, welche Stereotypen dem weiblichen und männlichen Geschlecht zugeschrieben werden. Einzelne Geschlechterstereotypen werden als für sich zutreffende Eigenschaften akzeptiert und als Teil des eigenen Selbstkonzeptes im Zuge der Geschlechterrollenorientierung aufgenommen (Bem, 1974; Biskup, 2013). Darauf wird im Folgenden näher eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik der Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen und die Bedeutung von Stellenausschreibungen als ersten Berührungspunkt zur Gewinnung geeigneter Zielgruppen.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Stellenausschreibungen und Young Professionals und beleuchtet die Bedeutung von Geschlecht sowie die Rolle von Geschlechtsstereotypen bei der Wahrnehmung von Sprache.
3 Forschungsfrage und abgeleitete Hypothesen: Hier wird basierend auf dem Forschungsstand die Fragestellung entwickelt und die Hypothesen über den Einfluss geschlechtsspezifischer Formulierungen auf die wahrgenommene Stellenattraktivität abgeleitet.
4 Methodisches Vorgehen: Das Kapitel erläutert das quasi-experimentelle 2x2 Forschungsdesign, die Operationalisierung der Variablen, die Konzipierung der manipulierten Stellenausschreibungen sowie die Durchführung der Online-Umfrage.
5 Ergebnisse: Hier werden die erhobenen Daten statistisch ausgewertet, die Reliabilität der Skalen geprüft und die aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der Wahrnehmung der Stellenattraktivität und Geschlechterrollenorientierung analysiert.
6 Diskussion: Dieses Kapitel reflektiert kritisch die Limitationen der Studie, wie die Stichprobenzusammensetzung und das Studiendesign, und leitet Implikationen für die weitere Forschung und Praxis ab.
7 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, wonach geschlechtsspezifische Sprache subtil die Stellenattraktivität für Frauen beeinflusst und Handlungsempfehlungen für Unternehmen gibt.
Schlüsselwörter
Geschlechtsspezifik, geschlechtsspezifische Sprache, Stellenausschreibungen, Recruiting, Stereotypen, Geschlechterrollen, Gender, Young Professionals, Stellenattraktivität, Geschlechterrollenorientierung, Diskriminierung, Personalmanagement, Online-Umfrage, SoSci Survey
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht, ob und wie die Verwendung von männlich- oder weiblich-adressierter Sprache in Stellenausschreibungen die Wahrnehmung der Attraktivität dieser Stellen durch Young Professionals beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Themen aus der Wirtschaftspsychologie und dem Personalmanagement, insbesondere die Bereiche Geschlechterforschung, sprachliche Stereotypisierung in Jobanzeigen und die psychologische Wirkung auf die Eignungswahrnehmung und Attraktivität einer Vakanz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu klären, inwiefern geschlechtsspezifisch-adressierte Formulierungen in Stellenausschreibungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt die wahrgenommene Attraktivität der Stelle bei der Zielgruppe der Young Professionals beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein quantitatives, quasi-experimentelles 2x2 Between-Subjects-Design gewählt. Über einen Online-Fragebogen (SoSci Survey) wurden Versuchspersonen randomisiert entweder eine weiblich- oder männlich-adressierte Stellenausschreibung zur Bewertung vorgelegt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt den theoretischen Hintergrund zu Geschlechtsstereotypen und Sprache, die Herleitung der Hypothesen, das methodische Design der Datenerhebung sowie die statistische Analyse der Ergebnisse inklusive der Auswertung von Geschlechterrollenorientierungen ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Geschlechtsspezifik, Stellenausschreibungen, Recruiting, Geschlechterrollen, Gender und Stellenattraktivität charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Geschlechterrollenorientierung?
Die Geschlechterrollenorientierung dient als moderator-variable (UV3). Es wird untersucht, ob Frauen, die sich stark mit weiblichen Stereotypen identifizieren, unterschiedlich auf die geschlechtsspezifische Sprache reagieren als androgyn orientierte Frauen.
Was sind die Hauptergebnisse der Studie?
Frauen empfinden Stellen mit weiblich-adressierten Formulierungen als deutlich attraktiver als solche mit männlich-adressierten Formulierungen. Bei Männern zeigte sich hingegen kein signifikanter Einfluss der sprachlichen Manipulation auf die wahrgenommene Stellenattraktivität.
Welche Empfehlungen leitet die Autorin für die Praxis ab?
Unternehmen sollten sich der subtilen Wirkung ihrer Sprache bewusst werden und, um die Zielgruppe der Frauen gezielter anzusprechen, vermehrt weiblich-adressierte Formulierungen in Stellenausschreibungen in Erwägung ziehen, ohne dabei die Attraktivität für Männer zu mindern.
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- Pia Wiese (Author), 2020, Geschlechtsspezifik in Stellenausschreibungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/931506